Deutschland
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Algerien

Deutschland-Algerien im 11FREUNDE-Liveticker

Manu, der Libero

Erst passierte lange nichts. Dann musste Manuel Neuer auf der alten Matthias-Herget-Position ran und Libero spielen. Immerhin: Andre Schürrle und Mesut Özil nahmen ihm das Toreschießen ab. Zum Viertelfinale gegen Frankreich empfiehlt sich der Ticker als Vorstopper.

11:26 Uhr

Guten Morgen. Ein Mist ist das, was vor uns liegt: Wer zum Teufel stoppt diesen Madjer? Auge? Schlindwein? Dickgießer? Alle drei? Mein Gott, habe ich Angst vor diesem Angstgegner.

11:35 Uhr

Immerhin: Aus dem algerischen Lager heißt es, man wolle »das Überraschungsteam Deutschland auf keinen Fall unterschätzen«, man habe vor allem Respekt vor »Meier oder wie der heißt«. Geht doch. Wer friert uns diesen Moment ein? 

11:31 Uhr

Und wie ist die Stimmung im deutschen Lager? Fragen wir Franz-Josef Wagner, das zerbrochene Barometer der Schland-Befindlichkeiten. In seiner heutigen »Post« schreibt dieser Mensch:

»Liebe Algerier, wenn ihr heute mit Bitternis und Racheherzen gegen uns spielt, dann verstehe ich Euch. Ihr seid die Söhne der Söhne, deren Väter vor 32 Jahren betrogen wurden. Ihr seid bereit, das Gestrige zu rächen. Söhne der Söhne. Man hat Euch von Gijon erzählt. Ihr seid als Kleinkinder aufgewachsen mit Gijon. In einem Zelt in der Sahara. In einer Zweizimmerwohnung in Algier. Beim Nuckeln an der Brust Eurer Mutter habt ihr das Wort Gijon gehört. Niemals wurde eine Nationalmannschaft so betrogen wie Algerien. Es ist so lange her. 32 Jahre. Ab der zehnten Minute, als Hrubesch sein Tor geschossen hatte, hörten Deutsche und Österreicher mit dem Fußballspielen auf. Weil sie damit beide weiterkamen und Algerien flog raus. Die Zuschauer in Spanien schwenkten weiße Taschentücher. Sie schwenken diese Taschentücher, wenn ein Stierkämpfer feige ist. Manche Zuschauer schwenkten Geldbündel, weil sie glaubten, dass alles Bestechung ist. Der Reporter des deutschen Fernsehens übertrug das Spiel nicht mehr. Ein österreichischer Kollege sagte: Schalt den Fernseher ab. Wenn ein Kind der Wüste solche Geschichten hört, dann greift es zum Dolch. Algerien wird bis zum letzten Mann kämpfen. Herzlichst, F. J. Wagner«

Darauf einen Dujardin. Übrigens: Wenn ein Kind der norddeutschen Tiefebene solch einen Dreck liest, dann greift es zur Sense. Herzlichst, D. G. Gieselmann.

11:38 Uhr

Transferhammer! Toni Kroos wechselt angeblich zu Real Madrid, dem designierten Halbfinalgegner der Deutschen. Der Mittelfeldlenker hat Oliver Bierhoffs Angebot ausgeschlagen: »Was soll ich mit einem Vorratsglas Nutella? Wer mich kennt, der weiß, dass ich eher der Nusspli-Typ bin.«  

11:47 Uhr

Das ist doch mal ’ne irre Neuigkeit: Mesut Özil hat dem »kicker« verraten, dass er »nicht schon wieder knapp scheitern« wolle. Muss die Geschichte der Fußballergefühle jetzt neu geschrieben werden? Welche Interview-Scoops warten da noch auf uns? Löw: »Niederlagen machen nicht so viel Spaß wie Siege!« Klose: »Ich bin nicht mehr so jung wie mit 20!« Und Hummels: »Ich würde nie zugeben, dass ich mich für Cathy schäme!«

11:53 Uhr

Und da haut Philipp Lahm, zuverlässiger Lieferant von Jahrhundertzitaten, auch schon einen raus: »Was wir nicht machen dürfen, ist verlieren«, sagt der Kapitän auf der PK. Ob sie sich das merken können? Jerome Boateng ist schon zum DFB-Tätowierer geeilt, um sich diesen Satz sicherheitshalber auf den Unteram stechen zu lassen: »Never Forget: Don’t lose. Carpe diem.«

12:01 Uhr

Die Mädels auf der Fanmeile sind total zerrissen: Darf man solche Gegner schlagen? Süüüüüüß. Aber der Mario Götze doch auch! Was nun? :-(

12:29 Uhr

Ein Blick auf das, was abseits der WM so läuft. Hertha BSC II: »Nico Schulz erzielt nach Vorarbeit von Hany Mukhtar das erste Tor der Vorbereitung.« Leverkusen: »Die erste Einheit unter Roger Schmidt ist vorüber. Mittlerweile regnet es in Strömen in Leverkusen.« Schalke: »Heute erstes U23-Training - später geht's ins Trainingslager nach Duisburg!« Ein Blick auch auf das, was uns erwartet, sollte die WM heute für uns vorbei sein. Deutschland-Algerien 1:2 n.V. – strömender Regen in Leverkusen. Ich zitiere Philipp Lahm: »Was wir nicht machen dürfen, ist verlieren.«

12:50 Uhr

Einfach mal die ollen Karteikarten wegwerfen, die korrekte Aussprache von Spielernamen für einen Moment vergessen, die Seele baumeln, ja: Bungee springen lassen – na, wie wär’s heute Abend, Bela Rethy?

14:23 Uhr

Bundestrainer Löw sagt, er sei »absolut entspannt«. Fragen: Kann jemand, der das Wort »absolut« benutzt, überhaupt entspannt sein? Oder ist damit eine Art professioneller Superentspannung gemeint, die Unsereins gar nicht kennen kann, der mit Entspannung assoziiert, dass er sich bloß mal unbeobachtet am Sack kratzen kann? Und wie schaltet ein absolut Entspannter auf absolute Spannung um? Die Antworten liegen irgendwo am DFB-Pool im Campo Bahia.

14:30 Uhr

Gerade weinend über einem Özil-Porträt im neuen »Spiegel« zusammengebrochen. Sein Lieblingstier sei, so heißt es da, der Löwe. Er selbst ähnele aber vielmehr Sid, dem Faultier aus »Ice Age«. Dazu Özil auf Nachfrage: »Du kennst mich ja. Ich bin zu faul, um nachtragend zu sein.«

 

14:38 Uhr

Tja, was weiß man über Algerien? Rabah Madjer kennt man, Yves Saint Laurent ist auch da geboren (in Oran) – und Albert Camus natürlich, der Schöpfer berühmter Bahnhofspostkartensprüche wie »Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können«, »Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin« und natürlich »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Übrigens der Lieblingssatz von Bundespräsident Joachim Gauck. Deutsche und Algerier: Sie sind einander ja so nah. Warum dann immer diese Hassduelle? Bis später, liebe Fans.

20:39 Uhr

Da sind wir wieder. Eben gerade interviewt das ZDF einen Mann mit dem Namen Michael Super. Wenn jetzt noch Max Power ins Bild tritt, gehe ich morgen zum Amt und stelle einen Namensantrag für Andreas Yeah.

20:45 Uhr

Außerdem erfahren wir vor dem Spiel: Die Damen des ZDF sind hin und weg von Jogi Löws Wet-Look aus dem USA-Spiel. Wird er sich demnächst umstylen? Und wenn ja, was macht dann der Herr links im Bild?

20:51 Uhr

Jetzt talkt Brazzo (Hassan Salihamidzic) ganz locker mit dem Tünn (Toni Schumacher). Für die Pointen reicht der Platz hier nicht. Daher nur soviel: Es geht um Fußball.

21:31 Uhr

Die Fifa informiert übrigens, dass seit heute das »Fotografieren mit Mobiltelefonen, iPads oder Kameras auf der Medientribüne untersagt ist«. Die Aufregung unter den Journalisten ist nun groß. Hier eines der letzten Selfies, das uns unser Mann in Brasilien, Tim Jürgens, vor Verabschiedung dieses neuen Fifa-Super-Gesetzes schickte. Es zeigt einen Journalist am Ende seiner Kräfte.

21:39 Uhr

Doch das Wichtigste ist eh, dass Lukas Podolski noch fotografieren darf. 24 Minuten vor dem Anpfiff informiert er uns, dass gleich das Achtelfinale zwischen Deutschland und Algerien stattfindet. Wir bleiben mit fragenden Gesichtern zurück: What in the world happened to Poldis Daumen?

21:44 Uhr

Gerade wollten wir uns schon beschweren, denn das ZDF zeigte bislang noch keine Bilder von Jogi Löw am Strand. Nun aber doch: Jogi am Strand. Allerdings nicht wie sonst joggend, sondern auf einem Stein sitzend. In Existenzialistenpose. Wir sind besorgt. Hat er sich verletzt? Oder hat Oliver Bierhof ihm gestern Abend seine Biografie als Einschlaflektüre mitgegeben? Antworten auf diese Fragen gleich, in 16 Minuten.

21:50 Uhr

Bela Rethy, der ZDF-Wetterfrosch des Grauens, kündigt jetzt den »Deutschen Herbst« an. Und Helmut Schmidt verschluckt daheim in Brahmsee seine Menthol-Zigarette vor Schreck.

21:52 Uhr

Die Spieler in den Katakomben. Mertesacker richtet sich mit aufreizender Geste die Haare, fast ladylike, die Algerier hingegen haben sich die Haare abrasieren und dann wieder auftätowieren lassen. Die Vorentscheidung?

21:54 Uhr

Die deutsche Hymne, Özil und Boateng schweigen sich aus wie zwei Konfirmanden im Gottesdienst, die es nur auf die Kohle aus den Briefumschlägen abgesehen haben, Götze hingegen ist wieder ganz eng im Kontakt mit seinem persönlichen Fußballgott, den Blick stramm nach da oben gerichtet, hallo, Papa, ich bin’s, deine kleine Erfindung, bitte mach, dass ich funktioniere heute Abend, HDGDL, dein Super-Mario! ;-)

21:57 Uhr

Und jetzt wieder diese albernen Arme-verschränken-Filmchen, geklaut bei den American Gladiators. So wie ja auch Mustafi, der dort bis vor kurzem noch Malibu hieß.

1.

Hey! Anstoß, guter alter Freund. Toll, dass die Fifa dich noch nicht abgeschafft hat.

2.

0:0 noch immer. Die Deutschen spielen sich den Ball zu, die algerischen Fans pfeifen, und ja: die ersten wedeln tatsächlich schon mit Geldscheinen.

4.

Müller im Abseits. »Kenn ich«, sagt Khedira auf der Bank und weint, ohne es zu wissen.

5.

Boateng mit dem alten Spiel: Erst loslaufen, wenn es schon zu spät ist, und dann zeigen, dass er der Schnellste ist, aber eben nicht schnell genug. »Bruder Leichtfuß« nannten wir deshalb vor 28 Jahren, bei der WM in Mexiko, Thomas Berthold. Und Boateng? Nennen wir ihn halt »Bro’ Lightfoot«.

7.

Mertesacker jetzt als Spielmacher. Was ungefähr so elegant aussieht, als würde Lahm im Tor stehen. Wie weit dürfen Löws Experimente gehen?

8.

Und weil Mertesacker nun mal Spielmacher sein möchte, muss Neuer jetzt den Innenverteidiger geben, klärt gegen den erschreckend entschlossen heransprintenden Slimani. Frage am Rande: Wer steht jetzt eigentlich im Tor? Er wird doch wohl nicht...

10.

Deutschlands Defensive im Moment so souverän wie Bernd Lucke auf Anne Wills Beistellcouch. Gibt es eine Alternative zu Deutschland? Also: eine echte?

12.

Trotz der Schockmomente in der deutschen Defensive: Jogi und Hansi bleiben cool. Wie immer halt.

14.

Die Taktik Algeriens haben wir längst durchschaut: Flach auf den Boden legen und den Ball ins Tor robben. Oder gibt es einen anderen Grund, dass die Trikots den identischen RGB-Farbcode aufweisen wie der Rasen?

15.

Jetzt geht's rasant hin und her. Zunächst hat Schweinsteiger die erste richtige Chance für die DFB-Elf. Dann taucht wieder ein Algerier gefährlich im deutschen Strafraum auf. Neuer wusste übrigens schon vorher, wie die Algerier ticken. Seine Prognose im »kicker« lautete: »Sie rennen rauf und runter.« Wir hatten da noch angenommen, sie bleiben nach dem Anpfiff einfach stehen. Aber deswegen sitzen wir eben hier – und Neuer steht auf dem Rasen in Porto Alegre, wo er den Schuss des Algeriers einfach über die Latte guckt.

17.

TOOOOOR! Ach, nein, doch nicht. Oder? Wie? Warum? Was? Ist? Hier? Los? Gaaanz langsam: Flanke von Slimani in den Strafraum auf Soudani. Der köpft ein wie Letchkov 1994. Einziger Unterschied: Sein Gegenspieler ist der circa 2,20 Meter große Per Mertesacker und nicht der 1,30 Meter kleine Thomas Häßler. Doch bevor wir einen Herzkollaps bekommen, pfeift der Schiedsrichter ab. Abseits.

19.

Algerien jetzt wie Spanien 2010. Tiki-Taka und stetiger Drang zum Tor. Deutschland dagegen wie der VfL Bochum 1994. Wäre die Mannschaft zum jetzigen Zeitpunkt ein Ausflug, wäre sie eine Ü-60-Wattwanderung an der Nordsee. 

23.

Wie heißt es immer so schön: Es fehlt die Bindung zum Spiel. Uns, weil wir die Abfahrt des Mannschaftsbusses zum Stadion verpasst haben. Mesut Özil, weil er seinen Mittagsschlaf anscheinend mal wieder auf einen Nachmittagsschlaf ausgedehnt hat.

24.

Grippe! Bei Hummels haben ja bekanntlich die Abwehrkräfte versagt. Der war aber wenigstens so ehrlich, es zuzugeben.

24.

Jetzt mal ganz naiv gefragt: Kennen sich die deutschen Spieler überhaupt? Ich meine: nicht nur aus dem Fernsehen? Die Ecke legt den Verdacht nah, dass sie sich eben im Bus zum ersten Mal getroffen haben. »Du bist also der Kroos!« – »Ja, äh, ich schieß die Ecken.« – »Hast du’n Glück, ich spiel linker Verteidiger.«

26.

Die etwas andere Meinung, Teil 1: Algerien ist der erwartet leichte Gegner.

27.

Neuer scheint Mustafi nun überhaupt nicht mehr zu vertrauen, steht praktisch die ganze Zeit drei Meter hinter ihm. Wann sagt er: »Komm, geh du in’ Kasten, Junge! Hat ja keinen Zweck.« Ist Mustafi vorhin als Letzter gewählt worden?

28.

Wie behämmert Schland-Fans aussehen, wenn sie nachdenklich sind: Wie Schlümpfe in einem Antiquariat.

29.

Die etwas andere Meinung, Teil 2: Özil wird’s schon richten.

31.

Jetzt, da sie fast alle Schattierungen der Bedrohung schon mal ausprobiert haben, gönnen die Deutschen den Algeriern auch noch ’nen Freistoß aus Idealposition. Und dann, als Nachtisch, noch ’nen Konter, och, warum denn nicht? Und im Campo Bahia tollen schon die ersten Äffchen durchs Lounge-Zelt. Möge sich die Natur all das möglichst schnell zurückholen.

33.

Chance für Schland. Kurz zusammengefasst: Schlance.

36.

Bei Deutschland, so informiert Bela Rethy, machen sich schon vier Spieler warm. Nicht darunter ist allerdings R2D2. Er hat keine Zeit, er hängt im Whirlpool ab. Mit zwei Außenverteidigern.

38.

Kurze Zwischenfrage: Was macht Algeriens-Wunderstürmer und Bayern-Schreck Rabah Madjer eigentlich heute? Falls er immer noch mit Lederhose und Bayern-Freistaat-Schild in der Sahara sitzt und Uli Hoeneß zuwinkt, müssen wir ihm leider mitteilen: Es ist gut jetzt, Uli kann dich nicht mehr sehen.

40.

Nächste Großchance für Algerien. Boateng fälscht einen Ball gefährlich ab, danach Ecke, und Manuel Neuer muss raus. Rethy meint: »Man könnte fast sagen, Neuer ist der beste deutsche Abwehrspieler.« Man könnte auch sagen: Manu, der Libero. In der Hauptrolle: Thommy Ohrner.

42.

Jetzt Riesenchance für Deutschland. Zunächst Toni Kroos mit einem Fernschuss, den M'Bohli zu Mario Götze abprallen lässt. Doch Götze scheint ein wenig verwirrt, so dass er den Ball in bester Kreisligamanier auf den Mann schießt. Rethy und wir würden ihn gerne fragen, was er sich dabei gedacht hat, doch da setzt sich Götze wieder seine Mammut-Kopfhörer auf und verschwindet in einem imaginären Spielertunnel.

44.

Noch eine Minute bis zur Halbzeitpause. Zeit zum Durchatmen. Zeit, noch einmal darüber nachzudenken, dass das hier weder Bulgarien 1994 noch Kroatien 1998 ist. Vielleicht mit einer Videobotschaft von Thomas Strunz.

45.

Bela Rethy hat tatsächlich bis zu Halbzeitpause gewartet, bis er den Begriff »Wüstenfüchse« zum ersten Mal ins Mikrofon haucht. Wir sind sofort wieder in unseren Jugendträumen. Auf Pferden durch die Wüste, mit Karl May nach Australien oder Rumänien unterwegs. Egal, Hauptsache weit weg von hier.

22:48 Uhr

Sehen wir es halt mal so: Ein Viertelfinale zwischen Algerien und Frankreich ergibt sich eben aus einer historischen Zwangsläufigkeit heraus. Schiedsrichter dieser Partie: Albert Camus.

22:48 Uhr

Panik in der Kabine. Löw: »Dürfen wir jetzt noch nachnominieren?« Flick: »Wie viele denn?« Löw: »Alle! Bis auf den Keeper, der spielt Libero.« Flick: »Ich schick mal ’n Fax.«

22:52 Uhr

Die etwas andere Meinung, Teil 3: Vielleicht ist den Deutschen ja kalt!

22:54 Uhr

Er will nur helfen: Olli Kahn trägt das Trikot schon unterm Versicherungsvertretersakko und die Handschuhe unter der Haut, rennt mitten in der Analyse los, schreiend, hinein in die Nacht. Dieses Spiel gewinnt er allein. Wie damals, in Madrid.

46.

Anpfiff! Und jetzt, Jogi? Ach, du weißt es doch auch: Haare nach hinten betonieren und Muckis zeigen!

48.

»Fast eine Möglichkeit«, trauert Rethy. Doch kurz darauf ergibt sich eine nächste: Nach Flanke von Kroos steigt Mustafi hoch und nickt den Ball in Richtung Tor. M'Bohli kann allerdings nur müde lachen über diesen Ball. Hätte er einen Minigolfschläger parat, so würde er den Ball volley im Loch an der gegenüberliegenden Eckfahne versenken. So aber fängt er ihn mit dem kleinen Zeh.

50.

Bislang erinnert das Spiel ein wenig an das WM-Achtelfinale 1986 gegen Marokko. Damals rettete Lothar Matthäus mit seinem Tor in der 88. Minute die Deutschen. Doch der ist heute weit weg. Vermutlich auf einem roten Teppich in Ost-Europa oder bei einem Fotoshooting für die »Gala Men«. Doch ist Algerien überhaupt Marokko? Wer kann dieses Mal helfen? Werden wir die 88. Minute überhaupt so jung erleben? Und wie geht's Matthias Herget eigentlich?

51.

Jetzt greift Algerien mit vier Stürmern an, während Deutschland ebenfalls mit vier Spielern verteidigt. Mit größter Mühe wird die Chance vereitelt. Rethy sagt: »Uff!« Wir sagen: In der deutschen Defensive herrscht bisweilen eine Ordnung wie bei Familien, die ihre Wohnungen für RTL2-Dokusoaps präsentieren.

54.

Jogi Löw sagte übrigens vor dem Spiel: »Die WM ist ein Marathon, kein 100-Meter-Sprint.« Hätte er den Satz in der Kabine noch einmal wiederholen sollen? Einige Spieler denken jedenfalls nach wie vor, die WM wäre ein Strandspaziergang – mit gelegentlichen Jogging-Einlagen.

55.

Jetzt aber: »Riesenchance für Deutschland!«, jubelt Rethy. Und tatsächlich: Lahm zieht aus 22 Metern ab, und M'Bohli muss seinen Teleskoparm ausfahren, um den Ball über die Latte zu lenken. Mesut Özil wird vom Lärm der Zuschauer ein bisschen unruhig. Schläft dann aber weiter.

56.

Die etwas andere Meinung, Teil 4: So kommt wenigstens Österreich weiter.

57.

Özil ist jetzt schon heißer Anwärter auf den Titel »The Man Of The Match Who Wasn’t There«.

58.

Schürrle, der Algerier unter den Deutschen.

60.

Ecke jetzt mal. Schürrle zu Kroos: »Die führ ich aus!« Schürrle zu Müller: »Und ich hau sie auch rein.« Keine Widerrede.

62.

»Halbe Stunde noch. Wenn ein Tor fällt. Ansonsten wird hier verlängert.« So fällt also Rethys Inventur der Fifa-Minibar aus. Wodka-O kann ja auch mal ganz nett sein.

64.

Freistoß Deutschland. Reden wir lieber nicht weiter darüber.

65.

Die etwas andere Meinung, Teil 5: Aber gut sieht er aus, der Mustafi!

66.

Jetzt sieht es aber nicht gut aus FÜR Mustafi: »Der Mann, der nie Profi war«, wie Rethy ihn nennt, hat sich bei einem Fallrückzieher unter der Grasnarbe den Gesäßmuskel gezerrt. Was macht Löw? Er holt sich Khedira... Spielt Lahm also wieder auf rechts, wie so viele gefordert haben? Ja, er tut es. Setzt sich aber erst mal flunschend auf den Hosenboden. Bis Flick ihm verspricht, dass er heute ein bisschen länger wachbleiben darf. »Bis neun!« – »Ooooooooookeee!«

71.

Good Ol' Times: Philipp Lahm tastet sich langsam an seine alte Position zurück. Sollte sich jetzt noch Höwedes verletzen, könnte er auf der linke Seite übernehmen. Sollte Algerien dann noch Costa Rica heißen, wäre fast alles so wie im Sommermärchen. Wir träumen? Ach, im Fußball ist alles möglich. Sagte schon Andi Brehme. Oder war es Rudi Völler?

73.

Was wie immer Hoffnung macht, ist Joachim Löw. Der Bundestrainer führt den Finger immer öfter Richtung Gesicht. Und dort befindet sich ja bekanntlich des Fingers bester Freund: die Nase. Wir erinnern uns: Immer wenn die beiden getroffen haben, hatte Löw einen Plan. Wir wollen geduldig sein.

74.

Fernschuss Algerien. Neuer bleibt einfach stehen und hält. Applaus. Özil denkt: Torwart müsste man sein.

80.

Löw hat nun sein Sakko ausgezogen und die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. Nützt aber bislang nicht viel. Deutschland weiterhin so konfus und irritiert, dass die Spieler, statt ein Tor zu schießen, lieber mal den Ball kaputt treten. Die geplatzte Superpille wird durch einen »Etrusco Unico« von 1990 ersetzt. »Nun wird alles gut«, ruft Klaus Augenthaler und zieht zwei Marlboro ohne Filter durch.

81.

Jetzt. Wirklich. Riesen. Chance. Für. Deutschland. Thomas Müller liegt quer in der Luft und flugköpft den Ball aufs Tor. Doch M'Bohli reißt rechtzeitig die Fäuste hoch. Den Nachschuss versiebt Andre Schürrle. Die Sensation ist zum Greifen nah.

82.

Müller! Noch mal daneben. Selbst der ist nicht mehr der, der er mal war. Wobei wir uns auch gar nicht mehr dran erinnern können, wer genau er mal war, bevor uns allen das hier zustieß.

84.

Ecke Deutschland noch mal. Dann Freistoß. Kroos: »Ich schon wieder? Will nicht mal ’n anderer? Bin irgendwie nicht so gut drauf heute.« Neuer will ausführen, wird aber vom Mannschaftsrat wieder nach hinten beordert, und was dann passiert, hätte niemals passieren dürfen, obwohl es offenbar einstudiert war: Müller stolpert über den Ball, Kroos lupft denselbigen lustlos in die Mauer, Abseits. Müssen ja dolle Tage gewesen sein, damals in Tirol. Was haben sie gelacht.

89.

Manuel Neuer: Irgendwie tragisch, dass Deutschland erst 14 Jahre nach der Abschaffung des Liberos einen legitimen Nachfolger für Franz Beckenbauer gefunden hat.

91.

Deutschland kann noch einmal wechseln. Wie ich Löw kenne, nimmt er Neuer raus. Zu offensiv. Bringt Ginter. Der hat mehr Erfahrung als Feldspieler.

92.

Ein Tor würde der Abendplanung guttun.

93.

Irre, dass wir solch einen archaischen Satz in der hochmodernen Ära Löw noch mal sagen dürfen: Letztes Tor entscheidet. 

94.

Doch es fällt nicht. Wir müssen in die Verlängerung. »Ich auch?«, fragt Mertesacker. »Ich find’ doch jetzt schon keine Hosen für mich, die nicht total behämmert aussehen. Menno.«

23:54 Uhr

Jetzt mal ehrlich: Wen bringt Löw? Klose? Poldi? Draxler? Oder – wofür ich in einer Mischung aus Angstfaszination und Selbstverleugnung plädieren würde – Großkreutz? Niemanden. Er richtet sich die Hemdsärmel. Ganz in Ruhe, als würde daran alles hängen. Und nebenan trinken die Algerier Blut. Irre Kontraste. Muss man alles mal erlebt haben.

91.

Anstoß. Zurück in der 91. Minute. Doc Brown, wann holen Sie uns hier raus?

92.

Flicks Blick verrät: Er hat eben gerade dieselben Tabletten wie wir genommen. Doch, Moment: Ist es in Porto Alegre nicht erst früh am Abend?

93.

TOOOOOOOOOR! Nach gefühlten drei Stunden Spielzeit schießt Andre Schürrle den Ball mit der Hacke ins lange Eck. Auf den Straßen Münchens herrscht für 20 Sekunden eine Stimmung wie im Sommer 1987. Denn sie alle wissen: Es ist die späte Rache für Rabah Madjer, den FC Porto, für das verlorene Europapokalfinale. Schürrle bekommt prompt ein Denkmal vor dem alten Olympiastadion.

94.

Muss schon sagen: dieser Schürrle! Noch nichts gewonnen – und schon hacke!

97.

Nächste Beinahe-Chance. Özil in einer Eins-zu-eins-Situation gegen einen algerischen Abwehrspieler. Versucht sich an einem Trick. Bleibt hängen. Schürrle überlegt, ob er helfen oder direkt mit der anderen Hacke aus 20 Metern das 2:0 schießen soll, bleibt dann aber in Gedanken an 1987 doch stehen.

1000.

1000 Minuten gespielt. Wir sind bereit für die nächsten 2000. Wecken Sie uns bitte nicht auf.

102.

Oh, je! Das Spiel ist noch nicht vorbei. Wirklich? Ja, wirklich. Es sind noch 18 Minuten zu spielen. Und nun: ein dicker Fehler von Khedira. Der Ball fällt Außenverteidiger Mostefa direkt vor die Füße. Doch der stellt sich an wie ich früher beim Dosenwerfen auf dem großen Jahresabschlussfest in der Schulaula. Erbärmlich. Oder wie mein Lehrer sagte: »Mach lieber nie was mit Bällen!«

104.

Wer dachte, die Algerier hätten Probleme mit der Kondition, sieht sich spätestens jetzt getäuscht. Die Nordafrikaner sind so fit, dass sie sich spontan für einen Halbmarathon durch Porto Alegre verabredet haben. Start: Direkt im Anschluss an die Partie. 

106.

Erste Halbzeit, schön warst du. Weißt du noch, vor 13 Minuten, als du uns mit Andre Schürrles Hacke bekannt machtest? Es war das schönste Kennenlernen, seit wir erfuhren, dass es nicht nur die Erste Allgemeine Verunsicherung oder New Kids On The Block gibt, sondern auch Slayer und Megadeth.

0:13 Uhr

Halbzeitpause der Verlängerung. Löw: »Philipp! Du, mach AUUUU mal ’n bisschen ruhiger da hinten rechts. Sonst musst du nächstes Mal AUUUU wieder da spielen, selbst ich kann dich dann nicht mehr schützen.« Lahm: »Bitte nicht, Herr Bundestrainer. Ich bin doch ’ne abkippende Sechs!« Löw: »Wem sagst du das?«

0:15 Uhr

Jetzt findet Löw in der Coaching Zone seine eigene Rücktrittserklärung, die Bierhoff schon vorformuliert und ausgedruckt hatte, mit seinem tragbaren Superdrucker. Olli: »Hehehe, Jogi! Ich bin halt bereit wie nie. Aber, hehehe, ich hab immer an das Golden Goal geglaubt. Hehehehe.« Anstoß. Powered by Coca Cola.

107.

Rethy will sich, wenn ich das richtig gehört habe, »Lahms Unterhose mal genauer angucken«. Auf die Statistik bin ich aber mal besonders gespannt.

108.

Schweinsteiger geht, Kramer kommt. Hat den Brustbeutel mit dem Taschengeld noch um den Hals.

110.

Rethy ruft jetzt die Linienrichter zu den »wahren Helden des Fußballs aus«. Äh, ja. Is spät. Und so eine Verlängerung ist ja auch so was wie ein Abspann, wo jeder mal genannt wird. »Danke, Mama!« Jetzt is gut, Bela.

112.

Özil rennt mit dem Ball ins Aus. Und dann kippt er ihn um, den Ball.

115.

Woran hat es gelegen, dass die Deutschen so laaaange soooo schleeeeeppenden Fußball gespielt haben? An Jogi Löws Hemd, das nicht so eng sitzt wie der weiße Klassiker von 2010? An Kevin Großkreutz, der hier keine »echte Liebe« spürt? An uns, die alles immer und immer wieder schlecht reden müssen? Wir tippen auf Letzteres, sagen aber: Vermutlich liegt es am Wetter.

117.

Aber natürlich ist das Spiel noch immer nicht vorbei. Um genau zu sein: Drei Minuten sind noch zu spielen. Variante 1: Wir tickern weitere drei Minuten. Variante 2: Wir tippen jetzt drei Minuten lang auf den Buchstaben »Ü«, da die Ticker-Statistik besagt, dass beim Drücken dieser Taste bislang die wenigsten deutschen Gegentore fielen. Variante 1? Na, gut! Aber sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt!

118.

Chancen für Deutschland. »Wer war es?«, frage ich schlaftrunken die Frau. Sie sagt: »Karl-Heinz Rummenigge!« Ich nicke und falle um.

122.

Randbeobachtung: Köpke geht auf Löw zu wie eine Tante auf ein beleidigtes Kind. »Na, komm. Jetzt kannste aber auch mal wieder lachen.« Löw: »Geh Bälle einsammeln.«

120.

Özil. Allein vorm Tor. Schiebt aber noch mal auf Schürrle. Mach du, ich kann ja noch später, wenn ich auf meinem Zenit bin. Schürrles Schuss aber wird abgeblockt. Na gut: Also doch. Özil, was bleibt ihm übrig. Drischt ihn rein. Küsst dann den Adler. Und seine PR-Strategen denken schon über den nächsten Facebook-Post nach. Erster Entwurf: »YEAH!« (Plus Selfie mit Schürrle). Uns gefällt das natürlich auch.

121.

Jetzt geht's hier zu wie auf einer guten Kirmes-Party. Algeriens Djabou grätscht einen Ball ins Tor. Nur noch 2:1, und »45 Sekunden sind noch zu spielen«, zittert Bela Rethy. Die werden doch nicht...

0:36 Uhr

Lahm noch vor dem Abpfiff im Interview: »Ja, gut. Was heißt froh sein?« Das ist das, was ihr uns heute endgültig abgewöhnt habt, Käpt’n.

0:39 Uhr

Kahn analysiert, presst, drückt. Sparen wir uns das. Das beste Fazit hat ohnehin Alexi Lalas parat:

0:40 Uhr

Jetzt Manu, der Libero: wie immer leicht genervt und still beleidigt, dass nicht alle so gut sind wie er. Auf die Frage, was besser werden müsse, sagt er, frei übersetzt: »Wenn ich das Sagen hätte, würde ich endlich mal ’nen Stürmer aufstellen.« Manu, der Bundestrainer.

0:44 Uhr

Mertesacker noch immer im Zweikampf. Jetzt muss Boris Büchler dran glauben, der noch versucht, seine Frage zurückzusaugen aus dem Raum, aber es ist zu spät, er wird umgeholzt: »Was wollen Sie jetzt von mir? Kann ich nicht verstehen. Glauben Sie, unter den letzten 16 spielen Karnevalstruppen mit?« Tun sie nicht? 

0:47 Uhr

Unsere Wunschaufstellung fürs Viertelfinale gegen Frankreich: Neuer – Neuer, Neuer, Neuer – Mertesacker, Mertesacker, Mertesacker – Schürrle, Schürrle, Schürrle – Müller.

0:49 Uhr

Jetzt Löw bei einer seltsam bocklos-verrenkten KMH da in ihrem Seventies-Kultsessel. Sie fragt was, er sagt was, das alte ZDF-Erfolgsprinzip: »Wir mussten natürlich bisschen umstellen, FFFFFFF! Das ist AUUUU schwer, FFFFFFF! Man muss abwarten, wie sich die Dinge AUUUU entwickeln, FFFFFFFF!« Ja, es ist das immer wieder Ärgerliche an der Zukunft, dass sie noch nicht da ist. Und wenn sie da ist, ist es zu spät. Dann tut es Dir leid, doch dann ist es zu spät! Zu spät (zu spät), zu spät (zu spät), zu spät (zu spät), doch dann ist es zu spät, zu spät (zu spät). (Wird rausgetragen.) Gute Nacht, liebe Fans.

0:49 Uhr

Jetzt Löw bei einer seltsam bocklos verrenkten KMH in ihrem Seventies-Kultsessel. Sie fragt was, er sagt was, das ZDF-Erfolgsprinzip: »Wir mussten natürlich bisschen umstellen, FFFFFFF! Das ist AUUUU schwer, FFFFFFF! Man muss abwarten, wie sich die Dinge AUUUU entwickeln, FFFFFFFF!« Ja, es ist das immer wieder Ärgerliche an der Zukunft, dass sie noch nicht da ist. Und wenn sie da ist, ist es zu spät. Dann tut es Dir leid, doch dann ist es zu spät! Zu spät (zu spät), zu spät (zu spät), zu spät (zu spät), doch dann ist es zu spät, zu spät (zu spät). (Wird rausgetragen.) Gute Nacht, liebe Fans.

0:47 Uhr

Unsere Wunschaufstellung fürs Halbfinale gegen Frankreich: Neuer – Neuer, Neuer, Neuer – Mertesacker, Mertesacker, Mertesacker – Schürrle, Schürrle, Schürrle – Müller.

0:44 Uhr

Mertesacker noch immer im Zweikampf. Jetzt muss Boris Büchler dran glauben, der noch versucht, seine Frage zurückzusaugen aus dem Raum, aber es ist zu spät, er wird umgeholzt: »Was wollen Sie jetzt von mir? Kann ich nicht verstehen. Glauben Sie, unter den letzten 16 spielen Karnevalstruppen mit?« Tun sie nicht? 

0:40 Uhr

Jetzt Manu, der Libero: wie immer leicht genervt und still beleidigt, dass nicht alle so gut sind wie er. Auf die Frage, was besser werden müsse, sagt er, frei übersetzt: »Wenn ich das Sagen hätte, würde ich endlich mal ’nen Stürmer aufstellen.« Manu, der Bundestrainer.

0:39 Uhr

Kahn analysiert, presst, drückt. Sparen wir uns das. Das beste Fazit hat ohnehin Alexi Lalas parat:

0:36 Uhr

Lahm im Interview: »Ja, gut. Was heißt froh sein?« Das ist das, was ihr uns heute abgewöhnt habt, Käpt’n.

121.

Jetzt geht's hier zu wie auf einer guten Kirmes-Party. Algeriens Djabou grätscht einen Ball ins Tor. Nur noch 2:1, und »45 Sekunden sind noch zu spielen«, zittert Bela Rethy. Die werden doch nicht...

120.

Özil. Allein vorm Tor. Schiebt aber noch mal auf Schürrle. Mach du, ich kann ja noch später, wenn ich auf meinem Zenit bin. Schürrles Schuss aber wird abgeblockt. Na gut: Also doch. Özil, was bleibt ihm übrig. Drischt ihn rein. Küsst dann den Adler. Und seine PR-Strategen denken schon über den nächsten Facebook-Post nach. Erster Entwurf: »YEAH!« (Plus Selfie mit Schürrle). Uns gefällt das natürlich auch.

122.

Randbeobachtung: Köpke geht auf Löw zu wie eine Tante auf ein beleidigtes Kind. »Na, komm. Jetzt kannste aber auch mal wieder lachen.« Löw: »Geh Bälle einsammeln.«

118.

Chancen für Deutschland. Wer war es?, frage ich schlaftrunken die Frau. Sie sagt: »Karl-Hein Rummenigge!« Ich nicke und falle um.

117.

Aber natürlich ist das Spiel noch immer nicht vorbei. Um genau zu sein: Drei Minuten sind noch zu spielen. Variante 1: Wir tickern weitere drei Minuten. Variante 2: Wir tippen jetzt drei Minuten lang auf den Buchstaben »Ü«, da die Ticker-Statistik besagt, dass beim Drücken dieser Taste bislang die wenigsten deutschen Gegentore fielen. Ach, weiteres? Na, gut! Aber sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt!

115.

Woran hat es gelegen, dass die Deutschen so laaaange soooo schleeeeeppenden Fußball gespielt haben? An Jogi Löws Hemd, das nicht so eng sitzt wie der weiße Klassiker von 2010? An Kevin Großkreutz, der hier keine »echte Liebe« spürt? An uns, die alles immer und immer wieder schlecht reden müssen? Wir tippen auf letzteres, sagen aber: Vermutlich liegt es am Wetter.

112.

Özil rennt mit dem Ball ins Aus. Und dann kippt er ihn um, den Ball.

110.

Rethy ruft jetzt die Linienrichter zu den »wahren Helden des Fußballs aus«. Äh, ja. Is spät. Und so eine Verlängerung ist ja auch so was wie ein Abspann, wo jeder mal genannt wird. »Danke, Mama!« Jetzt is gut, Bela.

108.

Schweinsteiger geht, Kramer kommt. Hat den Brustbeutel mit dem Taschengeld noch um den Hals.

107.

Rethy will sich, wenn ich das richtig gehört habe, »Lahms Unterhose mal genauer angucken«. Auf die Statistik bin ich aber mal besonders gespannt.

0:15 Uhr

Jetzt findet Löw seine eigene Rücktrittserklärung, die Bierhoff schon vorformuliert und ausgedruckt hatte, mit seinem tragbaren Superdrucker, in der Coaching Zone. Olli: »Hehehe, Jogi! Ich bin halt bereit wie nie. Aber, hehehe, ich hab immer an das Golden Goal geglaubt. Hehehehe.« Anstoß. Powered by Coca Cola.

0:13 Uhr

Halbzeitpause der Verlängerung. Löw: »Philipp! Du, mach mal ’n bisschen ruhiger da hinten rechts. Sonst musst du nächstes Mal wieder da spielen, selbst ich kann dich dann nicht mehr schützen.« Lahm: »Bitte nicht, Herr Bundestrainer. Ich bin doch ’ne abkippende Sechs!« Löw: »Wem sagst du das?«

106.

Erste Halbzeit, schön warst du. Weißt du noch, vor 13 Minuten, als du uns mit Andre Schürrles Hacke bekannt machtest. Es war das schönste Kennenlernen, seit wir das erste Mal erfuhren, dass es nicht nur die Erste Allgemeine Verunsicherung oder New Kids On The Block gibt, sondern auch Slayer und Megadeth.

104.

Wer dachte, de Algerier hätten Probleme mit der Kondition, sieht sich spätestens jetzt getäuscht. Die Nordafrikaner sind so fit, dass sie sich spontan für einen Halbmarathon durch Porto Alagre verabredet haben. Start: Direkt im Anschluss an die Partie. 

102.

Oh, je! Das Spiel ist noch nicht vorbei. Wirklich? Ja, wirklich. Es sind noch 18 Minuten zu spielen. Und nun: ein dicker Fehler von Khedira. Der Ball fällt Außenverteidiger Mostefa direkt vor die Füße. Doch der stellt sich an wie ich früher beim Dosenwerfen auf dem großen Jahresabschlussfest in der Schulaula. Erbärmlich. Oder wie mein Lehrer sagte: »Mach lieber nie was mit Bällen!«

1000.

1000 Minuten gespielt. Wir sind bereit für die nächsten 2000. Wecken Sie uns bitte nicht auf.

97.

Nächste Beinahe-Chance. Özil in einer Eins-zu-eins-Situation gegen einen algerischen Abwehrspieler. Versucht sich an einem Trick. Bleibt hängen. Schürrle überlegt, ob er helfen oder direkt mit der anderen Hacke aus 20 Metern das 2:0 schießen soll, bleibt dann aber in Gedanken an 1987 doch stehen.

94.

Muss schon sagen: dieser Schürrle! Noch nichts gewonnen – und schon hacke!

93.

TOOOOOOOOOR! Nach gefühlten drei Stunden Spielzeit schießt Andre Schürrle den Ball mit der Hacke ins lange Eck. Auf den Straßen Münchens herrscht für 20 Sekunden eine Stimmung wie im Sommer 1987. Denn sie alle wissen: Es ist die späte Rache für Rabah Madjer, den FC Porto, für das verlorene Europapokalfinale. Schürrle bekommt prompt ein Denkmal vor dem alten Olympiastadion.

92.

Flicks Blick verrät: Er hat eben gerade dieselben Tabletten wie wir genommen. Doch, Moment: Ist es in Porto Alegre nicht erst früh am Abend?

91.

Anstoß. Zurück in der 91. Minute. Doc Brown, wann holen Sie uns hier raus?

23:54 Uhr

Jetzt mal ehrlich: Wen bringt Löw? Klose? Poldi? Draxler? Oder – wofür ich in einer Mischung aus Angstfaszination und Selbstverleugnung plädieren würde – Großkreutz? Niemanden. Er richtet sich die Hemdsärmel. Ganz in Ruhe, als würde daran alles hängen. Und nebenan trinken die Algerier Blut. Irre Kontraste. Muss man alles mal erlebt haben.

94.

Doch es fällt nicht. Wir müssen in die Verlängerung. »Ich auch?«, fragt Mertesacker. »Ich find’ doch jetzt schon keine Hosen für mich, die nicht total behämmert aussehen.«

93.

Irre, dass wir solch einen archaischen Satz in der hochmodernen Ära Löw noch mal sagen dürfen: Letztes Tor entscheidet. 

92.

Ein Tor würde der Abendplanung guttun.

91.

Deutschland kann noch einmal wechseln. Wie ich Löw kenne, nimmt er Neuer raus. Zu offensiv. Bringt Ginter. Der hat mehr Erfahrung als Feldspieler.

89.

Manuel Neuer: Irgendwie tragisch, dass Deutschland erst 14 Jahre nach der Abschaffung des Liberos einen legitimen Nachfolger von Franz Beckenbauer gefunden hat.

84.

Ecke Deutschland noch mal. Dann Freistoß. Kroos: »Ich schon wieder? Will nicht mal ’n anderer? Bin irgendwie nicht so gut drauf heute.« Neuer will ausführen, wird aber vom Mannschaftsrat wieder nach hinten beordert, und was dann passiert, hätte niemals passieren dürfen, obwohl es offenbar einstudiert war: Müller stolpert über den Ball, Kroos lupft denselbigen lustlos in die Mauer, Abseits. Müssen ja dolle Tage gewesen sein, damals in Tirol. Was haben sie gelacht.

82.

Müller! Noch mal daneben. Selbst der ist nicht mehr der, der er mal war. Wobei wir uns auch gar nicht mehr dran erinnern können, wer genau er mal war, bevor uns allen das hier zustieß.

81.

Jetzt. Wirklich. Riesen. Chance. Für. Deutschland. Thomas Müller liegt quer in der Luft und flugkopft den Ball aufs Tor. Doch M'Bohli reißt rechtzeitig die Fäuste hoch. Den Nachschuss versiebt Andre Schürrle. Die Sensation ist zum Greifen nah.

80.

Löw hat nun sein Sakko ausgezogen und die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. Nützt aber bislang nicht viel. Deutschland weiterhin so konfus und irritiert, dass die Spieler statt ein Tor zu schießen, lieber mal den Ball kaputt treten. Die geplatzte Superpille wird durch einen Etrusco Unico von 1990 ersetzt. »Nun wird alles gut«, ruft Klaus Augenthaler und zieht zwei Marlboro ohne Filter durch.

74.

Fernschuss Algerien. Neuer bleibt einfach stehen und hält. Applaus. Özil denkt: Torwart müsste man sein.

73.

Was wie immer Hoffnung macht, ist Joachim Löw. Der Bundestrainer führt den Finger immer öfter Richtung Gesicht. Und dort befindet sich ja bekanntlich des Fingers bester Freund: die Nase. Wr erinnern uns: Immer wenn die beiden getroffen haben, hatte Löw einen Plan. Wir wollen geduldig sein.

71.

Good Ol' Times: Philipp Lahm tastet sich langsam an seine alte Position zurück. Sollte sich jetzt noch Höwedes verletzen, könnte er auf der linke Seite übernehmen. Sollte Algerien dann noch Costa Rica heißen, wäre fast alles so wie im Sommermärchen. Wir träumen? Ach, im Fußball ist alles möglich. Sagte schon Andi Brehme. Oder war es Rudi Völler?

66.

Jetzt sieht es nicht gut aus FÜR Mustafi: »Der Mann, der nie Profi war«, wie Rethy ihn nennt, hat sich bei einem Fallrückzieher unter der Grasnarbe gezerrt. Was macht Löw? Er holt sich Khedira... Spielt Lahm also wieder auf rechts, wie so viele gefordert haben? Ja, er tut es. Setzt sich aber erst mal flunschend auf den Hosenboden. Bis Flick ihm verspricht, dass er heute ein bisschen länger wachbleiben darf. »Bis neun!« – »Ooooooooookeee!«

65.

Die etwas andere Meinung, Teil 5: Aber gut sieht er aus, der Mustafi!

64.

Freitstoß Deutschland. Reden wir lieber nicht weiter darüber.

62.

»Halbe Stunde noch. Wenn ein Tor fällt. Ansonsten wird hier verlängert.« So fällt also Rethys Inventur der Fifa-Minibar aus. Wodka-O kann ja auch mal ganz nett sein.

60.

Ecke jetzt mal. Schürrle zu Kroos: »Die mach ich!« Schürrle zu Müller: »Und ich hau sie auch rein.« Keine Widerrede.

58.

Schürrle, der Algerier unter den Deutschen.

57.

Özil ist jetzt schon heißer Anwärter auf den Titel »The Man Of The Match Who Wasn’t There«.

56.

Die etwas andere Meinung, Teil 4: So kommt wenigstens Österreich weiter.

55.

Jetzt aber: »Riesenchance für Deutschland!«, jubelt Rethy. Und tatsächlich: Lahm zieht aus 22 Metern und M'Bohli muss seinen Teleskoparm ausfahren, um den Ball über die Latte zu lenken. Mesut Özil wird vom Lärm der Zuschauer ein bisschen unruhig. Schläft dann aber weiter.

54.

Jogi Löw sagte übrigens vor dem Spiel: »Die WM ist ein Marathon, kein 100-Meter-Sprint.« Hätte er den Satz in der Kabine noch einmal wiederholen sollen? Einige Spieler denken jedenfalls nach wie vor, die WM wäre ein Strandspaziergang – mit gelegentlichen Jogging-Einlagen.

51.

Jetzt greift Algerien mit vier Stürmern an, während Deutschland ebenfalls mit vier Spielern verteidigt. Mit größter Mühe wird die Chance vereitelt. Rethy sagt: »Uff!« Wir sagen: In der deutschen Defensive herrscht bisweilen eine Ordnung wie bei Familien, die ihre Wohnungen für RTL2-Dokusoaps präsentieren.

50.

Bislang erinnert das Spiel ein wenig an das WM-Achtelfinale 1986 gegen Marokko. Damals rettete Lothar Matthäus mit seinem Tor in der 88. Minute die Deutschen. Doch der ist heute weit weg. Vermutlich auf einem roten Teppich in Ost-Europa oder bei einem Fotoshooting für die »Gala Men«. Doch ist Algerien überhaupt Marokko? Wer kann dieses Mal helfen? Werden wir die 88. Minute überhaupt so jung erleben? Und wie geht's Matthias Herget eigentlich?

48.

»Fast eine Möglichkeit«, trauert Rethy. Doch kurz darauf ergibt sich eine nächste: Nach Flanke von Kroos steigt Mustafi hoch und nickt den Ball in Richtung Tor. M'Bohli kann allerdings nur müde lachen über diesen Ball. Hätte er einen Minigolfschläger parat, so würde er den Ball volley im Loch an der gegenüberliegenden Eckfahne versenken. So aber fängt er ihn mit dem kleinen Zeh.

46.

Anpfiff! Und jetzt, Jogi? Ach, du weißt es doch auch: Haare nach hinten betonieren und Muckis zeigen!

22:54 Uhr

Er will ja nur helfen: Olli Kahn trägt das Trikot schon unterm Versicherungsvertretersakko und die Handschuhe unter der Haut, rennt mitten in der Analyse los, schreiend, hinein in die Nacht. Dieses Spiel gewinnt er allein. Wie damals, in Madrid.

22:52 Uhr

Die etwas andere Meinung, Teil 3: Vielleicht ist den Deutschen ja kalt!

22:48 Uhr

Panik in der Kabine. Löw: »Dürfen wir jetzt noch nachnominieren?« Flick: »Wie viele denn?« Löw: »Alle! Bis auf den Keeper, der spielt Libero.« Flick: »Ich schick mal ’n Fax.«

22:48 Uhr

Und Halbzeit. Sehen wir es halt mal so: Ein Viertelfinale zwischen Algerien und Frankreich ergibt sich eben aus einer historischen Zwangsläufigkeit heraus. Schiedsrichter dieser Partie: Albert Camus.

45.

Bela Rethy hat tatsächlich bis zu Halbzeitpause gewartet, bis er den Begriff »Wüstenfüchse« zum ersten Mal ins Mikrofon haucht. Wir sind sofort wieder in unseren Jugendträumen. Auf Pferden durch die Wüste, mit Karl May nach Australien oder Rumänien unterwegs. Egal, Hauptsache weit weg von hier.

44.

Noch eine Minute bis zur Halbzeitpause. Zeit zum Durchatmen. Zeit, noch einmal darüber nachzudenken, dass das hier weder Bulgarien 1994 noch Kroatien 1998 ist. Vielleicht mit einer Videobotschaft von Thomas Strunz.

42.

Jetzt Riesenchance für Deutschland. Zunächst Toni Kroos mit einem Fernschuss, den M'Bohli zu Mario Götze abprallen lässt. Doch Götze scheint ein wenig verwirrt, dass er den Ball in bester Kreisligamanier auf den Mann schießt. Rethy und wir würden ihn gerne fragen, was er sich dabei gedacht hat, doch da setzt sich Götze wieder seine Mammut-Kopfhörer auf und verschwindet in einem imaginären Spielertunnel.

40.

Nächste Großchance für Algerien. Boateng fälscht einen Ball gefährlich ab, danach Ecke, und Manuel Neuer muss raus. Rethy meint: »Man könnte fast sagen, Neuer ist der beste deutsche Abwehrspieler.« Man könnte auch sagen: Manu, der Libero. In der Hauptrolle: Thommy Ohrner.

38.

Kurze Zwischenfrage: Was macht Algeriens-Wunderstürmer und Bayern-Schreck Rabah Madjer eigentlich heute? Falls er immer noch mit Lederhose und Bayern-Freistaat-Schild in der Sahara sitzt und Uli Hoeneß zuwinkt, müssen wir ihm leider mitteilen: Es ist gut jetzt, Uli kann dich nicht mehr sehen.

36.

Bei Deutschland, so informiert Bela Rethy, machen sich schon vier Spieler warm. Nicht darunter ist allerdings R2D2. Er hat keine Zeit, er hängt im Whirlpool ab. Mit zwei Außenverteidigern.

33.

Chance für Schland. Kurz zusammengefasst: Schlance.

31.

Jetzt, da sie fast alle Schattierungen der Bedrohung schon mal ausprobiert haben, gönnen die Deutschen den Algeriern auch noch ’nen Freistoß aus Idealposition. Und dann, als Nachtisch, noch ’nen Konter, och, warum denn nicht? Und im Campo Bahia tollen schon die ersten Äffchen durchs Lounge-Zelt. Möge sich die Natur all das möglichst schnell zurückholen.

29.

Die etwas andere Meinung, Teil 2: Özil wird’s schon richten.

28.

Wie behämmert Schland-Fans aussehen, wenn sie nachdenklich sind: Wie Schlümpfe in einem Antiquariat.

27.

Neuer scheint Mustafi nun überhaupt nicht mehr zu vertrauen, steht praktisch die ganze Zeit drei Meter hinter ihm. Wann sagt er: »Komm, geh du in’ Kasten, Junge! Hat ja keinen Zweck.« Ist Mustafi vorhin als Letzter gewählt worden?

26.

Die etwas andere Meinung, Teil 1: Algerien ist der erwartet leichte Gegner.

24.

Jetzt mal ganz naiv gefragt: Kennen sich die deutschen Spieler überhaupt? Ich meine: nicht nur aus dem Fernsehen? Die Ecke legt den Verdacht nah, dass sie sich eben im Bus zum ersten Mal getroffen haben. »Du bist also der Kroos!« – »Ja, äh, ich schieß die Ecken.« – »Hast du’n Glück, ich spiel linker Verteidiger.«

24.

Grippe! Bei Hummels haben ja bekanntlich die Abwehrkräfte versagt. Der war aber wenigstens so ehrlich, es zuzugeben.

23.

Wie heißt es immer so schön: Es fehlt die Bindung zum Spiel. Uns, weil wir die Abfahrt des Mannschaftsbusses zum Stadion verpasst haben. Mesut Özil, weil er seinen Mittagsschlaf anscheinend mal wieder auf einen Nachmittagsschlaf ausgedehnt hat.

19.

Algerien jetzt wie Spanien 2010. Tikitaka und stetiger Drang zum Tor. Deutschland dagegen wie der VfL Bochum 1994. Wäre die Mannschaft zum jetzigen Zeitpunkt ein Ausflug, wäre sie eine Ü-60-Wattwanderung an der Nordsee. 

17.

TOOOOOR! Ach, nein, doch nicht. Oder? Wie? Warum? Was? Ist? Hier? Los? Gaaanz langsam: Flanke von Slimani in den Strafraum auf Soudani. Der köpft ein wie Letchkov 1994. Einziger Unterschied: Sein Gegenspieler ist der circa 2,20 Meter große Per Mertesacker und nicht der 1,30 Meter kleine Thomas Häßler. Doch bevor wir einen Herzkollaps bekommen, pfeift der Schiedsrichter ab. Abseits.

15.

Jetzt geht's rasant hin und her. Erst hat Schweinsteiger die erste richtige Chance für die DFB-Elf. Dann taucht wieder ein Algerier gefährlich im deutschen Strafraum auf. Neuer wusste übrigens schon vorher, wie die Algerier ticken. Seine Prognose im »kicker« lautete: »Sie rennen rauf und runter.« Wir hatten da noch angenommen, sie bleiben nach dem Anpfiff einfach stehen. Aber deswegen sitzen wir eben hier – und Neuer steht auf dem Rasen in Porto Alegre, wo er den Schuss des Algeriers einfach über die Latte guckt.

14.

Die Taktik Algeriens haben wir längst durchschaut: Flach auf den Boden legen und den Ball ins Tor robben. Oder gibt es einen anderen Grund, dass die Trikotfarbe den identischen RGB-Farbcode aufweist wie der Rasen?

12.

Trotz der zwei Schockmomente in der deutschen Defensive: Jogi und Hansi bleiben cool. Wie immer halt.

10.

Deutschlands Defensive im Moment so souverän wie Bernd Lucke auf Anne Wills Beistellcouch. Gibt es eine Alternative zu Deutschland? Also: eine echte?

8.

Und weil Mertesacker nun mal Spielmacher sein möchte, muss Neuer jetzt den Innenverteidiger geben, klärt gegen den erschreckend entschlossen heransprintenden Slimani. Frage am Rande: Wer steht eigentlich im Tor? Er wird doch wohl nicht...

7.

Mertesacker jetzt als Spielmacher. Was ungefähr so elegant aussieht, als würde Lahm im Tor stehen. Wie weit dürfen Löws Experimente gehen?

5.

Boateng mit dem alten Spiel: Erst loslaufen, wenn es schon zu spät ist, und dann zeigen, dass er der Schnellste ist, aber eben nicht schnell genug. »Bruder Leichtfuß« nannten wir deshalb vor 28 Jahren, bei der WM in Mexiko, Thomas Berthold. Und Boateng? Nennen wir ihn halt »Bro’ Lightfoot«.

4.

Abseits. »Kenn ich«, sagt Khedira auf der Bank und weint, ohne es zu wissen.

2.

0:0 noch immer. Die Deutschen spielen sich den Ball zu, die algerischen Fans pfeifen, und ja: die ersten wedeln tatsächlich schon mit Geldscheinen.

1.

Hey! Anstoß, guter alter Freund. Toll, dass die Fifa dich noch nicht abgeschafft hat.

21:57 Uhr

Und jetzt wieder diese albernen Arme-verschränken-Filmchen, geklaut bei den American Gladiators. So wie ja auch Mustafi, der dort bis vor kurzem noch Malibu hieß.

21:54 Uhr

Die deutsche Hymne, Özil und Boateng schweigen sich aus wie zwei Konfirmanden im Gottesdienst, die es nur auf die Kohle aus den Briefumschlägen abgesehen haben, Götze hingegen ist wieder ganz eng im Kontakt mit seinem persönlichen Fußballgott, den Blick stramm nach da oben gerichtet, hallo, Papa, ich bin’s, deine kleine Erfindung, bitte mach, dass ich funktioniere heute Abend, HDGDL, dein Super-Mario.

21:52 Uhr

Die Spieler in den Katakomben. Mertesacker richtet sich mit aufreizender Geste die Haare, fast ladylike, die Algerier hingegen haben sich die Haare abrasieren und dann wieder auftätowieren lassen. Die Vorentscheidung?

21:50 Uhr

Bela Rethy, der Wetterfrosch des Grauens, kündigt den »Deutschen Herbst« an. Und Helmut Schmidt verschluckt daheim in Brahmsee seine Zigarette vor Schreck.

21:44 Uhr

Gerade wollten wir uns schon beschweren, denn das ZDF zeigte bislang noch keine Bilder von Jogi Löw am Strand. Nun aber doch: Jogi am Strand. Allerdings nicht wie sonst joggend, sondern auf einem Stein sitzend. In Existenzialistenpose. Wir sind besorgt. Hat er sich verletzt? Oder hat Oliver Bierhof ihm gestern Abend seine Biografie als Einschlaflektüre mitgegeben? Antworten auf diese Fragen gleich, in 16 Minuten.

21:39 Uhr

Doch das Wichtigste ist eh, dass Lukas Podolski noch fotografieren darf. 24 Minuten vor dem Anpfiff informiert er uns, dass gleich das Achtelfinale zwischen Deutschland und Algerien stattfindet. Wir bleiben mit fragenden Gesichtern zurück: What in the world happened to Poldis Daumen?

21:31 Uhr

Die Fifa informiert übrigens, dass seit heute das »Fotografieren mit Mobiltelefonen, iPads oder Kameras auf der Medientribüne untersagt ist«. Die Aufregung unter den Journalisten ist nun groß. Hier eines der letzten Selfies, das uns unser Mann in Brasilien, Tim Jürgens, vor Verabschiedung dieses neuen Fifa-Super-Gesetzes schickte. Es zeigt einen Journalist am Ende seiner Kräfte.

21:23 Uhr

Natürlich hat auch Bild's Finest Franz-Josef Wagner wieder abgeliefert. Sein Brief an die Algerier geht so: »Söhne der Söhne. Man hat Euch von Gijon erzählt. Ihr seid als Kleinkinder aufgewachsen mit Gijon. In einem Zelt in der Sahara. In einer Zweizimmerwohnung in Algier.« Oder so: »Wenn ein Kind der Wüste solche Geschichten hört, dann greift es zum Dolch.« Wie sagte schon Max Liebermann: »Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.«

20:51 Uhr

Jetzt talkt Brazzo (Hassan Salihamidzic) ganz locker mit dem Tünn (Toni Schumacher). Für die Pointen reicht der Platz hier nicht. Daher nur so viel: Es geht um Fußball.

20:45 Uhr

Außerdem erfahren wir vor dem Spiel: Die Damen des ZDFsind hin und weg von Jogi Löws Wet-Look aus dem USA-Spiel. Wird er sich demnächst umstylen? Und wenn ja, was macht dann der Herr links im Bild?

20:39 Uhr

Eben gerade interviewt das ZDF einen Mann mit dem Namen Michael Super. Wenn jetzt noch Max Power ins Bild tritt, gehe ich morgen zum Amt und stelle einen Namensantrag für Andreas Yeah.

14:38 Uhr

Tja, was weiß man über Algerien? Rabah Madjer kennt man, Yves Saint Laurent ist auch da geboren (in Oran) – und Albert Camus natürlich, der Schöpfer berühmter Bahnhofspostkartensprüche wie »Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können«, »Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin« und natürlich »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Übrigens der Lieblingssatz von Bundespräsident Joachim Gauck. Deutsche und Algerier: Sie sind einander ja so nah. Warum dann immer diese Hassduelle?

14:30 Uhr

Gerade weinend über einem Özil-Porträt im neuen »Spiegel« zusammengebrochen. Sein Lieblingstier sei, so heißt es da, der Löwe. Er selbst ähnele aber vielmehr Sid, dem Faultier aus »Ice Age«. Dazu Özil auf Nachfrage: »Du kennst mich ja. Ich bin zu faul, um nachtragend zu sein.«

 

14:23 Uhr

Bundestrainer Löw sagt, er sei »absolut entspannt«. Fragen: Kann jemand, der das Wort »absolut« benutzt, überhaupt entspannt sein? Oder ist damit eine Art professioneller Superentspannung gemeint, die Unsereins gar nicht kennen kann, der mit Entspannung assoziiert, dass er sich bloß mal unbeobachtet am Sack kratzen kann? Und wie schaltet ein absolut Entspannter auf absolute Spannung um? Die Antworten liegen irgendwo am DFB-Pool im Campo Bahia.

12:50 Uhr

Einfach mal die ollen Karteikarten wegwerfen, die korrekte Aussprache von Spielernamen für einen Moment vergessen, die Seele baumeln, ja: Bungee springen lassen – na, wie wär’s heute Abend, Bela Rethy?

12:29 Uhr

Ein Blick auf das, was abseits der WM so läuft. Hertha BSC II: »Nico Schulz erzielt nach Vorarbeit von Hany Mukhtar das erste Tor der Vorbereitung.« Leverkusen: »Die erste Einheit unter Roger Schmidt ist vorüber. Mittlerweile regnet es in Strömen in Leverkusen.« Schalke: »Heute erstes U23-Training - später geht's ins Trainingslager nach Duisburg!« Ein Blick auch auf das, was uns erwartet, sollte die WM heute für uns vorbei sein. Deutschland-Algerien 1:2 n.V. – strömender Regen in Leverkusen. Ich zitiere Philipp Lahm: »Was wir nicht machen dürfen, ist verlieren.«

12:01 Uhr

Die Mädels auf der Fanmeile sind total zerrissen: Darf man solche Gegner schlagen? Süüüüüüß. Aber der Mario Götze doch auch! Was nun? :-(

11:53 Uhr

Und da haut Philipp Lahm, zuverlässiger Lieferant von Jahrhundertzitaten, auch schon einen raus: »Was wir nicht machen dürfen, ist verlieren«, sagt der Kapitän auf der PK. Ob sie sich das merken können? Jerome Boateng ist schon zum DFB-Tätowierer geeilt, um sich diesen Satz sicherheitshalber auf den Unteram stechen zu lassen: »Never Forget: Don’t lose. Carpe diem.«

11:47 Uhr

Das ist doch mal ’ne irre Neuigkeit: Mesut Özil hat dem »kicker« verraten, dass er nicht schon wieder knapp scheitern wolle. Muss die Geschichte der Fußballergefühle jetzt neu geschrieben werden? Welche Interview-Scoops warten da noch auf uns? Löw: »Niederlagen machen nicht so viel Spaß wie Siege!« Klose: »Ich bin nicht mehr so jung wie mit 20!« Und Hummels: »Ich würde nie zugeben, dass ich mich für Cathy schäme!«

11:38 Uhr

Transferhammer! Toni Kroos wechselt angeblich zu Real Madrid, dem designierten Halbfinalgegner der Deutschen. Der Mittelfeldlenker hat Oliver Bierhoffs Angebot ausgeschlagen: »Was soll ich mit einem Vorratsglas Nutella? Der DFB sollte wissen, dass ich eher der Nusspli-Typ bin.«  

11:31 Uhr

Und wie ist die Stimmung im deutschen Lager? Fragen wir Franz-Josef Wagner, das zerbrochene Barometer der Schland-Befindlichkeit. In seiner heutigen Post schreibt dieser Mensch:

»Liebe Algerier, wenn ihr heute mit Bitternis und Racheherzen gegen uns spielt, dann verstehe ich Euch. Ihr seid die Söhne der Söhne, deren Väter vor 32 Jahren betrogen wurden. Ihr seid bereit, das Gestrige zu rächen. Söhne der Söhne. Man hat Euch von Gijon erzählt. Ihr seid als Kleinkinder aufgewachsen mit Gijon. In einem Zelt in der Sahara. In einer Zweizimmerwohnung in Algier. Beim Nuckeln an der Brust Eurer Mutter habt ihr das Wort Gijon gehört. Niemals wurde eine Nationalmannschaft so betrogen wie Algerien. Es ist so lange her. 32 Jahre. Ab der zehnten Minute, als Hrubesch sein Tor geschossen hatte, hörten Deutsche und Österreicher mit dem Fußballspielen auf. Weil sie damit beide weiterkamen und Algerien flog raus. Die Zuschauer in Spanien schwenkten weiße Taschentücher. Sie schwenken diese Taschentücher, wenn ein Stierkämpfer feige ist. Manche Zuschauer schwenkten Geldbündel, weil sie glaubten, dass alles Bestechung ist. Der Reporter des deutschen Fernsehens übertrug das Spiel nicht mehr. Ein österreichischer Kollege sagte: Schalt den Fernseher ab. Wenn ein Kind der Wüste solche Geschichten hört, dann greift es zum Dolch. Algerien wird bis zum letzten Mann kämpfen. Herzlichst, F. J. Wagner«

Darauf einen Dujardin. Wenn ein Kind der norddeutschen Tiefebene solch einen Dreck liest, dann greift es zur Sense. Herzlichst, D. G. Gieselmann.

11:35 Uhr

Immerhin: Aus dem algerischen Lager heißt es, man wolle »das Überraschungsteam Deutschland auf keinen Fall unterschätzen«, man habe vor allem Respekt vor »Meier oder wie der heißt«. Geht doch. Wer friert uns diesen Moment ein? 

11:26 Uhr

Guten Morgen. Ein Mist ist das, was vor uns liegt: Wer zum Teufel stoppt diesen Madjer? Auge? Schlindwein? Dickgießer? Alle drei? Mein Gott, habe ich Angst vor diesem Angstgegner.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!