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Der Besuch der alten Dame

Bayern-Juve im 11FREUNDE-Liveticker

Der Besuch der alten Dame

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Um 20:30 Uhr geht es los. Mit Lucas Vogelsang als Claire Zachanassian, geb. Klara Wäscher, (Multimilliardärin; Armenian-Oil) und Dirk Gieselmann als ihre Gatten Ⅶ–Ⅸ.

20:15 Uhr
Hallo, liebe Fans. Ich begrüße Euch – und weiß noch nicht, ob ich Euch auch werde verabschieden können. Denn Kollege Vogelsang hat sich dermaßen in »Der Besuch der alten Dame« hinein gesteigert, als er das Dürrenmatt-Werk heute Nacht mit der Taschenlampe unter dem Kopfkissen las, dass er nun eine Milliarde Belohnung auf meinen Kopf ausgesetzt hat. Warum, das verrät er nicht. Immerhin hat er sich als Oma verkleidet. Soviel Werktreue muss sein. 

20:17 Uhr
Mit dabei in dieser Champions League-Komödie in zwei Akten sind natürlich auch Toby (kaugummikauend), Roby (auch kaugummikauend) Koby (blind) Loby (blind). Nicht dabei ist dafür, obwohl auch gerne kaugummikauend, ein gewisser Toni. Der große Italiener mit dem Colgate-Lächeln spielt heute, auch zu seiner eigenen Überraschung, mit Bayerns A-Junioren gegen den FC 08 Villingen. Geht es nach van Gaal, dürfte Luca Toni derzeit wohl nicht nur nicht mehr bei den Bayern, sondern nicht mal in seinem eigenen Biopic sich selbst spielen. 

20:19 Uhr
Ex-Bayern-Stammtisch in München. Olli Welke, der sonst neben Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen das Kalauer-Double von Klaus Kleber gibt und dabei immer wirkt, als hätte er seine Fernsehkarriere als Saftschubse bei »Sieben Tage, Sieben Köpfe« begonnen, hat Hasan Salihamidzic und Christian Nerlinger zu Gast. Das aber auch nur, weil Matthäus (auf Vereinssuche), Effenberg (Spieleabend mit Claudia und Thomas Strunz) und Beckenbauer (Altersteilzeit auf Sky) keine Zeit haben. Zwischen Gewinnspiel und Werbung cremen sich die beiden mit Nostalgie ein, Nerlinger wirkt dabei, als hätte ihn Uli Hoeneß nach seinem Ebenbild modelliert. Aus Zuckerwatte. Genial daneben.

20:21 Uhr
Hasan Salihamidzic im Interview, kann nicht mitspielen, hat deshalb »Seelenentzündung«, so Moderator Olli Welke. Hatte ich auch mal. Saufen hilft.

20:22 Uhr
Wie er da so steht, der Brazzo mit seiner Seelenentzündung, sieht er aus wie ein Spion von »Spion und Spion«. Nur ohne den anderen Spion. Oder versteckt der sich unter dem »ran«-Pult? Aufpassen, Brazzo! 

20:31 Uhr
»Wird sich Gomez durchsetzen?«, fragt SAT.1 – und bietet nur falsche Antworten an: Ja und Nein. Zu gewinnen gibt's auch nichts. Dann lieber 9LIVE. 

20:32 Uhr
Rechtzeitig zur letzten Taktikbesprechung ruft Snookerexperte Rolf Kalb an: »Als Journalist muss man neutral sein und ausgewogen, ohne jegliche Sympathie für irgendeinen«, ermahnt er uns. Doch dann gehen plötzlich die Pferde mit ihm durch: »Heute werfe ich meine journalistischen Grundsätze mal über den Haufen.« Warum, lieber Rolf? Deshalb: »Steve Davis hat ein Snookermatch verloren – krachend verloren. Neil Robertson hat ihn mit 10:2 geschlagen. Eine bittere Niederlage. Eine verdiente Niederlage. Denn Steve Davis hat grauslich gespielt.« Na, dann. Wiederhören.

20:35 Uhr
SAT.1-Kommentator Fuß begrüßt die italienischen Fans. Spricht das Wort »Tifosi« aber aus wie eine schwere Virus-Erkrankung. Kollege Gieselmann, diplomierter Hypochonder, zieht sich sofort einen Mundschutz über, lüftet einmal kräftig durch und besprüht den Fernseher mit Sagrotan.

20:40 Uhr
Neues Gimmick bei der Mannschaftsausstellung: Die Spieler stellen sich selbst vor. Nur Miroslav Klose nicht, der stellt lieber seine Sturmpartner vor. Ist Altruismus ansteckend?

20:45 Uhr
Die Hymnen. Klingen heute wieder beide gleich. Ist halt Champions League. Man kennt das. Badstuber (aufgeregt) versucht trotzdem mitzusingen, scheitert aber an der choralen Mehrstimmigkeit, singt dann lieber »FC Bayern, Stern des Südens«. Auf die Pumuckl-Melodie. 

1. Minute
Anstoß. Bayern sofort im Angriff, doch Klose vergibt, hat wahrscheinlich Tifosi. Oder Altruismus. Oder beides. 

3.
Chance Müller, Kommentator Fuß singt den Ball hinein, stemmt schon einen aufblasbaren CL-Pokal in den Nachthimmel seiner Sprecherbutze. Problem: Das Ding war gar nicht drin. Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch.

6.
Hertha-Trainer Lothar Matthäus sitzt auf der Tribüne, will sich bei Bayern ins Gespräch bringen.

10,
Freistoß Juve. Diego tritt an, Iaquinta lauert, doch wer zieht ab? Braafheid. »Man muss den Zufall für wert erachten, Herr über unser Schicksal zu sein.« Hat Nerlinger gesagt. Oder Nietzsche? Egal.

12.
Apropos Nietzsche: Der FC Zürich führt beim AC Mailand. Der Fußballgott ist tot.

14,
»Grrrrrrrrrrrossso!« Diesen süditalienischen Balzruf haben wir in seiner ganzen Penetranz zuletzt im WM-Halbfinale 2006 gehört. Jetzt will der Papagallo flanken. Klappt fast. Abstoß. 

15.
»Butts Veilchen ist nun nicht mehr blau, es geht ins Gelbliche«, doziert Kommentator Fuß. Kollege Vogelsang fragt verliebt: »Ist der Florist?«, ruft sofort bei Fleurop an. Rosen, Tulpen, Nelken – alle Blumen stinken. Meine Meinung.

18.
Diego eilt auf den gelblichen Butt zu, der changiert sofort ins Rötlich-Sauerstoffarmblaue, Diego zieht ab. Knapp am Pfosten vorbei. Ribéry wird nun auch gelb. Vor Neid. 

20. 
Auf der anderen Seite will Ribéry klar machen, dass er nur zufällig noch in der Bundesliga spielt, foppt halb Italien, steht dann vor Buffon, was tun? Schieben? Reden? Lupfen! Ansatzlos löffelt er den Ball über den Keeper, der staunt, alle staunen, dann staunt Ribéry: Das Ding ist drüber. »Wenn sich Ronnie O'Sullivan da mal nicht ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt hat«, analysiert Rolf Kalb per Telefonkonferenz. Touché, Rolfi!

22.
Nach Ribérys Großchance blendet SAT.1 sofort einen auf die Schnelle grobschlächtig zusammen geschusterten Nike-Webespot ein: »Zwei Gegenspieler aussteigen lassen und dann mit einem Flachschuss einfach einschieben. Effektiv. Den Ball reinmachen, anstatt Panenka zu immitieren. Auch effektiv. Nur: Effektivität ist schlecht für die Show.« Irgendwo im Hintergrund flüchtet ein Reh.

24.
Felipe Melo wird von Fuß als der Zerberus vor der Abwehr angekündigt und versucht tatsächlich sofort, sein Revier zu markieren, wird aber von Ottl gestört, macht Hundeplatz und wartet auf ein Leckerli. Stattdessen aber nur: Ballverlust.

26.
Verbissener Zweikampf zwischen Camoranesi und Schweinsteiger. Beide schenken sich nichts, erkennen dann aber ihre Ähnlichkeit zu Winnetou und Old Shatterhand, schließen Blutsbruderschaft, begraben das Kriegsbeil. Doch Felipe Melo gräbt es wieder aus. Erwartet wieder ein Leckerli. Stattdessen erneut: Ballbesitz Bayern.

28.
Halbstarke Bayern überrennen die alte Dame, die keine Chance hat gegen die ABC-Schützen Ribery und Lahm. Großchance für Klose. Doch Diego klärt mit einer Grätsche, die kurz vermuten lässt, dass Juve Dieter Eilts aus Bremen geholt hat. Chiellini legt seine Töppen in ein Glas Kukident. 

30.
Nächste Chance für die Bayern-Krabbelgruppe, die sich im Juve-Strafraum austoben darf wie Horst-Kevin (6) und Torben-André (4 einhalb) an einem Sonntag Mittag am Helmholtz-Platz im Prenzlauer Berg.

34.
Chancen en masse für den FC Bayern. Kein Tor. Habe vorsichtshalber mal »Hornberger Schießen« gegoogelt. Da heißt es; »In Hornberg hatte sich anno 1564 der Herzog Christoph von Württemberg angesagt. Dieser sollte mit Salut und allen Ehren empfangen werden. Als alles bereit war, näherte sich aus der Ferne eine große Staubwolke. Alle jubelten und die Kanonen donnerten, was das Zeug hielt. Doch die Staubwolke entpuppte sich nur als eine Postkutsche. Selbiges geschah dann, als ein Krämerkarren und noch einiges später eine Rinderherde auf die Stadt zukam. Der Ausguck hatte jedes Mal falschen Alarm gegeben, und alles Pulver war verschossen, als der Herzog endlich kam. Einige Hornberger versuchten dann durch Brüllen den Kanonendonner nachzuahmen.« Wir freuen uns drauf. 

39.
SAT.1 hat einen Fieldreporter: Oliver Pocher. Er beginnt zu quasseln. Wollen wir's mal so ausdrücken: Das gewisse Kulturkreise einen Hass auf die westliche Welt haben, war nie nachvollziehbarer als in diesem Moment.

44.
Olic, der kroatische Robben, für Robben, den niederländischen Olic. Co-Trainer Hermann Gerland bläst die Eurovisionshymne auf dem Kamm.[page]

45.
Pause. Der Mann, der mit zuckendem Finger über dem Abspielknopf für den Torjingle sitzt, bricht zusammen. »Colour your Life«, befiehlt uns SAT.1. »Och, nö«, stöhnt Kollege Vogelsang. »Nicht schon wieder LSD.« Lassen Sie sich überraschen, liebe Fans. Bis später.

21:40 Uhr
»Colour your Life«, quäkt plötzlich auch Philipp Lahm, immer noch euphorisiert vom Wahlergebnis. Colour dich selbst. Oder Kalla Pflipsen. 

46.
Der Ball und der Torjingle-Mann haben sich ausgeruht. Es kann also weitergehen. Mit dem zweiten Anstoß der Partie. 

48.
Toni sitzt immer noch auf der Tribüne als hätte auch er eine Seelenentzündung. Wir schalten 11FREUNDE-Auslandskorrespondent Guido Westerwelle dazu, der genau weiß, wie es ist, auch nach persönlichen Niederlagen immer weiter zu machen. Seine Einschätzung: »So etwas geht an den Urschleim der Seele.«

50.
Noch einmal Guido Westerwelle. Gieselmann will wissen, was die Bayern heute so stark macht. Klare Antwort des wichtigsten Schwarzgelben nach Jürgen Klopp: »Wir sind hier in Deutschland, hier spielen wir deutsch.« Danke. 

52.
Zurück zum Spiel. Bayern mit Braafheid, der den Ball aber gegen Camoranesi verliert. Die Superzeitlupe beweist dann endgültig, dass die Bayern bei dem Transfer des Holländers über den Tisch gezogen wurden. Denn dieser Braafheid ist in Wirklichkeit Lodi Roembiak (früher Werder). 

59.
Gigantenchance für Olic. Ribery spielt den Ball in die Mitte, die Italiener vergessen für einen Moment, dass sie den Catenaccio erfunden haben und taumeln durch den Strafraum. Doch der Kroate zeigt sich loyal, taumelt einfach mit, summt dann »Zwei kleine Italiener«. Hofft, damit Michelle Hunziker für sich zu gewinnen. Quod Eros demonstrandum. 

65.
Das Spiel ist schlecht geworden. Muss an einen Cartoon von Garry Larsson denken: Ein Mann macht seinen Kühlschrank auf und wird von einer Tupperdose mit einer Pistole bedroht. Bildunterschrift: »Wenn Fleischsalat schlecht wird.« Naja, ungefähr so läuft's jedenfalls gerade in München.

69.
Wolfsburg hält derweil ein 1:1 in Manchester, Tore durch Dzeko und Giggs. Real führt 3:0 gegen Marseille, die »Financial Times« bringt einen Horrorartikel über Schalkes Finanzen, Gläubiger Schechter fordert angeblich Peters' Rücktritt. So gesehen, sind wir mit dem 0:0 und den paar Kröten im Portemonnaie hier ja noch ganz gut bedient.

73.
Van Gaal rechnet nach: »Schalke ist echt pleite! Wir sind mindestens Siebzehnter!« Vorsichtige Bossa-Nova-Stimmung auf der Bayern-Bad-Bank.

75.
Amauri kommt, lässt Olic gleich an seiner Haarfrisur schnuppern. Hmmm, Pfirsich.

76.
Schweini ferkelt sich in den Strafraum, stürzt wie ein alter Eber – Elfmeter? »Schwierig«, grübelt Kommentator Fuß. Schiri Webb entscheidet auf Freistoß für Juve, irgendwo anders. Irre.

77.
11FREUNDE-Ergebnis-Flash: Immer noch 0:0! Wie war das beim Hornberger Schießen? »Die zweite Version der Erklärung soll sich auf ein Ereignis aus dem Jahre 1519 beziehen, als die Stadt von den benachbarten Villingern angegriffen wurde«, weiß das Internet. «Die Hornberger sollen in kurzer Zeit ihre Munition verschossen haben, so dass die Angreifer nur das Ende der Kanonade abwarten mussten, um anschließend Hornberg erobern zu können. Diese Erklärung geht zurück auf den Pfarrer Konrad Kaltenbach, der sie in den Nummern 3, 4 und 5 der Heimatklänge aus alter und neuer Zeit, einer Beilage zur Freiburger Tagespost aus dem Jahre 1915 beschreibt und sich auf historische Quellen beruft (Villinger Chronik 1495–1533).« Rolf Kalb bestätigt diese zweite Erklärung. Einfach auswendig lernen, morgen im Geschichtsunterricht runterleihen – fertig!

80.
Der Besuch der alten Dame entwickelt sich insbesondere für die Bayern-Stürmer immer mehr zu einer Tragödie griechischer Prägung. Passend dazu setzt der zynische Champions League-Chor wieder ein. »Die Meister«, singen die Stimmen, »die Champions«. Ein Ende, wie es Dürrenmatt geliebt hätte.

82.
Ribéry, eher ein Freund schlichter Komödien, versucht jetzt, das Spiel alleine zu entscheiden, scheitert aber an der italienischen Realität. Dazu noch mal Dürrenmatt: »Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muß scheitern.« 

85.
Die Bayern jetzt mit der Taktik des verzweifelten Junkies: Sie drücken noch mal. Finden aber keine Vene. Gomez gibt die stumpfe Nadel. 

87.
Westerwelle-Hommage auf der Bayern-Bank: Tymoshchuk macht sich intensiv warm. 

89.
Das Spiel ist endgültig zu einem Dürrenmatt-Abend der Laienspielgruppe Oberföhring verkommen: Die Bayern spielen »Die Physiker«. In einer Inszenierung von Christoph Schlingensief. Die italiener sind längst am Flughafen. Schlechtes Theater haben sie schon zu Hause genug.

91.
Ecke Juve, auch sie eine einzige Maßnahme, das 0:0 zu halten. Dann Konter Bayern, der letzte wohl, aber Schiri Webb hat keinen Bock mehr, pfeift ab, das Stadion leert sich blitzartig, vielleicht schafft man es ja noch rechtzeitig zu »Die größten Flugzeugträger aller Zeiten« auf Kabel 1 nach Hause. Nur van Gaal wollte noch weiterspielen, mault den vierten Offiziellen an wie eine Landpomeranze, die der Gorilla vorm P1 nicht reinlässt. Vielleicht ist es auch das obligatorische Brüllen nach dem Hornberger Schießen (siehe 34. Minute) – wer weiß das schon? Wir wissen nur: Wir ertränken diese torlose Zumutung von einer zweiten Halbzeit nun im Alkohol. Dürrenmatt ist schon vorausgeeilt, Rolf Kalb will hinzustoßen. Nur Guido hat abgesagt. Ist ja jetzt Außenminister, der feine Herr.22:46 Uhr
Van Gaal im SAT.1-Beichtstuhl: »Wir haben nicht gewonnen. Und wir können nicht jede Woche sagen: Wir hätten gewinnen können.« Ein wahrer Satz, es dauert aber dermaßen lange, bis der Maestro ihn ausgesprochen hat, dass wir zwischendurch alle eingeschlafen sind: Welke, Dürrenmatt, wir, ihr. Also: »Abschalten« (Peter Lustig)

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