01.10.2012 | City-BVB im 11FREUNDE-Liveticker
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Arm dran

11FREUNDE exklusiv: Borussia Dortmund besiegt Manchester City mit 1:0. Was interessiert uns die irrige Meinung eines dahergelaufenen Schiedsrichters? Hand in Hand mit Neven Subotic: der Ticker! 

Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago

Manchester City (Trainer: Mancini):
Hart - Zabaleta, Kompany, Nastasic - Silva, Yaya Touré, Javi Garcia, Barry, Aguero - Balotelli, Tevez

Borussia Dortmund (Trainer: Klopp):
Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski, M. Götze, Reus - Lewandowski

Manchester City
1
:
1
Borussia Dortmund

20:11 Uhr

So, liebe Fans. Da bin ich. Endlich, wie ich denen entgegenrufen möchte, die schon über mein Ableben spekuliert haben. Das wäre übertrieben. Auch wenn ich mich inzwischen durchaus sehr alt fühle. Mein wievieltes Spiel ist dies eigentlich? Nur Charly Körbel kann das mitgezählt haben. Ist es nicht an der Zeit, dass Ihr das hier mal allein durchsteht? Stimmen wir ab. Mail an mich: dirk.gieselmann@11freunde.de – Betreff: »Wohin mit Opa?«

20:15 Uhr

Jetzt bin ich schon so lange im internationalen Geschäft und verstehe bei der Champions-League-Hymne immer noch: »Ihr sollt Euch schämen!« Kein Grund jedenfalls für Oliver Kahn, nicht als Experte zu fungieren. Kein Grund für mich, das nicht zu kommentieren. 

20:17 Uhr

In Madrid, so heißt es im ZDF-Trailer, werde es »flutschen«. Die Ergo-Versicherung wieder auf Reisen? Ihr sollt Euch schämen!

20:20 Uhr

Klopp jetzt am ZDF-Tresen. Offenbar hat ihm der DFB jegliche Mimik verboten, ja, wie eine Sesamstraßenfigur, die sich die Nase abnehmen kann, erscheint er sogar gänzlich ohne Gesicht, die Augen auf die Brille geklebt. Oder ist das sein Champions-League-Face? Zum schwarzen Anzug passt es allemal. El Kloppo. Blitzt da etwa eine Knarre auf? Kahn sagt vorsichthalber nichts mehr. No country for old men.

20:31 Uhr

Onkel Kahn will heute mal seinem Neffen einen Blick hinter die Kulissen gewähren, nimmt ihn sogar mit ins ZDF-Studio. Süß, der Kleine. Aber wo ist eigentlich der Moderator? 

20:33 Uhr

Ich hasse es, das sagen zu müssen – aber ich vermisse SAT.1. Dort wurde man immerhin von diesen proseminarstreberhaften Vorberichten verschont. Pfeile, Kreise, schraffierte Flächen – man möchte diesen Informatikspechten am liebsten das Bafög einfrieren. Und friert dann doch nur die Reste vom Abendessen ein. 

20:33 Uhr

Oliver Schmidt. Keine Ohren müsste man haben.

20:40 Uhr

Im Tunnel: Weidenfeller zeigt dem Schiri, dass er eine Radlerhose drunter hat. Wenn das hier noch spannender wird, esse ich meine Fingernägel mit Messer und Gabel.

20:42 Uhr

Was ist nur mit Klopp los? Sieht heute irgendwie wallanderhaft aus – misstrauisch, erkältet, überarbeitet, die Arme fröstelnd verschränkt. Ich werde das beobachten. Wie auch das Spiel. Schon jetzt kann ich euch mitteilen: Es beginnt mit einem Anstoß. Irre. 

2. Minute

Schon acht Chancen, wenn ich richtig gezählt habe. Hüben wie drüben, Jacke wie Hose, alles noch offen, vor allem die Hose. Geiles Spiel, liebe Fans. Gruß an die Ergo-Versicherung.

3.

Frage mich: Wer redet da eigentlich die ganze Zeit? Ist mein bekloppter Onkel etwa immer noch da? Tatsächlich habe ich nur meine Tante heute Nachmittag nach dem Kaffeetrinken in den Passat steigen sehen, ich suche also lieber noch mal die Wohnung ab, Manfred, du alter Sack, komm raus! Stopp: Es ist Oliver Schmidt (ZDF), der da redet und redet und redet! Kommt aber irgendwie auch aufs Gleiche raus. »Weiter geht's mit einem Einwurf«, sagt Onkel Oliver. Noch Kuchen?

6.

Zabaleta schießt! Klingt nach Revolution in einem südamerikanischen Unrechtsstaat, ist aber eine Chance für City. Globalisierung: verrückte Geschichte. Später mehr dazu im »Auslandsjournal« mit Theo Koll.

9.

Faszinierend: Die BVB-Fans singen so furchteinflößend, dass man, wenn man die Augen schließt, plötzlich ganz genau weiß, wie sich eine schutzlose Greisin gefühlt haben muss, als die Vandalen auf ihr kleines Lehmhüttchen zugeritten kamen. Mal abgesehen davon, dass die wahrscheinlich nicht »Olé, Olé« gesungen haben.

20:57 Uhr

Götze! Hart! Pfosten! Wer bei dieser Wortkombination an etwas Sexuelles denkt, sollte heute Nacht noch bei Domian anrufen. 

12.

Silva macht mich nervös. Dieser verdammte Wusler. Kann mich gar nicht aufs Spiel konzentrieren.

15.

Jetzt sagt Schmidt erstmals »Aus deutscher Sicht«. Sollte er lassen. Aus deutscher Sicht.

17.

Ein Nullnull der besseren Sorte. Ich hab ja schon Autobahnklos gesehen, Freunde, Ihr wollt es nicht wissen.

20.

Hat was von Grundlinientennis, das Ganze. Meine Haare kräuseln sich nicht von ungefähr schon wie die von Ion Tiriac. Und beim Seitenwechsel esse ich eine Banane. 

23.

Schmidt liest eine Karteikarte nach der anderen vor. Klingt wie die U-Bahn-Stimme von Hannover. Nur nicht so menschlich.

26.

Gündogan schießt vier Meter übers Tor, draußen vor meinem Haus bellt ein Hund, obwohl niemand vorübergeht. Sie versuchen doch auch nur, ihr Bestes zu geben.

29.

Schmelzer! »Das ist lebensgefährlich, was er da macht«, würde Karl-Heinz Rummenigge jetzt sagen. Und bei Euch so? 

32.

Javi Garcia fühlt sich nicht so. Irgendwas mit dem Bein. Besorgte Top-Mediziner bringen blitzschnell zwei Tragen werden aufs Feld, obwohl er schon längst wieder steht. Das ist so typisch. Und wenn ich im Kaufhaus die Rolltreppe runterfalle, steigen die Leute nur über meine leblosen Körper hinweg. Wahre Geschichte.

34.

Chancen en masse jetzt hier. Um das Wesentliche zusammenzufassen: Kein Tor von Silva.

38.

Schmidt ruft so oft »Latte!« wie Sascha Lobo, wenn der Kellner nicht kommt. In der Tat: Großchance für den BVB. Mit extraviel Schaum.

40.

»Wir nähern uns der Halbzeit«, schwant dem lieben Herrn Schmidt. Ist es nicht vielmehr so, dass die Halbzeit sich uns nähert? Ganz schön philosophisch. Jetzt hab ich Gehirnschmerzen.

44.

Gündogan! Allein vor Hart. Ja, er macht es! Er erhöht die Zahl der versiebten Großchancen auf 5! »Das ist ein ernster Vorgang«, schockfrostet Marietta Slomka, die robotergewordene Halbzeit. Ich nehm mal lieber schnell ein Erkältungsbad. Bin gleich zurück. Haltet durch, liebe Fans. Und immer dran denken: »Deutschland ist ein wunderbares Land!« (Horst Seehofer)

21:40 Uhr

Nur mal so als Gedankenspiel – was würde eigentlich passieren, wenn Heinz Wolf mal sagen würde: »Zusatzzahl: Pi!«?

21:42 Uhr

Soll ja ein tolles Spiel gewesen sein bislang. Hängen geblieben ist trotzdem nichts. Ein torloses Unentschieden der Erinnerung. Oder wie Daniil Charms bereits vor 80 Jahren so trefflich analysierte: »Da ging einmal ein Mann ins Büro und traf unterwegs einen anderen, der soeben ein französisches Weißbrot gekauft hatte und sich auf dem Heimweg befand. Das ist eigentlich alles.«

21:44 Uhr

Wahrscheinlich wird den Dortmundern gerade von Kloppo nach alle Regeln der Kunst eingehämmert, dass sie die Allergrößten sind. Und wie muss ich in diese zweite Halbzeit gehen? So: »Gieselmann fällt nix ein, als den x-ten abgedroschenen Kalauer abzuseiern. Ist dem die Frau weggelaufen, oder warum ist der so schlecht drauf heute?«, fragt »Statler« im Forum. 11FREUNDE müsste mich eigentlich entlassen, um mich vor solchen »Fans« zu schützen. 

46.

Anstoß. Dortmund von links nach rechts. Genauso wie mein Cursor übrigens. Ist das noch unparteiischer Journalismus?

47.

Wie unappetitlich! Schmidt vergleicht Dortmunds Mittelfeld nun implizit mit eine Swingerklub, sieht »intensive Wechselspiele«. Malt Euch das besser nicht aus, liebe Fans – wie Götze die Lücke sucht, und plötzlich stehen Gaby (54) und Ulf (61) vor ihm, nackt, sie raunen: »Na, Kleiner? Suchst du die Lücke?«   

51.

Götze! Hart! Ich werd weich.

55.

Warum nicht: Kuba tritt einfach mal irgendwen um. Warum nicht: der Schiri zückt Gelb. Warum nicht: Ich schreibe jetzt einfach mal »Gürteltier«. 

60. Minute

Tor? Ja, tatsächlich: Tor! Entsetzlicher Fehlpass eines nunmehr ehemaligen City-Arbeitnehmers, Reus spritzt dazwischen, zieht ab, Hart ist dann doch nur ein englischer Torwart, und das Ding ist drin. So einfach ist das. Beziehungsweise: Warum nicht gleich so? 

64.

Jetzt drückt der BVB wie auf dem Oktoberfest die Blase eines Betriebsausflüglers nach der dritten Maß Bier. Wann kann ich endlich schreiben: »Läuft doch«? 

67.

Jetzt ist Kloppo heiß. Wann rennt er selbst aufs Feld und beißt in den Ball? Sein Gegenüber Mancini hat derweil ganz andere Sorgen: Die City-Scheichs haben ihm soeben zur Strafe die Pediküre gestrichen. Ja, der Spitzenfußball kann unmenschlich sein.

70.

Weidenfeller drischt den Ball weg – ganz so wie ich einst beim Kreispokal-Viertelfinale gegen den TSV Aschen beim Stand von 1:0. Von der Seitenaußenlinie hoch und weit ins Beet des Nachbarn. »Richtig, Giesi!«, riefen die drei anwesenden Rentner. Mein größter sportlicher Moment. Den kann mir keiner mehr nehmen.  

72.

Lewandowski, so Schmidt, »holt Räume«. Klingt irgendwie paranormal. Sieht so etwa diesen sagenhafte neue »Wetten, dass...?« aus? Markus Lanz verliest in seinem Zukunftsstudio: »Robert Lewandowski wettet, dass er Räume holt. Til Schweiger, was meinst du? Schafft er das?« 

74.

Der erste Raum, den Lewandowski holt, ist der hinter dem Tor. Noch geiler wäre nur der Raum im Tor gewesen. 

79.

Wenn ein Champions-League-Spiel plötzlich zur Provinzdisco wird: Balotelli und Großkreutz kommen rein.    

82.

City will den Ausgleich. Verständlich. Und dennoch: Das werden die schlimmsten acht Minuten, seit ich neulich meine Fünf-Minuten-Terrine drei Minuten zu lange habe ziehen lassen.

85.

Fehlpass Dortmund. Und ich habe tatsächlich gedacht: »Huch!« Muss ich jetzt zum Arzt? 

87.

Das ist nur wirklich mal haarsträubend: Subotic bekommt den Ball per Gewaltschuss von Aguero aus zehn Zentimetern an die Hand geknallt, der Schiri pfeift Elfmeter. Menschenverachtend. Mir ist schlecht. Weidenfeller versucht noch, Balotelli einzuschüchtern: »I will se Ball grandios keepen!« Doch der lächelt nur, schiebt ungerührt ein. »Das gibt's doch nicht!«, schreit Schmidt. Doch, das gibt es. So wie es ja auch Menschen gibt, die »Das gibt's doch nicht!« schreien.

90.

Dortmund will das 2:1 jetzt reinhassen. Ob ich mit meiner Erfahrung helfen kann?

92.

Jetzt pfeift der Schiedsrichter ab. Wenigstens das annähernd zur rechten Zeit. 1:1 also. Arm dran: Neven Subotic. Ich könnt heulen. Nicht obwohl, sondern weil Oliver Schmidt uns jetzt zu trösten versucht: »Es kommen ja noch einige schöne Spiele: Hannover...« Ob er auch noch »Salmrohr« sagt, kann ich dem verzerrten Ton meines aus dem Fenster fliegenden Fernsehers nicht mehr entnehmen.

22:43 Uhr

Irre Wende: Kahn glaubt, dass der Schiri den Elfer geben musste – »es bleibt ihm ja gar nichts anderes übrig.« Dann aber, eine Zeitlupe später, relativiert er: »Das ist Auslegungssache!« Und dann, bockig, zum Moderator: »Da können wir jetzt 'ne Stunde drüber diskutieren.« Wofür er ja, genau genommen, auch seine Kohle kriegt, als so genannter »Experte«. Aber da können wir jetzt 'ne Stunde drüber diskutieren.

22:47 Uhr

Kloppo im schwarzen Dreiteiler. Den trägt man ja immer nur bei Taufen, Hochzeiten oder bei Beerdigungen. Sagen wir so: So jung ist das ZDF-Burschi dann auch nicht mehr, und Kahn ist schon vergeben. Mein Beileid also.

22:50 Uhr

Das wahrscheinlich gröbste Foul der Fußballgeschichte: Kahn tröstet Klopp.  

22:54 Uhr

Aus der Blechdose, in das ihn das ZDF versetzt hat, weiß Wolf-Dieter Poschmann zu berichten, dass Real Ajax mit 4:1 schlägt. Klopp sagt noch, dass Real anders ist als Hannover, und dann »Auf Wiedersehen!« Letzterem schließe ich mich an, um in Ruhe über die Unterschiede zwischen Real und Hannover nachdenken zu können. Was hat Ronaldo, was Schlaudraff nicht hat? Ich sag dann bescheid. Gute Nacht, liebe Fans.


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