FC Chelsea

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PSG

Chelsea-PSG im Liveticker

Kommt Zeit, kommt Emirat

Geld schießt Tore, Geld verhindert aber auch Tore. Und dann kommt Zlatan und bezahlt die Zeche in seiner ganz eigenen Währung: Siege. Und bringt den ersten internationalen Titel Katars auf den Weg. Ju...äh...hu.

20:30 Uhr

Freunde, ab geht's, Chelsea gegen Paris, Geld gegen noch mehr Geld, Scheich gegen Oligarch, beide bestückt mit elf superteuren Superspielern, ganz so als müssten Oligarch und Scheich jeweils elf sehr, sehr kleine Penisse kompensieren. Unangenehm, I know, aber so ist er eben, der verdammte Turbokapitalismus. Aber immerhin: Wenn euch jetzt vor Wut, Ekel oder Erregung das Knaxkonto-Scheckheft in der Hose aufgeht, dann seid ihr hier richtig. Vielleicht.

20:33 Uhr

Puh, Schwein gehabt. Gerade erst gar nicht gecheckt, dass Champions League jetzt auf ZDF kommt, und erst auf Premiere geschaltet. Dann irgendwie hängengeblieben, in der Hoffnung, dass ich hinter dem verschüsselten Gewirr einen Nippel entdecke. Dann plötzlich gemerkt, dass wir 2016 haben, und nicht mehr 1997. Dann kurz in mein Supernintendo geweint. Dann daran gedacht, dass ich mittlerweile Nippel sehen kann, wann immer ich will. Kurz jubiliert. Nintendo ausgeföhnt. Jetzt Ticker. Das Leben ist schön.

20:34 Uhr

Im Bild direkt King Zlatan: Alter sei nur eine Zahl, weisheitet er mich an. Kann er das meinen Geheimratsecken, meinen Manboobs und meiner Kurzatmigkeit beim Treppenlaufen auch mal erzählen? Ich warte so lange am Supernintendo.

20:36 Uhr

Ha! Experte heute: Bum Bum Boris. Und zwar nicht das Eis vom Kiosk, sondern der Echte, der Wahrhaftige. Ex-Tennisstar, Wasserstoffperoxid-Testimonial und fleischgewordenes »Äh« eines jeden Logopäden: Boris Becker. Manchmal machen die es uns aber auch leicht.

20:39 Uhr

Kurz überlegt, ob ich vielleicht Boris zu Ehren in der Abstellkammer tickern sollte. Dann fiel mir ein, dass ich schon darin wohne. Tja.

20:44 Uhr

Wir erheben uns für die Champions-League-Hymne, zur Feier dieses Spiels eine katarisch-russische Version von Abbas »Money Money Money«. Gänsehaut. Oder wie heißt dieses komische  Völlegefühl da hinten am Gaumen?

20:45 Uhr

Yaaaaaay, Kevin Trapp betritt den Rasen. Ich als Frankfurt-Fan verspüre den Drang, Seligs »Ohne Dich« per Kopfnuss in die Wand zu klöppeln.

1.

Anstoß in London. Beide Vereinseigentümer protestieren. Dass sie sich so eine proletarische Anstandsgeste überhaupt noch antun müssen! 

3.

Geht gut los. Costa dreht sich, windet sich, schießt, Trapp hält. Geld schießt Tore. Aber Geld verhindert auch Tore. Stellen wir uns also ein auf ein 0:0 der teuereren Sorte.

5.

Heiliger di Maria Gottes! Wird von Lucas geschickt, aber Josef grätscht ihn vor dem Tor ab. Direkt danach, Ecke, Ibrahimovic, Tor. Aber die Fahne ist oben. Der Scheich winkt ab. Weist seinen Assistenten an, die Regel schnellstens abzuschaffen.

8.

Eben bei Sky, wo ich, im Gegensatz zu Kollege Reich, hängen geblieben bin, lief noch ein Spot von Emirates, dem Sponsor von PSG. Wie nennt man das? Genau: Scheichwerbung.

10.

Hidding hat sein Chelsea penetrant zum Underdog erklärt. Vielleicht ein bisschen zu sehr, selbst Chelsea spielt jetzt so, als sei man der FSV Salmrohr. Aus dialektischer Sicht eine Meisterleistung vom Niederländer: Er hat den größten Kleinen erschaffen, der je in der Champions League angetreten ist. 

13.

Die Londoner schwärmen aus, kommen besser ins Spiel. Liegt aber auch an der nachlässigen Verteidigung von Paris. Hier die Livebilder:

15.

Gemächliches Aufbauen hüben wie drüben. Mir hallt derweil noch Boris Becker im Ohr nach: »Ich bin ein Fan, ich bin oft auf der Bridge!« Spring nicht, Bobbele. So schlimm ist das doch alles nicht. Wobei...

18.

Und da is das Ding: Vorlage Zlatan, Tor Rabiot, der 20-jährige Ersatzspieler, der ein wenig aussieht wie David Luiz. Nur mit weniger Beten. Und weniger Heulen. Und mit mehr Torgefahr. Guter Mann eigentlich. Wir legen uns fest: Wenn der Bub sich jetzt auch noch einmal von Deutschland 1:7 überfahren lässt, ist David Luiz' Stammplatz in Gefahr.

20.

Auf der anderen Seite Eden Hazard, die laufende Formkrise, mit einem entsprechen beschissenen Abschuss.   Wenn er so weitermacht, werden die Leute irgendwann sagen: »Hey, das ist doch der Bruder von Thorgan.«

23.

Nicht so eine gute Idee übrigens: Lange, hohe Bälle in Richtung Ibrahimovic / Ivanovic, die sich heute duellieren. Da wird irgendwann irgendwas kaputtgehen. Und da weder Ibrahimovic noch Ivanovic kaputtgehen können, mache ich mir sorgen um meinen Röhrenfernseher. Wäre schade, weil vom Konfirmationsgeld ist nichts mehr übrig.

25.

Apropos Zlatan: Das hat wirklich etwas eigenartig Magisches, dieser Kante beim Kicken zuzugucken. Als würde man eine Betonmischmaschine dabei beobachten, wie sie sanft ein kleines Kätzchen streichelt. Und dann in den Winkel prügelt. Oder so. Hab's nicht so mit Vergleichen.

28.

Und dann das: 1:1 Diego Costa. Der Mann hat zwar ein Gesicht, als hätte er den 30-jährigen Krieg alleine verloren, und sei auch damals schon alt gewesen, aber kicken kann er immer noch. Wenn er nicht gerade Gegner anspuckt, umgrätscht, ellbogencheckt oder sie des Stinkens bezichtigt. Jetzt aber auch egal. Wieder alles offen in Paris.

31.

»Ausgleich für Ihren FC Chelsea, Herr Becker. Was sagen Sie zum Tor?« - »Haaaaaaaaaa?! Is er schon drin, oder was? Tatsache, er is drin...«

33.

Irgendwie sehr merkwürdig: sich Diego Costa als Publikumsliebling auszuerwählen. So offenbar bei Chelsea geschehen, die Kurve skandiert seinen Namen. Und irgendwo in Wimbledon ärgert sich Vinnie Jones, dass er zwanzig Jahre zu früh Fußballer gewesen ist.

35.

Rabiot. Rabiat. Freistoß Chelsea.

37.

Seit Zlatan auf der Match-PK gesagt hat, Alter sei doch nur eine Zahl und er fühle sich noch jung, springt Kollege Reich wie ausgewechselt durch die Redaktion. Eine zentnerschwere Last scheint ihm von den Schultern genommen. »Wie alt hättest du mich geschätzt?«, flötet er mir jetzt zu. Ich schreibe ihm etwas auf einen Zettel, schiebe das Blatt hinüber. »Ist doch nur eine Zahl, Stephan«, sage ich freundlich. Bis später, liebe Fans. Ich geh mal Zigaretten holen. Und das als Nichtraucher.

39.

Von der Revolution, zu der Kollege Reich aufgerufen hat, derweil noch nicht viel zu sehen. Noch fehlt er, der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Muss Roman Abramowitsch erst die Generalstände einberufen? Muss Nasser Al-Khelaifi fragen, warum die Leute, wenn sie kein Brot haben, nicht wenigstens Kuchen essen? Wir sitzen hier, die Mistgabeln im Anschlag, und nichts passiert.

41.

Wenn Oliver Schmidt »Marquinhos« ruft, kriege ich unfassbare Lust, mir einen Cocktail zu mixen. Irgendwas mit Whisky, Ananas und kleinem Schirmchen. Leider fehlen mir dafür der Whisky, die Ananas und das kleine Schirmchen.

42.

Hazard schießt. Trapp fängt den Ball mit seinem Moustache.

45.

Hui, schönes Foul von Fabregas. Stiefelt seinen Gegner einfach auf Brusthöhe um. Ich sehe schon Nigel de Jongs Kinder im Garten spielen »Ich bin Fabregas« - »Nein, ich will Fabregas sein. Menno.«

21:32 Uhr

Halbzeit. Oder wie es im VIP-Raum heißt: Geldscheinschlaaaaaaaacht. Wuhuuuuuu....

21:35 Uhr

Erstmal Werbung.

21:38 Uhr

Toller Werbeblock. Gefällt mir.

21:41 Uhr

21:44 Uhr

Fragen, die sich während des »heute-journals« aufdrängen: Warum trägt Gundula Gause einen Fahrradhelm im Studio?

20:45 Uhr

Zur Vorbereitung auf die Zweite Halbzeit übrigens nur noch Kahn ihm Studio, Becker nicht mehr. Ob er  sich bereits mit den Headhunters gen Gästeblock schlägert?

46.

Franz Beckenbauer, listig: »Geht's raus und kauft's Fußball.« Anpfiff zur zweiten Hälfte.

48.

»Viele Pässe hier«, kommentiert Schmidt. Ich finde dieses Denken in Nationalitäten falsch in Zeiten der Flüchtlingskrise.

50.

Tatsächlich hat Schmidt recht. Matuidi und Rabiat die einzigen Franzosen bei Paris. Was nichts heißen will, da Cahill der einzige Engländer für Chelsea ist. Man könnte nun auf den durchglobalisierten und kaputtkommerzten Fußball schimpfen. Aber vielleicht sollten wir lieber in Gehaltsklassen unterscheiden. Ähm.

52.

Fabregas' Bart hat einen Bart. Meine Meinung.

53.

Chelsea drückt nach vorne, macht aber auch hinten auf. Ist das jetzt mutig oder naiv? Radikalität bemisst sich ja immer an der Toleranz des Publikums, noch ertönt aus London wohlwollendes Klatschen. Ist aber vielleicht auch nur die VIP-Lounge, die dem Kellner applaudiert, der die Schampusgläserpyramide neu befüllt hat. So genau lässt sich das nicht feststellen.

56.

Diego Costa lupft den Ball ins Netz. Costa nix. War aber Abseits. Machtja nix.

59.

Chiara Ohoven in der PSG-Abwehr übrigens mit einer absolut soliden Partie. Kann aber auch sein, dass das nur so aussieht, wegen der neuen Haarfarbe.

60.

Costa auf einmal wie ausgewechselt. Für ihn kommt Traoré. Das Publikum applaudiert seinem Liebling.  Hässliche Szenen.

62.

Ach, der Ibrahimovic, nimmt den Ball elegant mit, verdaddelt dann aber, das alte Zirkuspferd. Trotzdem: Man will ihm »Mach was Verrücktes«, zurufen, zur Belohnung ein stückchen Zucker geben und die Schnauze streicheln. Dann gnadenlos von ihm dafür auf die Fresse bekommen. Den Punkt »Gnadenlos von Zlatan auf die Fresse bekommen« von der Bucket List streichen. Dem Notarzt begeistert davon erzählen. Mit den Drähten und Schläuchen, die einem aus dem Körper hängen, die Spielszene nachstellen. Etwas Suppe aus einer Schnabeltasse trinken. Friedlich entschlafen. Es könnte alles so einfach sein.

63.

Ibra! Aber kein Kadabra! Der Schwede walzt Richtung Tor, dann verrutscht ihm der Dutt, er verliert das Gleichgewicht, Courtois kann klären. Die folgende Ecke bringt einen Abstoß ein.

66.

Finde, die Auswechslung von Diego Costa kam ein wenig spät. Nicht weil er schlecht war. Aber um 22:30 Uhr beginnt seine Schicht in der Geisterbahn.

70.

Und plötzlich macht PSG das 2:1. Und natürlich war es Zlatan. Flanke, Zlatan, Bumm. Und oben auf der VIP-Tribüne flüstert Nasser El Khelaifi Roman Abramowitsch ins Ohr »Ah, geh. Scheich di!«

74.

Jetzt kommt Oscar in die Partie. Passend zu einem Spiel, das man aus Chelsea-Sicht in die Tonne kloppen kann.

77.

Übrigens: Ihr könnt beim ZDF auch das »Face of the Match« wählen, zwischen Diego Costa oder Angel di Maria. Auf der Telefontastatur einfach auf die Eins oder die Zwei kotzen.

80.

Willian nochmal mit dem Konter. Also wenn das der Blödmann von den Black Eyed Peas ist, dann bin ich ab sofort für Paris. Oder ich twerke eine Runde. Bin noch unentschieden.

81.

Zwischen den Trainerbänken debattiert Hiddink mit dem vierten Offiziellen Achmüller. Hiddink: Europapokalsieger, Weltpokalsieger, WM-Teilnehmer. Achmüller: immerhin aus Bad Füssing. Es gibt Duelle, die finden einfach keinen Sieger.

83.

Cavani kommt als Joker ins Spiel. Muss man sich auch erlauben können. Oder?

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85.

Natürlich haben wir, investigative Bluthunde, die wir sind, mittlerweile auf der Seite von PSG-Sponsor Emirates recherchiert, wer sonst noch so gesponsort wird. Milan, Benfica, Arsenal, Real. Große, beeindruckende Namen. Und mittendrin auch »one of Germany’s top-flight football clubs, consistently ranked amongst the best performers in the Bundesliga«. In Stellingen zwinkern sich Klaus-Michael Kühne und Bruno Labbadia konspirativ zu. Haben sie ja schon immer gewusst.

87.

Ibrahimovic im Duell mit Cahill. Springt doppelt so hoch wie der Engländer. Was in der Konsequenz bedeutet, dass sein Arsch auf dessen Augenhöhe ist. Darüber müssen wir erstmal nachdenken.

88.

Chelsea zunehmend verzweifelt, Kenedy schlägt einen weiten Ball ins Aus. Wen hat er da gesehen? Klar, Laurent stand Blanc. Aber solche Kalauer sind ja jetzt auch keine Lösung.

90.

Faszinierend: Cavanis Frisur sieht aus, als habe der Uruguayer schon 90, ach was, 120 Minuten durchmalocht. Und nicht erst fünf. Würde mir im Job auch helfen.

91.

Motta am Boden. Chelsea spielt den Ball versehentlich ins Aus. Financial Fairplay.

92.

Es laufen die letzten Sekunden. »In Frankreich gibt es ja sowieso niemanden, der ihnen das Wasser reichen kann«, weiß der Reporter über PSG. Muss aber auch nicht sein, bei einem Team, das lieber Champagner trinkt.

93.

Der Schlusspfiff. Paris ist eine Runde weiter. Scheich Nasser Al-Khelaifi feiert angemessen.

22:38 Uhr

Das ZDF schaltet sofort zu Boris Becker, der sich vor dem Fieldinterview nochmal nachblondiert. Analysiert hernach staatstragend das Ergebnis. Irritierend allerdings: Das nervöse Flackern in Boris' Augen, dieses Hin und Her der Pupillen, alte Tenniskrankheit. Hängen bleibt, dass nichts hängenbleibt. Wir schalten auch weg, liebe Fans. Vielleicht läuft irgendwo »Zärtliche Cousinen II«. Ein Versuch ist es wert. Gute Nacht.

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