01.05.2014 | Chelsea-Atletico im Liveticker
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Madrid gegen Madrid: Hauptsache Italien!

Niemand hätte auf dieses Finale getippt: Madrid gegen Madrid! Niemand! Außer Andreas Möller, der einst prophezeite: »Hauptsache Italien!« Atletico immerhin hörte seine Stimme durch Zeit und Raum, schlug Chelsea 3:1. Hauptsache live: der Ticker.

Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago

Chelsea: Schwarzer - Ivanovic, Cahill, Terry, Azpilicueta - Cole, Ramires, David Luiz - Willian, Hazard - Torres.

Atlético: Courtois - Juanfran, Miranda, Godin, Filipe Luis - Mario Suarez, Tiago - Adrian, Koke, Arda - Diego Costa

Chelsea
1
:
3
Atletico

20:24 Uhr

Es geht los. Wenn ein Spiel aus Beton überhaupt losgehen kann. Mein Tipp: 0:0. Nach Elfmeterschießen. Dann Beleidigungsfechten zwischen Mourinho und Simeone. Dann Rückkehr nach Monkey Island.

20:35 Uhr

Apropos Beleidigungsfechten – mit dem Florett frisiert: Marcel Reif. Wäre sein Friseur doch bloß so defensiv wie Mourinho!

 

20:38 Uhr

Reif wirft gleich mal das Transferkarussell an: »Mourinho wird einen neuen Trainer holen!« Is ja irre. Das kann nur er, der Spezielle. Ist es Guardiola? Als – hihihi – Taktiktrainer? Mit eigenem Büro? Ohne Fenster? Und ohne Tür?

20:41 Uhr

»Draußen immer noch Sonnenschein«, erfahren wir. Vollsonne, sozusagen. Dann kommen ja immer die ganz fiesen Werwölfe raus. Hallo, John Terry!

20:43 Uhr

Simeone versucht verzweifelt, der CL-Hymne zu lauschen. Mourinho aber schon on fire, zückt den Beleidigungssäbel: »Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!«

20:45 Uhr

Fernando Torres: Der erfolgreichste Loser aller Zeiten? Der Mann ist ja immerhin Europa- und Weltmeister, CL-Sieger. Und dennoch wird über ihn gesprochen wie über mich, wenn ich da plötzlich aufliefe. Obwohl... Nichts gegen mich!

20:47 Uhr

Reif hat offenbar einen ganzen Laster voller Karteikärtchen nach London kommen lassen. Wie alt war John Terry an seinem 14. Geburtstag? Zack, Karte! Raus mit der Information! Wenn er so weitermacht, stürzt Zettel-Ewald Lienen sich heute Abend noch vom Bökelberg.

1.

Ach ja: Anstoß. Die wohl einzige Offensivaktion, die uns armen Sündern vergönnt sein wird. Pep, warum hast Du uns verlassen?

3.

Immer noch 0:0. Ich sag’s ja.

4.

Ecke Atletico! Latte! Wie kann das sein? Hat Mourinho sich in der Mannschaftsbesprechung zur falschen Zeit an der falschen Stelle gekratzt?

5.

Doch Mourinho wäre nicht Mourinho, schlüge er nicht sofort zurück. Er taucht vor Simeone auf, blökt: »Mein Name ist Guybrush Threepwood. Du bist des Todes!« Das sitzt.

7.

Steckt in Wahrheit Putin hinter Mourinhos Taktik? Chelsea geht mit Atletico um wie Russland mit der Ukraine: Bewegt gefälligst eure Grenze von unseren Panzern weg!

11.

0:0. Auch in dieser Höhe verdient.

14.

Irgendwie dann doch wieder geil: Selbst Freistöße werden hier wie Befreiungsschläge ausgeführt. Erinnert mich dran, wie ich, limitierter Rechtsverteidiger, den Ball früher immer, beim Stand von 0:4, um das Ergebnis zu halten, von der Seitenlinie in Nachbars Garten drosch. Und die drei Rentner, die jedes C-Jugend-Spiel bezeugten, riefen im Chor: »Richtich, Giesi!« Das schmeichelte mir, bestärkte mich in meiner Spielweise. Bis heute. Mou, ich bin bereit!

17.

Costa und Cahill beim Tackling: Wie zwei Realschüler in den Sommerferien, die in der Spaßrutsche ineinander rauschen. Selbst nach Stunden im Chlor riechen sie immer noch nach Axe. Sie sind die Champions.

20.

Guckt Uli Hoeneß eigentlich dieses Spiel? Wenn ja, ist ihm eine Erkenntnis sicher: So klein können acht Quadratmeter sein. Mehr Platz hat auch hier keiner.

22.

Eine Chance! Ich fasse es nicht. Fühle mich wie ein Paläozoologe, der achtzehn Jahre nach dem Quastenflosser gesucht hat. Und dann taucht er kurz auf, im milchigen Wasser des südlichen Pazifik. Und wieder ab. Tschüs, Quasti. Tschüs für immer.

24.

Jetzt begreift auch Rummenigge, warum seine Höllen-Inszenierung gestern Abend im bayrischen Laientheater so schlimm schiefgegangen ist: Die Teufel spielen alle hier mit!

26.

Was würde ich darum geben, dass Hazard seinen Sohn Bio nennt!

30.

Die Grammatik dieses Spiels: Es gibt immer nur Freistöße »gegen« und nie »für« irgendwen. Ein Fall gegen Zwei. Mit Claus-Theo Gärtner als Fernando Torres. Matula, hau mich raus!

33.

»Azerbaijan – Land of Fire« steht auf Atleticos Brust. Und in der Tat kriege ich angesichts dieser Partie tierisch Lust auf Urlaub in Baku. Tauben vergiften, spazieren gehen (allein), fernsehen (kein Fußball).

35.

Tor. Muss ein Irrtum sein. Torres jubelt auch gar nicht. Entschuldigt sich vielmehr für die sträfliche Missachtung der taktischen Vorgaben. Mou wechselt ihn aus. Für ihn kommen Dieter Schlindwein und Uli Borowka.

37.

0:0, Level 2.

40.

Ganz groß in Mode hier: der gegrätschte Pass. Sieht gar nicht mal so elegant aus.

43.

Tor. 1:1. Das sind vier Tore mehr, als ich erwartet hätte. Selbst Diego Simeone ist fassungslos.

45.

Halbzeit. Mourinho und Simeone verhandeln noch in den Katakomben über die Annullierung der Tore. Deal!

21:41 Uhr

Ottmar Hitzeld muss nur eines tun in der zehnsekündigen SKY-Halbzeitanalyse: Den Chelsea-Keeper Schwarzer vom Chelsea-Keeper Courtois unterscheiden. Ja, gut – ich sach ma: Das war aber auch schwer. Wenigstens hat er nicht auch noch am SKY-Quiz teilgenommen.

21:46 Uhr

Wenn Jose Mourinhos Leben mal verfilmt wird, dann bitte mit Robert Downey Junior in der Hauptrolle. Wenn Boris Beckers Leben mal verfilmt wird, dann bitte mit Veronica Ferres in der Hauptrolle.

46.

Weiter geht es. Wie vereinbart, beim Stand von 0:0. Nihilisten unter sich. Mourinho: »Was hast du denn, Diego?« – Simeone: »Och, nichts.«

47.

Aber was hier los ist! Chelsea verteidigt plötzlich wie ein Rausschmeißer in der Dorfdisco, wenn die alten Kumpels aus dem Motorradklub Bock auf die Schaumparty kriegen.

50.

Touran? Ich dachte, die wollten einen Bus vors Tor fahren! Kein Wunder.

52.

Eine Einwechslung bahnt sich an. Mou: »Ey, du!« Eto’o: »Wer? Ich?« Mou: »Ja, du!« Eto’o: »Aber ich heiß doch Eto'o!« Mou: »Kenn ich nicht.« Bringt Uli Borowka.

53.

Reif: »Es geht um was.« Aber um was? Achso.

57.

Atletico mit der sehr langen Ecke. Dauert zehn Minuten.

58.

Und nach dieser schier endlos langen Ecke das: Samuel Eto’o, unter Riesenkopfhörern auf die nächste Millionenrate wartend, verursacht vor lauter Langeweile erst mal einen Elfmeter. Diego Costa hat gerade auch nichts anderes vor, als das Ding reinzuhauen. 1:2. Nullzunulls sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

61.

Klar: Eto’o hat’s verbockt. Und nach der schlechtesten Einwechslung seit der von Torsten Fink im CL-Finale 1999 eilt Mourinho erst mal aufs Klo: Nullnull. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

64.

Courtois! Wenigstens einer ist noch daran interessiert, dass hier keine Tore fallen. Geiler Keeper.

66.

Demba Ba kommt ins Spiel. Auf seinem Huckepack: Tobias Weis. Wenn Karrierepläne aufgehen...

65.

Einfach, um der Erste zu sein, der zum Finale Madrid gegen Madrid diese Schlagzeile bringt, haue ich sie jetzt schon mal raus: »Hauptsache Italien!«

68.

3:1 jetzt hier. Und Mourinho streichelt in der Manteltasche sein Handy. Wann kommt die Trost-SMS von Guardiola? »I feel with you, Mou :-( Kisses, Pep.«

75.

Noch 15 Minuten. 15 Minuten, bis wir wissen, was Mourinho wirklich im Schilde führt.

78.

»Ich muss gestehen«, gesteht Reif, »ich bin relativ außer mir.« Ob er die Gelegenheit nutzt, sich mal zuzuhören?

82.

Simeone wechselt im Überschwang den vierten Nicht-EU-Ausländer ein. Chelsea im Finale. Weitersagen.

83.

Jetzt liest Teresa Orlowski über das Stadionmikrofon die Spielregeln vor. Latte Chelsea! Mourinho lässt nichts unversucht.

87.

Wollt ich lange schon mal wieder sagen: »Komm, pfeif ab!« Hier und heute in Kombination mit: »Wir müssen morgen alle wieder arbeiten!«

89.

Bizarr: Schürrle mit der Schwalbe in der 88. Minute beim Stand von 1:3. Und schon reagiert Joachim Löw, streicht ihn aus seinem Nivea-Notizblock. Olli Neuville darf es noch mal wissen wollen!

90.

Anruf von Stefan Kießling in der 11FREUNDE-Redaktion: »Aber ich will es auch endlich mal wissen wollen! Neuville? Das ist so fiese von Jogi. Echt jetzt mal. Aber wisst Ihr was? Ich geh nach Katar! Wie Ailton!« Falsch verbunden. 

92.

Und aus ist’s. 1:3 – the special Heimniederlage. Och, Gottchen: John Terry weint. Wayne Bridge, würde ich tippen, weint wohl nicht. Ich übrigens auch nicht. Hab schon längst keine Gefühle mehr. Warum, das zeigt Ihnen Erik Meijer gleich am SKY-Riesenbildschirm: »Ja, da hätte er weinen müssen. MÜSSEN! Aber weißt du was? Er ist kaputt! KAPUTT! So kommt man nicht ins Finale. Tja. Hahahahaha.« Egal. Hauptsache Italien. Gute Nacht, liebe Fans.


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