Borussia Dortmund
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Zenit St. Petersburg

BVB-Zenit im Liveticker

Wie Diplomatie ohne Würfel

Verloren, aber gewonnen: Manchmal ist Champions League eben wie Diplomatie ohne Würfel. Der BVB wehrt angreifende Russen ab und zieht in die NATO ein. Ein starker Mann namens Hulk reicht Zenit nicht. Für eine Zugehörigkeit zum Viertelfinale votierte ganz peacig: der 11FREUNDE-Liveticker.

20:02 Uhr

Okay, machen wir uns nichts vor: Die Ausgangslage für Zenit ist beschissen. Was Beiersdorfer und Co. jetzt brauchen, sind Typen, die mal was Außergewöhnliches machen. Typen, die sich nicht um Regeln scheren. Typen wie diese:

20:20 Uhr

Was die Aufgabe des »Bravo«-Journalisten Andreas Spohr in der Sky-Runde ist, wissen wir nicht. Wir vermuten: Er liest in der Halbzeit alte Dr.-Sommer-Briefe vor. Zum Beispiel diesen hier: »Lieber Dr. Sommer, Ich möchte bald zum ersten Mal mit meiner Freundin schlafen. Meine Freundin hat mir gesagt, daß dabei das Jungfernhäutchen platzt. Nun habe ich Angst, dass meine Eltern durch den Knall wach werden und uns erwischen!«

20:23 Uhr

Kleine Infos für zwischendurch: Hannovers Steven Cherundolo beendet seine Karriere. Zum Abschied sagte er: »Meine letzte Ballberührung war ein Tunnel gegen Huszti!« Ersetze »Ballberührung« durch »Party«, »war« durch »feierte ich« und »Tunnel gegen Huszti« durch »mit Snoop Dogg in Las Vegas« – dann wisst ihr, wie wir nächstes Jahr unsere »Karrieren« »beenden«.

20:27 Uhr

Direkt hinter Marcel Koller sitzt ein Mann, der ein bisschen aussieht wie ein Bergsteiger a.D., vermutlich aber ein Chemie-Professor i.D. ist. In der Halbzeit erwartet uns dann der große Knall: Er beantwortet die Leserbriefe, die »Bravo«-Reporter Andreas Spohr vorträgt. Als Dr.-Sommer-Hologramm.

20:28 Uhr

»Spiel eins nach Gladbach«, dräut Welke und es klingt wie eine beispiellose Zäsur, es klingt wie: Klopp gefeuert, Großkreutz zu Schalke gewechselt, Zorc mit Steuerskandal erwischt. Beim ZDF wissen sie, wie man Dramatik heischt. Wir setzen noch einen drauf und sagen: »Spiel eins vor Hannover.« Und jetzt alle einmal durchatmen.

20:30 Uhr

Ihr entnehmt den vorangegangenen Ticks, dass wir uns den absoluten Gebührenluxus gönnen und parallel Sky UND ZDF schauen. Unfassbar. Elfenbeinturm Liveticker. Aus der Kurve für die Kurve, das war einmal. Passé. Wir würden uns gerne rechtfertigen, haben den Mund aber voller Kaviar...tschorry.

20:35 Uhr

Dortmund gegen Zenit St. Petersburg – dieser Drops ist nicht nur gelutscht, der ist ausgekaut und uns vor die Füße gespuckt. Warum das ZDF dieses Fußballvalium trotzdem sendet, fragt ihr? Antwort: Weil beim Zweiten die lässigsten Social-Media-Feedbacker seit immer sitzen. Der diesbezügliche Beweis wurde in der Vorwoche erbracht.

20:38 Uhr

Vor den Achtelfinals hat Zenit bedingt durch die russische Ligapause drei Trainingslager und zehn Testspiele absolviert. Wie wir früher, im Dorfverein, wenn es gegen die verhasste Konkurrenz aus dem Nachbarort ging. Irgendeine Ostseedüne bezelten, bei Tag bißchen grillen und dazu Vier-gegen-Zwei, nächtens mit dem Taxishuttle in die einzige Disco im Umkreis von fünfzig Kilometern, die natürlich Großraum war, vier Floors, drei Kurze im Eintritt inbegriffen, auf Basis derer man sich dann an die Landschönheiten ranwanzte, der Kapitän durfte fummeln und der Rest gucken, später in den Sonnenaufgang erbrochen und am folgenden Vormittag ein 0:1 gegen die SG Nordangeln-Grundhof. In diesem Sinne: Viel Glück, Zenit. 

20:40 Uhr

Wenn Réthy zur Analyse ansetzt, öffnen sich seine Lippen mit einem dieser gänsehautproduzierenden Speichelmangelgeräusch. Stenografiert klingt das etwa so: Krsch-tikkks-grrrasch. Habe ich zuletzt gehört, als der Kapitän damals mit der Landschönheit (siehe Tick zuvor) anbändelte. Fiese Flashbacks. 

20:42 Uhr

Mallenco, Cabanero, Perez del Palomar, Gomez, Vitienes und Jimenez. Ich wünschte, so hießen meine Ex-Freundinnen. So heißt aber das Schiedsrichtergespann, das uns durch den Abend pfeift, winkt und torrichtet. Namen wie Musik, von einer Flamencogitarre in den milden Nachthimmel geträumt. Fernwehgepackt buchen wir zwei Pauschalen an die Costa Brava. Tickern jetzt aus dem Sangriaeimer weiter.

1.

Wichtiger Hinweis zum Anstoß: Wir gucken jetzt nur noch ZDF. Warum? Weil der Kaviar durch das Gehäuse des Sky-Decoders direkt auf die magnetischen Kontakte getropft ist und dieser dann implodierte. »Pyrotechnik legalisieren, Emotionen respektieren«, jubelte Kollege Herrmann. Doch da war es schon zu spät. Also: Guten Abend, Bela Rethy! Bzw.: Viel »Spaß«, liebe Mitleser.

2.

Kurze Ergebnis-Info zu Beginn: Wenn Zenit acht Tore schießt, muss Dortmund sieben schießen, da Auswärtstore doppelt zählen. Wahnsinn? Absolut! Es könnte spannend werden wie seit »Poltergeist 2« nicht mehr.

4.

Sergej Zemak mag auf den ersten Blick aussehen wie mein alter tscheslowakischer Tennistrainer aus der UdSSR, ist aber in Wahrheit der neue Interimstrainer von Zenit. Laut Bela Rethy hat er die Trillerpfeife seines Vorgängers Luciano Spalletti geerbt. Wird er heute auch so erfolgreich sein?

5.

Erste Chance für den BVB. Flanke von Marcel Schmelzer auf den Kopf von Aubameyang. Malafeev, Zenits Torhüter, flattert orientierungslos durch den Fünfer wie ein weißer Hai durch die Wüste Gobi. Der BVB-Stürmer köpft dennoch daneben.

7.

Apropos Weißer Hai: Eine »Breaking News« gleich zu Beginn der Partie! Wladimir Putin ist auf dem Weg nach Dortmund. Aktuell reitet er auf einem weißen Hai am Nordkap vorbei. Erwartete Ankunft zur zweiten Halbzeit. Ansage: »Ich kann vier Tore in vier Minuten spielen.« Und wenn das nicht klappt, wird einfach noch mal über das Ergebnis abgestimmt. Blöd für Dortmund: St. Petersburg hat knapp 5 Millionen Einwohner.

9.

Jetzt schon mein Lieblingsspieler in dieser Partie: Axel Witsel. Klingt wie ein kleines Tierchen mit besonders dichtem Fellwuchs. Eines das man sich auf den Schoß legt und einem die besten Pointen von Fips Asmussen erzählt, während man das neue »Lustige Taschenbuch« studiert. Elende Tagträume am Mittwochabend.

12.

Übrigens: Beiersdorfer glaubt tatsächlich an ein Wunder. In einem Interview mit »Gazprom-Football«, unserer Dritt-Lieblingszeitung (nach »Bravo Sport« und »Fisch und Fang«), sagte Zenits Sportdirektor: »Wir haben noch eine Chance.« Wir fragen: Warum auch nicht!? Auch Schalke hätte gegen Real Madrid eine Chance gehabt. Wenn sie das Hinspiel 6:1 oder 17:0 gewonnen hätten.

14.

Ach, und Beiersdorfer äußerte sich in »Gazprom-Football« auch zum neuen Zenit-Interimstrainer Sergej Semak: »Wir trauen ihm diese große Aufgabe zu, in Dortmund alles aus der Mannschaft herauszuholen, um den BVB zu besiegen.« Auch das mag eine erstaunliche Aussage sein, doch natürlich muss man das im Kontext des Magazin-Herausgebers sehen. Nicht jeder will aufgrund von realistischen oder gar negativen Äußerungen im kommenden Winter mit Kohle heizen.

15.

Heidewitzka. Hulk tankt sich durch die halbe Dortmunder Abwehr und hämmert den Ball mit links in den Winkel. Mit der Kraft eines Löwen, mit dem Herz von Vera int Veen. In der Summe: unhaltbar.

16.

Dieser Liveticker kommt also, ihr habt es bemerkt, nicht ohne Anspielungen auf die politische Gemengelage aus. Sport ist nicht Politik, das könnte nun eine Meinung sein. Und dass alles politisch ist, das möglicherweise die andere Sicht. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit und das Westfalenstadion, das so schon lange nicht mehr heißt. Ist Humor angebracht? Der schmale Grat, auf dem wir tickern, verläuft heute an den Grenzen der Nato. Bitte lassen Sie uns gewähren, wir genießen humoristische Immunität.

18.

Elfmeter! Kein Elfmeter! Elfmeter? Nein. Nach einer Ecke fällt Lewandowski, ein #aufschrei geht durch die Kurven, aber Schiedsrichter Mallenco gibt dem Polen Gelb. Die anschließenden Proteste unterbindet der Spanier nicht. Ein lupenreiner Demokrat.

21.

Will man eine deutsche Mannschaft finden, die einen auswärts erspielten Zweitorevorsprung international noch weggeschenkt hat, muss man in die dunkelsten Asservate der Fußballhistorie steigen. 1996/97, Achtelfinale UEFA-Pokal, Karlsruher SC, 0:5 nach 3:1 im Hinspiel gegen Bröndby Kopenhagen. Der KSC damals mit Reitmaier, Metz, Hengen, Schuster, Fink, Tarnat, Dundee und Kirjakow. Eingewechselt wurden noch Edgar Schmitt und Christian Wück. Unfassbare Vergangenheit. Bock und ich liegen einander weinend in den Armen.

23.

Béla Réthy liegt die freie Rede nicht. Meine Meinung.

25.

»Unten an der Seitenlinie greift Jürgen Klopp immer stärker ins Spiel ein«, beobachtet Réthy, der im Stadion sitzt. Dem gemeinen TV-Zuschauer bleibt diese Szenen leider verborgen. Er kann sich nur vorstellen, wie Klopp taktischfoulend einen Konter der Gäste unterbindet, wie er routiniert Bälle abläuft und Gegenstöße initiiert. Ein moderner Trainer. Die hängende Zwölf.

28.

Es wäre ziemlich einfach, Hulk als Muskelprotz abzutun. Weil es stimmt.

30.

Dortmund taktiert ostwärts. Aber Zyryanov zerreißt einen Pass von Sahin an der Grenze. Chancen gibt es derzeit keine, wir sind auf Entzug gesetzt. Das ist kein Kalter Krieg. Das ist Cold Turkey.

32.

Zenit spielt mitunter einen richtig schicken Fußball. Manchmal passen die Russen so zauberhaft und todesmutig, dass Uwe Bein im heimischen Wohnzimmer die Kniffel-Würfel zur Seite legt und sich warm läuft. Wie lange muss er noch auf seine Einwechslung warten? Wann hat Semak ein Einsehen?

34.

Freistoß für Dortmund. Sahin läuft an und kickt den Ball in die Mauer. Klopps Miene verzieht sich zu einer flugsaurierartigen Grimasse. Rethy expertet: »Ich habe ihn schon mal entspannter gesehen!« Wir fragen uns: Wann? Kurz nach der Kreidezeit? 

36.

Lassen wir noch einmal das Tor von Hulk Revue passieren und stellen uns die alles entscheidende Frage: Wer hätte den Schuss halten können? Oliver Kahn? Gianluigi Buffon? Ich? Die traurige Wahrheit: Nur Wladimir Putin hätte den Ball gehalten. Per Fußabwehr. Die andere traurige Wahrheit: Putin ist immer noch nicht zu sehen. Wahrscheinlich verhandelt er gerade in den Stadionkatakomben mit Dortmunds Bürgermeister über die Annexion von Lüdenscheid.

38.

Jetzt! Ja! Oder! Ja! Doch! Schön! Kehl nickt den Ball nach einer Flanke von Schmelzer ins Tor. Klopps Flugsaurier-Gesichtszüge formen sich zu einer gutmütigen Weihnachtsmann-Miene. Und das noch vor Ostern. Wahnsinnspiel! Auf allen Ebenen!

40.

Jetzt kommt der BVB in Fahrt. Erste Szene: Schmelzer tankt sich in Zenits Strafraum, wird dann aber zurückgepfiffen. Stürmerfoul. Zweite Szene: Lewandowski eilt auf links in Richtung Tor. Malafeev rennt ihn einfach um. Im Wrestling würde man das einen Cross-Arm-Breaker oder Cobra Clutch nennen. Im Fußball würde man sagen: Foul. Doch in diesem Spiel ist alles anders. Schiedsrichter Mallenco sagt: »Weiterspielen!« Wenn wir jetzt einen Kameraschwenk zu Klopp bekämen, würde auch noch unser ZDF-Kanal implodieren.

44.

Die erste Halbzeit hatte alles, was ein Fußball ausmacht: Pässe, Flanken, Tore, Spannung – und einen zornigen Jürgen Klopp. Es kann nur schlechter werden. Bleiben Sie dran!

21:32 Uhr

Perfekter Pass von Bela Rethy auf Marietta Slomka. Von Dortmund über St. Petersburg auf die Krim in zwei Sekunden. Das ZDF ist der Usain Bolt des deutschen Fernsehens. Wenn jetzt noch Wladimir Putin auf der Elchjagd in Herne-West gezeigt wird, glauben wir an gar nichts mehr. Außer an Werner Kampmann.

21:42 Uhr

Nachdenkliches für zwischendurch: Mir ist eine interessante Mail ins Postfach geflogen. In mein berufliches Postfach. Verschickt von einer Svetlana, die sich im Anhang mit einem adretten Foto vorstellt. Ich bin relativ ratlos. Die große Liebe oder russische Propaganda? Svetlana schreibt mir:

21:44 Uhr

Welke kalauert sich gegen jedes intellektuelle Gewissen durch die Halbzeitpause. Hat sich anscheinend im Format geirrt. Ich gäbe jetzt viel für die morgen-Show. Und neben ihm auch noch Titan Kahn. Aus dem Hintergrund müsste Kahn assistieren. Aber der Keeper bestaunt die verbalen Aussetzer grinsend. Wunder sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

21:43 Uhr

Werden auf Sky gerade Dr.Sommer-Briefe vorgelesen? Wenn ja, hoffentlich auch dieser: »Ich habe was Komisches an mir entdeckt und weiß nicht, ob es in Ordnung ist. Vor kurzem habe ich versucht mich selbst zu befriedigen. Dabei hüpfte mein Penis im steifen Zustand eine ganze Weile von selber auf und ab. Dann kam eine wässrige Flüssigkeit heraus. War das ein Samenerguß? Und wieso bewegt sich mein Penis selbst?«

46.

Anstoß. Und noch ein Nachtrag zur Pause, in der Oliver Kahn analysierte: »Man sollte Hulk nicht zum Schuss kommen lassen.« Gut, man sollte Stefan Effenberg auch nicht aufs Oktoberfest lassen. Alles leichter gesagt, als getan. 

48.

Für alle, die für den morgigen Frühlingstag noch ein paar Frühlingsgefühle brauchen: Unser Lieblingsfoto von Zenits Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

50.

Hulk mit einem Freistoß aus 30 Metern. Zimmert den Ball zwei Meter über das Tor. »Unglaublich«, findet das Bela Rethy. Martin Kree sitzt zu Hause und zertrümmert vor Wut eine Ming-Vase aus dem 14. Jahrhundert.

53.

Klopp mit verschränkten Armen auf der Bank. »Sieht entspannt aus«, sagt Rethy. Und tatsächlich, für eine Zehntelsekunde zogen sich Klopps Mundwinkel gen Norden. Wir lächeln mit. Gen Westen.

55.

Ein Facebook-User glaubt, dass Putin zuhause vor dem Rechner sitzt und sich über die Einträge im 11FREUNDE-Liveticker wundert. Neben ihm sitzt Edward Snowden und schreibt ihm unsere Privatadressen auf. Könnte mal jemand nach meiner Wohnung gucken? Ich habe dort eine alte Liebling-Kaffee-Tasse (Motiv: Didlmaus), die ich gerne behalten würde.

58.

Zenit zieht sich weiter zurück. Kommt ab der 80. Minute die gute alte russische Türsteher-Brechstange? Wenn ja: Ich bin nicht daha – sondern hier.

60.

Das ZDF informiert: Borussia Dortmund ist bislang 77 Kilometer gelaufen, Zenit kommt auf 74 Kilometer. Was uns das sagt? Wir zitieren Werner Hansch: »Nach der Statistik ist jeder 4. Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.« Oder doch?

61.

Eine Diagnose aus der Halbzeit gilt es noch nachzutragen, weil sie skandalös ist: Keine Pressingbereitschaft beim BVB, diagnostizierte nämlich Dr. med. Kahn! Und das im Land der Überalterung! In der Republik des Geburtenrückgangs! Wer, fragen wir, gebährt uns nun das Achtelfinale? Vielleicht ja Schmelzer, der eine neue Wehe auf den Weg schickt. Doch nein. Lewandowski bleibt überzeugter Nichtvater.

63.

Hier könnte unser Livetick stehen.

65.

Lewandowski trägt immer diesen perversen Gesichtsausdruck spazieren, diese Wenn-ich-will-kann-ich-unglaublich-viel-Leid-zufügen-Mimik. Verteidiger Anyukov hält mit seiner Hauptsache-der-Rubel-rollt-Physiognomie dagegen. Oder, wie ein Freund von mir neulich sagte: Ein Körper wie in Butter gemeißelt.

67.

Hubocan gegen Lewandowski. Versucht den Polen zu foulen. Scheitert bezeichnenderweise am Versuch. Benennt sich um in Hubocan't.

68.

Mkhitaryan verzieht bei seiner letzten Aktion. Vaterkomplex? Immerhin heißt sein Herr Erzeuger, das haben wir flugs recherchiert, Hamlet Mkhitaryan. Rein oder nicht rein, das ist hier die Frage. Die Antwort lautet: raus. Für Mkhitaryan kommt Jojic. Und alle so yo!

70.

Dortmund drückt auf die endgültige Entscheidung. Wie muss sich das für André Villas-Boas anfühlen? Der Portugiese wurde ja besonders perfide kaltgestellt. Am Montag als neuer Trainer der Russen präsentiert, darf er seinen Dienst erst am Donnerstag antreten. Das ist, als wenn man einem Pornodarsteller mitteilt: Du spielst den Gärtner, der im Hintergrund die Geranien gießt, während die Millionärswitwe auf der Terrasse vom Poolboy durchgeferkelt wird. Bedenklich, allzu bedenklich.

72.

Das muss doch nicht sein: Rondon nickt aus drei Metern zum 2:1 ein. Dabei hatte Réthy eben noch analysiert, die Russen würden als Kollektiv nicht funktionieren. Nach dieser Szene muss man konstatieren: Manchmal reicht auch ein starker Mann an/in der Spitze. 

73.

Seit dem Hinspiel fuhr St. Petersburg ein 0:0 gegen Tom Tomsk und ein 0:1 bei ZSKA ein, hintergrundinformiere ich beflissen. Bock wird hellhörig. »Tom Tomsk? Was macht der denn so?« - »Keine Ahnung. Acidjazz?« - »Ja, das würde passen...«, murmelt Bock in seinen Bart. Dann versinkt der Liveticker wieder in brütendem, unangenehmem Schweigen.

75.

Referendum über Réthys Moderation. 96 Prozent der Stimmberechtigten votieren für einen Verbleib des Mikrofonmethusalems. Bei der Wahl sind keine OSZE-Beobachter zugegen.

76.

Ich zu Bock: »Gehst du bitte Bier holen?« Bock, grimmeprämiert und seitdem völlig abgehoben: »Dafür kannst du mich nicht runterschicken. Nur weil ich ein mittlerweile weltbekanntes Gesicht habe.« Auf dem Weg zum Kiosk legt er sich mit zwei Passanten und einem Lesern an. 

78.

Rondon und Kehl sinken am Mittelkreis zu Boden. Muskelschwundspiele Champions-League.

81.

Du bist Dortmund-Fan und hast keine Freude am Spiel? Na, gut, zur Aufmunterung diese bahnbrechende Erkenntnis von den Kollegen von http://globoesporte.globo.com. Muss die Geschichte neu geschrieben werden? Und somit auch dieses Spiel?

83.

Rondon, der heißt wie ein lateinamerikanischer Standardtanz und aussieht wie ein südeuropäischer Straßenmusiker, wird jetzt geradezu agil. Immer wieder wirft er sich in Zweikämpfe, als wäre dies das letzte Spiel seines Lebens. Was er nicht ahnt: Das nächste Spiel wartet schon. In Samara, bei Krylia Sovetov. Was für jeden Fußballfan und -spieler vor allem eines bedeuten sollte: totale Vorfreude.

86.

Witsel jetzt mit einem gar niedlichen Schuss. Muss selbst lachen. Wie immer.

88.

Zwei Minuten noch. Zeit genug, um sich etwa 13 Hundert-Meter-Läufe von Usain Bolt anzusehen. Zeit genug, um die komplette Bild-Zeitung des heutigen Tages zu lesen. Zeit genug für zwei Tore für Zenit? Wir sagen ja, setzen 1000 Euro darauf – und ordern zeitgleich einen neuen Lamborghini bei dem Lamborghini-Händler unseres Vertrauens.

90.

Ein übles Foul, bei dem sich ein Spieler verletzt. Problem: Wir haben davon nichts mitbekommen, weil wir gerade einen Leserbrief an den »Bussi-Bär« schreiben mussten: »Ihr seid auch nicht mehr das, was ihr mal wart!« Nun krümmt sich ein Spieler von Zenit auf dem Rasen. Fairerweise auch von hier: »Alles okay, Alter?«

93.

Aus, aus, aus. Borussia Dortmund gewinnt 1:2. Wir freuen uns nur bedingt, denn wir gewinnen einen Kredit von 1000 Euro und eine Ratenzahlung auf einen Lamborghini. Wer beteiligt sich?

22:37 Uhr

Borussia Dortmund steht im Viertelfinale. Mit dieser Leistung muss man sich allerdings fragen. ob es nicht Sinn macht, in diesem die 11FREUNDE-Betriebsmannschaft aufzustellen. Wir sind gut in Form und spielen einen sehr modernen Fußball. Keywords: Pressing, gegen den Ball, Körpersprache, Raute, falsche Neun. Wir freuen uns auf Ihren Anruf, Herr Klopp. Bis dahin: Tschüss!

22:37 Uhr

Borussia Dortmund steht im Viertelfinale. Mit dieser Leistung muss man sich allerdings fragen. ob es nicht Sinn macht, in diesem die 11FREUNDE-Betriebsmannschaft aufzustellen. Wir sind gut in Form und spielen einen sehr modernen Fußball. Keywords: Pressing, gegen den Ball, Körpersprache, Raute, falsche Neun. Wir freuen uns auf Ihren Anruf, Herr Klopp. Bis dahin: Tschüss!

93.

Aus, aus, aus. Borussia Dortmund gewinnt 1:2. Wir freuen uns nur bedingt, denn wir gewinnen einen Kredit von 1000 Euro und eine Ratenzahlung auf einen Lamborghini. Wer beteiligt sich?

90.

Ein übles Foul, bei dem sich ein Spieler verletzt. Problem: Wir haben davon nichts mitbekommen, weil wir gerade einen Leserbrief an den »Bussi-Bär« schreiben mussten: »Ihr seid auch nicht mehr das, was ihr mal wart!« Nun krümmt sich ein Spieler von Zenit auf dem Rasen. Fairerweise auch von hier: »Alles okay, Alter?«

88.

Zwei Minuten noch. Zeit genug, um sich etwa 13 Hundert-Meter-Läufe von Usain Bolt anzusehen. Zeit genug, um die komplette Bild-Zeitung des heutigen Tages zu lesen. Zeit genug für zwei Tore für Zenit? Wir sagen ja, setzen 1000 Euro darauf – und ordern zeitgleich einen neuen Lamborghini bei dem Lamborghini-Händler unseres Vertrauens.

86.

Witsel jetzt mit einem gar niedlichen Schuss. Muss selbst lachen. Wie immer.

83.

Rondon, der heißt wie ein lateinamerikanischer Standardtanz und aussieht wie ein südeuropäischer Straßenmusiker, wird jetzt geradezu agil. Immer wieder wirft er sich in Zweikämpfe, als wäre dies das letzte Spiel seines Lebens. Was er nicht ahnt: Das nächste Spiel wartet schon. In Samara, bei Krylia Sovetov. Was für jeden Fußballfan und -spieler vor allem eines bedeuten sollte: totale Vorfreude.

81.

Du bist Dortmund-Fan und hast keine Freude am Spiel? Na, gut, zur Aufmunterung diese bahnbrechende Erkenntnis von den Kollegen von http://globoesporte.globo.com. Muss die Geschichte neu geschrieben werden? Und somit auch dieses Spiel?

78.

Rondon und Kehl sinken am Mittelkreis zu Boden. Muskelschwundspiele Champions-League.

76.

Ich zu Bock: »Gehst du bitte Bier holen?« Bock, grimmeprämiert und seitdem völlig abgehoben: »Dafür kannst du mich nicht runterschicken. Nur weil ich ein mittlerweile weltbekanntes Gesicht habe.« Auf dem Weg zum Kiosk legt er sich mit zwei Passanten und einem Lesern an. 

75.

Referendum über Réthys Moderation. 96 Prozent der Stimmberechtigten votieren für einen Verbleib des Mikrofonmethusalems. Bei der Wahl sind keine OSZE-Beobachter zugegen.

73.

Seit dem Hinspiel fuhr St. Petersburg ein 0:0 gegen Tom Tomsk und ein 0:1 bei ZSKA ein, hintergrundinformiere ich beflissen. Bock wird hellhörig. »Tom Tomsk? Was macht der denn so?« - »Keine Ahnung. Acidjazz?« - »Ja, das würde passen...«, murmelt Bock in seinen Bart. Dann versinkt der Liveticker wieder in brütendem, unangenehmem Schweigen.

72.

Das muss doch nicht sein: Rondon nickt aus drei Metern zum 2:1 ein. Dabei hatte Réthy eben noch analysiert, die Russen würden als Kollektiv nicht funktionieren. Nach dieser Szene muss man konstatieren: Manchmal reicht auch ein starker Mann an/in der Spitze. 

70.

Dortmund drückt auf die endgültige Entscheidung. Wie muss sich das für André Villas-Boas anfühlen? Der Portugiese wurde ja besonders perfide kaltgestellt. Am Montag als neuer Trainer der Russen präsentiert, darf er seinen Dienst erst am Donnerstag antreten. Das ist, als wenn man einem Pornodarsteller mitteilt: Du spielst den Gärtner, der im Hintergrund die Geranien gießt, während die Millionärswitwe auf der Terrasse vom Poolboy durchgeferkelt wird. Bedenklich, allzu bedenklich.

68.

Mkhitaryan verzieht bei seiner letzten Aktion. Vaterkomplex? Immerhin heißt sein Herr Erzeuger, das haben wir flugs recherchiert, Hamlet Mkhitaryan. Rein oder nicht rein, das ist hier die Frage. Die Antwort lautet: raus. Für Mkhitaryan kommt Jojic. Und alle so yo!

67.

Hubocan gegen Lewandowski. Versucht den Polen zu foulen. Scheitert bezeichnenderweise am Versuch. Benennt sich um in Hubocan't.

65.

Lewandowski trägt immer diesen perversen Gesichtsausdruck spazieren, diese Wenn-ich-will-kann-ich-unglaublich-viel-Leid-zufügen-Mimik. Verteidiger Anyukov hält mit seiner Hauptsache-der-Rubel-rollt-Physiognomie dagegen. Oder, wie ein Freund von mir neulich sagte: Ein Körper wie in Butter gemeißelt.

63.

Hier könnte unser Livetick stehen.

61.

Eine Diagnose aus der Halbzeit gilt es noch nachzutragen, weil sie skandalös ist: Keine Pressingbereitschaft beim BVB, diagnostizierte nämlich Dr. med. Kahn! Und das im Land der Überalterung! In der Republik des Geburtenrückgangs! Wer, fragen wir, gebährt uns nun das Achtelfinale? Vielleicht ja Schmelzer, der eine neue Wehe auf den Weg schickt. Doch nein. Lewandowski bleibt überzeugter Nichtvater.

60.

Das ZDF informiert: Borussia Dortmund ist bislang 77 Kilometer gelaufen, Zenit kommt auf 74 Kilometer. Was uns das sagt? Wir zitieren Werner Hansch: »Nach der Statistik ist jeder 4. Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.« Oder doch?

58.

Zenit zieht sich weiter zurück. Kommt ab der 80. Minute die gute alte russische Türsteher-Brechstange? Wenn ja: Ich bin nicht daha – sondern hier.

55.

Ein Facebook-User glaubt, dass Putin zuhause vor dem Rechner sitzt und sich über die Einträge im 11FREUNDE-Liveticker wundert. Neben ihm sitzt Edward Snowden und schreibt ihm unsere Privatadressen auf. Könnte mal jemand nach meiner Wohnung gucken? Ich habe dort eine alte Liebling-Kaffee-Tasse (Motiv: Didlmaus), die ich gerne behalten würde.

53.

Klopp mit verschränkten Armen auf der Bank. »Sieht entspannt aus«, sagt Rethy. Und tatsächlich, für eine Zehntelsekunde zogen sich Klopps Mundwinkel gen Norden. Wir lächeln mit. Gen Westen.

50.

Hulk mit einem Freistoß aus 30 Metern. Zimmert den Ball zwei Meter über das Tor. »Unglaublich«, findet das Bela Rethy. Martin Kree sitzt zu Hause und zertrümmert vor Wut eine Ming-Vase aus dem 14. Jahrhundert.

48.

Für alle, die für den morgigen Frühlingstag noch ein paar Frühlingsgefühle brauchen: Unser Lieblingsfoto von Zenits Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

46.

Anstoß. Und noch ein Nachtrag zur Pause, in der Oliver Kahn analysierte: »Man sollte Hulk nicht zum Schuss kommen lassen.« Gut, man sollte Stefan Effenberg auch nicht aufs Oktoberfest lassen. Alles leichter gesagt, als getan. 

21:43 Uhr

Werden auf Sky gerade Dr.Sommer-Briefe vorgelesen? Wenn ja, hoffentlich auch dieser: »Ich habe was Komisches an mir entdeckt und weiß nicht, ob es in Ordnung ist. Vor kurzem habe ich versucht mich selbst zu befriedigen. Dabei hüpfte mein Penis im steifen Zustand eine ganze Weile von selber auf und ab. Dann kam eine wässrige Flüssigkeit heraus. War das ein Samenerguß? Und wieso bewegt sich mein Penis selbst?«

21:44 Uhr

Welke kalauert sich gegen jedes intellektuelle Gewissen durch die Halbzeitpause. Hat sich anscheinend im Format geirrt. Ich gäbe jetzt viel für die morgen-Show. Und neben ihm auch noch Titan Kahn. Aus dem Hintergrund müsste Kahn assistieren. Aber der Keeper bestaunt die verbalen Aussetzer grinsend. Wunder sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

21:42 Uhr

Nachdenkliches für zwischendurch: Mir ist eine interessante Mail ins Postfach geflogen. In mein berufliches Postfach. Verschickt von einer Svetlana, die sich im Anhang mit einem adretten Foto vorstellt. Ich bin relativ ratlos. Die große Liebe oder russische Propaganda? Svetlana schreibt mir:

21:32 Uhr

Perfekter Pass von Bela Rethy auf Marietta Slomka. Von Dortmund über St. Petersburg auf die Krim in zwei Sekunden. Das ZDF ist der Usain Bolt des deutschen Fernsehens. Wenn jetzt noch Wladimir Putin auf der Elchjagd in Herne-West gezeigt wird, glauben wir an gar nichts mehr. Außer an Werner Kampmann.

44.

Die erste Halbzeit hatte alles, was ein Fußball ausmacht: Pässe, Flanken, Tore, Spannung – und einen zornigen Jürgen Klopp. Es kann nur schlechter werden. Bleiben Sie dran!

40.

Jetzt kommt der BVB in Fahrt. Erste Szene: Schmelzer tankt sich in Zenits Strafraum, wird dann aber zurückgepfiffen. Stürmerfoul. Zweite Szene: Lewandowski eilt auf links in Richtung Tor. Malafeev rennt ihn einfach um. Im Wrestling würde man das einen Cross-Arm-Breaker oder Cobra Clutch nennen. Im Fußball würde man sagen: Foul. Doch in diesem Spiel ist alles anders. Schiedsrichter Mallenco sagt: »Weiterspielen!« Wenn wir jetzt einen Kameraschwenk zu Klopp bekämen, würde auch noch unser ZDF-Kanal implodieren.

38.

Jetzt! Ja! Oder! Ja! Doch! Schön! Kehl nickt den Ball nach einer Flanke von Schmelzer ins Tor. Klopps Flugsaurier-Gesichtszüge formen sich zu einer gutmütigen Weihnachtsmann-Miene. Und das noch vor Ostern. Wahnsinnspiel! Auf allen Ebenen!

36.

Lassen wir noch einmal das Tor von Hulk Revue passieren und stellen uns die alles entscheidende Frage: Wer hätte den Schuss halten können? Oliver Kahn? Gianluigi Buffon? Ich? Die traurige Wahrheit: Nur Wladimir Putin hätte den Ball gehalten. Per Fußabwehr. Die andere traurige Wahrheit: Putin ist immer noch nicht zu sehen. Wahrscheinlich verhandelt er gerade in den Stadionkatakomben mit Dortmunds Bürgermeister über die Annexion von Lüdenscheid.

34.

Freistoß für Dortmund. Sahin läuft an und kickt den Ball in die Mauer. Klopps Miene verzieht sich zu einer flugsaurierartigen Grimasse. Rethy expertet: »Ich habe ihn schon mal entspannter gesehen!« Wir fragen uns: Wann? Kurz nach der Kreidezeit? 

32.

Zenit spielt mitunter einen richtig schicken Fußball. Manchmal passen die Russen so zauberhaft und todesmutig, dass Uwe Bein im heimischen Wohnzimmer die Kniffel-Würfel zur Seite legt und sich warm läuft. Wie lange muss er noch auf seine Einwechslung warten? Wann hat Semak ein Einsehen?

30.

Dortmund taktiert ostwärts. Aber Zyryanov zerreißt einen Pass von Sahin an der Grenze. Chancen gibt es derzeit keine, wir sind auf Entzug gesetzt. Das ist kein Kalter Krieg. Das ist Cold Turkey.

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Es wäre ziemlich einfach, Hulk als Muskelprotz abzutun. Weil es stimmt.

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»Unten an der Seitenlinie greift Jürgen Klopp immer stärker ins Spiel ein«, beobachtet Réthy, der im Stadion sitzt. Dem gemeinen TV-Zuschauer bleibt diese Szenen leider verborgen. Er kann sich nur vorstellen, wie Klopp taktischfoulend einen Konter der Gäste unterbindet, wie er routiniert Bälle abläuft und Gegenstöße initiiert. Ein moderner Trainer. Die hängende Zwölf.

23.

Béla Réthy liegt die freie Rede nicht. Meine Meinung.

21.

Will man eine deutsche Mannschaft finden, die einen auswärts erspielten Zweitorevorsprung international noch weggeschenkt hat, muss man in die dunkelsten Asservate der Fußballhistorie steigen. 1996/97, Achtelfinale UEFA-Pokal, Karlsruher SC, 0:5 nach 3:1 im Hinspiel gegen Bröndby Kopenhagen. Der KSC damals mit Reitmaier, Metz, Hengen, Schuster, Fink, Tarnat, Dundee und Kirjakow. Eingewechselt wurden noch Edgar Schmitt und Christian Wück. Unfassbare Vergangenheit. Bock und ich liegen einander weinend in den Armen.

18.

Elfmeter! Kein Elfmeter! Elfmeter? Nein. Nach einer Ecke fällt Lewandowski, ein #aufschrei geht durch die Kurven, aber Schiedsrichter Mallenco gibt dem Polen Gelb. Die anschließenden Proteste unterbindet der Spanier nicht. Ein lupenreiner Demokrat.

16.

Dieser Liveticker kommt also, ihr habt es bemerkt, nicht ohne Anspielungen auf die politische Gemengelage aus. Sport ist nicht Politik, das könnte nun eine Meinung sein. Und dass alles politisch ist, das möglicherweise die andere Sicht. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit und das Westfalenstadion, das so schon lange nicht mehr heißt. Ist Humor angebracht? Der schmale Grat, auf dem wir tickern, verläuft heute an den Grenzen der Nato. Bitte lassen Sie uns gewähren, wir genießen humoristische Immunität.

15.

Heidewitzka. Hulk tankt sich durch die halbe Dortmunder Abwehr und hämmert den Ball mit links in den Winkel. Mit der Kraft eines Löwen, mit dem Herz von Vera int Veen. In der Summe: unhaltbar.

14.

Ach, und Beiersdorfer äußerte sich in »Gazprom-Football« auch zum neuen Zenit-Interimstrainer Sergej Semak: »Wir trauen ihm diese große Aufgabe zu, in Dortmund alles aus der Mannschaft herauszuholen, um den BVB zu besiegen.« Auch das mag eine erstaunliche Aussage sein, doch natürlich muss man das im Kontext des Magazin-Herausgebers sehen. Nicht jeder will aufgrund von realistischen oder gar negativen Äußerungen im kommenden Winter mit Kohle heizen.

12.

Übrigens: Beiersdorfer glaubt tatsächlich an ein Wunder. In einem Interview mit »Gazprom-Football«, unserer Dritt-Lieblingszeitung (nach »Bravo Sport« und »Fisch und Fang«), sagte Zenits Sportdirektor: »Wir haben noch eine Chance.« Wir fragen: Warum auch nicht!? Auch Schalke hätte gegen Real Madrid eine Chance gehabt. Wenn sie das Hinspiel 6:1 oder 17:0 gewonnen hätten.

9.

Jetzt schon mein Lieblingsspieler in dieser Partie: Axel Witsel. Klingt wie ein kleines Tierchen mit besonders dichtem Fellwuchs. Eines das man sich auf den Schoß legt und einem die besten Pointen von Fips Asmussen erzählt, während man das neue »Lustige Taschenbuch« studiert. Elende Tagträume am Mittwochabend.

7.

Apropos Weißer Hai: Eine »Breaking News« gleich zu Beginn der Partie! Wladimir Putin ist auf dem Weg nach Dortmund. Aktuell reitet er auf einem weißen Hai am Nordkap vorbei. Erwartete Ankunft zur zweiten Halbzeit. Ansage: »Ich kann vier Tore in vier Minuten spielen.« Und wenn das nicht klappt, wird einfach noch mal über das Ergebnis abgestimmt. Blöd für Dortmund: St. Petersburg hat knapp 5 Millionen Einwohner.

5.

Erste Chance für den BVB. Flanke von Marcel Schmelzer auf den Kopf von Aubameyang. Malafeev, Zenits Torhüter, flattert orientierungslos durch den Fünfer wie ein weißer Hai durch die Wüste Gobi. Der BVB-Stürmer köpft dennoch daneben.

4.

Sergej Zemak mag auf den ersten Blick aussehen wie mein alter tscheslowakischer Tennistrainer aus der UdSSR, ist aber in Wahrheit der neue Interimstrainer von Zenit. Laut Bela Rethy hat er die Trillerpfeife seines Vorgängers Luciano Spalletti geerbt. Wird er heute auch so erfolgreich sein?

2.

Kurze Ergebnis-Info zu Beginn: Wenn Zenit acht Tore schießt, muss Dortmund sieben schießen, da Auswärtstore doppelt zählen. Wahnsinn? Absolut! Es könnte spannend werden wie seit »Poltergeist 2« nicht mehr.

1.

Wichtiger Hinweis zum Anstoß: Wir gucken jetzt nur noch ZDF. Warum? Weil der Kaviar durch das Gehäuse des Sky-Decoders direkt auf die magnetischen Kontakte getropft ist und dieser dann implodierte. »Pyrotechnik legalisieren, Emotionen respektieren«, jubelte Kollege Herrmann. Doch da war es schon zu spät. Also: Guten Abend, Bela Rethy! Bzw.: Viel »Spaß«, liebe Mitleser.

20:42 Uhr

Mallenco, Cabanero, Perez del Palomar, Gomez, Vitienes und Jimenez. Ich wünschte, so hießen meine Ex-Freundinnen. So heißt aber das Schiedsrichtergespann, das uns durch den Abend pfeift, winkt und torrichtet. Namen wie Musik, von einer Flamencogitarre in den milden Nachthimmel geträumt. Fernwehgepackt buchen wir zwei Pauschalen an die Costa Brava. Tickern jetzt aus dem Sangriaeimer weiter.

20:40 Uhr

Wenn Réthy zur Analyse ansetzt, öffnen sich seine Lippen mit einem dieser gänsehautproduzierenden Speichelmangelgeräusch. Stenografiert klingt das etwa so: Krsch-tikkks-grrrasch. Habe ich zuletzt gehört, als der Kapitän damals mit der Landschönheit (siehe Tick zuvor) anbändelte. Fiese Flashbacks. 

20:38 Uhr

Vor den Achtelfinals hat Zenit bedingt durch die russische Ligapause drei Trainingslager und zehn Testspiele absolviert. Wie wir früher, im Dorfverein, wenn es gegen die verhasste Konkurrenz aus dem Nachbarort ging. Irgendeine Ostseedüne bezelten, bei Tag bißchen grillen und dazu Vier-gegen-Zwei, nächtens mit dem Taxishuttle in die einzige Disco im Umkreis von fünfzig Kilometern, die natürlich Großraum war, vier Floors, drei Kurze im Eintritt inbegriffen, auf Basis derer man sich dann an die Landschönheiten ranwanzte, der Kapitän durfte fummeln und der Rest gucken, später in den Sonnenaufgang erbrochen und am folgenden Vormittag ein 0:1 gegen die SG Nordangeln-Grundhof. In diesem Sinne: Viel Glück, Zenit. 

20:35 Uhr

Dortmund gegen Zenit St. Petersburg – dieser Drops ist nicht nur gelutscht, der ist ausgekaut und uns vor die Füße gespuckt. Warum das ZDF dieses Fußballvalium trotzdem sendet, fragt ihr? Antwort: Weil beim Zweiten die lässigsten Social-Media-Feedbacker seit immer sitzen. Der diesbezügliche Beweis wurde in der Vorwoche erbracht.

20:30 Uhr

Ihr entnehmt den vorangegangenen Ticks, dass wir uns den absoluten Gebührenluxus gönnen und parallel Sky UND ZDF schauen. Unfassbar. Elfenbeinturm Liveticker. Aus der Kurve für die Kurve, das war einmal. Passé. Wir würden uns gerne rechtfertigen, haben den Mund aber voller Kaviar...tschorry.

20:28 Uhr

»Spiel eins nach Gladbach«, dräut Welke und es klingt wie eine beispiellose Zäsur, es klingt wie: Klopp gefeuert, Großkreutz zu Schalke gewechselt, Zorc mit Steuerskandal erwischt. Beim ZDF wissen sie, wie man Dramatik heischt. Wir setzen noch einen drauf und sagen: »Spiel eins vor Hannover.« Und jetzt alle einmal durchatmen.

20:27 Uhr

Direkt hinter Marcel Koller sitzt ein Mann, der ein bisschen aussieht wie ein Bergsteiger a.D., vermutlich aber ein Chemie-Professor i.D. ist. In der Halbzeit erwartet uns dann der große Knall: Er beantwortet die Leserbriefe, die »Bravo«-Reporter Andreas Spohr vorträgt. Als Dr.-Sommer-Hologramm.

20:23 Uhr

Kleine Infos für zwischendurch: Hannovers Steven Cherundolo beendet seine Karriere. Zum Abschied sagte er: »Meine letzte Ballberührung war ein Tunnel gegen Huszti!« Ersetze »Ballberührung« durch »Party«, »war« durch »feierte ich« und »Tunnel gegen Huszti« durch »mit Snoop Dogg in Las Vegas« – dann wisst ihr, wie wir nächstes Jahr unsere »Karrieren« »beenden«.

20:20 Uhr

Was die Aufgabe des »Bravo«-Journalisten Andreas Spohr in der Sky-Runde ist, wissen wir nicht. Wir vermuten: Er liest in der Halbzeit alte Dr.-Sommer-Briefe vor. Zum Beispiel diesen hier: »Lieber Dr. Sommer, Ich möchte bald zum ersten Mal mit meiner Freundin schlafen. Meine Freundin hat mir gesagt, daß dabei das Jungfernhäutchen platzt. Nun habe ich Angst, dass meine Eltern durch den Knall wach werden und uns erwischen!«

20:02 Uhr

Okay, machen wir uns nichts vor: Die Ausgangslage für Zenit ist beschissen. Was Beiersdorfer und Co. jetzt brauchen, sind Typen, die mal was Außergewöhnliches machen. Typen, die sich nicht um Regeln scheren. Typen wie diese:





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