Brasilien
3
1
Kroatien

Brasilien-Kroatien im 11FREUNDE-Liveticker

Man of the Match

Altes brasilianisches Sprichwort: »Einem geschenkten Foul schaut man nicht ins Maul.« Und so nahm die Selecao den Elfmeter verblüfft, aber allzu gern entgegen. 3:1 hieß am Ende gegen Kroatien. Und in Katar steigen die Hoffnungen auf den Weltmeistertitel 2022 ins Unermessliche. Eher down: der Ticker.

12:10 Uhr

Welche Opfer die Menscheit gebracht hat! Favelas wurden weggebulldozert, Regenwälder gefällt, Strände planiert, das Salzwasser des Atlantiks mit Chlor vollgepumt, ein ganzes Land zur FIFA-Filiale umgebaut. Junge Männer rissen sich Bänder, brachen sich Knochen, urinierten ihren Ruf. Werden fern der Heimat kaserniert, während ihre Frauen die Familie als Zwangskolumnistinnen durchbringen müssen. All das soll nicht vergeblich gewesen sein: Als kleines Dankeschön an alle Opferbereiten spielt heute Abend eine brasilianische Altherrenauswahl gegen die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft Kroatiens. Jennifer Lopez hat ihren beliebten Popo nach Sao Paulo entsandt, Sepp Blatter liest ein Liebesgedicht vor, das er für Sepp Blatter geschrieben hat, André Rieu schleudert zum Playback seine Geige durch die schwülen Lüfte, im »heute journal« in der Halbzeit isst Claus Kleber von Gundula Gause gebackene Plätzchen und erzählt uns, wie sie schmecken. »Heute mal kein Krieg, sondern Fußball«, sagt er. Endlich ist es soweit. Wir nennen es Weltmeisterschaft.

12:27 Uhr

Schreck lass nach: Bei »bild.de« läuft die HSV-Dinosaurier-Uhr. Diesmal jedoch rückwärts! Noch 9 Stunden, 39 Minuten und 11 Sekunden bleiben Didi Beiersdorfer, um die WM vor dem Abstieg zu retten. Holt er jetzt doch Magath? Muss Blatter Medizinbälle essen? Der arme, arme Mann.

12:34 Uhr

Und noch ein Schock auf »bild.de«: »Porno-Attacke auf den DFB!« Fakt ist: Auf der Facebookseite der Nationalmannschaft wurde unschickliche Werbung platziert. Siehe hier.

»Wir. Alle. Zusammen.« Ein Aufruf zum Gruppensex: Pfui, das geht natürlich nicht. Das ist Sodom und Gomera, wie Else Kling sagen würde.

12:47 Uhr

Apropos »90 Minuten echte Gefühle«: Die »New York Times« hat eine interessante Umfrage gemacht. Unter anderem wurde ermittelt, welche Mannschaft die Fans der Teilnehmerländer am wenigsten leiden können. Ergebnis bei den USA: die USA. Sorry, Klinsi. Und die Deutschen? Sie mögen die Iraner und die Honduraner nicht. Das überrascht uns jetzt aber, wir hätten mit Holland (wegen Marijke Amado), vielleicht noch mit Russland (wegen Wladimir Putin) gerechnet. Warum denn jetzt auf die Kleinen? Schreibt uns bitte eine Mail mit Eurer Begründung an online@11freunde.de.  

12:54 Uhr

Fast genauso interessant: Die Grafik des »Wall Street Journal« zum Thema »How the tournament would play out if 32 countries were competing in things other than soccer«. Die Weltmeister wären: Australien (am dünnsten besiedelt), USA (die meisten Starbucks-Filialen), Iran (die meisten Verkehrstoten), Russland (die meisten Alkoholiker), Belgien (höchster Verbrauch von tierischen Fetten). Und Deutschland? Scheitert im Viertelfinale des Wettbewerbs »Schlechtestes Wetter« an der Schweiz. Was für eine Schmach. Jogi raus! Kachelmann rein!

13:04 Uhr

Und dennoch: Die Meldungen, dass irgendwer die deutsche Mannschaft fürchte, sie reißen nicht ab. Allein heute: »Cristiano Ronaldo fürchtet DFB-Elf« (»kicker.de«), »Italien-Trainer hat Angst vor Deutschland« (»bild.de«), »Diese deutschen Stars fürchtet Pelé« (auch »bild.de«). Soviel Angst macht Angst. Muss Bundespräsident Joachim Gauck nach Brasilien reisen, um Ronaldo, Prandelli und Pelé zu umarmen?

13:13 Uhr

Stopp! Gauck kann zu Hause bleiben. Kulturbotschafterin Cathy Fischer übernimmt! Sie ist bereits nach Brasilien geeilt und ruft den Menschen dort zu: »Keine Angst vor den Deutschen! Wir sind an eurem komischen Land überhaupt nicht interessiert. Wir suchen nur die erstbeste Starbucks-Filiale und saufen den gleichen Chai Latte wie zu Hause. Bussi. Eure Dingsbums.«

13:20 Uhr

Mist. Alle bringen jetzt »Zehn Dinge, die Sie über Eröffnungsspiele wissen müssen«. Und wir? Kriegen mit Mühe sieben zusammen:

1. Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Trikots.
2. Ergebnisse und Juniwind ändern sich oft sehr geschwind.
3. Hat Sao Paulo keinen Sonnenschein, dann kommt das Heu nie trocken rein.
4. »Die Brasilianer sind ja auch alle technisch serviert.« (Andi Brehme)
5. »Sie sollen nicht glauben, dass sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen.« (Paul Breitner)
6. »Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist es hier noch wärmer!« (Heribert Faßbender)
7. »Kein Pferd würde auf den Körper eines Menschen treten, der am Boden liegt. Kroatische Spieler schon.« (Eugen Drewermann)

13:47 Uhr

Während Cathy Fischer in Brasilien högschd optimistisch Chai Latte säuft, haben wir nur unseren misanthropischen Berlin-Korrespondenten Andreas Bock. Der berichtet aus der Favela Kreuzkölln: »Mittwochmorgen, ein Haus in der Schönleinstraße. An den Balkonen hängen Deutschland- und BFC-Fahnen. An allen? Nein, ein von unbeugsamen Kreuzbergern dekorierter Balkon hört nicht auf, den Nachbarn Widerstand zu leisten. Ihre Botschaft: ›Wer sonst nichts hat zum Stolz sein, hat immer noch Patriotismus.‹ Gemeinsames Grillen im Hof? Eher unwahrscheinlich.«

15:33 Uhr

Entschuldigung. Kurz eingenickt. Die Hitze, das Dengue-Fieber. Mir träumte, ich sei ein kleiner Affe auf Hans Flicks Arm. Gemeinsam setzen wir mit der DFB-Fähre über, um zusammen über diesen ganzen Kontinent zu herrschen. Wir sind der Zorn Jogis.

15:44 Uhr

Verdammt. Warum kommen wir nicht in Stimmung? Muss Cathy Fischer uns noch mehr Starbucks-Filialen zeigen? Müssen Poldi und Mesut noch mehr sogenannte »Spaß-Fotos« mit Polizisten machen? Oder fehlt doch Franzi van Almsick, die weiße Massai, die uns vor vier Jahren erklärte, warum die Menschen in Afrika alle so arm sind, aber trotzdem fröhlich? Nein: Was fehlte, war Marcell Jansen. Bis jetzt. Danke, Duplo. Jetzt haben wir auch Angst vor den Deutschen. Stimmung!

15:52 Uhr

Um die Stimmung noch weiter anzuheißen, führen wir jetzt hier mal ’ne neue Serie ein: Lieblingsgerichte der DFB-Stars laut Hanuta-Sammelalbum 1986. Folge 1: Lothar Matthäus (»Hasenbraten und Knödel und Spinat«).

16:02 Uhr

Und was essen die Nationalspieler von heute (außer Nutella natürlich) am liebsten? Das Ergebnis unserer intensiven Recherchen:

Manuel Neuer: Muscheln, Oktopus, Lachs
Toni Kroos: Schnitzel Milanese
Per Mertesacker: Schokolade, Tomatensuppe
Mats Hummels: Sushi
Sami Khedira: Couscous und Fisch
André Schürrle: -

Mal abgesehen von André Schürrle, der offenbar gar nichts isst, um noch schneller zu sein, speisen die Herren also eher modern. Wusste Lothar Matthäus 1986, als er den Hanuta-Redakteuren »Hasenbraten« als Leibgericht nannte, überhaupt, dass man Oktopus essen kann? Weiß er es heute? Egal. Schnitzel oder Milanese, Hauptsache Fleisch.

16:19 Uhr

Wir müssen unsere Erfolgsserie »Lieblingsessen der WM-Helden 1986« leider abbrechen. Wir sind uns zwar sicher, dass Hans-Peter Briegel »Dampfnudeln« angegeben hat, finden aber keine Beweisfotos mehr. Das Internet hat dieses güldene Kapitel der Kulinarik einfach vergessen. Zurück also in die Gegenwart: Brasilien gegen Kroatien. »Neymars Kampf gegen die Dämonen«, titelt »spiegel.de«. Exorzismus in Sao Paulo? Wir sagen: Dafür braucht man Neymar-Qualitäten! Hihihi. 

16:45 Uhr

Das macht betroffen: Rocco Siffredi, den keiner von uns aus den Filmen kennt, die wir niemals gucken würden, belegt sich selbst mit einem Orgasmus-Boykott. Und zwar bis Italien Weltmeister wird. Das sind Geschütze, die da aufgefahren werden beim Angstgegner! Muss Edelfan Angela Merkel es Siffredi nun gleichtun? Was steht in ihrer letzten SMS an Schweini?

16:58 Uhr

Also, wir Berliner sind ja bestens vorbereitet auf diese WM, haben erst am Pfingstwochenende geübt, wie man klarkommt mit kilometerlangen Staus in der Innenstadt, Phantasie, der keine Grenzen gesetzt sind, Müll, Spaß, Drogen, Touristen aus Mannheim, die Samba-Tänzerinnen in den Bikini kotzen, auf dem Grill verkohlenden Tieren und Sonnenstich. Danke, Karneval der Kulturen!

17:09 Uhr

Wir wussten ja, wie weit die FIFA zu gehen bereit ist, um die WM-Städte aussehen zu lassen wie eine mitteleuropäische Einkaufspassage. Aber wie provinziell ist dieses Turnier wirklich? Antwort: sehr.

17:28 Uhr

Kroatien. Da war doch mal was... Ach ja, richtig:

Wer ist schuld daran, dass ich mich schäme, wenn ich an den Sommer zurückdenke, in dem ich mein Abiturzeugnis bekam? Berti Vogts? Davor Suker? Ich selbst?
Dreizehn Jahre hatten wir darauf hingebüffelt. Und das sollte der Lohn sein: Der Abi-Ball! Der große Abend im »Schusterkrug« in Wagenfeld, ein Exzess unter der gemieteten Lichtorgel, mit billigen Schnäpsen und noch billigeren Zigarren. Die Jungs in Anzügen mit Schulterpolstern, die Mädchen in Schweinchen-Rosa. Mein Gott, waren wir hässlich, mein Gott, waren wir schick.  
Die älteren Jahrgänge erzählten sich Sagenhaftes von diesem Ereignis: Lehrer, die besoffen in die Bowle hechteten, der Hausmeister im Klammerblues mit der Klassensprecherin. Wir hätten es ein »Event« genannt, aber dieses Wort kannten wir damals nur als Ausdruck für die einzelnen Disziplinen bei »Summer Games« auf dem C64. Als ich den Saal betrat, jagte der Alleinunterhalter »What is Love?« von Haddaway aus dem Synthesizer. Baby, don't hurt me.
Nie zuvor und nie danach ist ein Mensch so arrogant wie in dem Sommer, in dem er von zu Hause weg geht. Das war so ein Sommer: Nichts war peinlich, nichts wichtig. Die Schule war vorbei, das Berufsleben noch in weiter Ferne. Der »Schusterkrug« in Wagenfeld war eine Promenade der kaum volljährigen Gockel. High Five, ich hab nen Schnitt von 3,9! Wir mochten noch kein Bier, aber tranken es, als hingen wir an der Flasche.    
Doch vor dem Suff stand das WM-Viertelfinale Deutschland gegen Kroatien. In einer Ecke der angrenzenden Kneipe flimmerte ein Fernsehapparat in die Rauchschwaden, missmutig saßen ein paar Altbauern am Tisch davor und glaubten von Anfang an nicht an einen Sieg: »Dat wird nix.« Dahinter wir, viel zu laut, viel zu fröhlich, viel zu ahnungslos. Im Fernsehen: »Tanne« Tarnat, Jens Jeremies, Jörg Heinrich. Und Berti Vogts. Auch wir hätten ahnen können, dass dat nix wird.  
»Wir wollen euren Skalp«, hatte der kroatische Stürmer Davor Suker vor dem Spiel gebellt. Den Skalp kannste haben, dachten wir, wir haben Abi. Unsere Aufgeblasenheit hielt jedoch nur so lange an, wie die Deutschen noch zu elft waren. Dann flog Christian Wörns wegen groben Foulspiels vom Platz. Fünf Minuten später traf Robert Jarni zum 0:1. Mir war mit einem Mal unwohl. Ob jemand sah, dass ich gar nicht so breite Schultern hatte, sondern bloß Polster trug?
In der Halbzeitpause gingen wir wieder rüber in den Ballsaal. Dort schoben Diplom-Ingenieure ihre Töchter übers Parkett. Der Alleinunterhalter klimperte selbstvergessen. Wir waren Weltmeister 1990 geworden, 1992 ins EM-Finale gekommen, 1994, na gut, Letchkov gegen Häßler, was soll er machen, aber 1996: Europameister! Wir waren die Golden Goals, eine Generation aus Bierhoffs – wir konnten nicht viel, aber Glück, ja Glück, das hatten wir. 
Doch was nun? 0:1 hinten. In Unterzahl. Wir wollten hier unser Abitur feiern, Scheiße. Berti raus! Davor, don't hurt me.  
Zurück in der Kneipe, die Altbauern hatten sich ein neues Herrengedeck kommen lassen und gingen vom Schlimmsten aus. Sie hatten Recht: In der 79. Minute brachte Vogts Olaf Marschall. Olaf. Marschall. Olaf. Eine Minute später traf Vlaovic zum 0:2. In der 85. machte Suker das 3:0. Abpfiff. Und alles war ein entsetzlicher Schmerz.

Andere hatten auf ihrem Abi-Ball im »Schusterkrug« in Wagenfeld gesehen, wie Andi Brehme den Elfmeter reinkloppt. Sie hatten das Abitur in der Tasche und waren auch noch Weltmeister. Im Sommer 1998 aber flog die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Kroatien raus. Und wir mit ihr. Aus der Generation der Bierhoffs wurde die Generation der Olafs. Nicht wenige von uns studierten trotzdem BWL. Mein Gott, waren wir hässlich, mein Gott waren wir schick.   

Und wer ist nun schuld daran, dass ich mich schäme, wenn ich an den Sommer zurückdenke, in dem ich mein Abiturzeugnis bekam? Berti Vogts? Davor Suker? Ich selbst? 

Ich sag mal: Das mit den Schulterpolstern nehme ich auf meine Kappe, Berti hat alles richtig gemacht, als er er wenig später zurücktrat. Nur auf Sukers Entschuldigung warte ich bis heute.

Mehr Seelenstriptease ab 21 Uhr, wir melden uns live aus Sao Kreuzberg.

21:03 Uhr

Was is’n das jetzt? Mats Hummels tritt offenbar bei der Schafkopf-WM an, wird von einer ältlichen Schafkopfexpertin gelöchert. Was ist mit der Eröffnungsfeier, auf die ich mich so gefreut habe? Muss ich jetzt meinen Bikini verbrennen? Warum die Verzögerung? Wurde Bela Rethy unter seinen Karteikarten begraben? Passt Jennifer Lopez’ Popo nicht auf die Fähre, so wie der DFB-Bus? Orakel Kahn spricht: »So einfach ist es nicht, das Meer zu beherrschen.« Auch wieder wahr.

21:10 Uhr

»Neymar spielt bei Barzelona«, zischt Kahn. Und bei Brazilien!

21:10 Uhr

Bevor der Ball endlich rollt und uns all das Wichtige für fünf herrlich sinnentleerte Wochen nicht mehr kümmern soll, noch eine Frage: Warum haben die Brasilaner eigentlich nie gegen Bela Rethy demonstriert?

21:14 Uhr

Jetzt Werbung für die ZDF-App. Wann gibt es mich endlich als App? Die kann sich dann ja all die anderen Apps runterladen, und ich lebe endlich wieder analog, wie damals in Mexiko, 1986. Adios.

21.16 Uhr

Die neuartige Torlinien-Technologie sei, so ihr Vermarkter aus Deutschland, der wirklich René Beaujean heißt, »zu 99,9 Prozent sicher. Sonst wäre sie ja absurd.« Das stimmt zu 99,9 Prozent. Sonst wäre es ja absurd.

21:19 Uhr

Jetzt tritt Urs Meier auf. Er ist es zu 99,9 Prozent. Alles andere wäre ja aburd.

21;20 Uhr

Und mitten in Ursens Referat über irgendetwas absurd Langweiliges schalten sie zu Bela Rethy, der die ganze Zeit zu reden scheint, auch wenn ihn niemand hört, wie in eine Bundesliga-Konferenz mit Sabine Töpperwien. »Tooooooooor in Bochum! Paul Freier, der Frechdachs, zieht einfach ab, macht hier das 1:0, und die 12.300 Zuschauer, sie sind aus dem Häuschen.« Danke, Sabine. Wir schalten nach Aue.

21:23 Uhr

Ist das eigentlich immer noch der ZDF-Strand von der EM 2012? Da hat sich der Touristikverband Mecklenburg-Vorpommern aber was einfallen lassen. Für die Dreiviertelmenschen in Dreiviertelhosen gibt es sogar Caipirinha in Dosen. Und der Helmut sagt zur Bärbel: »Tanze Samba mit mir.«

21:27 Uhr

Kann kaum sagen, wie geil ich es finde, dass Gene Hackman jetzt Brasilien-Trainer ist.

21:40 Uhr

Holdarido, liebe Leser, Raack hier. Gieselmann hat mich drei Stunden vor seiner Tür warten lassen, ehe ich mich mit geschmeidigen Samba-Bewegungen durch sein Schlüsselloch getanzt habe. Nachdem ich mich mit lecker Caipi eingeschmiert hatte. Ihr seht: Mehr Brasilien geht nicht. Deswegen ticker ich jetzt auch im Tanga. Auf falschem Sand. Gieselmann spielt vor Entsetzen Footvolley mit sich selbst. Täglich träumt am weißen Sande, der Dirk vom schönen Diepholz am Strande...

21:40 Uhr

Emotions by ZDF: Auf die Frage von ZDF-Azubi Brazzo »Warum haben die Brasilianer dich nicht eher entdeckt?«, hat Dante eben dieses Geräusch gemacht.

21:43 Uhr

Das ZDF hat Oli Welke und Oli Kahn tatsächlich wieder an den Strand von Usedom verfrachtet, die armen Teufel zittern und frieren, der Himmel ist grau, es stürmt, und zum Glück nicht im Bild sind zwei zufällig vorbeigesoffene Kegelgruppen, die von findigen ZDF-Praktikanten mit Kabelbinder an Strandstühle gefesselt wurden. Dann die Erkenntnis: Die Herren befinden sich in Brasilien. Wir dachten, da schmilzt selbst Kahn der innere Druck zu einem kleinen Strandhöschen zusammen vor lauter Hitze. Wenn es gleich nach Anpfiff anfängt zu schiffen, glauben wir an gar nichts mehr. Und werden vielleicht Anwälte.

21:46 Uhr

Die Straßen Berlins sind, man glaubt es kaum, tatsächlich fast leer. Eben fuhr ein einsames Cabrio vorbei, mit geschlossenem Verdeck. Muss Stefan Kießling gewesen sein. Nicht hupen, Fahrer träumt von der WM!

21:47 Uhr

Huch! Welke schaltet kurz mal ins All, wo irgendwelche Raumfahrer-Prolls mit Deutschland-Trikot Richtung Erde grüßen und dann zum Gruppen-Fallrückzieher hochsteigen. Raumpatrouille Angeberon.

21:49 Uhr

So. Noch zehn Minuten. Dann beginnt die WM. Eigentlich müsste ich vor lauter Geilheit mit einem Paar Fußballschuhe auf der Club-Toilette verschwinden oder versuchen, ein Panini-Heft abzufüllen. Aber Freund Vorfreude lässt noch auf sich warten. Kommt mal wieder zu spät und steht hoffentlich um Punkt 22 Uhr mit Schnaps vor der Tür.

21:51 Uhr

Merke: Fred spricht man, laut Rethy, »Frätsch« aus. Wie »Fretchen«, wenn man besoffen ist. Bei Kollege Raack sitzt bereits jede Silbe.

21:52 Uhr

Luiz Gustavo trägt einen Schnubbi, wie wir ihn aus Berlin von gescheiterten Kunstgroßhändlern kennen. Was jetzt nicht sein muss: Wie sich der Brasilianer auf dem Klo die Nase pudern geht und anschließend einer Kunststudentin einen Heiratsantrag aus Eigenurin auf die Leinwand pinkelt.

21:54 Uhr

Bevor es losgeht, hier noch schnell ein Kommentar von 11FREUNDE-Experte Walter zur Torlinientechik. ACHTUNG: Ihr betretet das Land des Schmerzes.

21:53 Uhr

Habe ich was am Ohr, oder hat man Belá Rethy ein Mikrofon von 1950 auf den Platz gestellt? Seine Stimme blechert so heftig aus der Glotze, dass mein Fernsehbild vor Schreck schwarz und weiß wird. Hoffentlich kommt gleich Ghiggia und bringt mir einen Barbosa on the rocks.

21:56 Uhr

Derbe! Die Brasilianer knallen ihre Hymne raus, als wäre das hier ein Vorsprechtermin für die örtliche Schrammel-Punk-Band. Dann verstummen die Instrumente, und Bolzer und Fans schmettern weiter. Aus den Augen tropft Adrenalin, Neymar trinkt beim Singen heimlich einen Liter Schweineblut. Fazit: Die Selecao ist bereit wie nie.

21:57 Uhr

Krass: Gung aus der »Lindenstraße« pfeift das Spiel. Konfuzius sagt: »Wenn nicht Fußball fängt an, Weltmeister es niemals geben wird.«

1.

Das Spiel beginnt mit einem Anstoß. Erstaunlich, dass die Fifa diese uralte Tradition immer noch pflegt. Hätte mit einem Gitarrensolo von Richie Sambora gerechnet.

2.

Mann, ist Olic der geilste Spieler der Welt? Dieser 50-jährige, der nach dem Spiel Kette raucht und Haake-Beck säuft, aber die A-Jugendlichen in Grund und Boden läuft. Und morgen fährt er sie im Bus zu Schule, bumst dann mit ihren Müttern, und abends geht er mit ihren Vätern Skat kloppen.  

4.

Erste Chance für Brasilien, ein Kopfball des Willens. Ziemlich europäisch, muss man sagen. Wie ein Lambada in der Tanzschule Castrop-Rauxel. Enttäuschend.

6.

Wieder OLIC! Der Mann mit der Pferdeteerlunge. Düpiert jetzt Dani Alves im Kopfballduell, nachdem er sich selbst die Flanke gegeben und nebenbei noch die letzten Kabel im Stadion verlegt hat.

9.

Tor. Ich fasse es nicht, und da habe ich zum ersten Mal in meinem Leben was mit Brasilien gemeinsam. Eigentor von Marcelo. Was halt passiert, wenn der Berater noch anruft und sagt: »Trag dich in die Geschichtsbücher ein, Junge.« Und wie er jetzt guckt: Als hätte er den Stöpsel aus dem Atlantik gezogen. Die Copa Cabana liegt plötzlich 1000 Kilometer landeinwärts.

14.

Oscar haut eine Flanke in die Mitte, Fred verpasst und wird wieder Teil von Clever&Smart. Oscar hält derweil auf sich selbst eine Dankesrede und stellt sich stolz selbst auf den Kaminsims von Leonardo di Caprio. Die Sau.

16.

Boah. Dinge, die Brasilianern sicherlich ähnlich viel Spaß machen wie ein Eigentor im Eröffnungsspiel:
- Neymar wechselt zu Argentinien!
- Forscher deckt auf: Samba eigentlich ein deutscher Volkstanz!
- Schock: Zuckerhut wurde einst aus alten (argentinischen) Unterhosen geformt!

19.

Noch vor 25 Minuten ist selbst Oli Kahn beinahe feucht zwischen der Stirnfalte geworden, als es um die Viererkette der Brasilianer ging. Jetzt spielen die Jungs da hinten so souverän wie ein betrunkener, unmusikalischer Mann ohne Lippen die Tuba.

20.

Paulinho wuchtet sich durch den Strafraum, tankt sich bis vor das Tor und prügelt den Ball dann aufs Tor. Pletikosa pariert. Und irgendwo bastelt sich Carsten Jancker einen Ehering aus Pferdemett weint vor Rührung stille Tränen, die nach Panzerkettenfett schmecken.

22.

Erstes WM-Dribbling von Neymar! Wuselt sich an der Linie entlang wie ein eleganter Kokainkonsument und bringt den Ball dann in scharf in die Mitte. Ohne Joghurt, mit Knoblauch. Vielleicht liegt es auch daran, dass niemand den Ball über die Linie drückt. Weiter 0:1. Der Zuckerhut schmeckt gerade nach Altöl.

24.

»Stipe Pletikosa, Spitzname Oktopus! Wegen seiner Reichweite«, ruft Bela Rethy, Spitzname Tapir, weil wir im Zoo an dem Gehege auch immer ganz schnell vorbeigehen.

26.

Für alle, denen das hier zu spannend ist: Man kann zur Beruhigung mit den gelben Tribünen ringsum prima »Wo ist Walter?« spielen, wenn man sich vorstellt, dass Walter Dirk Hupe ist. Viel Spaß!

28.

GOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL! Sag ich jetzt einfach mal, auch als schmerbäuchiger Norddeutscher. Wann, wenn nicht heute? Neymar! Zieht ab, trifft, aus einem Guss, ein gazellenartiger Move, bei dem ich mir sogar auf der Playstation beide Hände brechen würde. Aber GOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL! darf ich ja sagen, auch wenn mir jetzt die Zunge wehtut, als wäre sie mir beim Lambada-Engtanz an Jessicas Zahnklammer hängengeblieben.

30.

Schöne Szene: Marcelo möchte in der Halbzeit mit Neymar das Trikot tauschen. Neymar: »Kannst meins haben, aber deins will ich nicht.«

32.

Junge, Niko Kovac ist wirklich ein verdammt cooler Don. Er regelt alles mit seinem Cooljazzblick und ein bisschen Rat-Pack-haftem Rumgemalme auf seinem Kaugummi. Und wenn ihm einer Ärger macht, holt er seinen Bruder.

35.

Zeigt Dieter Hecking jetzt eigentlich im Wolfsburger Irish Pub die SMS rum, die er von Kovac und Scolari bekommen hat? »Und hier! Da hat er mir geschrieben: ›OK!‹ Nur mir! Ist das nicht irre? Die lösche ich nie!« Dann Saalrunde. Freibier für alle drei.

40.

Schöner Belá-Rethy-Satz für Taschentuch-Fetischisten: »Brasilien zieht das Tempo noch mal an!« Lechz bwz. Schneuz.

42.

Freistoß für Brasilien, Kroatien janz berlinerisch: stellt ’ne Mauer. Das scheint dem Schiedsrichter nicht zu gefallen, er zieht eine Sprühdose aus der Gesäßtasche und pinselt Schweinereien auf den teuren Rasen! Wird anschließend von der Bullerei durch halb Sao Paulo gejagt, entwischt und schleppt abends die süße Rapperin mit der Baggy-Hotpants ab.

45.

Absolutes Fantasiedribbling von Olic, Ballverlust in der eigenen Hälfte, Neymar und Hulk nutzen die Chance nicht. In der Kreisliga würde es jetzt Arschschießen plus Kasten Pils als Strafe für Olic geben, hier wird einfach weitergespielt. »War ein bisschen leichtfertig«, untertreibt Rethy. Arsch-Fieldreportage plus Kasten gut abgehangener Reporter-Gags für ihn!

Halbzeit

So. Die erste Halbzeit dieser WM ist Geschichte. Wir sahen: Ein Eigentor von Marcelo, ein LKW-Ladung-Steine-vom-Herzen-Tor von Neymar, tapfere Kroaten mit Olic, dem Ritter der karierten Tafelrunde, an der Spitze. Dazu ziemlich nervöse Brasilianer. Gieselmann beamt sich in die Kabine des Gastgebers und rubenbauert: »Ist doch nur ein Spiel!« Lebenslanges Einreise- und Tangaverbot für den Kollegen.

22.49 Uhr

1:1 also. Wer hätte das gedacht? Eine Menge Leute, zum Beispiel in Kroatien. Bin ich sauer auf mich selbst, dass ich beim 1:0 nicht GOOOOOOOOOOOOOOLIC! geschrieben habe. Naja, kann ja noch kommen. Ich warte. Wie ich auch warte, dass Marietta Slomka mich nur einmal so anguckt, dass mir nicht schrecklich kalt wird. Marietta, wie lange kennen wir uns jetzt? EINMAL! Bitte.

22:58 Uhr

Gundula Gause ist der Ivica Olic des »heute journals«.

22:59 Uhr

Was sagt Oliver Kahn, die Gundula Gause des ZDF-Expertentums? »Pletikosa hat mich nicht hundertprozentig übezeugt, es ist aber auch sehr, sehr schwer.« Was Verena Kerth bestätigen kann!

23:03 Uhr

Vorhin las ich noch, dass Nelson Valdez das späteste Tor in der Geschichte der Fußball-Bundesliga schoss: Wegen eines Stromausfalls war das Spiel Werder-Schalke 65 Minuten später angepfiffen worden, Valdez traf um 23:13 Uhr zum 1:0-Sieg. Ja, gut: Da kam einem mal spät vor, damals, als die Welt noch nicht so beschissen modern war. Und jetzt sitzen wir hier immer noch. Und eine ganze Halbzeit liegt vor uns. Ist Jetlag eigentlich ein legitimer Grund, morgen zu Hause zu bleiben?

45.

Der späteste Anstoß der WM 2014.

46.

Wo war jetzt eigentlich Jennifer Lopez? Wurden ihr von Shakira die Schienbeine zertrümmert, wie es einst Tonya Harding bei Nancy Kerrigan tat? Das WM-Knödelsongbusiness ist ja so brutal! Hab ich in der »Gala« gelesen.

48.

Nicht, dass es allzu spannend wird hier: Jetzt liest Rethy alle Wikipedia-Einträge vor, die ihm ZDF-Azubi Brazzo ausgedruckt hat.

50.

»Olic, wie aufgedreht«, so Rethy nun. Wann bezeichnet er ihn als den »Agilen«? Zuletzt gehört im Zusammenhang mit dem Mannheimer Dauerläufer Dimitrios Tsionanis. Der zeichnete sich durch so ziemlich nichts anderes aus, als eben »agil« zu sein. Wie Olic, nur dass der mit seiner Agilität hier die Welt und nicht die zweite Liga in Grund und Boden läuft.

55.

Ohne jetzt hier den Spielverderber zu spielen: Aber hat Brasilien eigentlich noch einen anderen Kreativen als Neymar? In seinem Altersheim pisst Rivelino gerade nicht etwa in einen Eimer, sondern seinen Zimmernachbarn aus und lacht bitter. Seine Stimmbänder machen dabei einen Übersteiger. Und wir einen Sonnengruß für zwischendurch: Yoga bonito.

59.

Die Kroaten wechseln aus. Für -vic kommt -ic.

62.

Bisschen mau geworden, das Ganze. Die Zuschauer starten eine La Ola, aber nur jeder Zweite macht mit. Wenn man so will, also nur eine Lol-Welle.

64.

Bisschen was gegen die Langeweile: Den eigenen Namen in die Maschine schmeißen und sich den brasilianischen Nickname zeigen lassen. Dirk Gieselmann heißt für die nächste halbe Stunde »Dinho«, aus Alex Raack wird »Rainhosa«.

65.

Absolut richtige Entscheidung: Doppelwechsel. Scolari bringt jetzt Dinho und Rainhosa.

66.

Freistoß Brasilien. Dani Alves haut ihn drüber. Und Rethy: »Ja, der war gut.« Hm. Wir empfehlen dem ZDF-Mann eine Fortbildung mit Seminarleiter Bud Spencer. Möglicher Kommentar dieses Versuchs: »War ja gar nicht mal so gut!« Doch Rethy hört uns nicht zu. Hat wahrscheinlich ´ne Pizza im Horchlappen.

67.

Lesetipp: Der Twitter-Account eines Mannes namens Marcello. Er ist nicht DER Marcello. Aber wird jetzt aus aller Welt beschimpft, zum Beispiel aus Peking: »NO WONDER YOU SCORING OWN GOAL IF YOU TWEETING DURING GAME YOU FUKING IDIOT!!!« Aus Holland: »Nice own goal you shit cunt« Er selbst regiert gelassen: »To all those hurling abuse at me for scoring an own goal, please re-direct your anger to @12MarceloV. Thank you.«

68.

Rethy: »Da kommt der Sprayer wieder. Das erspart natürlich Diskussionen, die dann trotzdem stattfinden.« Ein Paradoxon wie im Philopsophie-Grundkurs. Ein ZDF-Kommentator sagt: »Alle ZDF-Kommentatoren lügen.«

68.

Jetzt kommt Bernard. Auf der Tribüne, versteckt in einem kleinen Loch, hockt Bianca und knabbert verliebt an einem Stück Käse.

69.

Trikotzupfer, Elfmeter. Unberechtigt, geradezu lächerlich, aber was soll der arme Schiri machen, wenn Blatter höchstselbst übers Headphone zu ihm spricht: »Denk an den Straßenkrieg! Willst du schuld daran sein, du Wurm? Die Fifa duldet keinen Krieg!« Na gut, dann pfeift er halt. Und weil der Ball gerade im Strafraum ist, gleich mal Elfmeter. Frührentner Kaka filmt Neymar beim Anlauf, lächelt, doch um ein Haar hätte er »Megafail« unter den Upload schreiben müssen: Pletikosa ist dran, sogar sehr lange, irgendwie hat er ihn sogar schon, sein Gesicht will jubeln, doch dann sieht er es: Doch drin. Mist. Mistic. Und Blatter knöpft sein Hemd auf: kein Krieg, gute Stimmung, der Bikini blitzt hervor, er tanzt. Das filmt Kaka übrigens nicht mehr.

69

Was ja geil wäre: Wenn Banksy diese komischen Freistoßlinien sprayen würde.

72.

Ich möchte, dass Olic jetzt den Ball unter den Arm nimmt und ins Tor rennt. Vielleicht trifft der Schiri ja mit seinem letzten Funken Ehre eine Konzessionentscheidung.

75.

Selbst Franceso Totti und Fabio Grosso haben den Fernseher ausgeschaltet. »Das ist nicht mehr mein Spiel«, sagt Totti, Grosso spuckt aus. Bezeichnend.

82.

TOOOR! 2:2, Kroatien gleicht aus! Und während Gieselmann schon zum Laden um die Ecke eilt, um ein paar Mitternachts-Sliwowitz zu besorgen, erkennt mein Adler-Auge: Abseits. Der Schiedsrichter macht mit. Es bleibt bei der Führung des Gastgebers. Wäre ja auch schade. Einem geschenkten Foul spuckt man nicht ins Maul...

86.

Diese Kroaten! Statt einfach die Segel zu streichen, ackern die hier wie Gäule auf Crack-Hafer und erkämpfen sich eine Chance nach der anderen. Olic hat sich grade mit ein paar Kollegen zum Ironman verabredet. Zum Auslaufen.

88.

Ganz großes Kino. Jetzt wird Neymar auch noch ausgewechselt und bekommt den wärmenden Mantel des Massenapplaus umgelegt. Wenn er will, dass Gieselmann und ich in Zukunft ihm zu Ehren durch die Nachbarschaft ziehen, Lieder singen und Süßigkeiten einsacken, sollte er diesen Mantel jetzt teilen und uns schenken. It’s all about the fame.

90.

Oha, ist das noch spannend hier. Und mit spannend meinen wir: Tatort-spannend. Aber immerhin: Spannung. Wie zehn Ü-Eier zum Frühstück.

90.+1.

TOOOORR!!! 3:1. Oscar schwurbelt durch die müde kroatische Hintermannschaft, schlägt Haken, die jedem Hasen die Ohren kringeln lassen würden und pikt ihn rein. Spontan lässt sich Romario das Konterfei seines Landsmannes über den Steiß tätowieren. Jetzt mal ein MTV-Cribs-Spruch: Geile Hütte!

90.+4.

Aus und vorbei. Brasilien badet in einem Meer aus körpereigenen Drogen und Caipirinha zum ersten Turniererfolg. Hinter dem Tresen, ganz lässig am Mixer, standen Neymar und Oscar. Die gehen jetzt mit den beiden Bar-Schönheiten nach Hause, uns bleibt nur der Restetick.

23:55 Uhr

Das war’s also, das so genannte Eröffnungsspiel. 3:1 für Brasilien inklusive dem umstrittensten Elfmeter seit dem WM-Finale 1974. Auch damals zugunsten des, ähem, Gastgebers. Ein Leser schreibt das apokalyptische Fazit: »Katar wird Weltmeister. Und Torschützenkönig.« Kann hinkommen. Also abschalten? Aber wohin dann mit dem Bier? Wohin mit den Flips? Und den Flops? Wohin mit dem Hass?

23:59 Uhr

Das müssen wir Ihnen noch nachreichen: Sepp Blatter zeichnet persönlich den »Man of the Match« aus. Herzliches Beileid. Aber in einer Minute ist ein neuer Tag. Genialer Trick der Fifa, eigentlich, das mit den späten Anstoßzeiten. Gute Nacht, Fußball.

23:59 Uhr

Das müssen wir Ihnen noch nachreichen: Sepp Blatter zeichnet persönlich den »Man of the Match« aus. Herzliches Beileid. Aber in einer Minute ist ein neuer Tag. Genialer Trick der Fifa, eigentlich, das mit den späten Anstoßzeiten. Gute Nacht, Fußball.

23:55 Uhr

Das war’s also, das so genannte Eröffnungsspiel. 3:1 für Brasilien inklusive dem umstrittensten Elfmeter seit dem WM-Finale 1974. Auch damals zugunsten des, ähem, Gastgebers. Ein Leser schreibt das apokalyptische Fazit: »Katar wird Weltmeister. Und Torschützenkönig.« Kann hinkommen. Also abschalten? Aber wohin dann mit dem Bier? Wohin mit den Flips? Wohin mit dem Hass?

90.+4.

Aus und vorbei. Brasilien badet in einem Meer aus körpereigenen Drogen und Caipirinha zum ersten Turniererfolg. Hinter dem Tresen, ganz lässig am Mixer, standen Neymar und Oscar. Die gehen jetzt mit den beiden Bar-Schönheiten nach Hause, uns bleibt nur der Restetick.

90.+1.

TOOOORR!!! 3:1. Oscar schwurbelt durch die müde kroatische Hintermannschaft, schlägt Haken, die jedem Hasen die Ohren kringeln lassen würden und pikt ihn rein. Spontan lässt sich Romario das Konterfei seines Landsmannes über den Steiß tätowieren. Jetzt mal ein MTV-Crips-Spruch: Geile Hütte!

90.

Oha, ist das noch spannend hier. Und mit spannend meinen wir: Tatort-spannend. Aber immerhin: Spannung. Wie zehn Ü-Eier zum Frühstück.

88.

Ganz großes Kino. Jetzt wird Neymar auch noch ausgewechselt und bekommt den wärmenden Mantel des Massenapplaus´ umgelegt. Wenn er will, dass Gieselmann und ich in Zukunft ihm zu Ehren durch die Nachbarschaft ziehen, Lieder singen und Süßigkeiten einsacken, sollte er diesen Mantel jetzt teilen und uns schenken. It´s all about the fame.

86.

Diese Kroaten! Statt einfach die Segel zu streichen, ackern die hier wie Gäule auf Crack-Hafer und erkämpfen sich eine Chance nach der anderen. Olic hat sich grade mit ein paar Kollegen zum Ironman verabredet. Zum Auslaufen.

82.

TOOOR! 2:2, Kroatien gleich aus! Und während Gieselmann schon zum Laden um die Ecke eilt, um ein paar Mitternachts-Sliwowitz zu besorgen, erkennt mein Adler-Auge: Abseits. Der Schiedsrichter macht mit. Es bleibt bei der Führung des Gastgebers. Wäre ja auch schade. Einem geschenkten Gaul spuckt man nicht ins Maul...

75.

Selbst Franceso Totti und Fabio Gross haben den Fernseher ausgeschaltet. »Das ist nicht mehr mein Spiel«, sagt Totti, Grosso spuckt aus. Bezeichnend.

72.

Ich möchte, dass Olic jetzt den Ball unter den Arm nimmt und ins Tor rennt. Vielleicht trifft der Schiri ja mit seinem letzten Funken Ehre eine Konzessionentscheidung.

69

Was ja geil wäre: Wenn Banksy diese komischen Freistoßlinien sprayen würde.

69.

Elfmeter. Unberechtigt, geradezu lächerlich, aber was soll der arme Schiri machen, wenn Blatter selbst übers Headphone zu ihm spricht: »Denk an den Straßenkrieg! Willst du schuld daran sein? Die Fifa duldet keinen Krieg!« Na gut, dann pfeift er halt mal. Und weil der Ball gerade im Strafraum ist, also Elfmeter. Frührentner Kaka filmt Neymar beim Anlauf, lächelt, doch um ein Haar hätte er »Megafail« unter den Upload schreiben müssen: Pletikosa ist dran, sogar sehr lange, irgendwie hat er ihn sogar schon, sein Gesicht will jubeln, doch dann sieht er: Doch drin. Mist. Mistic. Und Blatter knöpft sein Hemd auf: kein Krieg, gute Stimmung, der Bikini blitzt hervor, er tanzt. Das filmt Kaka übrigens nicht mehr.

68.

Jetzt kommt Bernard. Auf der Tribüne, versteckt in einem kleinen Loch, hockt Bianca und knabbert verliebt an einem Stück Käse.

68.

Rethy: »Da kommt der Sprayer wieder. Das erspart natürlich Diskussionen, die dann trotzdem stattfinden.« Ein Paradoxon wie im Philopsophie-Grundkurs. Ein ZDF-Kommentator sagt: »Alle ZDF-Kommentatoren lügen.«

67.

Lesetipp: Der Twitter-Account eines Mannes namens Marcello. Er ist nicht DER Marcello. Aber wird jetzt aus aller Welt beschimpft, zum Beispiel aus Peking: »NO WONDER YOU SCORING OWN GOAL IF YOU TWEETING DURING GAME YOU FUKING IDIOT!!!« Aus Holland: »Nice own goal you shit cunt« Er selbst regiert gelassen: »To all those hurling abuse at me for scoring an own goal, please re-direct your anger to @12MarceloV. Thank you.«

66.

Freistoß Brasilien. Dani Alves haut ihn drüber. Und Rethy: »Ja, der war gut.« Hm. Wir empfehlen dem ZDF-Mann eine Fortbildung mit Seminarleiter Bud Spencer. Möglicher Kommentar dieses Versuchs: »War ja gar nicht mal so gut!« Doch Rethy hört uns nicht zu. Hat wahrscheinlich ´ne Pizza im Horchlappen.

64.

Bisschen was gegen die Langeweile: Den eigenen Namen in die Maschine schmeißen und sich den brasilianischen Nickname zeigen lassen. Dirk Gieselmann heißt für die nächste halbe Stunde »Dinho«, aus Alex Raack wird »Rainhosa«. Gagig. Nicht.

62.

Bisschen mau geworden, das Ganze. Die Zuschauer starten eine Laola-Welle, aber nur jeder Zweite macht mit. Wenn man so will also nur eine Lol-Welle.

61.

Die Kroaten wechseln aus. Für -vic kommt -ic.

57.

Ohne jetzt hier den Spielverderber zu spielen: Aber hat Brasilien eigentlich noch einen anderen Kreativen als Neymar? In seinem Altersheim pisst Rivelino grade nicht etwa in einen Eimer, sondern seinen Zimmernachbarn aus und lacht bitter. Seine Stimmbänder machen dabei einen Übersteiger. Und wir einen Sonnengruß für zwischendurch: Yoga bonito.

55.

Kroatien. Da denke ich an Suker und seinen Streichler gegen Köpke. Die Rote von Wörns. Kroatien, irgendwann muss ich dafür noch mal verhauen.

50.

»Olic, wie aufgdreht«, so Rethy nun. Wann bezeichnet er ihn als den »Agilen«? Zuletzt gehört im Zusammenhang mit dem Mannheimer Dauerläufer Dimitrios Tsionanis. Der zeichnete sich durch so ziemlich nichts anderes aus, als eben »agil« zu sein. Wie Olic, nur dass der mit seiner Agilität hier die Welt und nicht die zweite Liga in Grund und Boden läuft.

48.

Nicht, dass es allzu spannend wird hier: Jetzt liest Rethy alle Wikipedia-Einträge vor, die ihm ZDF-Azubi Brazzo ausgedruckt hat.

46.

Wo war jetzt eigentlich Jennifer Lopez? Wurden ihr von Shakira die Schienbeine zertrümmert, wie es einst Tonya Harding bei Nancy Kerrigan tat? Das WM-Knödelsongbusiness ist ja so brutal! Hab ich in der »Gala« gelesen.

45.

Der späteste Anstoß der WM 2014.

23:03 Uhr

Vorhin las ich noch, dass Nelson Valdez das späteste Tor in der Geschichte der Fußball-Bundesliga schoss: Wegen eines Stromausfalls war das Spiel Werder-Schalke 65 Minuten später angepfiffen worden, Valdez traf um 23:13 Uhr zum 1:0-Siegtreffer. Ja, gut: Da kam einem mal spät vor. Und jetzt sitzen wir hier immer noch. Und eine ganze Halbzeit liegt vor uns. Ist Jetlag eigentlich ein legitimer Grund, morgen zu Hause zu bleiben?

22:59 Uhr

Was sagt Oliver Kahn, die Gundula Gause des ZDF-Expertentums? »Pletikosa hat mich nicht hundertprozentig übezeugt, es ist aber auch sehr, sehr schwer.« Was Verena Kerth bestätigen kann!

22:58 Uhr

Gundula Gause ist der Ivica Olic des »heute journals«.

22.49 Uhr

1:1 also. Wer hätte das gedacht? Eine Menge Leute, zum Beispiel in Kroatien. Bin ich sauer auf mich selbst, dass ich beim 1:0 nicht GOOOOOOOOOOOOOOLIC! geschrieben habe. Naja, kann ja noch kommen. Ich warte. Wie ich auch warte, dass Marietta Slomka mich nur einmal so anguckt, dass mir nicht so schrecklich kalt wird. Marietta, wie lange kennen wir uns jetzt? EINMAL!

Halbzeit

So. Die erste Halbzeit dieser WM ist Geschichte. Wir sahen: Ein Eigentor von Marcelo, ein LKW-Ladung-Steine-vom-Herzen-Tor von Neymar, tapfere Kroaten mit Olic, dem Ritter karierten Tafelrunde, an der Spitze. Dazu ziemlich nervöse Brasilianer. Gieselmann beamt sich in die Kabine des Gastgebers und rubenbauert: »Ist doch nur ein Spiel!« Lebenslanges Einreise- und Tangaverbot für den Kollegen.

45.

Absolutes Fantasiedribbling von Olic, Ballverlust in der eigenen Hälfte, Neymar und Hulk nutzen die Chance nicht. In der Kreisliga würde es jetzt Arschschießen plus Kasten Pils für Olic geben, hier wird einfach weitergespielt. »War ein bisschen leichtfertig«, untertreibt Rethy. Arsch-Fieldreportage plus Kasten gut abgehangener Reporter-Gags für ihn!

42.

Freistoß für Brasilien, Kroatien janz berlinerisch und stellt ´ne Mauer. Das scheint dem Schiedsrichter nicht zu gefallen, er zieht eine Sprühdose aus der Gesäßtasche und pinselt Schweinereien auf den teuren Rasen! Wird anschließend von der Bullerei durch halb Sao Paulo gejagt, entwischt und schleppt abends die süße Rapperin mit der Baggy-Hotpants ab. Bis dieser Mann auftaucht und ihm den Spaß verdirbt:

40.

Schöner Belá-Rethy-Satz für Taschentuch-Fetischisten: »Brasilien zieht das Tempo noch mal an!« Lechz bwz. Schneuz.

35.

Zeigt Dieter Hecking jetzt eigentlich im Wolfsburger Irish Pub die SMS rum, die er von Kovac und Scolari bekommen hat? »Und hier! Da hat er mir geschrieben: OK. Nur mir! Ist das nicht irre? Die lösche ich nie!«

32.

Junge, Niko Kovac ist wirklich ein verdammt cooler Don. Er regelt alles mit seinem Jazzblick und ein bisschen Rat-Pack-haftem Rumgekaue auf seinem Kaugummi. Und wenn ihm einer Ärger macht, holt er seinen Bruder.

30.

Schöne Szene: Marcelo möchte in der Halbzeit mit Neymar das Trikot tauschen. Neymar: »Kannst meins haben, aber deins will ich nicht.«

28.

GOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL! Sag ich jetzt einfach mal, auch als schmerbäuchiger Norddeutscher. Wann, wenn nicht heute? Neymar! Zieht ab, trifft, aus einem Guss, ein gazellenartiger Move, bei dem ich mir sogar auf der Playstation beide Hände brechen würde. Aber GOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL! darf ich ja sagen, auch wenn mir jetzt die Zunge wehtut, als wäre sie mir beim Lambada-Engtanz an Jessicas Zahnklammer hängengeblieben.

26.

Für alle, denen das hier zu spannend ist: Man kann zur Beruhigung mit den gelben Tribünen ringsum prima »Wo ist Walter?« spielen, wenn man sich vorstellt, dass Walter Dirk Hupe ist. Viel Spaß!

24.

»Stipe Pletikosa, Spitzname Oktopus! Wegen seiner Reichweite«, ruft Bela Rethy, Spitzname Tapir, weil wir im Zoo an dem Gehege auch immer ganz schnell vorbeigehen.

22.

Erstes WM-Dribbling von Neymar! Wuselt sich an der Linie entlang wie ein eleganter Kokainkonsument und bringt den Ball dann in scharf in die Mitte. Ohne Joghurt, mit Knoblauch. Vielleicht liegt es auch daran, dass niemand den Ball über die Linie drückt. Weiter 0:1. Der Zuckerhut schmeckt grade nach Altöl.

20.

Paulinho wuchtet sich durch den Strafraum, tankt sich bis vor das Tor und prügelt den Ball dann aufs Tor. Pletikosa pariert. Und irgendwo bastelt sich Carsten Jancker einen Ehering aus Pferdemett weint vor Rührung stille Tränen, die nach Panzerkettenfett schmecken.

19.

Noch vor 25 Minuten ist selbst Oli Kahn beinahe feucht zwischen der Stirnfalte geworden, als es um die Viererkette der Brasilianer ging. Jetzt spielen die Jungs da hinten so souverän wie ein betrunkener unmusikalischer Mann ohne Lippen die Tuba.

16.

Boah. Dinge, die Brasilianern sicherlich ähnlich viel Spaß machen wie ein Eigentor im Eröffnungsspiel:
- Neymar wechselt zu Argentinien!
- Forscher deckt auf: Samba eigentlich ein deutscher Volkstanz!
- Schock: Zuckerhut wurde einst aus alten (argentinischen) Unterhosen geformt!

14.

Oscar haut eine Flanke in die Mitte, Fred verpasst und wird wieder Teil von Clever&Smart. Oscar hält derweil auf sich selbst eine Dankesrede und stellt sich stolz selbst auf den Kaminsims von Leonardo di Caprio. Die Sau.

9.

Tor. Ich fasse es nicht, und da habe ich zum ersten Mal in meinem Leben was mit Brasilien gemeinsam. Eigentor von Marcelo. Was halt passiert, wenn der Berater noch anruft und sagt: »Trag dich in die Geschichtsbücher ein, Junge.« Und wie er jetzt guckt: Als hätte er den Stöpsel aus dem Atlantik gezogen. Die Copa Cabana liegt plötzlich 1000 Kilometer landeinwärts.

6.

Wieder OLIC! Der Mann mit der Pferdeteerlunge. Düpiert jetzt Dani Alves im Kopfballduell, nachdem er sich selbst die Flanke gegeben hat. Und nebenbei noch die letzten Kabel im Stadion verlegt hat.

4.

Erste Chance für Brasilien, ein Kopfball des Willens. Ziemlich europäisch, muss man sagen. Wie ein Lambada in der Tanzschule Castro-Rauxel. Enttäuschend.

2.

Mann, ist Olic der geilste Spieler der Welt? Dieser 50-jährige, der nach dem Spiel Kette raucht und Haake-Beck säuft, aber die A-Jugendlichen in Grund und Boden läuft. Und morgen fährt er sie im Bus zu Schule, bumst dann mit ihren Müttern, und abends geht er mit ihren Vätern Skat kloppen.  

1.

Das Spiel beginnt mit einem Anstoß. Erstaunlich, dass die Fifa diese uralte Tradition immer noch pflegt. Hätte mit einem Gitarrensolo von Richie Sambora gerechnet.

21:57 Uhr

Krass: Gung aus der »Lindenstraße« pfeift das Spiel. Konfuzius sagt: »Wenn Spiel geht nicht los sehr bald, Weltmeister es niemals gibt.«

21:56 Uhr

Derbe! Die Brasilianer knallen ihre Hymne raus, als wäre das hier ein Vorsprechtermin für die örtliche Schrammel-Punk-Band. Dann verstummen die Instrumente und Bolzer und Fans schmettern weiter. Aus den Augen tropft Adrenalin, Neymar trinkt beim Singen heimlich einen Liter Schweineblut. Fazit: Die Selecao ist bereit.

21:53 Uhr

Habe ich was am Ohr, oder hat man Belá Rethy ein Mikrofon von 1950 auf den Platz gestellt. Seine Stimme blechert so heftig aus der Glotze, dass mein Fernseher vor Schreck schwarz und weiß wird. Hoffentlich kommt gleich Ghiggia und bringt mir einen Barbosa on the rocks.

21:54 Uhr

Bevor es losgeht, hier noch schnell ein Kommentar von 11FREUNDE-Experte Walter zur Torlinientechik. Ihr betretet das Land des Schmerzes.

21:52 Uhr

Luiz Gustavo trägt einen Schnubbi, wie wir ihn aus Berlin von gescheiterten Kunstgroßhändlern kennen. Was jetzt nicht sein muss: Wie sich der Brasilianer auf dem Klo die Nase pudern geht und anschließend einer Kunststudentin einen Heiratsantrag aus Eigenurin auf Leinwand pinkelt.

21:51 Uhr

Merke: Fred spricht man, laut Rethy, »Frätsch« aus. Wie »Fretchen«, wenn man besoffen ist.

21:49 Uhr

So. Noch zehn Minuten. Dann beginnt die WM. Eigentlich müsste ich vor lauter Geilheit mit einem Paar Fußballschuhe auf der Club-Toilette verschwinden oder versuchen, ein Panini-Heft abzufüllen. Aber Freund Vorfreude lässt noch auf sich warten. Kommt mal wieder zu spät und steht hoffentlich um Punkt 22 Uhr mit Schnaps vor der Tür.

21:47 Uhr

Huch! Welke schaltet kurz mal ins All, wo irgendwelche Raumfahrer-Prolls mit Deutschland-Trikot Richtung Erde grüßen und dann zum Gruppen-Fallrückzieher hochsteigen. Pff, mit Schwerkraft im Rücken würde ich selbst einen sauberen Doppelpass auf Parkett zaubern. Raumpatrouille Angeberon.

21:46 Uhr

Die Straßen Berlins sind, man glaubt es kaum, tatsächlich fast leer. Eben fuhr ein einsames Cabrio vorbei, mit geschlossenem Verdeck. Muss Stefan Kießling gewesen sein. Nicht hupen, fahrer träumt von der WM!

21:43 Uhr

Erschreckend: Das ZDF hat Oli Welke und Oli Kahn wieder an den Strand von Usedom verfrachtet, die armen Teufel zittern und frieren, der Himmel ist grau, es stürmt und zum Glück nicht im Bild sind zwei zufällig vorbeigesoffene Kegelgruppen, die an von findigen ZDF-Praktikanten mit Kabelbinder an Strandstühle gefesselt wurden. Dann die Erkenntnis: Die Herren befinden sich in Brasilien. Wir dachten, da schmilzt selbst Kahn der innere Druck zu einem kleinen Strandhösschen zusammen vor lauter Hitze. Wenn es gleich nach Anpfiff anfängt zu schiffen, glauben wir an gar nichts mehr. Und werden vielleicht Anwälte.

21:40 Uhr

Emotions by ZDF: Auf die Frage von ZDF-Azubi Brazzo »Warum haben die Brasilianer dich nicht eher entdeckt?«, hat Dante eben dieses Geräusch gemacht.

21:40 Uhr

Holdarido, liebe Leser, Raack hier. Gieselmann hat mich 3 Stunden vor seiner Tür warten lassen, ehe ich mich mit geschmeidigen Samba-Bewegungen durch sein Schlüsselloch getanzt habe. Nachdem ich mich mit lecker Caipi eingeschmiert hatte. Ihr seht: Mehr Brasilien geht nicht. Deswegen ticker ich jetzt auch im Tanga. Auf falschem Sand. Gieselmann spielt vor Entsetzen Footvolley mit sich selbst. Täglich träumt am weißen Sande, der Dirk vom schönen Diepholz am Strande...

21:27 Uhr

Kann kaum sagen, wie geil ich es finde, dass Gene Hackman jetzt Brasilien-Trainer ist.

21:23 Uhr

Ist das eigentlich immer noch der ZD-Strand von der EM 2012? Da hat sich der Touristikverband Mecklenburg-Vorpommern aber was einfallen lassen. Und für die Dreiviertelmenschen in Dreiviertelhosen gibt es sogar Caipirinha. Und der Helmut sagt zur Bärbel: »Tanze Samba mit mir.«

21;20 Uhr

Und mitten in Meiers Referat über irgendetwas absurd Langweiliges schalten sie zu Bela Rethy, der die ganze Zeit zu reden scheint, auch wenn ihn niemand hört, wie in eine Bundesliga-Konferenz mit Sabine Töpperwien. »Tooooooooor in Bochum! Paul Freier, der Frechdachs, zieht einfach ab, macht hier das 1:0, und die 12.300 Zuschauer, sie sind aus dem Häuschen.« Danke, Sabine. Wir schalten nach Aue.

21:19 Uhr

Jetzt tritt Urs Meier auf. Er ist es zu 99,9 Prozent. Alles andere wäre aburs.

21.16 Uhr

Die neuartige Torlinien-Technologie sei, so ihr Vermarkter aus Deutschland, der wirklich René Beaujean heißt, »zu 99,9 Prozent sicher. Sonst wäre sie ja absurd.« Das stimmt zu 99,9 Prozent. Sonst wäre es ja absurd.

21:14 Uhr

Jetzt Werbung für die ZDF-App- Wann gibt es mich endlich als App? Die kann sich dann ja all die anderen Apps runterladen, und ich lebe endlich wieder analog, wie damals in Mexiko, 1986. Adios.

21:10 Uhr

Bevor der Ball endlich rollt und uns all das Wichtige für fünf herrlich sinnentleerte Wochen nicht mehr kümmern soll, noch eine Frage: Warum haben die Brasilaner eigentlich nie gegen Bela Rethy demonstriert?

21:10 Uhr

»Neymar spielt bei Barzelona«, zischt Kahn. Und bei Brazilien!

21:03 Uhr

Was is’n das jetzt? Mats Hummels tritt offenbar bei der Schafkopf-WM an, wird von einer Schafkopfexpertin gelöchert. Was ist mit der Eröffnungsfeier, auf die ich mich so gefreut habe? Muss ich jetzt meinen Bikini verbrennen? Warum die Verzögerung? Wurde Bela Rethy unter seinen Karteikarten begraben? Passt Jennifer Lopez’ Popo nicht auf die Fähre, so wie der DFB-Bus? Orakel Kahn spricht: »So einfach ist es nicht, das Meer zu beherrschen.«

17:28 Uhr

Kroatien. Da war doch mal was... Ach ja, richtig:

Wer ist schuld daran, dass ich mich schäme, wenn ich an den Sommer zurückdenke, in dem ich mein Abiturzeugnis bekam? Berti Vogts? Davor Suker? Ich selbst?
Dreizehn Jahre hatten wir darauf hingebüffelt. Und das sollte der Lohn sein: Der Abi-Ball! Der große Abend im »Schusterkrug« in Wagenfeld, ein Exzess unter der gemieteten Lichtorgel, mit billigen Schnäpsen und noch billigeren Zigarren. Die Jungs in Anzügen mit Schulterpolstern, die Mädchen in Schweinchen-Rosa. Mein Gott, waren wir hässlich, mein Gott, waren wir schick.  
Die älteren Jahrgänge erzählten sich Sagenhaftes von diesem Ereignis: Lehrer, die besoffen in die Bowle hechteten, der Hausmeister im Klammerblues mit der Klassensprecherin. Wir hätten es ein »Event« genannt, aber dieses Wort kannten wir damals nur als Ausdruck für die einzelnen Disziplinen bei »Summer Games« auf dem C64. Als ich den Saal betrat, jagte der Alleinunterhalter »What is Love?« von Haddaway aus dem Synthesizer. Baby, don't hurt me.
Nie zuvor und nie danach ist ein Mensch so arrogant wie in dem Sommer, in dem er von zu Hause weg geht. Das war so ein Sommer: Nichts war peinlich, nichts wichtig. Die Schule war vorbei, das Berufsleben noch in weiter Ferne. Der »Schusterkrug« in Wagenfeld war eine Promenade der kaum volljährigen Gockel. High Five, ich hab nen Schnitt von 3,9! Wir mochten noch kein Bier, aber tranken es, als hingen wir an der Flasche.    
Doch vor dem Suff stand das WM-Viertelfinale Deutschland gegen Kroatien. In einer Ecke der angrenzenden Kneipe flimmerte ein Fernsehapparat in die Rauchschwaden, missmutig saßen ein paar Altbauern am Tisch davor und glaubten von Anfang an nicht an einen Sieg: »Dat wird nix.« Dahinter wir, viel zu laut, viel zu fröhlich, viel zu ahnungslos. Im Fernsehen: »Tanne« Tarnat, Jens Jeremies, Jörg Heinrich. Und Berti Vogts. Auch wir hätten ahnen können, dass dat nix wird.  
»Wir wollen euren Skalp«, hatte der kroatische Stürmer Davor Suker vor dem Spiel gebellt. Den Skalp kannste haben, dachten wir, wir haben Abi. Unsere Aufgeblasenheit hielt jedoch nur so lange an, wie die Deutschen noch zu elft waren. Dann flog Christian Wörns wegen groben Foulspiels vom Platz. Fünf Minuten später traf Robert Jarni zum 0:1. Mir war mit einem Mal unwohl. Ob jemand sah, dass ich gar nicht so breite Schultern hatte, sondern bloß Polster trug?
In der Halbzeitpause gingen wir wieder rüber in den Ballsaal. Dort schoben Diplom-Ingenieure ihre Töchter übers Parkett. Der Alleinunterhalter klimperte selbstvergessen. Wir waren Weltmeister 1990 geworden, 1992 ins EM-Finale gekommen, 1994, na gut, Letchkov gegen Häßler, was soll er machen, aber 1996: Europameister! Wir waren die Golden Goals, eine Generation aus Bierhoffs – wir konnten nicht viel, aber Glück, ja Glück, das hatten wir. 
Doch was nun? 0:1 hinten. In Unterzahl. Wir wollten hier unser Abitur feiern, Scheiße. Berti raus! Davor, don't hurt me.  
Zurück in der Kneipe, die Altbauern hatten sich ein neues Herrengedeck kommen lassen und gingen vom Schlimmsten aus. Sie hatten Recht: In der 79. Minute brachte Vogts Olaf Marschall. Olaf. Marschall. Olaf. Eine Minute später traf Vlaovic zum 0:2. In der 85. machte Suker das 3:0. Abpfiff. Und alles war ein entsetzlicher Schmerz.

Andere hatten auf ihrem Abi-Ball im »Schusterkrug« in Wagenfeld gesehen, wie Andi Brehme den Elfmeter reinkloppt. Sie hatten das Abitur in der Tasche und waren auch noch Weltmeister. Im Sommer 1998 aber flog die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Kroatien raus. Und wir mit ihr. Aus der Generation der Bierhoffs wurde die Generation der Olafs. Nicht wenige von uns studierten trotzdem BWL. Mein Gott, waren wir hässlich, mein Gott waren wir schick.   

Und wer ist nun schuld daran, dass ich mich schäme, wenn ich an den Sommer zurückdenke, in dem ich mein Abiturzeugnis bekam? Berti Vogts? Davor Suker? Ich selbst? 

Ich sag mal: Das mit den Schulterpolstern nehme ich auf meine Kappe, Berti hat alles richtig gemacht, als er er wenig später zurücktrat. Nur auf Sukers Entschuldigung warte ich bis heute.

Mehr Seelenstriptease ab 21 Uhr, wir melden uns live von der Eröffnungsfeier.

17:09 Uhr

Wir wussten ja, wie weit die FIFA zu gehen bereit ist, um die WM-Städte aussehen zu lassen wie eine mitteleuropäische Einkaufspassage. Aber wie provinziell ist dieses Turnier wirklich? Antwort: sehr.

16:58 Uhr

Also, wir Berliner sind ja bestens vorbereitet auf diese WM, haben erst am Pfingstwochenende geübt, wie man klarkommt mit kilometerlangen Staus in der Innenstadt, Phantasie, der keine Grenzen gesetzt sind, Müll, Spaß, Drogen, Touristen aus Mannheim, die Samba-Tänzerinnen in den Bikini kotzen, auf dem Grill verkohlenden Tieren und Sonnenstich. Danke, Karneval der Kulturen!

16:45 Uhr

Das macht betroffen: Rocco Siffredi, den keiner von uns aus den Filmen kennt, die wir niemals gucken würden, belegt sich selbst mit einem Orgasmus-Boykott. Und zwar bis Italien Weltmeister wird. Das sind Geschütze, die da aufgefahren werden beim Angstgegner! Muss Edelfan Angela Merkel es Siffredi nun gleichtun? Was steht in ihrer SMS an Schweini?

16:19 Uhr

Wir müssen unsere Erfolgsserie »Lieblingsessen der WM-Helden 1986« leider abbrechen. Wir sind uns zwar sicher, dass Hans-Peter Briegel »Dampfnudeln« angegeben hat, finden aber keine Beweisfotos mehr. Das Internet hat dieses güldene Kapitel der Kulinarik einfach vergessen. Zurück also in die Gegenwart: Brasilien gegen Kroatien. »Neymars Kampf gegen die Dämonen«, titelt »spiegel.de«. Exorzismus in Sao Paulo? Wir sagen: Dafür braucht man Neymar-Qualitäten! Hihihi. 

16:02 Uhr

Und was essen die Nationalspieler von heute (außer Nutella natürlich) am liebsten? Das Ergebnis unserer intensiven Recherchen:

Manuel Neuer: Muscheln, Oktopus, Lachs
Toni Kroos: Schnitzel Milanese
Per Mertesacker: Schokolade, Tomatensuppe
Mats Hummels: Sushi
Sami Khedira: Couscous und Fisch
André Schürrle: -

Mal abgesehen von André Schürrle, der offenbar gar nichts isst, um noch schneller zu sein, speisen die Herren also eher modern. Wusste Lothar Matthäus 1986, als er den Hanuta-Redakteuren »Hasenbraten« als Leibgericht nannte, überhaupt, dass man auch Oktopus essen kann? Weiß er es heute? Egal. Schnitzel oder Milanese, Hauptsache Fleisch.

15:52 Uhr

Um die Stimmung noch weiter anzuheißen, führen wir jetzt hier mal ’ne neue Serie ein: Lieblingsgerichte der DFB-Stars laut Hanuta-Sammelalbum 1986. Folge 1: Lothar Matthäus (»Hasenbraten und Knödel und Spinat«).

15:44 Uhr

Verdammt. Warum kommen wir nicht in Stimmung? Muss Cathy Fischer uns noch mehr Starbucks-Filialen zeigen? Müssen Poldi und Mesut noch mehr sogenannten »Spaß-Fotos« mit Polizisten machen? Oder fehlt doch Franzi van Almsick, die weiße Massai, die uns vor vier Jahren erklärte, warum die Menschen in Afrika alle so arm sind, aber trotzdem fröhlich. Nein: Was fehlte, war Marcell Jansen. Bis jetzt. Danke, Duplo. Jetzt haben wir auch Angst vor den Deutschen. Stimmung!

15:33 Uhr

Entschuldigung. Kurz eingenickt. Die Hitze, das Dengue-Fieber. Mir träumte, ich sei ein kleiner Affe auf Hans Flicks Arm. Gemeinsam setzen wir mit der DFB-Fähre über, um zusammen über diesen ganzen Kontinent zu herrschen. Wir sind der Zorn Jogis.

13:47 Uhr

Während Cathy Fischer in Brasilien högschd optimistisch Chai Latte säuft, haben wir nur unseren misanthropischen Berlin-Korrespondenten Andreas Bock. Der berichtet aus der Favela Neukölln: »Mittwochmorgen, ein Haus in der Schönleinstraße. An den Balkonen hängen Deutschland- und BFC-Fahnen. An allen? Nein, ein von unbeugsamen Kreuzbergern dekorierter Balkon hört nicht auf, den Nachbarn Widerstand zu leisten. Ihre Botschaft: ›Wer sonst nichts hat zum Stolz sein, hat immer noch Patriotismus.‹ Gemeinsames Grillen im Hof? Eher unwahrscheinlich.«

13:20 Uhr

Mist. Alle bringen jetzt »Zehn Dinge, die Sie über Eröffnungsspiele wissen müssen«. Und wir? Kriegen mit Mühe sieben zusammen:

1. Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Trikots.
2. Ergebnisse und Juniwind ändern sich oft sehr geschwind.
3. Hat Sao Paulo keinen Sonnenschein, dann kommt das Heu nie trocken rein.
4. »Die Brasilianer sind ja auch alle technisch serviert.« (Andi Brehme)
5. »Sie sollen nicht glauben, dass sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen.« (Paul Breitner)
6. »Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist es hier noch wärmer!« (Heribert Faßbender)
7. »Kein Pferd würde auf den Körper eines Menschen treten, der am Boden liegt. Kroatische Spieler schon.« (Eugen Drewermann)

13:13 Uhr

Stopp! Gauck kann zu Hause bleiben. Kulturbotschafterin Cathy Fischer übernimmt! Sie ist bereits nach Brasilien geeilt und ruft den Menschen dort zu: »Keine Angst vor den Deutschen! Wir sind an eurem komischen Land überhaupt nicht interessiert. Wir suchen nur die erstbeste Starbucks-Filiale und saufen den gleichen Chai Latte wie zu Hause. Bussi. Eure Dingsbums.«

13:04 Uhr

Und dennoch: Die Meldungen, dass irgendwer die deutsche Mannschaft fürchte, sie reißen nicht ab. Allein heute: »Christiano Ronaldo fürchtet DFB-Elf« (»kicker.de«), »Italien-Trainer hat Angst vor Deutschland« (»bild.de«), »Diese deutschen Stars fürchtet Pelé« (auch »bild.de«). Soviel Angst macht Angst. Muss Bundespräsident Joachim Gauck nach Brasilien reisen, um Ronaldo und Prandelli und Pelé zu umarmen?

12:54 Uhr

Fast genauso interessant: Die Grafik des »Wall Street Journal« zum Thema »How the tournament would play out if 32 countries were competing in things other than soccer«. Die Weltmeister wären: Australien (am dünnsten besiedelt), USA (die meisten Starbucks-Filialen), Iran (die meisten Verkehrstoten), die meisten Alkoholiker (Russland), höchster Verbrauch von tierischen Fetten (Belgien). Und Deutschland? Scheitert in Viertelfinale des Wettbewerbs »Schlechtestes Wetter« an der Schweiz. Was für eine Schmach. Jogi raus! Kachelmann rein!

12:47 Uhr

Apropos »90 Minuten echte Gefühle«: Die »New York Times« hat eine interessante Umfrage gemacht. Unter anderem wurde ermittelt, welche Mannschaft die Fans der Teilnehmerländer am wenigsten leiden können. Ergebnis bei den USA: die USA. Sorry, Klinsi. Und die Deutschen? Sie mögen die Iraner und die Honduraner nicht. Das überrascht uns jetzt aber, wir hätten mit Holland (wegen Marijke Amado), vielleicht noch mit Russland (wegen Wladimir Putin) gerechnet. Warum denn jetzt auf die Kleinen? Schreibt uns bitte eine Mail mit Eurer Begründung an online@11freunde.de.  

12:34 Uhr

Und noch ein Schock auf »bild.de«: »Porno-Attacke auf den DFB!« Fakt ist: Auf der Facebookseite der Nationalmannschaft wurde unschickliche Werbung platziert. Siehe hier.

»Wir. Alle. Zusammen.« Ein Aufruf zum Gruppensex: Pfui, das geht natürlich nicht. Das ist Sodom und Gomera, wie Else Kling sagen würde.

12:27 Uhr

Schreck lass nach: Bei »bild.de« läuft die HSV-Dinosaurier-Uhr. Diesmal jedoch rückwärts! Noch 9 Stunden, 39 Minuten und 11 Sekunden bleiben Didi Beiersdorfer, um die WM vor dem Abstieg zu retten. Holt er jetzt doch Magath? Muss Blatter Medizinbälle essen? Der arme, arme Mann.

12:10 Uhr

Welche Opfer die Menscheit gebracht hat: Favelas wurden weggebulldozert, Regenwälder gefällt, Strände planiert, das Salzwasser des Atlantiks mit Chlor vollgepumt, ein ganzes Land zur FIFA-Filiale umgebaut. Junge Männer rissen sich Bänder, brachen sich Knochen, urinierten ihren Ruf. Werden fern der Heimat kaserniert, während ihre Frauen die Familie als Zwangskolumnistinnen durchbringen müssen. All das soll nicht vergeblich gewesen sein: Als kleines Dankeschön an alle Opferbereiten spielt heute Abend eine brasilianische Altherrenauswahl gegen die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft Kroatiens. Jennifer Lopez hat ihren beliebten Popo nach Sao Paulo entsandt, Sepp Blatter liest ein Liebesgedicht vor, das er für Sepp Blatter geschrieben hat, André Rieu schleudert zum Playback seine Geige durch die schwülen Lüfte, im »heute journal« in der Halbzeit isst Claus Kleber von Gundula Gause gebackene Plätzchen und erzählt uns, wie sie schmecken. »Heute mal kein Krieg, sondern Fußball«, sagt er. Endlich ist es soweit. Wir nennen es Weltmeisterschaft.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!