VfL Bochum

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Bayern München

Bochum-Bayern im 11FREUNDE-Liveticker

»Zum Halbfinale? Immer Castroper Straße rauf!«

Dichter Pottregen schwemmt die Bochumer Hoffnungen hinfort, Bayern surft ins Halbfinale. Thorsten Legat, der einen Nacktlauf mit Pilsbier angekündigt hatte, weint Tränen aus Hass. Und der Ticker? Machte sich vor Aufregung ganz nass.

Bis 20.15 Uhr...

...sind wir noch beschäftigt, unser Album einzuflöten. Dann aber, Freunde, dann gibt's Kasalla. Oder doch lieber Hack. Ist schließlich Mettwoch. Bis dahin!

Da sind wir.

Pünktlich wie die Maurer, die Bochum heute brauchen wird, um nicht unterzugehen. In dieses Viertelfinale zu finden war ganz einfach: immer Castroper Straße rauf, direkt neben Thorsten Legat gejoggt. Legat verspricht übrigens einen Nacktlauf für den Fall, dass sein VfL heute gewinnt. Ist aber nur noch so semispannend nach zwei Wochen Dauerstriptease (Körper und Seele) im Dschungelcamp.

20:19 Uhr

Delling und Scholl passen einander immer mehr an, gesichtsmäßig und moderationstechnisch sowieso. Teilen sich heute sogar einen Wintermantel. Scholl will »endlich mal Mut sehen«, schweigt dann sehr lange. Dann Schwenk auf Matze Sammer. Das hat Scholl jetzt davon.

20:26 Uhr

Parallel zum Spiel liest der Kollege Stephan Reich aus seinem Roman. Also nicht für uns, sondern irgendwo ganz hip in Berlin. Darauf müssen wir hinweisen, weil wir sonst verprügelt werden. Und natürlich hat sich die ganze Redaktion dorthin aufgemacht. Hört also lieber ihm zu, als uns zu lesen. Sittenverfall. Was waren das für Zeiten, als der Liveticker noch als heilige Weihe galt, eine Feier der Zwischentöne war, wichtig und debattenprägend für das ganze Land. Heute wird ihm schon aus den eigenen Reihen der Rang abgelaufen. Lieber Stephan, falls du das hier liest: Lies es bitte nicht. Und schon gar nicht laut. Bussi, deine drei lustigen Zwei.

20:27 Uhr

Pokalstimmung in Bochum. Es hat gewaltig geregnet. Tolle Headline: Bochum macht Guardiola nass. Doch das will der Spanier nicht gelten lassen: »Ist eine super, super, super Vorbereitung für meine Zeit in England.« Alles klar, Pep. War nicht so gemeint.

20:29 Uhr

Listig: Guardiola will sich den Weg durch die Katakomben Richtung Rasen bahnen, aber Verbeek hat den Raum mit etwa zweihundert Einlaufkindern zugestellt. Jetzt schon die Szene des Spiels, das noch nicht mal angefangen hat.

1.

Anstoss. Oder wie man an der Castroper sagt: Lass ma die Luft ausm Glas.

2.

»Blau und weiß zur Sensation« choreographierte die Bochumer Anhängerschaft eben noch ins Rund. Klingt nach einem ganz normalen Abend in der Disco für uns. Nur ohne das weiß.

3.

Riesen-Überraschung: Die Bayern nehmen das sprichwörtliche Heft des Handelns in die Hand. Für uns zwar ein klarer Regelverstoß, aber der Schiri entscheidet auf angelegt und unabsichtlich. Derweil fliegt Robben erstmals über rechts in Richtung Glück. Wird dabei von den Bochumer Fans gnadenlos ausgepfiffen. Verständlich. So schnell gucken sind sie nicht gewohnt.

4.

Ha. Bochum renitent. Mondball in Richtung Bayern-Strafraum. Doch Lahm klärt im letzten Moment. Per Kopf. Lahm.Das kann was geben. Mal kurz checken, was die Temperatur sagt:

5.

Kleiner Tipp für unsere Freunde von RTL. Schiedsrichter Dankert tänzelt über den Rasen, als wäre dieses Spiel ein einziges Bewerbungsvideo für »Let's Dance«. Als wäre er die Wiedergeburt Baryshnikovs. An einem Tag im Tiefschnee. Wenn ihr versteht.. Und während wir das schreiben, hat Simon »BlackSwan« Terrodde die Führung auf dem Schlappen. Bekommt aber im letzten Moment den Blues und schiebt hauchdünn am linken Pfosten vorbei.

8.

Ich leg mich fest: Die Meisterschaft geht in diesem Jahr nur über Bochum. Was für ein Feuerwerk. Der VfL ist so kurz davor, vom DFB für das Abbrennen von Pyrotechnik belangt zu werden. Und wieder Terrodde. Der noch gerade eben vom Beinhaar Badstubers gestoppt wird. 

11.

Das ist also dieses Kasalla! 11Freunde gefällt das!

13.

»Er isst, trainiert und schläft für seinen Beruf«, hat Guardiola heute noch über Robert Lewandowski gesagt. Tolle Bestätigung für den kleinen Mann in uns: Zu zwei Dritteln sind wir also auch ein Lewandowski.

16.

Verbeek hat eine dieser ganz seltenen Frisuren, die nass besser aussieht als trocken. Auf der Gegenseite Sammer mit einem Gesicht, an dem der Regen einfach abperlt, aus Angst, vom Motzki abgemahnt zu werden. Advantage Bochum.

18.

Foul von Fabian. Einsehen von Fabian. Früher war mehr Lamento.

19.

Robben holt aus, toller linker Haken, Perthel geht zu Boden. Technischer K.O. Am Seitenrand macht Verbeek die Schwalben-Geste. Aufstehen, aufstehen! Sammer zum Holländer: »Das ist Ihr Mann, Mann!« Verbeek kühl: »Gehen Sie mir aus dem Regen.«

22.

Die Bayern bis hierhin absolut statisch, ohne Drive, ohne Lust. Hat Pep das Ausgehverbot auf den Rasen erweitert? Und was sagt Monaco Franze dazu: »Wir haben in München ein Publikum, was hinten und vorne nichts versteht und sogar jeden Reinfall noch zu einem einmaligen Erlebnis hochjubelt!«

25.

Wenn Bochum hier wirklich gewinnt, tut es Kollege Herrmann seinem Bruder im Geiste Thorsten Legat übrigens gleich und zieht morgen nackt über die Reeperbahn. Kleiner Wehrmutstropfen: Damit wäre es eigentlich ein ganz normaler Donnerstag für ihn.

27.

Die erste, fast halbe Stunde aus Sicht eines gewöhnlichen Bayern-Fans:

28.

Timo Perthel muss vom Feld. Hat nach dem Foul von Robben Seh-Sorgen. Sieht die Bayern nur noch doppelt auf sich zukommen. Was für die meisten Bundesliga-Verteidiger nach einem ganz normalen Bayern-Spiel klingt. 

31.

Bochums Mittelfeldspieler Eisfeld bisher eher als Sagengestalt unterwegs. »Willst Du nicht auch was zur Sensation beitragen«, fragt ihn sein Trainer von der Seitenbank. Eisfeld reagiert gekonnt und packt den SWAG aus:

34.

Robben wird weiter bei jeder Ahnung eines Ballkontakts gnadenlos ausgepfiffen. Wirkt darüber zunehmend lustlos und fackelt im gesteigerten Trotz einen Distanz-Bolzen auf Bochums Torwart Manuel Riemann. Winkt danach beleidigt ab und greift zu Stift und Postkarte. Hübsch.

36.

Kaum Torszenen. Das Viertelfinale versinkt im Rasen, der mittlerweile so tief ist wie die Gesichtsfalten von Hermann Gerland. Ich sach mal so: Selbst wenn sich beide Mannschaften auf Tinder nach rechts wischen würden, hätten wir hier kein Match.

38.

Nur einer hat hier Lust auf Liebe, beziehungsweise, machen wir uns nichts vor: eine heiße Nacht. Lewandowski (mag: Essen, schlafen, trainieren, seinen Job) hasst einen Ball ins Tor. Dusel, sagen die Einen. Egal, sagen wir.

43.

Das Spiel plötzlich wie Uwe Barschel in den schlimmsten Momenten seiner Katharsis: Robben fädelt ein, guckt aus, fällt dann, und Schiedsrichter Dankert zeigt auf den Punkt. Strittig, reichlich strittig. Noch strittiger: Rot für Simunek. Aber Müller hat ein Einsehen, scheitert an Riemann. Dankertswerterweise.

44.

Riemann pumpt sich nach der Parade auf, lässt sich feiern, die Kurve geht mit. Nur Eli Manning hält es eher mit den Bayern.

 

21.18 Uhr

Halbzeit. Und was lernen wir aus diesen ersten 45 Minuten? Fragen wir nach bei einem der größten Philosophen unserer Zeit:

21.21 Uhr

Jetzt Nachrichten.

21.23 Uhr

+++Breaking News: Horst Seehofer fühlt sich und seine Aussagen falsch interpretiert. Das kann uns nicht passieren. Hier exklusiv unsere Meinung über den bayrischen Ministerpräsidenten (und den FC Bayern): asfdn lsdfksdlkfj nmnnn pooo 0000 sdfkjdfs. 

21.25 Uhr

Immer noch Seehofer. Zeit, sich den wirklich wichtigen Dingen zuzuwenden. Spielen wir also Amor:

21.27 Uhr

Kurz etwas in eigener Sache. Mehmet Scholl <3

46.

Mehmet Scholl besteigt seinen ganz persönlichen Mount Everest der Verzweiflung – aber die ARD schaltet zurück ins Basislager, in das die Bayern erst nach langem Bitten eintrotten. Die zweite Halbzeit auch noch spielen? Der Pokal hat wahrlich seine eigenen Gesetze.

48.

Eisfeld ist in der Kabine geblieben, um sich per Telefon erklären zu lassen, dass Füchse gar keine Rudeltiere sind. Bochum jetzt mit vier Innenverteidigern. Aber der Reim ist fett, der Reim ist fett.

49.

Costa! Müller! Thiago! Die Drückerkolonne des FC Bayern klopft schon wieder an die Tür von Riemann. Schauen Sie doch mal, dieser niedlichen Robben hier! Vom Aussterben bedroht! Ihre Spende kann Leben retten! Aber Riemann, der Fuchs, sagt, er habe doch gerade gestern bei Robin Wood unterschrieben.

52.

Für Eisfeld ist Cacatalua gekommen, offensichtlich Fußballer, auch wenn ich mir eigentlich ziemlich sicher bin, dass so die Bar in Goa hieß, in der ich 2011 nach zu viel Kokosschnaps abgeschmiert bin. Cacataluas Hereinnahme bedeutet jedoch auch, dass ER weiterhin auf der Bank schmoren muss.

54.

Die Bochumer Trikots von heute derweil, darüber kann auch die starke Leistung nicht hinwegtäuschen, nur noch ein Schatten früherer Tage. Null Risiko, null Faber leider auch, dafür, fett und in Neon, der Netto-Schriftzug. Das ist brutto zu wenig. Manchmal machen Kleider Leute. Und manchmal machen Leute eben auch Kleider.

56.

Die Bayern peitschen jetzt Flanke um Flanke in den Bochumer Strafraum, versuchen also, diesen Rasen, auf dem der Ball einfach nicht laufen will, gar nicht mehr zu berühren. Die Bochumer wehren sich. Das muss man ihnen lassen. Haltung haben sie. Nur durchhalten können sie die nicht.

58.

Dinge, die Pep Guardiola seit heute Abend auf seinem Manchester City-Einkaufszettel hat:

-- Das Bochumer Publikum

60.

Das Spiel jetzt eine Einbahnstraße. Auf der der FC Bayern mit seinem 5.000-PS-Boliden und auf Standgas das Glück sucht. Und am Ende des Betons steht der neutrale Zuschauer und raunt: Bitte wenden.

61.

Mit einem Mann weniger und 0:1-Rückstand gegen den FC Bayern anzurennen, ist aber auch ungefähr so aussichtsreich, wie unsere Versuche im Darkroom die Liebe unseres Lebens zu finden. 

62.

Tja. Und dann passiert das Unausweichliche, dann passiert das 2:0 für die Bayern. Müller legt vom rechten Strafraumrand nach innen, wo Thiago den Ball nur noch einzuschieben braucht. Was Gertjan Verbeek von der Entwicklung hält? 

63.

Die Bochumer Fans singen dennoch einfach weiter. Wie ein Teenager, der seiner Angebeteten hinterher ruft: Ich liebe Dich. Nachdem sie seinen Willst-Du-Mit-Mir-Gehen-Zettel mitsamt »Ja, Nein, Vielleicht« mit einem »Hau ab!« beantwortet hat. In Druckschrift. Und Großbuchstaben.

65.

Die Live-Quote auf einen Bochum-Sieg liegt aktuell übrigens bei 400:1. Wir würden ja unser gesamtes Erspartes setzen, aber uns fehlen noch 99 Cent bis zum Mindesteinsatz von einem Euro. Bitter. Oder wie man in Bochum sagt: VfL.

66.

Bester Bochumer der zweiten Halbzeit bislang: Douglas Costa. Versemmelt nach Vorlage von Robben eine Chance, so breit wir Russland. 

70.

Kann auch nicht jeder: ohne Fremdeinwirkung stolpern und beim Versuch, sich abzurollen, auf die eigene Zunge beißen, dass es blutet. Kein Scherz. Ist eben passiert. Leider mir.

72.

Behnisch macht auf Klassenstreber und erzählt, da Riemann gerade einen Ball aus der Luft pflückt, beflissen von der Riemannschen Vermutung der Mathematik, von Nullstellen, Funktionen, halben Trivialitäten und so. Ich kontere mit dem total fiesen Fünftklässlerspruch: »Kannst du subtrahieren? Dann zieh ab!« Seelische Grausamkeiten im Livetickerquartier und kein Tor für Bochum weit und breit, das unsere Fehde befrieden könnte.

74.

Heikel: Verbeek verschränkt jetzt nicht nur seine Arme, sondern auch sein Gesicht. 

75.

»Machen wir uns nichts draus, die Wege kreuzen sich doch immer wieder«, füllt uns Gottlob, diese seelische Tankstelle unter den Kommentatoren, lebensbejahendend Sentenzen ein, bis wir überlaufen. Und zwar zum Feind. Der heute entweder »Zweiohrküken« oder auch »Der Bachelor« heißt. Die Wahl der Qual.

78.

Thomas Müller heute, trotz Torvorlage, seltsam apathisch, ja fast ziellos, wie ein Geheimagent, dessen Aufttaggeberland nicht mehr existiert. Behnisch hat auch keine Lust mehr, flüstert mir, dass er nach Hause will. Was bezeichnend ist, denn er sitzt auf seinem eigenen Sofa.

81.

Dinge, aus denen ähnlich die Luft entwichen ist, wie aus diesem Spiel:

-- Den Argumenten eines AFD-Wählers

-- Einem Vakuum

-- Eine Tube Alleskleber

84.

Hach. Die Bayern spielen hier ihren Stiefel runter. Die Bochumer Fans feiern sich selbst. Und wir, der neutrale Zuschauer an sich? Wir machen ein Selfie:

86.

Livebilder von Kollege Herrmann gefällig? Bitteschön:

88.

Und weil das Spiel gerade wenig Anlass liefert, sich zu amüsieren, anbei ein kleiner Exkurs ans Zwerchfell:

90.

Und dann fällt das 3:0. Bzw. 0:3. Lewandowski plötzlich so frei vor Riemann, wie Thorsten Legat vor einem Mikrofon. Die Chance lässt sich der Pole natürlich nicht nehmen. Immerhin das wichtigste Tor, dass er an einem 10. Februar jemals geschossen haben wird. Glückwunsch.

22.25 Uhr

Schluss in Bochum. Der FC Bayern siegt mit 3:0. Oder wie man im Pott sagt: Da is zuviel Soße auffe Currywurst. Die Spieler des Rekord-Rekord-Meisters plörren sich schon in die Field-Interviews, als würden sie ein stilles Wasser bestellen. Zeit für uns, zu gehen. Auf die After-Show der Lesung, die unser geschätzter Kollege Stephan Reich heute Abend in die Berliner Nacht gerockt hat. Womit wir ganz bescheiden darauf hinweisen wollen: Solltet ihr zum Valentinstag noch kein Geschenk haben, hier >>> findet ihr Abhilfe. Das bittere Beiwerk an dieser geschmacklosen Schleichwerbung: Davon können wir uns gar nichts kaufen. Ganz so, wie der VfL Bochum an diesem anfänglich großen Abend. In diesem Sinne: Bleibt cremig!

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