10.04.2014 | Bayern-ManUnited im Liveticker
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Bang! Boom! Bang!

»Wie glücklich ist man, wenn man so gewonnen hat?« - »Dann ist man natürlich sehr glücklich.« Der FC Bayern grinst sich ins Halbfinale, auch weil Moyes auf Solskjaer verzichtet. Auf der Bank sagt sich Pep Guardiola immer wieder, dass er Pep Guardiola ist. Und der Liveticker? Stieg tief in die deutschen Filmgeschichtsasservate, um das Drama begreiflich zu machen. 

Text: Moritz Herrmann und Andreas Bock Bild: Imago

FC Bayern: Neuer - Lahm, J. Boateng, Dante, Alaba - T. Kroos - Robben, M. Götze, T. Müller, Ribery - Mandzukic. Trainer: Pep Guardiola
Manchester United: de Gea - P. Jones, Smalling, Vidic, Evra - D. Fletcher, Carrick - Valencia, Welbeck, Kagawa - Rooney. Trainer: David Moyes

FC Bayern
3
:
1
ManUnited

Start ab 20 Uhr 30

20:05 Uhr

Ich will über gestern reden. Bock will über morgen reden. Nur über heute, über heute will niemand reden. Dabei wird heute morgen schon gestern sein. Zeit ist eben, Einstein hatte Recht, relativ. Relativ sicher heute: das Weiterkommen der Bayern. Wie immer relativ gestrig: der 11FREUNDE-Liveticker. Grüzi, Grüzi.

20:09 Uhr

Es ist dies ja das Jahr der Jubiläen: 100 Jahre erster Weltkrieg, 75 Jahre zweiter Weltkrieg, 20 Jahre Curt Cobains Schrotflinte, 20 Jahre Pulp Fiction, 25 Jahre Mauerfall, 200 Jahre Völkerschlacht. Am wichtigsten aber: 15 Jahre seit Nou Camp bzw. Camp Nou, seit dem Champions-League-Finale, dem Drama, dem Wahnsinn. Nomen est – ach, lassen wir das. Geht's raus und spielt's Fußball. Aber erstmal: Küstenwache auf ZDF, ohne Jubiläum, mit großen Gefühlen, der Kapitän knüpft der Matrosin die Bluse auf. Ein Königreich für Kurt Cobains Schrotflinte.

20:12 Uhr

Die Mutter aller Niederlagen:

Die Niederlage aller Mütter:

20:14 Uhr

Beim ZDF ermittelt noch die Küstenwache; momentan: soft-erotische Szene auf einem Schiff; musikalische Untermalung: Xavier Naidoo. Bei Sky ermitteln Owen Hargreaves und Sebastian Hellmann; momentan: non-erotische Szene auf einem Sessel; musikalische Untermalung: keine. Beim Bezahlfernsehen bekam man auch schonmal mehr für sein Geld.

20:16 Uhr

Außerdem im Sky-Studio: Tobias Holtkamp. Der Mann von transfermarkt.de bislang extrem souverän. Marktwert steigt um etwa um zwei Euro – und liegt damit um 1,50 Euro höher als der von Moritz Herrmann und Andreas Bock. Unsere erste Niederlage des Abends.

20:17 Uhr

Glück für die Bayern: Giggs nur auf der Bank, Sheringham gar nicht erst im Kader. Rotiert Moyes den englischen Rekordmeister aus dem Wettbewerb? Und was sagt Armin Veh dazu?

20:18 Uhr

Das oligarchfinanzierte Chelsea hat gestern das scheichfinanzierte Paris aus dem Wettbewerb milliardärt. Und warum? Weil Zlatan Ibrahimovic seinem alten Mentor Interna durchgesteckt hat. Herrliche Szenen. Beziehungsweise: Financial Fairplay. 

20:24 Uhr

Wir tickern aus dem gekreideten Eckpunkt im Nou Camp, der Nostalgie wegen, und weil man uns die Akkreditierung für die Allianz Arena entzogen hat. Dem FC Bayern wurden Bilder aus der Redaktionskantine zugeleakt. Der eingeforderten Entschuldigung kamen wir nicht nach. Pressefreiheit, das ist eben auch die Freiheit auf ein gutes Frühstück.

20:26 Uhr

Erik Meijer wirkt von mal zu mal mehr wie Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer. Ich würde ihm alles abkaufen. Vor allem seinen Zeigefinger, mit dem er so herrschaftlich auf die Statistik-Bildschirme zeigt, dass prompt die Hälfte der Zahlen auf den Boden fällt.

20:28 Uhr

Apropos Essen! Eine der wichtigsten Fragen des Abend lautet: Wusste das ZDF nicht, dass VIP-Gast Bastian Schweinsteiger keine Bohnen mag?

20:32 Uhr

Also, noch einmal zum Mitschreiben: Der FC Bayern heute ohne Thiago und Schweinsteiger. Der Ausfall von dieserart Superstars würde andere Klubs an den Rande eines Herzinfarkts treiben. Bayern-Fans indes reagieren darauf wie auf die nächste Meisterschaft: »Jo, mei!«

20:36 Uhr

»Basti ist auch ein Stück weit Hirn«, bedeutungsschwängert Sammer, der auch ein Stück weit Glatze ist, in die Kamera. Bock, ein Stück weit Leber, furcht seine Stirn, denkt über die Sammersche Analogie nach. Erschreckender Anblick. Ich, ein Stück weit Haut, ziehe mich in mich selbst zurück. Tickern macht manchmal sehr einsam.

20:39 Uhr

Ich glaube, es gibt nichts, was Pep Guardiola nicht kann. Der Spanier hat es sogar geschafft, in den modisch verwerflichen Neunzigern stylisch auszusehen. Ein Gigant, ein Übermensch, ein Halbgott. Der neue Chuck Norris. Kennst ihr den schon? Pep Guardiola braucht nur einen Tag, um sich einen Dreitagebart wachsen zu lassen. Olé!

20:42 Uhr

Pep Guardiola hat gewettet, dass Wayne Rooney in München aufläuft. Wette gewonnen. Der nächste Titel! Dieser Mann ist nimmersatt, will mehr, immer mehr. Schere-Stein-Papier gegen Rafinha – gewonnen. Drei Orangen am Spielautomaten im Gruam – gewonnen. Staredown im Badezimmerspiegel – gewonnen! 

1.

Diese Woche passierte übrigens so allerhand: Markus Lanz verkündete das Ende des Samstagabends, Puff Daddy kämpfte um einen neuen Twitter-Namen und Henrikh Mkhitaryan fand heraus, was es heißt, einen Tag Frank Mill zu sein. Jetzt auch noch Anstoß zur Großmutter aller Spiele. Es geht los!

3.

Für alle Kulturpessimisten und Das-Wochenende-ist-am-Freitagabend-schon-fast-wieder-vorbei-Jungs: Bayern ist seit drei Spielen ohne Sieg. Für alle Zwangsoptimisten und Glas-halb-voll-Jungs: Bayern hat von den letzten drei Spielen nur einmal verloren.

4.

Erste Siebtelchance für den FC Bayern: Robben flankt den Ball in den Strafraum, Müller versucht sich an einem Kopfball, Smailing allerdings auch. Konsequenz: Bud-Spencer-artige Karambolage im Luftraum und Cannibal-Corpse-artige-Schmerzen im Schläfenbereich. Ein schöner Beginn.

5.

Fünf Minuten sind gespielt und schon zwei Eckbälle für den FC Bayern. Das letzte Mal war Bayern vor vier Spielen so dominant. In einer fast vergessenen Epoche. Damals gab es noch »Wetten dass...?«, der BVB war noch in der Champions League und wir hatten noch keine grauen Haare. Good ol' times.

7.

»Wenn wir nicht im Halbfinale sind, ist das ein großer Fehler des Trainers«, sagte Pep Guardiola vor dem Spiel. Ein Blick auf den Spielplan zeigt: Der FC Bayern ist nicht im Halbfinale, sondern im Viertelfinale. Nur: Was hat Guardiola damit zu tun?

9.

Ribery wird im Strafraum zu Boden gedrückt von einem Typen, der heißt wie eine letzte Barschlägerei in einem Liverpooler Hafenpub: Phil Jones. Das Duell verspricht interessant zu werden.

11.

Wir möchten auch noch einmal verkünden, was alle anderen schon verkündet haben. Nämlich: Der FC Bayern ist der FC Bayern ist der FC Bayern ist die Mannschaft, die keines ihrer letzten vier Heimspiele gegen englische Mannschaften gewinnen konnte. Wir möchten allerdings auch verkünden, dass ein lässiger 0:0-Sieg zum Weiterkommen reichen würde. Selbst nach Elfmeterschießen.

13.

Irritierende Szenen in der Redaktion: Der Schlussredakteur, der bis 21.30 Uhr noch circa 92 Seiten des neuen Heftes zu lesen hat, setzt sich genüsslich in den Redaktionssessel und zündet sich eine Guten-Abend-Zigarre an. Zur Erklärung: Der Mann ist Bayern-Fan. Auf die Frage, was mit den 92 Seiten passiere, verkündet er ebenfalls dasselbe, was Bayern-Fans nach der nächsten Meisterschaft sagen: »Jo, mei!«

15.

Plötzlich wacht der Bayern-Fan auf, denn seine Kompagnons im Stadion skandieren plötzlich den Namen seines Klubs. Das ist so überraschend wie ein altgriechisches Fremdwort von Stefan Effenberg in einer noch überraschenderen Stegreifrede über die Philosophie des Papiers.

17.

Die Bayern ohne Badstuber, Martinez, Thiago, Schweinsteiger, Shaqiri. United mit Moyes. Es gleich sich alles aus.

18.

Samsung hat vorgelegt, mit dem Oscarselfie und dem Obamatweet. Jetzt landet auch Sony einen Marketing-Coup: Eriksson pfeift das Viertelfinale. Bislang solide. 

20.

Ich lasse lieber den Ball laufen, der schwitzt nicht. Roberto Baggio hat das gesagt, glaube ich. Sollte man so über eine Deodorantwerbung meißeln. Doch nein, stattdessen: Basti, im Ferrari, adrett bezwirnt, mit Right Guard gegen die lästige Transpiration. Und all das nur als Reaktion auf die Headline der Sun? Übertrieben, finden wir.

21.

Herrmann: »Ich lasse lieber den Schweiß laufen, der ballt sich.« 

22.

Und was sagt Sarah Brandner dazu? »Ich hatte Schlimmere als Schweini.« Wen denn, Sarah? WEN? Bock lächelt wissend, war auch auf besagter Mottoparty damals. Verkleidet als Journalist.

24.

Ribéry auf Alaba. Der Österreicher, direkt aus der Waldorfschule, tanzt seinen Namen in den Rasen. Die Jury vergibt eine 0:0.

26.

»Götze... nein, nicht Götze... Götze!« Böse Vermutung: Dieses ganze Spiel wird nur für Kommentator Béla Réthy aufgeführt, es wurde ihm quasi auf den Leib bzw. nach dem Munde geschrieben. Scripted Reality, zu der Réthy sein unnachahmlich unerträgliches, fundiert-anekdotisches, dabei massig Lokalkolorit vermittelndes Schelmengelall beisteuern kann. Würden wir Gebühren zahlen, wir würden sie zurückfordern.

28.

Vidic gegen Mandzukic. Gelb für den Serben. Merke: Die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten ist manchmal eine Blutgrätsche.  

30.

Noch sieht das zwar okay, aber nicht fantastisch aus, was die Bayern hier abliefern. Aber vielleicht verhält es sich mit diesem Viertelfinale wie mit Marcel Duchamps Fontaine – wenn man es nur lange genug dazu erklärt, wird es auch zur Kunst. Pep Art.

32.

Bislang ist ein Spiel, bei dem es so viele Freiräume für Spieler gibt wie für Uli Hoeneß in Landsberg. Wir fühlen uns auch schon ein bisschen beengt und wechseln unsere XS-Mickey-Mouse-Shirts vorsorglich in pinke XXXL-Pullover von Kik. 

34.

Leider ist Fellaini nicht dabei. Dabei hatten wir uns so auf ein Kopfballduell mit Dante gefreut. Ein fliegendes Locken-Ernte-Dank-Fest mit Haarmaterial für drei komplette Fußballmannschaften. Fritz von Thurn-und-Taxis hätten geweint. Ein bisschen.

37.

Gestern zwei tolle Meldungen in einem Newsletter gelesen: 1. »Veronika Ferres holt Top-Quoten« (mit irgendeinem Film über Liebe, die 50er Jahre und Deutschland), 2. »Robotertexte: Stuttgarter Agentur plant vollautomatisiertes Sportportal«. Letztere Meldung bedeutet, dass eine Software nach einem Sportereignis anhand von Schlagwörter einen Text schreiben kann – ohne menschliche Hilfe. Wir haben die Software bereits getestet. Der erste Satz lautet:

»Schweinsteiger dabei heute nicht, Wayne Rooney Tor, er hofft.«

Klingt nach Star Wars oder siebzehn Bier. Also: Großartig.

38.

Evra liegt am Boden, doch seine Mitspieler kümmert das einen Scheißdreck. So alleine muss sich Markus Lanz am Samstagabend gefühlt haben. Oder David Hasselhoff, als ihm K.I.T.T. erklärte, dass er sich einen anderen Fahrer suchen werde.

41.

Kuirze Zwischeninfo: Barcelona liegt immer noch 0:1 zurück. Man darf sich also fragen, was passiert, wenn der FC Bayern heute ausscheidet. Wird Guardiola, dessen angebliche Superteams dann raus sind, zu den Amateuren abgeschoben? Kommt dann Jupp Heynckes zurück? Und san mia dann immer noch mia? Wir haben ein bisschen Angst.

43.

Manchmal erreicht Bela Rethys Stimme Tonlagen, die wir bislang nur von schlecht geölten Ford Mustangs in Südtexas kannten. Doch bevor wir unsere Schnurrbärte ankleben und Cowboyhüte aufsetzen können, ist die Chance meistens schon wieder vorbei. Enttäuschend. PS: Der FC Bayern führt immer noch 0:0.

45.

Halbzeit. Wir haben mittelmäßig Spaß und überlegen rüber zu Sky zu schalten. Bleiben dann aber auf unserem Lieblingssender Bibel TV hängen, wo Gott eine Rede über Gott hält. Interessant. Doch auch hier steht es 0:0.

21:35 Uhr

Halbzeit. 0:0 in der Münchener Arena. Im Berliner Bundestag derweil ein klares 3:0 für die #GroKo. Wann bringt Guardiola endlich Oppermann? 

21:37 Uhr

Nachdenkliches am Rande: Felipe Scolari verbietet seinen Spielern während der WM im eigenen Land allzu kühnen Beischlaf. »Wenn es normaler Sex ist, in Ordnung. Aber es gibt bestimmte Formen, bestimmte Arten und andere Menschen, die Akrobatik vollführen – das geht nicht«, so der brasilianische Coach. Bock nickt eifrig, sieht seine WM-Chancen steigen.

21:39 Uhr

Des Einen Freud, der Anderen Leid. Gabriele Metzger sieht auf bild.de ihre Felle davonschwimmen. Dabei wollte sie so gerne in Brasilien dabei sein.

21:42 Uhr

Nach Scolaris Mahnung steht auch fest, dass Ronaldinho es nicht in den WM-Kader schaffen wird. Für so ein Turnier den eigenen Geburtstag kippen? Niemals! Wir fragen uns nur: Woher weiß die Bild, dass es sich bei den hier posenden Damen um Schönheiten handelt? War der Redakteur beim Shooting anwesend? Versteckt in Ronnys Speedo? Und kann Scolari auf einen Ronaldinho in dieser Form überhaupt verzichten? Fragen über Fragen. Die Antworten: gleich im Ticker. Vielleicht. Stay tuned. Bzw.: Hang loose.

21:44 Uhr

Exakt 53 Sekunden verbleiben dem ZDF für die Halbzeitanalyse. Sollte reichen, um die Torszenen der Gäste abzuhandeln. Und, ja, endlich, da schnarrt uns auch schon die Beamtenstimme von Oliver Welke entgegen. Das Gesicht dazu sieht aus wie: einzige Raffinesse die Urlaubsplanung entlang der Brückentage und das Bescheißen der Hausratversicherung. 53 Sekunden sind vorbei. Schade bzw. »schade«.

46.

Taktikexperten und Defensiv-Geilianer sitzen vermutlich vor dem Bildschirm und malen euphorisiert Zeichen auf ihren Mal-Screen. Wir sitzen hier und würden gerne wenigstens nach Zahlen malen, doch über die ersten 45 Minuten haben wir vergessen, was das überhaupt ist: eine Zahl. Schnarcht mit uns. Hinein in die 2. Halbzeit.

48.

Immerhin meldet unser Spion (Jens Jeremies) aus der Bayern-Kabine heiße News. Ob die Spieler Guardiolas Ansprache verstanden haben, müssen wir allerdings bezweifeln. Sie lautet: »Eben nicht super-super.« Zwischenfrage Lahm: »Und jetzt?« Antwort: »Jetzt Super-Super.« Philosophische Versatzstücke, wie man sie sonst nur im Nachmittagsprogramm von RTL2 zu hören bekommt. Oder an einer beliebigen Zapfsäule zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

50.

Wirklich enttäuschend finden wir, dass Arjen Robben auf der rechten Seite immer wieder den Arm hebt, ohne dass ihm jemand erlaubt, diese Sache (Fußball) aktiv mitzugestalten. Erinnert uns an unsere Schulzeit. Einziger Unterschied: Uns erlaubte man immer wieder, diese Sache (Stochastik II) aktiv mitzugestalten, obwohl unser Arm nur dazu diente, den Kopf während des Schlafens in einer angenehmen Position zu halten.

52.

Allerdings darf man sich langsam fragen, wann Bela Rethy das erste Mal auf das 99er Trauma zu sprechen kommt. Wir tippen auf die 63. Minute. Könnten uns aber auch irren, denn Bela Rethy ist manchmal überraschender als Jörg Drägers Tor 3 bei »Geh aufs Ganze«. 

54.

Erster richtiger Schuss aufs Bayern-Tor. Oh, ah, Shinji Kagawa aus 24,3 Metern, Knaller, ja, jetzt, nein... meine Güte, Manuel Neuer... oh, ah......

Äh.

Bitte gehen Sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen!

56.

Pardon, bitte bleiben Sie stehen: Hier gibt es einiges zu sehen! Und zwar ein Toooooooooor! Bayern führt. Äh? Nein, das ist Manchester United, Evra. 1:0 für Manchester United. Wir sind erregt wie beim ersten Mal Tutti-Frutti mit Hugo Egon Balder. Ächz.

58.

Nachtrag zum Evra-Tor, das uns nur kurz verzücken konnte: Evra ballerte da den Ball unter die Latte, als wollte er das Tor aus den Angeln heben. Wäre der Schuss ein Boxkampf, wäre er Bud Spencer gegen Mike Tyson. Aber das nur am Rande. Denn jetzt wird es hier ernster als im Nachtprogramm von 3Sat.

59.

Halleluja! In der Halbzeit haben die Mannschaften an der Modedroge Crystal Meth genascht, sind jetzt auf Draht wie ein Seiltänzer. Bayern über links, Flanke, in der Mitte pirouettiert sich Mandzukic in die Luft, nickt den Ball mit parabolmäßiger Flugbahn ins Netz. Ausgleich, Advantage niemand. Und wir freuen uns, wenn Pep Guardiola nach Schlusspfiff den großartigen Veronika-Ferres-Satz sagt: »Das war meine schwerste Rolle.«

61.

Ribéry, Außennetz. Götze, auf de Gea. Réthy wirft mit McKinsey-Begriffen um sich, um den plötzlichen Wahnsinn zu bannen. Wir erklären uns lieber bankrott.

63.

Die Bayern ziehen das Spiel jetzt in die Breite, reißen Lücken in die Staffelung der Briten. Vereint ist hier gar nichts mehr. Manchester Seperated.  

64.

Oder wie die Hamburger Morgenpost schreibt: »Dieser Fall träte schon eintreten, wenn die Bayern heute das 1:1 aus dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Manchester United nicht zum Einzug in das Halbfinale verwerten können.« Im Gegenzug Welbeck frei durch, bedient Rooney am Elfmeterpunkt - aber der träte nicht nur, sondern tritt ein Luftloch. Verteidigen wird überbewertet.  

67.

2:1. Und niemand, niemand außer Müller hätte dieses Tor machen können. Robben auf rechts wie eine notwassernde Cessna, bringt den Ball trotzdem in die Mitte. Müller hackespitzt mit dem Rücken zum Tor ins Netz. Das sieht aus wie bei einem Lausbubenstreich. Das dicke Portemonnaie auf dem Boden, prall befüllt mit grünen und braunen Scheinen, der Arm greift danach – und dann ins Leere, weil hinter dem Gebüsch ein dicker Junge mit roten Backen und aufgerissenen Augen steht, der die Börse blitzschnell an einem Bindfaden zu sich zieht und damit davonrennt, sein Lachen hallt über das Trottoir, auf seiner Schirmmütze dreht sich ein kleiner Propeller im Wind. 

69.

Was für ein Abend ist dies mittlerweile geworden. Pep Guardiola hat sich, dem Anlass entsprechend, in seinen slimsten Slimtfitanzug von Miro geschält. Sieht selbstverständlich supersupersuper aus! Erinnert mich aber auch daran, wie ich neulich shoppen ging, es war ein Samstag, die Fußgängerzone voller als ein Flüchtlingskutter, weinende, ihre Eltern in den Legoladen zerrende Kinder, koranverteilende Salafisten, ein paar Hippies mit Didgeridoo, die, wenn man sich ihnen fünfzig Cent zu geben weigerte, aggressiv wurden (Ja! Aggressive Hippies!), ich ging also einen Anzug anprobieren, der nadelgestreifte Stilberater riet mir zum Modell Slimfit plus schmaler Krawatte, das tragen, ölte er und suchte durch sein dickwandiges Brillengestell Blickkontakt, doch jetzt alle so, und dann ergänzte er, kennen Sie nicht den Guardiola aus Bayern, der trägt das auch so, und ich fragte, wer?, und sagte, egal, wenn das so ist, dann will ich das gerne ausprobieren. Die Hose ging noch gut, aber als ich das Jackett zu schließen versuchte, spannte es über die Brust, der mittlere Knopf sprang ab, dem Stilberater verrutschte sein Lächeln, er sagte, also, das zahlen Sie uns aber! Ich warf ihm das Jackett in die Arme, verließ die Umkleide, zurück in der Fußgängerzone schrie mich ein Jesusfreak an: Haben Sie schon die gute Botschaft vernommen? Ja, dachte ich. Ich bin nicht Pep Guardiola.

70.

David Moyes gibt den Antipep. Trägt ein Sakko, das nicht mal Thea Gottschalk ihrem Mann rausgelegt hätte. Dazu das Gesicht von Thommy, als er vom Ende von Wetten, dass erfahren hat. Kategorie: Schlimm-fit. Bezeichnend.

71.

Bei den Bayern mittlerweile Rafinha im Spiel. Es gibt keine Großen mehr.

72.

Guardiola hatte seine Stars ja angewiesen, sich selbst stark zu reden. »Wenn wir Zweifel haben, dann kann alles passieren. Jetzt müssen sie sich sagen: Ich bin Franck Ribéry, ich bin Arjen Robben, ich bin Manuel Neuer, ich bin Philipp Lahm, ich bin Toni Kroos, ich bin Mario Götze.« Auf der Bank sieht man Tom Starke, wie er sich immer wieder einflüstert: »Ich bin Manuel Neuer, ich bin Manuel Neuer.« Eine Lüge, das ist eben nur eine gute Story, ruiniert erst durch die Wahrheit.

74.

Bock mantraartig: »Ich bin Andreas Bock, ich bin Andreas Bock, ich bin Andreas Bock.« Man muss zu diesem Zeitpunkt feststellen: Da hat er leider Recht.

75.

Der Ultimate Warrior ist tot (RIP), sagen sie. Aber wer ist das dann da vorne, im roten Trikot, mit Schaum vor dem Mund, der 10 auf dem Rücken und den aufgemalten Haaren? Wayne Rooney: The Ultimate Terrier.

76.

Was passiert hier? Die Bayern haben keine Lust mehr auf das ewige Holzklötze aufeinanderstapeln. Zerstören ManUniteds Freudenturm einfach mal innerhalb weniger Minuten. Bang! Boom! Bang! Kalle Grabowski fällt die Zigarette aus dem Mund. Pep Guardiola applaudiert väterlich. 3:1.

79.

Der Bayern-Kollege im Raum ist nun wieder ganz bei sich. Sinniert über Pokale, Trophäen und Medaillen. Hängt sich dann seine Leichtathletik-Sportfest-Teilnehmer-Urkunde um den Hals und tanzt einen Schuhplattler vor dem Fernseher. Wir machen uns Sorgen.

81.

Kurze Nahaufnahme von Kagawa. Sein Gesicht befindet sich ungefähr zwei Meter neben seinem Kopf. Er könnte sich jetzt selbst auslachen, läuft aber einfach ins Aus. Auch eine Idee. Allerdings nicht die beste.

84.

Eine weitere Meldung in der Zeitung mit den großen Buchstaben stimmt uns sehr froh. Endlich braucht Arjen Robben beim Trikottausch nicht mehr ganz so lange.

84.

Breaking News: Robben lässt Ball unter der Sohle ins Aus gehen. Guardiola irritiert. Gestikulierend. Ordert neue Schuhe bei Adidas. Hat das deutsche Ladenschlussgesetz vergessen.

86.

Manchester United spielt jetzt wie eine Soap-Opera-Darstellerin, die eine Ex-Freundin mit einem gebrochenen Herz spielen soll. Bayern weiterhin wie Joe Gerner in seiner besten Rolle. Als Joe Gerner.

88.

Die Minuten tropfen von der Uhr. Guardiola wechselt Matthäus aus, holt Basler vom Feld. Hier brennt nichts mehr an. Die Bayern haben es geschaff... halt, was ist das? Nein. Spaß.

89.

Bayern jetzt wie eine Mischung aus Helmut Schmidt (Kanzler a.D.) und DJ Bobo (DJ a.D.). Ein bisschen altklug, ein bisschen witzig. Insgesamt: Halbfinal-artig.

91.

Noch zwei Minuten. Und wir sagen jetzt einfach mal: BARCELONA. Und dann verstecken wir uns auf der nächsten Verkehrsinsel hinter einer Hecke.

93.

Alles okay, liebe Bayern-Freunde. Es ist alles okay. Der Patient lag kurz in Ohnmacht, hatte dann ein besseres Comeback als David Hasselhoff 2011. Wir sind nach wie vor crazy for you, FC Bayern! Forever Number One! Legen wir uns wieder hin und träumen vom Triple und von Bayerns-WM-Sieg in Brasilien.

22:39 Uhr

Was hier los war. Evra katapultiert den FC Bayern beinahe aus der Champions League, doch dann raketen die Bayern zurück und zerdrücken ManUnited auf Größe einer Märklin-Eisenbahnlandschaft. Hätten wir Worte, würen wir jetzt schöne Sätze schreiben. Wir haben aber nur noch Buchstaben, also nehmt das hier: F  
C     B    A Y       E R N                       M  I A       S       A   N             U S       W .


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