02.04.2013 | Bayern-Juventus im 11FREUNDE-Liveticker
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Sammer warnt vor 11FREUNDE-Liveticker!

Bayern Münchens Sportdirektor Matthias Sammer warnt: Lesen Sie den folgenden Text über das Spiel gegen Juventus Turin unter keinen Umständen! Die Penner von 11FREUNDE bräuchten dringend mal einen Weckruf. Seit Wochen schreiben sie einen schönen Scheiß zusammen. Und keiner merkt’s. 

Text: Dirk Gieselmann und Johannes Ehrmann Bild: Imago

Bayern: Neuer, Lahm, Dante, Van Buyten, Alaba, Luiz Gustavo, Schweinsteiger, Müller, Ribéry, Kroos, Mandzukic

Juventus: Buffon, Chiellini, Peluso, Barzagli, Bonucci, Lichtsteiner, Marchisio, Pirlo, Vidal, Quagliarella, Matri

FC Bayern
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Juventus Turin

11:50 Uhr

Hallo, liebe Fans, und bitte nicht erschrecken: Es geht um viel. Wenn nicht alles. Kennt man aus der Bundesliga ja nicht mehr wirklich, dieses Gefühl. Und nun: Bayern gegen Juve mit guten Chancen. Also bitte, wenn selbst Hoffenheim alle rausschmeißt!

11:52 Uhr

Bayern gegen Juve, ein vorweggenommenes Endspiel. Sagt Bayern-Boss Karlheinz Rummenigge. Hm, ob das so klug ist... Schließlich hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Deutschen keine Endspiele mehr gewinnen - und schon gar keine vorweggenommenen gegen Italien.

11:58 Uhr

Seit dem Halbfinal-Aus letzten Sommer (der Ticker berichtete) ist uns eigentlich allen klar: Wir werden nie wieder gegen eine italienische Mannschaft gewinnen. So klein und hilflos hatten wir uns nicht mehr gefühlt seit damals, im ersten Toskana-Urlaub, als die schwarzhaarigen, langbeinigen Schönheiten am Strand sich statt für den blassen Streber aus Deutschland nur für all die Goldkettchen tragenden und Vespa fahrenden Eisdielenbesitzersöhne interessierten. Die sahen alle irgendwie aus wie Bruno Labbadia. Und der ging dann auch noch zum FC Bayern. Bezeichnend. Irgendwie ein später Trost, wenn man sieht, wie er sich jetzt trotz alledem bei den Stuttgarts dieser Welt abstrampeln muss.

12:00 Uhr

Aber zurück zum Spiel. Und die Angst-Propaganda läuft bereits auf Hochtouren. Das deutsche Vorzeige-Blatt hat Juve-Spielmacher Andrea Pirlo im Vorfeld schon zu »Deutschlands Fußball-Feind Nummer 1« ausgerufen. Wir können nur warnen. Die Geschichte lehrt schließlich, dass solcherlei Hetzjagden auf Bärtige in der Regel mit einem Blutbad in einer Villa irgendwo in Pakistan enden.

12:03 Uhr

Mächtig Schlagzeilen macht dieser Tage ja ein ganz anderer Italiener: Paolo di Canio ist neuer Trainer des AFC Sunderland und hat eine Begriffsdebatte über Faschismus, Rassismus und Neonazismus losgetreten. Er behauptet: »Ich bin Faschist, aber kein Rassist.« Der Alterspräsident der deutschen Übungsleiter meldet sich nun ebenfalls zu Wort:

15:02 Uhr

Wovor Matthias Sammer wirklich mal warnen sollte: Frei herumlaufende Frauen im Freistaat Bayern.

19:48 Uhr

Wos is jetzt des? Geht ja scho los! Der Besuch der alten Dame! Jetzt live. Mein Wildkätzchen, mein Zauberhexchen!

20:02 Uhr

Bild.de meldet: »Heynckes setzt auf Müller und Mandzukic!« 11FREUNDE fragt: Buffon auch?

20:06 Uhr

Der Besuch der alten Dame also. Die Aufstellungen müssen wir ihnen natürlich noch nachreichen.

  • Die Besucher
    • Claire Zachanassian, geb. Wäscher, Multimillionärin
    • Ihre Gatten VII - IX
    • Der Butler
    • Kaugummikauend:
      • Toby
      • Roby
    • Blind:
      • Koby
      • Loby
  • Die Besuchten:
    • Ill
    • Seine Frau
    • Seine Tochter
    • Sein Sohn
    • Der Bürgermeister
    • Der Pfarrer
    • Der Lehrer
    • Der Arzt
    • Der Polizist
    • Bürger:
      • Der Erste
      • Der Zweite
      • Der Dritte
      • Der Vierte
    • Der Maler
    • Erste Frau
    • Zweite Frau
    • Fräulein Luise
  • Die Sonstigen:
    • Bahnhofvorstand
    • Zugführer
    • Kondukteur
    • Pfändungsbeamter
  • Die Lästigen:
    • Pressemann I
    • Pressemann II
    • Radioreporter
    • Kameramann

20:16 Uhr

Zeit für ein Geständnis: Gernot Rohr ist für mich der französische Onkel, den ich gerne gehabt hätte. Wenn ich ihm bei seinem weichen französelnden Deutsch zuhöre, komme ich mir vor, als säße er in seinem Backensessel am Kamin und erzählte von früher, als er noch Winzer im Burgund war und nebenbei einen Erstligisten coachte. Ich weiß nicht, wie alt Rohr ist, aber wenn ich mal alt bin, will ich so sanftmütig auf die Welt schauen können wie er. Und sagen: »Jupp Heynckes hat alles richtig gemacht.« Wobei: Wenn ich alt bin, ist Heynckes wahrscheinlich 50 Jahre tot. Oder 180 Jahre alt.

20:23 Uhr

SKY gespenstisch: Ein Monchichi behauptet, er habe einst unter Jupp Heynckes trainiert. 11FREUNDE warnt: Puschel-Muschel, Pusch-Musch!

20:24 Uhr

Es ist wieder Zeit für meine Lieblingsrubrik: »100 Prozent Meijer« mit Erik Meijer. Aka: Ein Ex-Profi, der anscheinend nichts Besseres zu tun hat, erklärt uns den Fußball. Klingt dann so: »Schweinsteiger, hier, und schön gegrätscht.« Soso. Ahja, Gutgut. DAS ist also eine von diesen so genannten Grätschen! Feinfein.

20:25 Uhr

»Pirlo ist im Juve-Orchester der Dirigent«, sagt die Stimme aus dem Off. Wenn das stimmt, was ist dann Arturo Vidal: Die Arschgeige?

20:27 Uhr

Pirlo, so heißt es nun, spreche mit den Füßen. Dann sagt Erik Meijer, Pirlo sei wie weiche Butter. »Weiche Butter, die mit den Füßen spricht« – es gibt coolere Indianernamen.

20:29 Uhr

Meijer präsentiert ein Best-of der Pirlo-Pässe. Und unten in der Kabine hält Jupp Heynckes Toni Kroos die Äuglein zu. »Ist noch nichts für dich«, flüstert er seinem Jungstar beschwörend zu.

20:32 Uhr

Apropos Kroos: Die ganz große Frage wird natürlich sein, ob Heynckes ihn - wie Löw im Sommer - als Manndecker auf Pirlo ansetzt. Oder doch lieber als Bodyguard für sich selbst mit allen Freiheiten (aber bitte bloß keinen Zweikampf gegen Pirlo). Könnte für den weiteren Fortlauf seiner Karriere die bessere Wahl sein.

20:34 Uhr

Irre: Brazzo sieht aus wie der junge Hitzfeld! Ist auch er Rennie-abhängig? Noch irrer: Der Kaiser tippt auf ein 2:2. Dolchstoß! »Dös is ja nur meine Meinung«, nuschelt er. Und wenn Sie Ihnen nicht gefällt – er hat auch noch 'ne andere!

20:38 Uhr

Unterhosenwerbung. Kollege Gieselmann erstarrt. Sein Finnen-Bart bebt. »Ist-das-Ro-nal-do?«, fragt er mit zitternder Stimme. »Dieser Lachs?« Dann doch: Entwarnung. Nur ein namenloses Model. Das hat der moderne Fußball schon aus ihm gemacht.

20:39 Uhr

Ein Blick noch mal auf die Aufstellung von »Der Besuch der alten Dame«. Unter »Die Lästigen« findet sich ein bislang noch anonymer »Pressemann 1«. Jetzt kommt Licht ins Dunkle: Es ist eben doch wieder Marcel Reif. Wobei dieses Licht ein Licht ist, das am liebsten zurück in die Glühbirne kriechen würde. Gute Nacht.

20:40 Uhr

Marcel Reif war ja mal, so Mitte der 90er, das Antidot zum Moderatorenstadl à la Rubi, Waldi und Faßbender. Fast 20 Jahre später ist er nur noch ein grauhaariger Studienrat-Verschnitt, der uns mit Begriffen wie »Juventini« auf die Nüsse geht. Wo wir schon dabei sind: Si tacuisses.

20:43 Uhr

Die Champions-League-Hymne. Sie klingt, als träte der besoffene Nachbar seinem alten, gichtkranken Dackel auf den Schwanz. Und das seit 20 Jahren. 

20:44 Uhr

Ich kann mir nicht helfen: Aber Gustavo macht mir jetzt schon Angst. So rein als Name in der Bayern-Aufstellung. Wo ist Martinez, wenn man ihn mal wirklich braucht? Gesperrt. Bezeichnend.

1.

Anpfiff. Erste Pass gleich scheiße. Was umso verwunderlicher ist, da er von Pirlo stammt. Und dann: Zack! Zack! Zaaaaaaack! Alaba mit dem harmlosesten Aufsetzer aller Zeiten, Buffon, einst der gefürchtetste Keeper der Welt, ist in den ersten 20 Spielsekunden um mindestens 80 Jahre gealtert, könnte nun der Vater von Heynckes und Gernot Rohr sein - noch leicht abgefälscht, wie die Zeitlupe zeigt - egal, scheißegal, Tor! Die Bayern führen!

3.

Bleibt die Frage: Hat Sammer Buffon nicht gewarnt?

4.

Pirlo jetzt wütend. Muss er sein nach diesem Start. Anzumerken ist es ihm nicht. Sieht immer noch aus wie der Räuber Hotzenplotz auf Prozac.

5.

Heynckes erstaunlich mies gelaunt, sieht in der Nahaufnahme aus wie ein Frührentner, dem in seiner Grillbude bei der Sportwerbewoche das Nackensteak angebrannt ist. Jetzt die Suche nach den Schuldigen: Wer hat die billige Kohle gekauft? Ist das Rattenfleisch, oder was? Vor allem aber: Warum hat Sammer auch ihn nicht gewarnt?

7.

Wenn es schon so losgeht, wie soll das noch weitergehen? Mehr noch als diese Frage beschäftigt uns im Hintergrund hartnäckig die folgende: Wie wäre es gelaufen, hätte Deutschland im Sommer das frühe 1:0 gemacht? Wären wir dann jetzt Weltmeister? Oder wieder Papst? Oder wäre zumindest Pirlo zurückgetreten? Egal, scheißegal, Bayern führt.

8.

Vidals Frisur: ein Rätsel. Hat Juve-Trainer Antonio Conte dem Chilenen die Angriffstaktik auf den Schädel rasiert? Dann sind wir gespannt, mit welchem Putz er aus der Kabine kommt.   

9.

Heynckes ist vielleicht der schlauste Trainer aller Zeiten. Hat seinem Team einfach ein frühes Tor befohlen, so dass nun Juve, diese Defensivmaschine, das Spiel machen muss und Bayern abwartet, kontert. Ansehnlich ist das nicht. Aber wahnsinnig effektiv. Schlägt der alte Herr die alte Dame mit ihren eigenen Mitteln? Abwehrten.

11.

Reif kommt nicht mehr mit. »Juve hat schon 17 Tore erzielt, die Bayern 18, nein, jetzt 19!« Tendenz steigend. Vielleicht.

13.

Philipp Lahm mit einem polnischen Deja-vu, träumt vom Sommer in Warschau, lässt sich von der imaginären Sonne, die in Wirklichkeit ja seit acht Monaten nicht mehr zu sehen war, blenden, spielt einen haarsträubenden Fehlpass. Vidals Schuss geht aber zum Glück vorbei. Oh, Käpt'n, mein Käpt'n!

14.

Kroos versucht Lichtsteiner zu foulen, das klappt nicht. Foult stattdessen sich selbst, fasst sich in den Schritt. Muss raus. Robben kommt. Nein, heute kann es zum Glück kein Elfmeterschießen geben.

17.

Robben gleich mit dem ersten Dribbling Marke Aufziehmaus, fräst sich hinter dem Tor in die Werbebande. Schaut grimmig. Schaut er eigentlich immer. Es sei denn, er hat gerade einen Elfmeter verwandelt. Was jetzt bitte NICHT heißen soll, dass er... falls... Sie wissen schon.

18.

Robben! Kommt im Strafraum frei zum Schuss, nie war eine italienische Abwehr konfuser, doch Buffon hat die Midlife-Crisis scheinbar überwunden, hält plötzlich wieder wie ein zumindest mitteljunger Gott.

20.

»Robben sorgt für Wirbel«, so Reif, klingt dabei wie ein ZDF-Ansager, der eine Vorabendserie mit Karsten Speck und einem sprechenden Seehund ankündigen muss. Mitleid.

21.

Apropos Mitleid: Wie hässlich Chiellini ist! Wahnsinn. Hat der sich auch schon mal, wie alle Italiener, für Dolce&Gabbana mit Olivenöl eingerieben und in der Unterbuchse ablichten lassen? Wenn ja, zieht aber das alte Playboy-Alibi nicht: Ich will meinen Kindern eines Tages zeigen können, wie schön ich mal war.

23.

Lahm: Könnte in einem Kindermusical, das von einem kleinen, tapferen Trecker handelt, eben diesen kleinen tapferen Trecker spielen. Wie er tuckert, pflügt und eggt! Süß. Bald im Bayern-Fanshop: der kleine, tapfere Trecker. 

26.

Zweikampf Chiellini gegen van Buyten: Wie eine Szene aus »Der Frauenknast«. Mit Katy Karrenbauer als van Buyten und Helga Feddersen als Chiellini.

28.

Und dann wieder: Catenaccio der Bayern. Blitzschneller Rückzug und Warten auf das, was da kommen mag. Was nicht viel ist. Ein Gedanke für zwischendurch: Wenn man einen Abwehrriegel zeichnen sollte, sähe der dann aus wie Ciao, das Maskottchen der WM 90?

29.

Jetzt wissen wir also, wofür diese bescheuerten Vektoren auf Vidals Schädel stehen. Es ist ein Merkzettel: Voll in die Knochen! Und jetzt ist es soweit, Ribery muss dran glauben. Komm, Franck, steh auf – und rasier ihn.

30.

Ich weiß, alte Pferde und so, aber wäre es nicht mal was, nur so als Idee, dass Robben seinen rechten Fuß ein bisschen trainieren würde? Nur so ein klitzekleinesbisschen? Dann müsste er nicht immer... ach, was soll's, schon gut, mach einfach, Junge.

32.

Seltsam nervöses Spiel jetzt hier. Beide Mannschaften ähneln Lustgreisen in Pattaya, die sich die Hände brechen, weil sie den Hosenschlitz nicht aufbekommen. Ficki-Facka.

33.

Gerade schon wieder dicke Chance für die Bayern. Ich unke ungern, aber es sollte bald vielleicht mal ein zweites Törchen her. Nicht dass in der Halbzeit Drogba reinkommt, und dann ham wir wieder den Salat. Ja, die nötige UEFA-Freigabe holt er sich notfalls hinterher. Daran soll's ja nicht scheitern. Nur dass es hinterher nicht heißt, ich hätte nicht...

35.

Pirlo beim Eckball. Pfiffe. Stoischer Pirlo. Stoischer Eckball auch, im wahrsten Wortsinn. So aufregend wie ein schattiger Wandelgang im antiken Athen. Und Socrates dreht sich im Grabe um.

37.

Da hängt dieses geile Transparent, und es macht mich froh: »Hotzenwald«, steht drauf. Das ist bayrisch, das ist kraftvoll, das ist urwüchsig – in Hotzenwald san mia noch mia. Ja: Hotzenplotz müsste Heynckes jetzt bringen! Am besten gleich elf Hotzenplotze! Jetzt wird nicht mehr gekleckert, jetzt wird gehotzenplotzt! 

37.

Chiellini bemüht jetzt die Solidarität der EU-Krisenstaaten: griechisch-römische Einlage gegen Mandzukic. Der ruft die Troika an (Schiri, Assi, Torrichter). Aber keine Chance. An der Seitenlinie das gleiche Bild wie in Zypern: Entsetzen vor der Bank.

40.

Schweini jetzt als zweiter Linksverteidiger. Macht wohl das Spiel breit oder wie man dazu sagt. Macht meiner Meinung nach das Spiel vor allem langweilig.

42.

Barzagli: ganz geiler Typ eigentlich. Sieht aus wie Benicio del Toro, würde er einen italienischen Innenverteidiger spielen. Sollte der 11FREUNDE-Liveticker also jemals verfilmt werden: Benicio, du hast die Rolle!  

43.

Müller legt locker im Strafraum ab auf Schweinsteiger, Pirlo schaut dabei zu, als würde ihn das alles gar nichts angehen. Als säße er lieber in einem Straßencafé in Turin, statt im deutschen Winter herumpflügen zu müssen. Ist das alles unter seiner Würde? Oder doch nur Italienisch für Anfänger?

44.

Gelb für Mandzukic, weil er Vidal umhakelt, den Mann also, der gar nicht mehr mitspielen dürfte. Verwirrend. Zählt die Karte jetzt? Moralisch mit Sicherheit nicht. Oder? Schwierig. Was sagt Dr. Dr. Rainer Erlinger vom »SZ-Magazin« dazu?

46.

Zwei Minuten Nachspielzeit. Und, was noch schlimmer ist: Ecke Turin. Was bedeutet: Ecke gegen die Bayern. Was wiederum selten gut geht in letzter Zeit. So auch jetzt: Der Kopfball geht knapp über die Latte. Extrem knapp. Da hätte allenfalls noch ein Grabtuch dazwischen gepasst. Jesus!

47.

Neuer: wie niedlich angetrunken der immer aussieht! Wie ein Abiturient nach zwei Glas Sekt bei der Zeugnisverleihung. Und dann fasst er sich ein Herz und nennt seinen Sportlehrer beim Vornamen. Jupp. Aber: Herr Jupp.

48.

Und Halbzeit. »Das ganze hier ist entsetzlich fragil«, jammert Reif. Dass der Mann Zeit findet, seine neue Ming-Vase auszupacken, ist ebenso erstaunlich wie die Menge an Unsinn, die er nebenbei noch reden kann. Wir sehen ihn schon als Kandidaten bei der nächsten »Wetten, dass...?«-Sendung. Der kleine Marcel wettet, dass er eine Ming-Vase auspacken und dabei eine Menge Unsinn reden kann. Franz Beckenbauer, schafft er das? »Schaun mer mal!« Und ganz Offenburg fliegt vor Begeisterung der Schlüpfer weg.

21:37 Uhr

Beckenbauer steht jetzt im SKY-Studio wie ein Mümmelgreis, dem die Tür vor der Nase zugefallen ist. Der Schlüssel steckt von innen. Zivi Hellmann kann, will nicht helfen. »Wir spielen gegen eine italiensche Top-Mannschaft!«, quengelt der Alte, will endlich wieder rein in die gute Stube. »WIR« übrigens wie in »Wie geht's UNS denn heute?« Nicht gut geht es UNS! Nicht auszudenken, wie lang sich der Hackbraten von »Essen auf Rädern« jetzt schon in der Mikrowelle dreht! Mach hinne, Hellmann: Tritt die Türe ein, der Opa holt sich was weg.

21:42 Uhr

Beckenbauer, ach, Franz, manchmal ist er einfach herrlich. Schließt seine vernichtenden Ausführungen zu Buffons Verhalten beim Gegentor (»Der kommt aus 120 Metern«) mit einem knappen: »Sei mir net behs!« Den Ausdruck kennen des Kaisers Freunde natürlich von seinem nicht minder grandiosen Schwank zu Rudi »Rudolf« Nurejews Annäherungsversuchen damals am East River. A verrückter Hund, aber schaut's selbst:

21:45 Uhr

Was ist von der zweiten Hälfte von Juve zu erwarten? Antwortversuche mittels SKY-Freundschaftswerbung: Agieren die Italiener weiter plump wie Plüschbär »Ted«, oder ist die scheinbare Schwäche nur bewusst verführerisch wie Sibel Kekili in »Game of Thrones«? Gleich wissen wir's.

21:47 Uhr

Verwirrende Szene: Ein Mann, der genauso aussieht wie Uli Hoeneß, sagt was zu Uli Hoeneß. Bloß was? »Ruh du dich mal aus, Uli 1. Ich geb heute die Autogramme!« Darauf der andere: »Danke, Uli 2! Kriegst nachher 'ne Extrawurst.« 

46.

Weiter geht's. Keine Änderungen. Weder bei den Aufstellungen noch beim Spielstand. Ja, schon klar, aber diesem Pirlo ist doch alles zuzutrauen!

47.

Jetzt wird's heikel: Mandzukic mit italienischen Unschuldsbeteuerungsgesten. Das riecht nach Platzverweis. Aber wie riecht eigentlich ein Platzverweis? Egal.

48.

Die Zeichen stehen... ja, auf was eigentlich? Kein Mensch weiß doch, wie das hier ausgeht. Faszination Fußball halt. Sagen wir: Die Zeichen stehen auf Zeichen. Siehe dazu auch Vidals Frisur.

49.

Wie Pirlo da so mit wehender Mähne und scheinbar hüftsteif durchs Mittelfeld gockelt, sieht er eher aus wie einer dieser Walking-Rentner in den deutschen Mittelgebirgen. Fehlen nur die Stöcke. Die lässt er sich gleich auch noch bringen. Zusammen mit seiner Northface-Jacke. Diese Kälte! Dieses Deutschland! Brrr.

52.

Alaba schießt einfach mal jemandem in den Sack. Gut gedacht, gut gemacht.

54.

Gelb für Helga Feddersen. Warum? Die Wanne ist voll.

55.

Ist mir schon in der ersten Hälfte aufgefallen: Schweini versucht immer mal wieder, einen langen Pirlo-Ball einzustreuen. Die kommen meist an, sind aber immer nur quer gespielt. Das wirkt so, als würde er im Trainingsspielchen einen Panenka machen - ohne Torwart.

56.

Irgendwas liegt in der Luft. Hoffen wir, dass es nur der D&G-Duft von Buffon ist.

56.

Übriegns, Buffon: Der spielt inzwischen wie ein Vater, der seine Kinder einfach nicht gewinnen lassen kann. Kratzt hier mit falschem Ehrgeiz jeden Schuss aus der Ecke. Und heute Nacht schreit er dann wieder nach ABC-Pflastern.  

58.

Jetzt wird's albern: Dante mit einem Pirlo-Pass. Direkt in den Hotzenwald.

59.

Ribery will es ganz alleine wissen, dreht sich aber so lange um die eigene Achse, bis er mitsamt dem Ball in einem Loch im Rasen verschwunden ist. Gibt Schiedsrichterball. Wenn sie ihn wiederfinden.

60.

Chiellinis Ellbogen ist in Mandzukics Gesicht ja fast schon ein Einrichtungsgegenstand. Wohnst du noch, oder schmerzt es schon? 

63.

TOOOOOOOOR! Schuss Gustavo, Buffon pariert wie ein schlecht erzogener Beagle, Mandzukic legt, im Abseits stehend, was uns aber nicht zu kümmern braucht, ab auf Müller – und der schiebt ein. Mit der Leidenschaft übrigens eines Jungen, der nach 48 Stunden Dauergezocke auf der Playstation schließlich doch den Endgegner besiegt hat. Explodiert Buffon jetzt? Und schlurft Müller an den Kühlschrank und holt sich 'nen Joghurt? Geschmacksrichtung »Sieg«.

66.

Die Superslomo zeigt: Buffon hat sich das ABC-Pflaster (wir berichteten) auf die Augen geklebt. 

67.

Jetzt Panik bei Juve. Zwei neue Stürmer kommen. Bringt erstmal überhaupt nichts, nicht mal Ruhe. Im Gegenteil: Benjamin Buffon altert weiter rückwärts, ist jetzt 16 und prügelt einen Rückpass blind ins Aus. Ein seltsamer Fall.

69.

Ribery! Der alte Halunke, die Haffenratte, der Karussellbremser aus Marseille. Wie er jetzt Vucinic abgrätscht, abkocht, abwichst, das hat überhaupt keine Klasse und gerade deshalb: Klasse. Ein Mann nach unserem Geschmack. Und wir kauen Bienen, wenn wir Honig wollen. 

69.

Und kaum beginnt sich die satte Gewissheit anzuschleichen, dass Juve hier tatsächlich vorgeführt wird, zeigt sich Bayerns Abwehr löchriger als der italienische Staatshaushalt, doch IWF-Chef Neuer stopft noch mal, was das Zeug hält.

72.

Noch mal zu Ribery: Er ist der einzige weit und breit, dessen Lebensgeschichte es rechtfertigen würde, dass er sich tätowieren lässt, nackte Frauen, Anker, Pistolen, was weiß ich. Doch nicht diese Fahrschüler, die sich die albernen Namen ihrer albernen Kinder auf die Ärmchen stechen lassen! Aber Ribery ist blank. Oder hat er sich etwa diese Physiognomie tätowieren lassen und sieht eigentlich ganz anders aus? Jetzt habe ich Angst. 

73.

Es ist fatal mit diesen Bayern. Sie geben einem immer das unterschwellige Gefühl, dass sie noch für ein, zwei Gegentore gut sind, egal ob sie 2:0 oder 9:0 vorne sind.

75.

Gomez und Boateng traben durch die Großaufnahme. Ist das ein Zeichen? Und wenn ja – für was? Wenn, dann vielleicht eher gegen die landläufige Meinung, dass der Bayern-Kader supertoll, zweifach, dreifach, vierfach besetzt ist. Also ich würde gerne auf beide verzichten heute. Danke, Jupp.

76.

Gelb für Lichtsteiner. Wegen einer Schwalbe! Dabei müsste man doch bei dieser Witterung jede Schwalbe küssen. Vollkommen unverständlich.

78.

Eins ist allerdings auch klar: Wenn es bei diesem Spielstand bleibt, dann gibt es heute Nacht kein Morgen. Nicht nur im Hotzenwald.

80.

Geil, geil, geil: Mandzukic macht hier den Roy Keane. Grätscht, beißt, giftet, lässt sich hassen. Bester Mann. Und Mario Gomez? Der legt »das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlussmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.« (Franz Kafka, »Auf der Galerie«)

82.

Was jetzt blöd wäre: ein Gegentreffer. Wo wir es doch so weit gebracht haben, ohne dass Reif einmal das Wort »Auswärtstorregelung« benutzt hat.   

84.

Jetzt wird's hässlich: Ribery mit einer Aktion gegen Vidal wie direkt aus einer Ausstellung Gunter von Hagens, versucht dem Chilenen mit der Schuhsohle die Haut von der Wade zu ziehen. Klappt zum Glück nur fast. Auch Glück: Schiri Clattenburg hält nicht viel von Anatomie, hat nichts gesehen. Dennoch: Gruselig.

85.

Pfiffe jetzt. Ja: Eine gewisse Mob-Stimmung hier im Stadion ist nicht zu verleugnen. Der Juve-Busfahrer sollte sich noch mal ganz genau anschauen, wie er hier möglichst schnell wegkommt. Und bloß nicht nach Hotzenwald abbiegen, wo man schon die Mistgabeln anspitzt!

86.

Vier Minuten noch. Buffon jetzt nur noch Erstklässler, verteilt die Bonbons aus seiner Schultüte an Chiellini und Co., schaut dann auf seine nagelneue Flick-Flack-Uhr. Noch drei Minuten. Buffon schrumpft immer weiter. Gleich muss ihm Pirlo das Fläschchen geben.

88.

»Alaba Müller« – so steht es auf der Ergebnistafel. Ist gut jetzt. Nicht, dass schwangere Frau Müllers noch auf dumme Gedanken kommen. 

89.

Es wird mir ja für immer ein Rätsel bleiben, was es mit diesem Robben auf sich hat. Ich meine, ich erinnere mich an dieses geniale Tor gegen Manchester United, aber sonst? Seitdem? Entwicklung? Ich meine, hat Picasso irgendwann nur noch Kreise gemalt? Oder linke Ziegenfüße? Eben.

90.

Mandzukic geht, Gomez kommt. Das ist wie: Der Tag geht, Johnny Walker kommt. Jetzt ist alles egal. 

92.

Shaqiri kommt. Reif sagt, Heynckes sagt: »Das wird ein ganz Großer.« Ich sage: Er bleibt bei 1,69 Meter stehen.

92.

Warum werden eigentlich nicht auch Kommentatoren ausgewechselt? Wir fordern: Rolf Kramer für die Nachspielzeit!

93.

Und Sense. Oder wie Rolf Kramer sagen würde: »Der Schiedsrichter hat die Pfeife schon im Mund. Und... Und... JETZT benutzt er sie auch!« Umarmung zwischen Neuer und Buffon. Buffon: »Grazie, Manu!« Neuer: »Es aber heißt Manchester United!« 

22:40 Uhr

Rummenigge jetzt. Weltklasse. Wie ein alter, aber immer noch wachsamer Adler lehnt er sich aus seinem Horst und pickt das Wort »Ausgangssituation« in die Nacht. Dann Lahm. Das Gegenteil. Sagt das gleiche, aber anders. Wie ein Hamster im Laufrad der Mixed-Zone. Streicheln verboten.

22:48 Uhr

2:0 also. Was uns eine Warnung sein sollte. Vor allem davor, dass Matthias Sammer jetzt wieder vor irgendwas warnt. Dem bösen Erwachen. Dem dicken Ende. Rehen auf der Fahrbahn. Vor Warndreiecken. Vor sich selbst. Was uns recht wäre. Ist sich selbst ohnehin Warnung genug: Euer 11FREUNDE-Liveticker.   


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