Deutschland
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Aserbaidschan

Baku, Baku, Kuchen!

Deutschland-Aserbaidschan im 11FREUNDE-Liveticker

Baku, Baku, Kuchen!   
 

20:20 Uhr
Hallo, liebe Fans – und guten Morgen. Vogelsang und ich sind eben aufgestanden (aus getrennten Betten) und fit für dieses Spiel. Im Gegensatz zu Bundestrainer Joachim Löw: »Wir spielen zu spät«, beschwerte er sich via bild.de. Och, Jogi! Bisse müde? Oder traurig, dass du jetzt auf »ZDF-History« verzichten musst?  

20:25 Uhr
Eine Tabelle wird eingeblendet: »Mertesacker-Westermann, Tasci-Metzelder, Westermann-Friedrich« – das ZDF möchte offenbar Tennis spielen. Wer an Nummer 1 gesetzt ist, bleibt offen und auch, wer stattdessen für Deutschland zur WM fährt. Charly Steeb? Eric Jelen? Hoffentlich nicht Karsten Braasch... 

20:30 Uhr
Hauptsache, Kahn spielt. Cool, wie er noch mit der Müller-Hohenstein flirtet, so kurz vorm Anstoß. 

20:31 Uhr
»Isch freu misch natürlisch«, sagt Mesut Özil. Da freut sisch Willi Millowitsch natürlisch mit.  

20:33 Uhr
Hmm, langsam wird's knapp. Kahn baggert, die KMH macht die Kühle. Noch 15 Minuten bis zum Anstoß, Titan! 

20:35 Uhr
Möglicherweise will Kahn nun zu viel. Er versucht, die Lady mit Fremdwörtern zu beeindrucken. »Die Situation antizipieren«, säuselt er, die Fernsehfrau taut auf: »Schicke Frisur, Olli!« Dann geht das Licht aus. 

20:37 Uhr
Zum Wesentlichen:

Im Spiel eins nach Südafrika tritt Deutschland gegen Aserbaidschan an. Einen jener Fußballzwerge, die seit einiger Zeit, zumindest auf psychologischer Sicht, monströs gewachsen sind. Im Hinspiel stellten die Stürmer aus dem Land irgendwo hinter Cottubus die deutsche Abwehr vor unlösbare Probleme.

Besonders der weiße Riese Per Mertesacker wirkte gegen Bertis giftige Pygmäen wie ein Mensch gewordener Wachstumsstreifen, dem der Gleichgewichtssinn abhanden gekommen war. Trotzdem wurde das Spiel 2:0 gewonnen, was weniger an der Leistung der Deutschen als an der überbordenden Gastfreundschaft der Aserbaidschaner lag. 

Nun ist Deutschland Gastgeber und könnte sich revanchieren. Ob es heutee also neben dem obligatorischen Präsentkorb mit Spreewaldgurgen, Schokoflocken und von Hansi Flick persönlich gedrehten Nudeln auch einen Punkt für Berti gibt, erfahrt ihr hier! 

20:40 Uhr
Das Licht im ZDF-Studio geht wieder an. Die KMH sagt: »Viele Tore sind gut für die Tordifferenz.« Nachts ist es kälter als draußen, und wir machen das Licht mal ganz schnell wieder aus.  

20:41 Uhr
Es gibt keine Kleinen mehr, hat Berti Vogts, der kleinste Nationaltrainer der Welt, gesagt. Aus reinem Eigeninteresse. Denn: Es gibt keine Kleinen mehr, das ist auch sein Motto auf seinem Profil auf einer bekannten deutschen Online-Dating-Portal. 

20:42 Uhr
Jörg Pilawa bald beim ZDF. Einen Vorgeschmack auf das zu erwartende Niveau gibt es schon jetzt. Frage im kleinsten Gewinnspiel der Welt: Wer ist ehemaliger deutscher Nationalspieler und heute der Trainer von Aserbaidschan? Kollege Gieselmann denkt angestrengt nach, während im Hintergrund das Gesicht von Vogts in einer Endlosschleife in den Raum gepustet wird, tippt dann »Karl Dall« in eine SMS. 

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20:45 Uhr
Die Hymnen: Vogts versucht mitzusingen, kann aber noch immer nicht den Text. Bleibt bei »Einigkeit« hängen.  

1. Minute
Anstoß. Klappt reibungslos. Aber das war abzusehen. Oliver Kahn hatte da so ein Gefühl. Ein gutes. 

2.
Erster Ballkontakt Özil. Der Mann von der BILD, der die Franz Beckenbauer-Kolumne schreibt, klebt bereits die Überschrift für morgen zusammen: Özil-Schein für Löw. 

5.
Erste größere Chance für Deutschland durch den jungen Berti Vogts, Lukas Podolski. Knapp vorbei. 

7.
Özil stoppt den Ball im Strafraum, lässt vier Aserbaidschaner so verwirrt aussehen wie eine Gruppe Zeugen Jehovas auf dem Weltkirchentag. Scheitert dann aber an der Termik in Hannover. Schade. Er hätte ein Großer werden können. 

13.
ELFMETER für Deutschland. Nach einer schnellen Kombination schießt Podolski in den Strafraum, will unbedingt sein erstes Tor für den 1. FC Köln schießen, wird aber vom Torwart Aserbaidschans, einem engen Freund des Slowenen Novakovic, von den Beinen geholt. 

14.
TOOOOOOR! Ballack nimmt sich den Ball, schaut dem Torwart in die Augen. Der blinzelt. Ein Fehler. Denn als er die Augen wieder öffnet, ist der Ball schon an der Mittellinie. 1:0. 

16.
Weltflanke von Balla, Gomez macht den Flugkopfball, denkt: »Is ja nur Aserbaidschan«, schreibt vor der Landung noch eine Postkarte, doch denkste: Agajew hält, wie er nie zuvor gehalten hat und nie wieder halten wird. Staunen allenthalben, Agajew und Vogts werden zum neuen Köinigspaar gekrönt, Aserbaidschan ist Weltmeister. Von Aserbaidschan.

18.
Schweini will jetzt auch Weltmeister werden, kickt den Ball ins Toraus, reklamiert Ecke, doch der Grieche merkt's, gibt Abstoß. Mist.  

21.
Das deutsche Spiel wirkt wie der DFB-Beitrag zur Run Easy Kampagne: Fußball im Erzähltempo. 

23.
Deutschland immer noch geschockt von der Kriegserklärung des Aserbaidschanischen Frechdachskeepers. Versucht nun, Adler zu überlisten. Klappt auch nicht, der Junge ist einfach zu stark. Derweil macht sich Enke daheim noch einen Kamillentee. Schmeckt nicht. Fußball kann so grausam sein. 

25.
Bastian Schweinsteiger hat durch die Leistung Özils gegen Südafrika ganz offensichtlich eine schwere Psychose erlitten, glaubt, dass er immer noch im Spiel gegen Portugal bei der WM 2006 auf dem Platz steht und versucht, aus jeder Lage den Portugiesen Quim mit Weitschüssen zu überlisten. Doch Adler hält. 

27.
Das Fernsehbild ist ziemlich verpixelt. Kleine technische Fehler, genauso wie im Spiel der Deutschen. »Die Russen zapfen wieder«, sagte meine Omma früher, wenn »Einer wird gewinnen« mit Hans-Joachim Kulenkampff mal wieder verschneit war. Eine Theorie, die auch heute stimmen könnte. Geniale Omma. 

29.
Die Deutschen liegen prozentual vorne. Noch. Denn: Jürgen Rüttgers ist im Stadion. Und hat versprochen, in der Halbzeit ein paar Rumänen-Witze zu erzählen.  

30.
Auf der Bank: Das Politkomitee. Nein, halt! Es ist nur der Kleiderschrank der grauen SED-Herren, den Löw und Hansi auftragen müssen. Ist der DFB pleite? 

32.
»Scharch, ronz, rapüh«, grunzt es uns aus Hannover entgegen. 30.000 Menschen machen Schlummi. Nur einer ist noch wach: Miro Klose. Löw hat ihm noch nichts vorgelesen. Gemein. 

34.
Das Spiel könnte so schön sein, wenn diese Blauen nicht wären. Sie nerven, wollen mitmachen, haben aber keine eigene Idee. Auf der Tribüne schmunzelt Jürgen Kohler: So ähnlich war's bei ihm auch. 

37.
Jetzt kommen die Ideen doch: Zwei Mal muss Adler klären, einmal sieht's gut aus, das andere Mal, bei einem 2km-Fernschuss, fliegt er ein bisschen zu lange Karlsson-vom-Dach-mäßig durch den Strafraum. Kohler ruckelt auf sein Stuhl hin und her. Aserbaidschan ist nun schon torgefährlicher als er in seiner gesamten Karriere. 

38.
Die Aserbaidschaner jetzt mit einer Kombination über zwei Stationen. Bleiben dann aber hängen. Berti Vogts, der bereits ein T-Shirt mit einer goldenen 3 übergezogen hatte, schaut betreten auf die Erde.  

39.
Die deutsche Mannschaft kombiniert heute in etwa so flüssig und in einem Tempo wie Dr. Watson nach einer intensiven Valium-Kur. Als der Ball endlich von Ballack zu Schweinsteiger geruckelt ist, steht bereits Ulrich Deppendorf im gläsernen Studio und analysiert mit Oliver Kahn die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl. Von 2013. 

40.
»Die deutsche Elf auf einem Selbstfindungstrip«, konstatiert Rethy. Schon tanzt Löw mit Flick Lambada, schreibt Köpke Gedichte nach Art der frühen Beatniks, cremen Sammer und Bierhoff sich mit exquisiten Salben gegenseitig ein. Auch Vogelsang bekommt Lust, sich selbst zu finden, sucht die ganze Wohnung ab. »Hallo?«, höre ich aus dem Schlafzimmer. »Hallo? Lucas?« 

45.
Lucas Vogelsang findet sich nicht, Deutschland findet sich nicht, und ich finde Deutschland nicht toll. 1:0, na gut. Aber es war ein Elfmeter, und Aserbaidschan ist Aserbaidschan. Da kann man schon mal erwarten, dass das Ding hier 5:0 steht und nach was aussieht. Als Steuerzahler. Halbzeit jetzt. Ich geh noch mal suchen. Nach Vogelsang. Nach dem Spiel, das ich erwartet hatte. Nach Schnaps. Bis nachher.  

46.
Wiederanstoß. Jetzt spielt auch Klose mit. Gieselmann feiert die Einwechslung des Ex-Bremers auf seine Art: Schiebt eine Salto-Pizza in den Ofen. Hawaii.

Das »heute-journal« und Oliver Kahn sind sich einig: Die deutsche Mannschaft muss ein weiteres Tor schießen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Kahn die Nachfolge von Klaus Kleber antritt.  

Integrationsgartenparty beim DFB. Die Eltern der deutschen Spieler mit Migrationshintergrund treffen sich auf der Hollywoodschaukel. Es gibt Köfte und Kartoffelsalat. Nur einer darf nicht mitgrillen: Jürgen Rüttgers. 

48.
Das Publikum pfeift nicht mehr. Die Geräuschkulisse wird nun einzig von Berti Vogts bestimmt, der sich aus der Biographie von Uli Stein eine Papier-Vuvuzela gebastelt hat. 

49.
Bela Rethy, der sonst nebenberuflich das Mitternachtshorroskop auf 9Live moderiert, hat es ja vorausgesagt: Der griechische Schiedsrichter verteilt gerne rote Karten. Deshalb: Gelb-Rot. Für Abbasov. The Sünder takes it all!  

54.
Tor! Geht doch, Menschenskind. Lahm dribbelt, schaut, passt, Klose schlenzt, drin. Wie früher. Zumindest so, wie dieses »früher« in unser Erinnerung daher kommt. Ach, gute alte Zeit. Rolf Kramer, Norbert Eder. Wann kommt Briegel? 

56.
Berti wechselt einen eingebürgerten Brasilianer ein. »Es gibt ja keinen Winkel der Welt, wo noch kein Brasilianer ist«, fremdelt Bela Rethy. Und was ist in meiner Wohnung? Ist Vogelsang etwa Brasilianer? Oder meine Frau? »Zé Sabine« – klingt ganz schön affig. 

60.
Herbst im Gesicht des Bundestrainer. »Mein Gott, ist mein Job beschissen«, scheint er zu denken. »Aserbaidschan. T-Frage. Und dann diese Frisur, die ich trage! Wo ist überhaupt mein Schal?« Dann fällt ihm sein Kontostand wieder ein, er springt auf, zappelt rum. Gerade noch mal gut gegangen. 

62.
»Ballack heute sehr präsent«, deutelt Rethy nun. »Vielleicht hat er einen Präsentkorb geschenkt bekommen«, vermutet Vogelsang.   

64.
»Da kommt Jochen Trochowski vom Cha Ess Vau«, krächzt Rethy, nimmt sich ein Ricola. 

66.
TOOOOOOR! Langsam wird's standesgemäß. Klose löffelt den Ball mit all seiner Routine von 100 Jahren Einsamkeit von rechts nach links. »Rechts ist da, wo der Pfosten links ist«, murmelt der Aserbaidschanische Teufelskerl, hechtet nach Berg-Karabach. Drin. 3:0. »Baku, Baku, Kuchen«, singt Vogelsang, zündet eine Leuchtrakete in seiner Hose.   

70.
Fließband, Schützenfest, Scheunentor. 4:0, jetzt darf sogar Poldi. Flanke Özil, Kopfballablage von Ballack, der für einen Moment die Watschen vergisst, Poldi, und dann macht es BUMM. Köln ist automatisch für die Champions League qualifiziert. 

71.
Schon wieder ne Bude! Dann ein Pfiff... Ne, abseits. 4,5 zu null jetzt. Wenn die Russen nicht zugucken, sondern nur den »kicker« lesen, müssen sie denken, wir seien wir stark.  

74.
Doppelpack für Klose und auch Podolski trifft. Nur einer kann sich nicht freuen: Mario Gomez kauert auf der Ersatzbank wie Dieter Althaus im Thüringer Landtag, ist mit den Gedanken wieder im Spiel gegen Österreich bei der EM 2008.    

75.
Berti Vogts' Taktik, die Deutschen mit totaler Passivität in den eigenen Strafraum zu locken, damit sie sich dort beim Toreschießen verausgaben, ist nicht aufgegangen. Jetzt versucht er, das Spiel ungültig zu machen, weist den vierten Offiziellen drauf hin, dass er heute mit elf Nicht-EU Ausländern spielt und gleich noch einen weiteren einwechseln wird. Könnte Christoph Daum Emotionen empfinden, wäre er jetzt stolz auf den Berti. 

76.
Westermann schindet einen Freistoß am eigenen Sechzehner, Rethy säuselt Komplimente. Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten. 

80.
Erst soll es Elfmeter geben, dann auch noch eine rote Karte. Am Ende gibt es: Nichts. Keinen Strafstoß, keine Karte. Und um der Situation auch noch die letzte Spannung zu nehmen, kullert Michael Ballack den Ball in den Strafraum, summt dann die Tatort-Melodie.  

83.
Oliver Kahn hat vor diesem Spiel 4:0 getippt. Werden jetzt Kahn-Karrikaturen verboten? 


85.
Klose versucht, noch einen dritten Treffer zu erzielen, wird aber in letzter Sekunde von Kahn gestoppt, der ihm mit einem weißen Handschuhfinger auf die Nase drückt.

92.
Okay, Leute. Ein Pflichtsieg, ein Pflichtticker. Deutschland besiegt Aserbaidschan 4:0, eine Leistung, die ungefähr so bewundernswert ist, als würde man eine alten Hund streicheln. Ballack sah »eine Steigerung«, »ein erfülltes Soll« und sagt schließlich »Okay, büdde!«. Adler will »eine wischtische Rolle« einnehmen und »heute Abend noch ein bisschen glücklich zusammensitzen«. Mit wem, bleibt im Unklaren. Noch mehr Mikrofone werden in noch mehr schwitzende Gesichter gedrückt. Der Titan wird Katrin Müller-Hohendings unheimlich und sich selbst auch. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts mehr zu sehen.ENDE

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