Basel - Bayern im 11FREUNDE-Liveticker
Stockernüchternd
Text: Moritz Herrmann und Alex Raack Bild: Imago
Druuuuuck, das Lebenselexier der Bayern, es ist zurück! Dem FC Basel sei Dank, der die Deutschen Drückberger mit 1:0 Richtung München verabschiedete. Der Ticker war mit dabei, freute sich über Sexsymbole, Wanderhuren und the one and only Wolf Fuß!
20:15 Uhr
Grüzi und Guten Abend, liebe Freunde des Rasenschachs. Hier Herrmann. Der Kollege Alex Raackli fummelt noch an seinem 315-teiligen Taschenmesser. Für euch in der Zwischenzeit schon mal die Aufstellungen:
FC Basel: Sommer - Steinhöfer, Abraham, Dragovic, Park - Huggel, G. Xhaka, Shaqiri, F. Frei - A. Frei, Streller
FC Bayern: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Tymoshshuck, Alaba - Robben, Kroos, Ribery - Gomez
Nicola Rizzoli (Italien) leitet die Partie.
20:20 Uhr
»Hier ist Sat. 1, live aus Basel«, schmalzt Johannes B. Kerner - um dann ganz schnell weg aus Basel zu schalten. Der Meister des gefühligen Verbalfight weiß, wie man Spannung erzeugt und Herzen höher schlagen lässt. Zeit für den Ticker, eigene Überlegungen anzustellen. »Wir dürfen nicht an irgendwelche Dinge denken, die irgendwann im Mai passieren«, mahnte Jupp Heynckes unlängst. Natürlich hat der Methusalem Recht. Der dräuende Mai kann selbst dem fokussiertesten Spieler den Kopf verdrehen.
Hier eine Liste von irgendwelchen Dingen, die irgendwann im Mai passieren:
- Autonome prügeln sich mit Polizisten (und umgekehrt)
- die sechste Staffel von Criminal Minds erscheint auf DVD
- Spy Kids 4 läuft in den hiesigen Kinos an
- Lena Roman Lob verliert für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Baku
- Internationale Passivhaustagung in Hannover
- Bildungsmesse Westlausitz
- Halbmond
- Vollmond
- Champions-League-Finale in München
20:21 Uhr
Carpe Diem.
20:31 Uhr
So viel Werbung gab es zuletzt beim Super Bowl. Immerhin, in den Nanosekunden der Analyse, die uns Kerner und Beckenbauer gegönnt haben, kam raus: Seit der Winterpause kriselt auch der FC Basel. Zwei Spiele, zwei Remis, zwei Punkte. Und, achja: Platz 1.
20:32 Uhr
Das wirft die Frage auf, die vor so einem Spiel immer gestellt wird und auch der bajuwarischen Troika Kopfzerbrechen bereitet haben dürfte: Wie stark ist eigentlich die Schweizer Liga? Der Name immerhin suggeriert epische Ausmaße. Axpo Super League – das klingt nach comichaftem Spektakel, nach muskelbepackten Gladiatoren, die mit ihren Schüssen das Tornetz zerfetzen und den Ball hinten via Fallrückzieher von der Linie klären.
Die Realität hat sich den Humor abtrainiert: Da gibt es Vereine, die BSC Young Boys heißen, und Rekordtorschütze ist Peter Risi (216 Treffer).
20:35 Uhr
Der FC Basel im 4-4-2. Ist das jetzt total altmodisch oder schon wieder total modern? Ganz profund lässt sich das nicht feststellen, es kommt ja alles zurück wie ein Bumerang. Sogar Otto Rehagel, der Stummfilm, die Finanzkrise. Wenn sich Beckenbauer nachher auch noch als Libero einwechselt, tauschen wir unsere Playstation gegen einen C64. Bis dahin steigt der Ticker, überfordert mit Trends und Retrotrends und Retroretrotrends, in seine zeitlosen Bluejeans, stülpt sich darüber das kleine Schwarze.
20:35 Uhr
Heiko Vogel, Trainer des FC Basel, muss heute auf seinen Stabilisator in der Defensive verzichten: Genséric Kusunga leidet an Angina. Manche Geschichten schreibt nur der ... ach, lassen wir das.
20:38 Uhr
Neun Jahre trainierte Heiko Vogel die Jugend beim FC Bayern. Er tröstete, als sich Holger Badstuber wunderte, warum ihn seine Eltern Holger Badstuber genannt hatten. Er half David Alaba bei der sexuellen Aufklärung. Spielt Vogel dieses intime Wissen heute Abend aus? Lässt er die Pfosten hobeln, weil er weiß, dass Philipp Lahm seit der Kindheit Angst vor Ecken und Kanten hat? Erpresst er Diego Contento mit jugendlichen Suff-SMS? Die Spannung ist unerträglich.
20:40 Uhr
Fünf Minuten noch bis zum Anpfiff. Sat. 1 zeigt schnell noch einen Trailer zum Achtelfinale. Titel: Die Rache der Wunderhure.
20:43 Uhr
So, Raack auch am Start. Scheiß Taschenmesser, hab nachgeschaut, kommt doch tatsächlich aus der Schweiz. Ich steh eh lieber auf bayrische Klappmesser. Spaß beiseite, gleich geht es lo-hos. Ju-hu!
1.
Anpfiff durch Schiedsrichter Rizzoli. Das klingt nach Sonne, Strand und gefälschten Uhren. Hoffentlich hat Kalle Rummenigge eine gekauft, für die herrlichen Spiele unter Alphatieren, ihr versteht schon.
2.
Von wegen Sonne, der Kerl in Basels Kasten heißt doch tatsächlich Sommer. Strahlt denn auch in leuchtendem Sonnenblumengelb. Fragen wir uns: Wo sind eigentlich die guten alten Bodo-Illgner-Gedächtnis-Augenkrebs-Jerseys? Auf dem Sondermüll? Bei Bodo Illgner im Keller? Am Strand verkauft?
4.
Hui, erste Chance durch Frank (sprich: Phrröng) Ribery (sprich: Ribery). Daneben. Schade. Aber, wie hats Omma immer gesagt: Es muss ja weitergehn.
6.
Haben wir schon ein Wort zum Rasen (sprich: Geläuf) abgegeben? Nein? Dann so viel: Ein ostholsteiner Kartoffelacker ist ein Hockeyfeld im Vergleich mit diesem Knöcheltod zu Basel. Und die Farbe! Schaut stark nach Elefantenkotze aus, oder Elefantendünnschiss, vielleicht auch wie eine Mischung, wollen wir nicht weiter ins Detail gehen.
8.
Preisfrage: Was hätte der FC Barcelona wohl getan, wenn er auf diesem Platz hätte Fußball spielen müssen? a) sich selbst ins Holzschwert stürzen, b) sich selbst ins Holzschwert stürzen oder c) sich selbst ins Holzschwert stürzen. Antworten bitte an diesemailwirderstdannbeantwortetwennulihoeneßvegatarierwird@11freunde.de Zu gewinnen gibt es ein romantisches Candlelight-Dinner mit Moritz Herrmann, ich ticker dann selbstredend live. Apropos Herrmann, der kann jetzt mal wieder ran, ich muss mir am Kopf kratzen.
10.
Wo wir grad bei den Katalanen sind: Angeblich gehen die Vereinsfarben der Gastgeber auf Hans Gamser zurück, der selbige Kombination auch für den von ihm mitbegründeten FC Barcelona verwendete. Ist der FC Basel also gar nicht der FC Bayern der Schweiz, sondern vielmehr ein zweites Barcelona? Das würde allemal den Triumph über Manchester United erklären.
Konspirativ flüsternd und mit paranoidem Wahn in den Augen verzieht sich der 11FREUNDE-Ticker wieder in seine unterirdische Gruft. Als nächstes auf dem Prüfstand: Wembley, Kennedy-Attentat und Mondlandung.
11.
Ribery vergibt seine zweite Großchance. Es spricht für den Franzosen, dass er mit sich und nicht mit dem Rasen hadert. Es spricht gegen Fuss, dass er sofort die Krise der Bayern wegredet.
14.
Muss man als Fußballprofi, der man mal in der Bundesliga gespielt hat und dann in die Schweiz wechseln will, eigentlich zwangsläufig zum FC Basel transferieren? Im Kader des kleinen (»kleinen«) FCB tummeln sich immerhin die Herren Streller, Frei, Huggel, Philipp Degen und Markus Steinhöfer. Letzterer flankt den Ball aus dem Halbfeld in den Strafraum, Neuer ist plötzlich wieder der Neuer aus Schalker Zeiten, reflext die Kugel an den Pfosten, Badstuber klärt auf der Linie. Uff.
16.
Latte! Alex Frei jagt die Kugel an den Querbalken, Basel überrennt die Bayern. Ich werde Fan der Schweizer, lade mir schnell einige Tafeln Schokolade auf die Rippen. Bitter. Zartbitter.
18.
Die Kollegen vom Kicker haben eine Erfolgsachse bei den Hausherren diagnostiziert: Sommer – Abraham – Xhaka – Frei. Tymoshshuck, aufmerksamer Abonnent der ersten Stunde, versucht, die Achse überm Knie zu zerbrechen. Prellt sich dabei den Oberschenkel.
26.
Meine Fresse, hier ist mehr los, als an Tag 1 im Dschungelcamp. Latte hier, Latte da, wenn jetzt noch Micaela Schäfer nackt zum Kopfball steigt, Ailton als Fieldreporter eingesetzt wird und Dirk Bach das 1:0 schießt, geh ich nach Hause und lese die Uli-Stein-Biografie rückwärts. Um wieder runter zu kommen.
27.
Hm, ist Heiko Vogel eigentlich irgendso eine Art Sexsymbol in der Schweiz? Wird quasi im Zehn-Sekunden-Takt von der Kamera eingefangen. Jede Regung minuitös dokumentiert. Schade nur, dass der Mann so viel Mimik zeigt wie Walerie Lobanovski im Schlaf.
29.
Für alle Taktikfreunde, oder solche, die einfach gerne klugscheißen, wenn die Freundin fragt, wer denn gerade besser ist: Basel, noch lattenschockgefroren, hat sich wieder etwas zurück gezogen, die Bayern häufiger in Ballbesitz, und wenn etwas geht, dann über Ribery (links) oder Robben (rechts). Ist zwar so einfallslos wie Bratkartoffeln, aber: Würden wir nicht auch die Pille immer nach links und rechts spielen, wenn diese beiden Wahnsinnigen in unserer Mannschaft kicken würden? Eben.
30.
Kleiner Nachtrag zur 29. Minute: Satter Strahl von Alaba, wieder kann Sommer parieren (nominiert für die räudigste Fußball-Vokabel aller Zeiten, gerade deshalb bevorzugt vom Ticker genutzt).
32.
Geil, geiler, Sat 1. Unser Lieblingssender (nach Sky Blue Movie), blendet frech eine Werbung ein. »Die Wanderhure«, einer dieser so genannten »Sat 1. Film Filme«. Super, müssen wir sehen. Wann kommt »Der Vagabunden-Zuhälter« oder »Die Unterwegs-Schlampe«?
35.
Mannmannmann, wenn die Basler mal Gas geben, dann aber nicht unter Lichtgeschwindigkeit. Shaqiri (leider weder verwandt, noch verschwägert, noch befreundet mit Shaqira, har) ist schnell wie ein Windhund, Frei zäh wie Leder und der Ticker politisch unkorrekt wie Kruppstahl. Der FC Basel, quasi der Turbo-Boost der internationalen Fußballszene.
38.
Zeit für ein schnelles Zwischenfazit. Der Rasen: scheiße. Basel: macht Laune. Vogel: vielleicht ein Sexsymbol für Schweizerinnen, die auf kernige Landsknechte stehen. Die Bayern: so lala. Der Ticker: so lirumlarumlöffelstiel. Das Wetter: och, ganz ok für diese Jahreszeit.
39.
Alaba tanzt durch das Mittelfeld. Vorbei am ersten, vorbei am zweiten. Bei Xhaka beißt er auf Granit. Freistoß.
40.
»Das Entscheidende ist der Weg zum 1:0, danach kann nicht mehr viel passieren«, inspiriert Fuß sein Publikum. Erinnern wir uns nicht alle gerne an die etlichen Male im Stadion, wo wir in der 12. Minute das Weite gesucht haben, weil das 1:0 gefallen war? Fußball, ein Ergebnissport.
42.
Die Schweizer haben die Räume kantonal aufgeteilt, ihre Kombinationen schauen sich so kunstvoll an wie die Art Basel. Noch dazu treten sie die Neutralität mit Füßen. »Streller und Co. wollen gewinnen«, erkennt auch Fuß. Jupp Heynckes' Gesicht verfärbt sich wutrot. Damit war nicht zu rechnen.
44.
Eine Frage zum Nachdenken: Wenn der Rasen für Edeltechniker wie Ribery und Robben Gift ist, was macht er dann mit Sturmkante Gomez, Typ Metzger? Wird Gomez vom Rasen begünstigt, weil der ihm sein Spiel nicht kaputtmachen kann, oder wird auch er benachteiligt, weil er ja schon auf normalem Geläuf Probleme hat - und für ihn ergo dieses Achtelfinale ein einziger, livegesendeter Spießrutenlauf ist? Kausale Antworten bitte an zeitvertreib@11freunde.de
45. + 12 Sekunden
Abpfiff, Halbzeit. Goatt sei Doank, müssen die Bayern denken. Viel ging bisher nicht. Jupp Heynckes schon beim Kabinengang unter Druck wie Wulff in der Kreditaffäre. Die Oppositionsführer Streller und Frei bereiteten einige Probleme, die Staatsanwälte Hoeneß und Rummenigge sitzen auf der Tribüne in Lauerstellung. Wann wird der Rubikon überschritten?
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