Zum Geburtstag zurück!
Bayern-HSV im 11FREUNDE-Liveticker
Text: Lucas Vogelsang & Johannes Ehrmann Bild: Imago
Zum 110jährigen von Franz Beckenbauer rennen die Bayern über harmlose Hamburger auf den Nord-Süd-Gipfel und erklimmen so nach ca. 5224 Minuten die Tabellenspitze. Wie immer dabei: Der 11Freunde-Sherpa!
14:30 Uhr
Verzweiflung bei 11Freunde-Mitarbeiter Johannes Ehrmann, der heute eigentlich filigran wie immer (sprich: mit dem Holzhammer, den er sich aus dem seltenen Zotenbaum geschnitzt hat) über die Tastatur gleiten wollte:
Drei Stunden vor Spielbeginn hängt der gebürtige Pfalzspandauer irgendwo bei Göttingen auf der A7. Denn eigentlich wollte er sich den Nord-Süd-Gipfel heute im Stadion ansehen, hat dann aber vergessen, welche Mannschaft Heimrecht genießt. Nun ist er in der Mitte Deutschlands gestrandet und kann sich nicht entscheiden: Nach oben oder unten, Norden oder Süden. Pfalz oder Berlin. Michel oder Edmund. Ruud oder Robben. Und wirkt dabei so verwirrt und innerlich zerrissen wie ein Pfaumännchen, das sich im Angesicht eines Eindringlings nicht zwischen Angriff und Flucht entscheiden kann. Als Übersprungshandlung und auch um seine Journalistenkarriere zu retten, will Ehrmann jetzt die InfoRadio-Konferenz tickern.
Live von der A7 mit einem Morsegerät aus dem alten Ford T-Modell, das Ehrmanns Vater 1914 zusammen mit seinem Freund Henry noch selbst am Fließband zusammen geschraubt hat.
Hier auch schon sein erster Eintrag: kurz, kurz, lang, kurz, lang, lang, kurz.
Das sieht nicht gut aus für den HSV. Ob sich Ehrmanns Prognose bewahrheitet, erfahrt ihr aber in jedem Fall hier!
15:00 Uhr
Der Nord-Süd Gipfel verspricht schon jetzt eine ganz große Oper zu werden. Denn: Die Partie leitet Schiedsrichter Wagner, der heute versuchen wird, nur mit einem Kammerorchester aus sieben Trillerpfeifen und dem Falsett Markus Merks, den Lohengrin in der Allianz Arena zu inszenieren.
Louis van Gaal hat sich von dieser Festspielstimmung längst inspirieren lassen. Der fliegende Holländer kreist seit 15:00 Uhr über der Arena und versucht die Hamburger einzuschüchtern, indem er sie aus gigantischen Boxen mit dem Walkürenritt beschallt. Apocalypse jetzt!
17.15 Uhr
Von wegen Verzweiflung. Pünktlich und wohlgemut meldet sich als einziger Johannes B. Ehrmann aus dem 11FREUNDE-Tower. Kollege Vogelsang wollte einen auf Bohemian machen, die Anreise mit dem Taxi scheiterte aber an der nicht gedeckten Kreditkarte aus dem Micky-Maus-Heft. So kann's gehen.
17.17 Uhr
Kommen wir zum Spiel, das wir so ernst nehmen wie keines je zuvor. Da Intertextualität bei uns seit dem Losbrechen des Hegemann-Hypes groß geschrieben wird, erstanden wir vorhin an der Autobahntanke DEN Sonntagslesespaß für Fußballliebhaber, die BamS.
Verwunderung jedoch bei der Lektüre: Der Starschnitt zum Buch hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Denn: Das Titeltier (Molch) sieht der sog. Autorin (Hegemann) zum Verwechseln ähnlich. Die Jungliteratin soll derzeit bereits am Zweitwerk arbeiten. Mit äußerster Amphibie...
17.21 Uhr
Der HSV also zu Gast bei den Bayern. Ein harter Gang, denn: Jansen und van Nistelrooy können nicht spielen. Blitzgescheiter Schachzug von Labba, der Manni Kaltz und Air Bäron reaktivierte.
17.25 Uhr
Ehrmann ist überrascht, weil ich mein Knaxkonto angebrochen habe und mit dem Kaiser-Helikopter nach München geflogen bin. Habe meine Verbindungen spielen lassen und sitze jetzt auf der Ehrentribüne. Drei Sitze weiter nehmen die Nationaltrainer Deutschlands (Der Schal) und der Niederlande (Der Bert) Platz. Löw dreht sich sofort eine Cool-Down-Zigarette, van Maarwijk schlaucht ihn um Tabak an. Passend dazu säuselt Jessica Kastrop: »Selbst der Rasen ist heute aus Holland.« Bei Sky können Sie jetzt schon das Gras wachsen hören.
17:28 Uhr
Die Mannschaften stehen im Kabinengang, machen sich für den Aufstieg auf den Nord-Süd-Gipfel bereit. Robben hat Spikes angezogen und Piotr Trochowski, der einzige Spieler, der wirklich das Gras wachsen hören kann, hat sich als Tensing Norgay verkleidet. Wer als erstes über den Pass ist, gewinnt das Spiel. Da legen wir uns fest.
17.30 Uhr
Anstoß. Die Bayern in rot. Der HSV in blau. Wäre die Allianz Arena ein Kreißsaal, wären die Rollen jetzt schon klar verteilt.
1. Minute
Die Hamburger haben noch schnell einen Kreis gemacht, um sich auf das Spiel einzustimmen.
Begleitet wird diese Köpfezusammenstecken von einer wohl bekannten Stimme, die schon älter ist als der Fußball selbst. Sky hat Fritz von Thurn und Taxis nach München geschickt, den einzigen Kommentator, der betrunken werden kann, indem er sich selbst zuhört und der sich jetzt ebenfalls auf dieses Spiel einstimmen will, indem er einen Kreis mit sich selbst macht. Doch er findet keine Hand, die er greifen kann.
3.
Boateng foult den jungen Contento, den mittlerweile auch Ribery erkennt, wenn er ihn auf dem Platz sieht. Freistoß Bayern.
5.
Gleich die erste große Chance für die Bayern, die in diesem Spiel nach zwei Jahren wieder Tabellenführer werden können, doch Ribery scheint die neue Höhenluft nicht zu bekommen, der Franzose veratmet sich bei der Ballannahme.
7.
Der HSV bemüht sich um die Kontrolle in diesem Spiel, wirkt dabei aber noch ein wenig überfordert wie Angela Merkel. Hässliche Szenen in München.
9.
Kaum zehn Minuten gespielt und Livepapst Vogelsang übergibt bereits entnervt den Staffelstab (Original Tickholz). Was ist da los? Vielleicht zerrt die neue Doppelbelastung an den Nerven der 11FREUNDE-Edelfeder. Mein geschätzter Kollege betätigt sich nämlich seit letzter Woche als Moderator.
11.
Mit Recht warten Sie auf nähere Erläuterung. Die Vorgehensweise meines Kollegen war denkbar einfach. Er sicherte sich eine eingängige Fußballdomain, kreierte dann ein eigenes Sendeformat und schon kam die Einladung zur Bambi-Verleihung. Leider nur zur Moderation...
13.
Wahnsinnspass von Schweinsteiger auf Müller, d. J. - »Boah, genau in die Schnittstelle«, jubelt Vogelsang. Der bayrische Jungstar schnibbelt das Leder aber über den Querbalken wie eine übergewichtige Metzgerin, die den Lyonerring etwas zu grob zerschneidet.
16.
Fabelhaftes Spiel bislang. Robben immer wieder mit Affenzahn, Hamburg igelt sich ein.
18.
Mladen Petric spielt wie gesagt trotz Blessur. Demichelis hat wohl den Eliminierungsauftrag vom General erhalten, haut dem Kroaten ins Genick wie van Buytens Papa.
19.
Völlig aus dem Nichts wird aus dem HSV-Igel eine giftige Schlange. Trochowski »gönnt sich einen« , haut aus 30 Metern einfach mal drauf, Butt ist mit den Fingerspitzen dran. Im Gegenzug will van Bommel Handelfmeter, macht fast den Ballack aus dem CL-Halbfinale, doch der Schiri ist zu weit weg. Schade.
21.
Frank Rost empfiehlt sich fürs Ohnsorgtheater, mimt im Fünfer den sterbenden Schwan. Schweini gibt sich als Kulturbanause zu erkennen, verzieht keine Miene.
23.
Trochowski mit der nächsten Großchance. Nach einem Konter kommt Hamburgs Kleinster an den Ball, semmelt diesmal aber drüber wie ein bayrischer Bäckermeister.
25.
Ein offenes Spiel nun. Das einzige Problem der Hamburger ist, dass sie viel zu oft Air Bäron suchen. Der hängt leider in Plakatform am Oberring.
27.
Thurn und Taxis kommentiert heute als lebendiger Anachronismus. Mit Vokabular und Timbre irgendwo zwischen den Comedian Harmonists und Herbert Zimmermann. Veronika, das Spiel ist aus!
29.
Das ganze Stadion müsste eigentlich oranje leuchten, hatte uns die Jessica (in skyblond) vor dem Spiel noch erklärt. Van Marwijk sitzt auf der Tribüne, Robben, van Bommel, Elia, Mathijsen auf dem Platz. Und der Rasen erst! Das hat Erwartungen geschürt an ein Spiel mit Fußball totaal. Stattdessen aber nur: Contento und Jarolim.
30.
Van Bommel, dessen Verständnis von Fußball totaal eher Ultimate Fighting entspricht, tritt Petric unter die Grasnarbe, zeigt sich dann selbst eine mitgebrachte Gelbe Karte.
33.
Jerome Boateng imitiert van Bommel und versucht Arjen Robben ohne Lift ins Adelholzener Gebirge zu schicken. Wird aber von Wagner verwarnt, weil er seinen Skipass nicht dabei hat.
35.
Robben kreiert einen Angriff wie das Spätwerk Terry Gilliams: Das alles ist ein großes Kunstwerk, ein überwältigendes Panoptikum, das den Sinnen schmeichelt. Doch am Ende wirkt es doch, als hätte der Künstler auf dem Weg irgendwo vergessen, was er ursprünglich machen wollte. Gilliam: Einen Film drehen. Robben: Ein Tor erzielen.
37.
Vom Anfangselan ist nicht mehr viel zu spüren. Das gilt für die beiden Teams wie auch für Mikromann Fritz von TuT. Vor dem Anpfiff freute der sich noch wie ein Schneekönig auf die 110-Jahrfeier der Bayern. Jetzt: Schweigen. Höchste Zeit für den Pausentee.
40.
Das Spiel nun flacher als Robbens Heimat. Zeit für ein wenig Remix-Tickerei. Viel Irritierendes in der heutigen BamS. Wobei wir uns nicht entscheiden können, was uns mehr konsterniert: Wontis Alkoholbeichte (»Die Beamten verabschiedeten sich mit: Schönen Abend noch, Herr Juhnke!« ) oder Lothars Liebes-SMS-Erklärung (»aber ein kuss muss noch lange noch nichts heissen« - sic!).
45.
Fritz von Thurn und Taxis sitzt offenbar schon mit dem Kaiser beim Stanglwirt in Kitzbühel. Nach Pass auf Petric schreit er »Abseits!!!« . Die Zeitlupe belegt, dass rund achteinhalb Meter zwischen Petric und dem letzten Bayernspieler lagen. Oder ist der Praktikant etwa auf die falsche Taste des Fritzomats gekommen?
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