Karnevadil!
Köln-HSV im 11FREUNDE-Liveticker
Text: Andreas Bock und Lucas Vogelsang Bild: Imago
In einer wahnwitzigen Flipperpartie spielt sich der HSV selbst schwindelig und hält das Spiel auch mit zwei Toren Vorsprung so lange offen, bis Adil Chihi doch noch das 3:3 erzielt. Das Spiel in Zeitlupe, gibt es im Liveticker!
15:08 Uhr
Ruud van Nistelrooy steht also im Kader. Die sehr blonde Dame von sky informiert gleich mal über seinen richtigen Namen: Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij. Klingt wie eine eine Briefmarke. Oder wie der Vetter zwölften Grades von Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar Prinz von Thurn und Taxis.
15:12 Uhr
Der Holländer sitzt allerdings zunächst auf der Bank. Vogelsang kalauert: »Van Nistelrooy ruud sich erst mal aus.«
15:15 Uhr
Skys blonde Whalewatcherin, Jessica Castrop, macht nebenbei Schleichwerbung für Sea World, hält die Rückrunde für “eine einzige Robbenshow”. Um ihrer maritimen Freude über dieses gelungene Wortspiel Ausdruck zu verleihen, balanciert sie gleich noch einen Wasserball auf ihrer aufgeschminkten Nase und spielt den Bundesliga-Jingle auf drei verschieden langen und verschiedenfarbigen Tröten. Jessica Castrop: Afrotheria Vuvuzelia.
15:19 Uhr
Für Lukas Podolski hat es nicht gereicht, der Fuß tut noch weh. Böse Zungen unken: Der macht sich ganz bewusst rar wie guter Service in Waggons der Deutschen Bundesbahn – immerhin gewann der FC ohne ihn die letzten beiden Spiele.
15:21 Uhr
Wir zappen durch die Arenen (bzw. wir werden gezappt). Nun in Hoffenheim: Mirko Slomka und Ralf Rangnick stehen nebeneinander und duellieren sich nicht. Sie spielen noch nicht mal Eckenrechnen. Die Bundesliga war auch schonmal mehr Showgeschäft.
15:24 Uhr
Neuzugang Tosic steht beim FC in der Startelf. Petric kann doch spielen. Guerrero sitzt immer noch auf einem Alpaka und reitet durchs peruanische Hochland – vielleicht sonnt er sich auch auf der Aidia irgendwo im Golf von Mexiko. Man weiß es nicht.
15:27 Uhr
Letzte Info vorab: Der HSV hat bisher nur einmal auswärts verloren. Der FC nur dreimal zu Hause gewonnen.
15:30 Uhr
Anstoß. Der 1. FC Köln heute mit Zoran Tosic in der Startelf. Der soll angeblich von Manchester United gekommen sein, doch bei näherem Hinsehen fällt auf, dass Klaus Allofs den Kölnern Dusko Tosic, den besten Linksverteidiger seit Aymen Abdennour, untergejubelt hat. Das hat ja auch schon damals mit Womé funktioniert – dem besten Linksverteidiger seit Dusko Tosic.
1. Minute
Gleich die erste Chance für die Kölner, die sich zum Karneval als Spitzenmannschaft verkleidet haben und ihr Selbstvertrauen aus einem Psychotrick Soldos ziehen: Der kroatische Hexenmeister hatte seiner Mannschaft glaubhaft vermittelt, dass sie auch heute wieder auswärts spielt.
2.
TOOOOOOOOOOOOOR! Blitzstart des HSV, der auch einfach so tut, als würde er auswärts spielen. Als die Kölner merken, dass das aber gar kein Täuschungsmanöver ist, keine Mimikri, ist es schon zu spät. Marcell Jansen, der sich scheinbar selbst aus dem Lazarett eingewechselt hat, lässt den Ball über die Linie kullern, nachdem Mondragon scheinbar alle motorischen Grundlagen vergessen hatte und einen harmlosen Schuss nur abklatschen ließ. Der HSV führt 1:0 und wird Deutscher Meister 1982.
6.
Nächste Reisenchance für den HSV, doch Markus Berg bekommt für einen Moment eine floristische Halluzination, hält sich für plötzlich für Markus Rosenberg, verzieht dementsprechend.
11.
Womé knallt den Ball aus 23 Metern (halblinks) über das Tor. Sieht im Ansatz aus wie bei Martin Kree als Abwehrkante des BVB, im Abschluss dann aber doch wie bei Manni Burgsmüller als Kicker von Düsseldorf Rhein Fire.
8.
Freistoß Köln. Im Strafraum des HSV entwickelt sich ein Performance-Wettkampf, wie man ihn sonst nur aus der RTL-Superstarsuche kennt. Novakovic lässt sich theatralisch fallen, untermalt das Ganze mit Schwanengesang. Doch Schiedsrichter Weiner verwehrt ihm den Recall.
14.
Die Kölner nähern sich langsam dem Tor von Rost an. Der Torwart muss sogar einen Ball halten. Danach fegt er durch den Strafraum wie ein Rollschuhfahrer in der Rollschudisko. Ob Rost, von dem man sagt, er möchte nach seiner Karriere eine Nordpolexpedition (im T-Shirt) machen, langsam ins Schwitzen kommt? Es sind nur noch -1 Grad Celcius – für Rost Saunatemperatur.
16.
Frei(s) vor Rost. Doch Rost verkürzt den Winkel. Geschickt wie Senioren beim Mikadospiel.
17.
Der HSV nun mit langen und planlosen Pässen in den Sturm. Da ackert Petric und da wartet Berg. Problem: Das Verhältnis von Marcus Berg zu seinem Spielobjekt ist dieser Tage in etwa so, wie das von einem Feldforscher zu seinem Forschungssubjekt: Neugierig, doch distanziert.
20.
Vielleicht macht Berg auch der neuen WM-Balls zu schaffen. Der fliegt, so kritisieren einige Spieler, in etwa so wie ein Schwarm Bienen auf LSD.
22.
Kommentator Marcus Lindemann erklärt, wie das ist mit Toren und Gegentoren. Der HSV und Köln haben vor dem Spiel jeweils 21 Gegentore gehabt, da der HSV aber viel mehr geschossen und auch mehr Spiele gewonnen hat, steht er auf Platz 5 und der FC nur auf Platz 13. Ein messerscharfer Analytiker, der Erwin Markus Lindemann.
26.
Hamburg und Köln haben sich in der ersten 25 Minuten bisher einen Schlagabtausch geliefert, wie wir ihn in den letzten Jahren nur beim Ultimate Fighting gesehen haben. Oder im Vorgarten von Rudi Assauer und Simone Thomalla.
27.
Trotz dieses unwahrscheinlichen Tempos ohne Boxenstopp fehlt diesem Spiell der karnevaleske Entertainment-Faktor. Immer deutlicher wird, wie schade es ist, dass weder Podolski noch Van Nistelrooy auf dem Platz stehen, da diese beiden wenigstens die Abenteuer eines grünen Ogers hätten nachspielen können. Mit Podolski als Shrek und Van Nistelrooy als Esel.
29.
Ballverlust Eljero Elia. HSV-Alttheoretiker und Edelkiebitz (s.a. die Vogelhochzeit) Andreas Bock stellt fest: »Elia ist in der Formkrise.« Für Bock die größte Formkrise seit er als 5jähriger versucht hat, bei seiner Fisher Price Lerntonne den viereckigen Bauklotz in die runde Öffnung zu stecken.
31.
TOOOOOOOOOOOOOR! Jetzt doch Rosenmontagsrauschen in Köln. Wie aus dem Nichts wuchtet Mohamad den Ball nach einem Petit-Kopfball durch Rost hindurch. Und die HSV-Spieler wirken überrascht, dabei hätten sie sich auf eben diese Situation langsam einstellen müssen. Immerhin durften die Kölner aus eben jener Position schon etwa ein halbes Dutzend Freistöße üben, die auch schon alle gefährlich waren. Lernen durch schlechte Erfahrung nennt man das in der Biologie. Momentan sind die Hamburger dümmer als ein Hamster.
33.
In Köln herrscht jetzt natürlich mitten im Karneval Karnevalsstimmung, was aber wenig mit dem Karneval zu tun hat, und eigentlich noch weniger mit dem Zwischenstand, weil in Köln einfach immer Karnevalsstimmung herrscht, auch wenn kein Karneval ist. Inmitten der Faschings-Atmosphäre sieht nur einer noch immer aus, als hätte er eine Kamelle-Allergie: Trainer Zvonimir Soldo. Der Antijeck, der Erfinder des Aschermittwochs.
35.
TOOOOR! Der HSV wendet seine Post und schlägt postwendend zurück. Petric (Bock schmachtend: "Der ist so geil!") setzt sich gegen alle Linksverteidiger im Raum Köln-Müngersdorf durch, lässt Innenverteidiger Mohamad aussehen, als wäre der nur ein Clown aus der Kiste mit Halsstarre und hebt dann den Ball über Mondragon, der überhaupt nicht wirkt wie ein Torhüter und in dieser Form wahrscheinlich nicht mal Türsteher im Cosmos sein dürfte.
37.
Nachtrag: Der HSV wird Deutscher Meister 1979.
41.
Das Spiel hat ein Tempo wie Aufziehautos auf der Dardabahn. Es geht auf und ab und ab und auf und dann über Loopings und brennende Ringe, vorbei an fliegenden Elefanten und jonglierenden Fasanen direkt in die Wildwasserbahn.
42.
Ungewohnt: Elia läuft häufiger auf als Kartoffeln und Käse in schwäbischen Öfen.
44.
Lindemann analysiert weiter: »Der FC hat ein Chancenplus.« Der HSV ein Chancenminus? Komplexe Rechenaufgaben am Samstagnachmittagmorgen sind nicht unser Ding.
45.
Halbzeit. Der HSV führt, Lindemann zufolge, unverdient. Wir finden: Der HSV führt 2:1.



