Schalke-Hoffenheim im 11FREUNDE-Ticker
Im Schmitzkasten
Text: Benni Kuhlhoff und Johannes Ehrmann Bild: Imago
Ein Spiel wie ein Freizeitpark-Besuch: Erst Vorfreude, dann gehen manche weinend nach Hause. Schalke löst dank Lukas Schmitz das Ermäßigtenticket und hat Maximalspaß. Hoffenheim zahlt voll und geht muffig nach Hause. Lest selbst im Ticker-Protokoll.
Im Kreis aufgestellt haben sich: Benni Kuhlhoff und Johannes Ehr(enrunden)mann. Am Samstag um 18:15 Uhr geht's rund!

18:00 Uhr
Herzlichen Willkommen zur Liga-Spätschicht aus der feuchtkalten 11FREUNDE-Tickerkabine. Bin etwas früh dran, aber mich hielt heute nichts mehr zu Hause. Die seltenen Momente in der Ligaspitzengruppe muss man eben jede Sekunde genießen. Heute Nachmittag haben die Bayern vorgelegt, nun muss Schalke nachlegen. Auch um den miesen, gelbschwarzen Maulgammel aus Lüdenscheid-Nord aus dem Nacken zu bekommen.
Als Gegner wartet Hoffenheim bei denen es derzeit eher frostig zu geht. Vorbei die Zeit des Turbofußballs, zur Zeit ist im Kraichgau alles irgendwie so lahm wie eine Internetverbindung anno 2000.
Man darf also gespannt sein, wen Ebay Power-Seller Felix Magath heute auf Sieg getrimmt hat und in die Auslage stellt. Ich hoffe auf mein Frisurenvorbild Vicente Sanchez.
18:10
Fadenscheiniges vom Kollegen Ehrmann: Der kündigte bereits unter der Woche an, im Persico-Rausch tickern zu wollen. Wenn es schon in der 2. Liga nicht flüssig läuft, sucht der Ur-Lauterer sich eben anderweitigen fluidroten Ersatz. Typisch Teufel. Dass er mittlerweile bereits 10 Minuten zu spät ist, beunruhigt dann schon ein wenig.
18:12 Uhr
Wir kommen zum Spiel: Das Duo Beckenbauer-Hellmann hat sich ein bisschen Hilfe an die Seitenlinie geholt. Wunderheiler Felix Magath grummelt noch ein bisschen über das 2:2 gegen Bochum vom vergangenen Wochenende. Beckenbauer hingegen gibt den Hellseher, blickt in die Glasbausteine von Magath und sagt, dass man den Meister heute noch nicht voraussagen könne. Vielleicht rafft ja sogar noch eine Epidemie die Liga nieder. Die Bundesregierung schreckt auf: Vielleicht wird man doch noch den ein oder anderen Liter Schweinegrippen-Impfstoff los. Beckenbauer winkt in dem Fall ein Werbevertrag mit der Pharmaindustrie. »Ja ist denn heut schon Schnupfen?«
18:18 Uhr
Der Kaiser nun auch Stilikone. Zeigt sich mittlerweile mit komplett silbergrauem Haupthaar. Wird so zum George Clooney der Fußballexperten. Statt Hängebauchschwein dann bald Schweinegrippe. Macht auch weniger Dreck.
18:22 Uhr
Juchu, Ehrmann ist da. Meine Hoffnung auf eine exorbitante Persico-Fahne wird enttäuscht. Hat aber Bier mitgebracht. So macht man sich Freunde.
18:24 Uhr
Die Sky-Maskenbildnerin muss um ihren Job bangen. Hellmann trägt im ganzen Gesicht eine kilometerdicke Schicht Schleimschminke. So weit, so Fernsehen. Nur um den Mund wurde gespart, da zeigt sich Hellmanns wahres Gesicht: aschfahl und trocken. Fast wie sein Humor.
18:26 Uhr
Diebisch. Mrs. Doubtfire sieht heute aus wie Marcel Reif. Einzig die buschige Halskrause verrät die sympathische Haushälterin.
18.27 Uhr
Erste Highlights beim Einlaufen. Schalkes WM-Hoffnung KevKu hat direkt zwei Kinder mitgenommen, Rafinha dafür einen »Achtjährigen« vom Format Wonneproppen erwischt. Der Brasilianer ist nur einen halben Kopf größer.
18.30 Uhr
Es kann losgehen. Mrs. Reif verkündet pünktlich zum Anpfiff, er habe »ordentlich vorgeheizt«. Vielleicht meint er auch den Rasen.
1.
Keine Minute gespielt, und Kuranyi legt sich das erste Mal mit der Welt an. Wild gestikulierend schreit er Schiri Meyer ins Gesicht, dass er gefälligst mit zur WM genommen werden will. Der winkt ab.
3.
Marcelo Bordon prüft Hildebrand ein erstes Mal. Der Hoffenheimer Keeper pflückt die 80-Meter-Rückgabe lässig herunter.
5.
Vor dem Spiel informierte Sky, dass Hoffenheim Schalkes Angstgegner ist - seit Bundesligagründung noch kein Sieg. Davon ist nichts zu sehen in den ersten Minuten. Im Gegenteil: Erste gute Chance für die Hausherren, Knappe Kuhlhoff tickt zum ersten Mal völlig aus, durchbricht die Schallmauer - aber: vorbei.
7.
Reif hat sich vor dem Spiel noch einmal von Sepp Blatter briefen lassen, er will den Fußballplatz heute Abend zu einem besseren Ort machen. Nach Foul Eichner adressiert der Moderator mit dem Silberhaar den Sünder und fragt ihn: »Was würdest du dir denn geben?« Wir stellen uns auf weitere Formulierungen aus der Waldorfschule ein.
9.
Vorstoß des Hoffenheimers Nilsson. Fehlpass. Affig.
10.
Schalke hat heute direkte Weisungen vom Hauptsponsor bekommen. Die Elf von Felix Magath gibt mächtig Gas.
14.
Farfan wieselt die rechte Außenbahn herunter, holt gegen drei Mann eine Ecke heraus. »Ich spüre, dass der FC Schalke in dieser Saison Großes erreichen kann«, ist sich Berufsoptimist Kuhlhoff sicher.
17.
Salihovic bringt eine Flanke in den Schalker Strafraum, Bordon schubst einen Hoffenheimer in Neuer. »Elfmeter! Rot! Mindestens!«, schreit Kuhlhoff. Ich habe meinen Kollegen noch nie so emotional erlebt wie heute.
19.
TOOOOOR für Schalke 04! Rafinha erackert sich das Leder im Mittelfeld, schaltet dann in einer Hundertstelsekunde von Malocher auf Feingeist um, zwirbelt den Ball but-ter-weich in den Sechzehner, Kuranyi stiehlt sich frei und vollendet. Kuhlhoff startet den Autokorso.
22.
Hier geht jetzt die Post ab wie bei einem Briefträger auf Koks. Nach einer Schmitzflanke kommt Kuranyi frei zum Kopfball. Lässt aber noch einmal Gnade vor Recht ergehen und köpft übers Gebälk.
23.
Freistoß Hoffenheim. Das hat vor gar nicht allzu langer Zeit noch für Zitterknie gesorgt. Aber in dieser Zeit war Wolfsburg auch noch Tabellenführer, bei Schalke zog Orlando Engelaar die Fäden im Mittelfeld und Klinsmann... Ach lassen wir das.
23,5.
Der Freistoß ging übrigens ins Nirwana. Ommmmmmm.
25.
Auch Fußball-Ästhet Reif wabbert noch etwas in der Vergangenheit. Kramt verstaubte Fehlpassstatistiken hervor, schwadroniert frustriert über Obasi, Ba und Kurzpassspiel. Er ist der Guido Knopp des Fußballs.
27.
Christian Eichner benimmt sich wie ein Halbstarker beim Kirmesboxen. Kratzt und tritt alles, was sich nicht schnell genug bewegt. Jetzt erwischt er auch noch Farfan, der ansonsten zu den Flinkeren gehört. Rot liegt in der Luft. Ohne Pommes. Und Ohne Weiß.
29.
Sanchez wuselt sich wie ein Wiesel über das Feld. Wenn jetzt auch noch Zé Roberto II mal zehn Minuten Bundesligaluft ohne Schnappatmung übersteht, ist Magath endgültig der beste Trainer der Welt. Und Andreas Müller ein echter Manager. Ein Horrorszenario.
31.
Der Anblick Hildebrands erinnert zunehmened an »Samantha Fox Strip Poker«. Ob das jetzt an meiner schlüpfrigen C-64-Jugend liegt oder an Hildebrands 80er-Aerobic-Stirnband, sei dahingestellt.
32.
Christian Eichner muss wirklich gehen. Allerdings nimmt Ragnick ihn raus, bevor ihn der Schiri zum Duschen schickt. Eichner steigt in seinen Autoscooter, steckt den Dauerchip samt Fuchsschwanz in den Schlitz und braust davon. Ist eigentlich schon Cranger Kirmes?
34.
Rakitic, den Schalke einst holte, damit er in der Offensive Ideen entwickelt, die kranker sind als blutiger Stuhl, spielt auch heute wieder verkrampft wie eine Magenkolik. Verliert den Ball, bevor der Konter läuft.
36.
Gelb für Salihovic. Er übernimmt die Rolle des ausgewechselten Eichner und hackt Farfan um.
37.
Sanchez scheint der frisch gefönte Nackenspoiler die Macht von Castle Grayskull zu verleihen. Ein Flugkopfball will ihm allerdings nicht so recht gelingen. Dafür werden alle Sheilas (Ja, eigentlich sollte es She-Ra heißen, aber das macht den Witz kaputt) in der Nordkurve schwach. Es lebe das Ruhrgebiet.
38.
Ein Tipp an alle Leser: Googelt NIEMALS »Sheila und He-Man«. Das Ergebnis wird euch verstören.
40.
Punk is not dead. Schalke belagert den Hoffenheimer Strafraum wie weiland die Irokesenfraktion halb Berlin. Kuranyis Hacke verhindert das 2:0. So langsam übertreiben es die Schalker mit dem Fairplay.
43.
Je öfter Farfan im Bild ist, desto mehr wird uns klar, dass der Peruaner eine drollige Mischung aus Ailton (in fit) und Denzel Washington (in klein) ist.
45.
Vicente Sanchez hat zweifelsohne den fiesesten Gelsenkirchener Haarhelm, seit Jiri Nemec den Verein verließ. Der Schalker trifft später Eichner zum Guckduell am Scooter.





