Werder-Bayern im 11FREUNDE-Ticker
Cordobayern
Text: Dirk Gieselmann und Fabian Jonas Bild: Imago
Tore, Fouls, kein Mittelfeld! Die Partie Werder gegen Bayern war ein Leckerbissen für neutrale Zuschauer und Bayern. Nicht für Trainer, Bremer und Herzkranke. Immer noch mit Bluthochdruck und Kammerflimmern: der 11FREUNDE-Ticker!
15:15 Uhr:
Ausnahmsweise pünktlich wie die Maurer geht's jetzt los. Guten Taag und Grüß Gott, und Ende der Doppel-A-Witze. Zumindest vorerst. Vielleicht.
15:18 Uhr
Kollege Dirk Gieselmann ist übrigens noch nicht aufgetaucht hier. Entweder erfroren oder schon in Ehrfurcht erstarrt angesichts meiner Bayern, die aber sowas von im Kommen sind.
15:20 Uhr
Hätte nicht gedacht, dass ich das je schreiben würde, aber so langsam wünschte ich, Gieselmann würde doch noch erscheinen. Er könnte, zumindest vielleicht, die Frage klären, wer denn bitteschön dieser Abdennour ist, der da auf Werders linker Abwehrseite auflaufen soll. Von Wintertransfers habe ich nämlich so gut wie nichts mitbekommen, außer der bloßen Zahl (Sieben!!!) bei Schalke, van Nistelrooy, was nicht zu vermeiden war, wenn man dem Kollegen Andreas Bock im Büro gegenübersitzt, und natürlich Breno und Ottl. Aber Abdennour??? Giesel??? Hallo?
15: 25 Uhr
Kommentator ist Fritz von Thurn und Taxis. Hm. Hmmmmmmmmm!
15:28 Uhr
Was Gieselmann könnte, kann Google schon lang: »Aymen Abdennour ist das, was Dusko Tosic auch einmal war. Ein junger Hoffnungsträger für die linke Abwehrseite, ein Talent mit Zukunft«, schreibt der Weser-Kurier, für den auch Gieselmann schreibt, ein Kreis, der sich so zwingend schließt, dass der Kollege sich endlich einen Ruck gibt und in einer Ecke sichtbar wird, in der er sich schon länger in seiner Eigenschaft als Redaktionsgeist befand. Ebenfalls anwesend: Kollege Raack, ein Kumpel von ihm, ein Döner. Hm!
1. Minute
Anpfiff durch Knut Kircher, »aus Rottenburg, da gibt es einen Bischof und einen FIFA-Schiedsrichter, das kann auch nicht jede Stadt von sich behaupten.« Stimmt, lieber Fritz. Das Spiel läuft, van Bommel grätscht, Bremer fliegt, kein Pfiff in der Stadt und im Landkreis.
2.
Marin dribbelt, Marin wuselt, bleibt aber am souveränen Schweinsteiger hängen.
4.
Mein Gott, dieser Jonas. Verliert die Fassung, weil dieser Holländer da in UNSERER Hälfte spazieren geht. Na gut: Mit Ball. Na gut: Pfosten. Trotzdem: Mein Gott, dieser Jonas.
5.
Und schon wieder Jonas. Reißt sich die Klamotten vom Leib, weil Olic Faxen macht, allein vor Wiese. Werder unterirdisch, Frings noch eine Etage tiefer. Löw ist schuld. Ich leg mich fest.
8.
11FREUNDE-Latino Andreas Bock taucht auf, verwurstet Gerüchte aus spanischen Zeitungen. »Huntelaar kommt auch zum HSV, schreibt die Marßa!« – »Das heißt Marka«, schlaumeiert Jonas. » Nein, Martha! Wie Barthelona«, lithpelt Marthel Reif, der auch hier ist. Warum, weith niemand.
10.
Was ist das? Plötzlich hängt Kollege Raack an meinem Hals. Ah! Werder! 1:0! Jetzt hat sich auch bei mir der Jubel den Weg ans Tageslicht gebahnt! Hunt kloppt den Ball unter den Giebel! Jonas in Sack und Asche, Bock wickelt sich in seine »Marßa« ein, macht Schlummi.
11.
Irgendwie auch ekelhaft, dass Raack und ich einander plötzlich so nah waren. Ich bin ja eher der Schaaf-Typ, kann mich nicht freuen, außer über sehr hohe Geldbeträge. Raack will weiterschmusen, ich stoße ihn weg. Soll sich 'ne Katze kaufen.
14.
Tut und Kannix bemüht den Geschichtsalmanach, schwadroniert von Toren, die Sosa und ein gewisser Altintop einst für Bayern schossen. Selten etwas Uninteressanteres gehört, außer von Kollege Bock, der jetzt von sich gibt: »Van Nistelrooy ist der größte Holländer aller Zeiten!« – »Und was ist mit Marijke Amado?«, werfe ich ein. Bock nachdenklich: »Mini Play Back Show... Auch nicht schlecht. Wo spielt die jetzt? Die brauchen wir auch!« Quo vadis, Transferpolitik?
18.
Hier Jonas. Das Tor hat dem Spiel nicht gut getan, meine Meinung. Schon seit zehn Minuten ist kein Bayer mehr alleine aufs Tor gelaufen, stehen die Bremer plötzlich zu zehnt im Strafraum, findet Robben seinen zweiten Fuß nicht mehr, van Bommel Badstuber nicht, weiß Thomas Müller nicht mehr, wen er eigentlich anspielen wollte, als der Ball ins Aus rollt.
22.
Schweinsteiger stoppt Frings in bester Frings-Manier (»unfreundlich«, so T & T), spielt dabei aber den Ball, Kircher pfeift dennoch, Frings regt sich trotzdem auf. Löw hat ihn kaputtgemacht, es ist nicht zu übersehen.
25.
JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! WELTTOR! 1:1! Schweinsteiger setzt sich auf links durch, gibt flach rein, Gomez lässt durch und Müller netzt ein. Mich umarmt keiner, egal, ich hab meinen Schal!
26.
Und schon wieder Bayern über links, doch diesmal ein Scheißpass von Müller in den Rücken von allen, naja, allen bis auf van Bommel, aber bis Gomez gewendet hat (drei Züge), hat er keinen Blick für den Nebenmann, vesucht es selber, verzieht.
27.
Urg! Was'n Tempo, jetzt Konter Werder, 12 gegen 2, aber Marin zieht es vor, Lahm abzuballern.
29.
Und wieder Bayern bzw. Robben, der alle seine Füße wieder gefunden hat, durch den Strafraum der Bremer dribbelt, am Ende aber den Ball auf dem rechten hat, spitzer Winkel, Wiese!
30.
Ärgerlich für die Trainer, schön für den neutralen Zuschauer: Es gibt kein Mittelfeld. Chance folgt auf Chance. Nun Gomez vor Wiese, verschmitzt lächeln die beiden einander zu: »Na, du?« Der Ehrgeiz lässt zu wünschen übrig, wie beim Volleyball im Freibad, Gomez baggert den Ball in die Sprungkuhle. Weiterhin 1:1. »Spannend«.
32.
Kollege Raack schaaft: »Das muss doch mal'n Kärtchen geben da, doooooo!« Für wen, ist ihm egal. Jonas fordert daraufhin ein »Kärtchen« für Raack, wegen Unsportlichkeit. Raack daraufhin wieder für Jonas. Mein Blick geht hin und her wie beim Grundlinienduell Chris Evert gegen Martina Navratilova. Deuce.
33.
Todespass von van Bommel, dem zweitbesten Holländer der Welt, Lahm flankt, Werder pennt, Wiese segelt, Olic schiebt ein, Jonas tanzt Lambada mit sich selbst, ich geh nach Hause, macht euern Scheiß doch allein. Echt mal jetzt.
35.
In diesen Zeiten (38. Minute) muss man Allianzen auch mit seinen Feinden suchen. »Das war doch Abseits, oder, Andreas?«, frage ich HSV-Fan Bock. »Jaaa, mein Kleiner!«, schmeichelt er, schenkt mir auch noch was von Lego. Tut gut. Nicht gut tut Bommel, bockt Hunt auf, sieht Gelb. Nicht gut für den Teint.
40.
»Ja, Werder will den Ball reinkombinieren«, will Thurn und Taxis einen Satz in unser Bewusstsein reinkombinieren. Pfosten.
42.
Chaos pur! Wiese kommt raus, senst Müller ins Jenseits, obwohl der doch gar nicht Olic, sein natürlicher Feind, ist, der passt mit letzter Kraft auf Robben, der versiebt die Chance aufs Erbärmlichste. Was nun? Vorteil Bayern? Rot für Wiese? Dazwischen scheint es nichts zu geben, außer für Schiri Kircher: Der entscheidet auf Gelb und Freistoß. Eine wundersame Entscheidung, selbst Wiese, der mit einem gelben Auge davon kam, winkt ab, trollt sich motzig in sein Tor. Was muss man denn heutzutage für einen Platzverweis noch alles tun? Die Schere zwischen irgendwas und etwas anderem geht immer weiter auseinander, und dann gibt Lafontaine auch noch den Parteivorsitz ab. Halbzeit. Höchste Zeit, auf die Straße zu gehen. Wir sind das Volk. Altmeister Werner Olk (1960-1970 bei den Bayern) macht auch mit: »Ich bin der Olk!« Ja, Werner.
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