Keine Liebestöter
Bayern-Hoffenheim im 11FREUNDE-Liveticker
Text: Andreas Bock und Dirk Gieselmann Bild: Imago
Das Fest der Liebe geht weiter. Miroslav Klose macht endlich seinen ersten Saisontreffer und Mario Gomez gratuliert wie eine Statue in einer Wellnessfarm. Nicht mal die langen Unterhosen von Arjen Robben können die Stimmung verderben.
20:06 Uhr
Die Berliner Temperaturen (Minus 87 Grad) haben dazu geführt, dass unser Antenenkabel eingeforen ist. Wir jetten jetzt nach München, um direkt vor Ort zu tickern. Die Tickerei kann sich um wenige Minuten verzögern.
20:26 Uhr
Puh, das war knapp. Live aus der Quasi-Allianz-Arena am Halleschen Tor ein neues Domizil gefunden – Kabel hier gut, Bier auch. Machen Sie es sich bequem. Und wundern Sie sich mit uns über eine seltsame Mario-Gomez-Homestory über Mario Gomez und einen Pali-Schal an Beckmanns Hals.
20:28 Uhr
Bei Bayern fehlt Franck Ribery natürlich, same old story seit circa acht Monaten oder so. Immerhin Robben in der Startelf.
20:29 Uhr
Wir sind gespannt – irgendwo zwischen Flitzebogen und Wäscheleine. Können uns noch nicht entscheiden. Macht Fußball immer noch Spaß?
20:30 Uhr
Die TSG Hoffenheim mit zwei 19-Jährigen in der Startelf. Tom Bartels jauchzt daher nochmal: »Die wieder erstarkten Bayern der große Favorit.«
20:34 Uhr
Der erste Anstoß im neuen Jahr! Kollege Bock geht vor Freude der letzte Silvesterkracher des letzten Jahres in der Hose hoch. Na, da dann kann dieses Spiel ja nur ein »Feuerwerk« werden. Wenn wir Heribert Faßbender wären, würden wir das auch so sagen. Aber: Wir sind leider nur wir. Also: Anstoß.
2.
Gieselmann hat etwas im Internet entdeckt: »Rücktrittsgerüchte um Merkel.« Der heutige Experte, Johannes Ehrmann, fragt investigativ nach: »Max?« Herrje, wir sind tatsächlich schon wieder gefangen in der Fußballblase. Das ging ja schnell...
3.
Erster Ballkontakt von Vukcevic. Gleich ein Übersteiger. Klappt wie ne Eins. Leider verreckt die Flanke, die »Flanke«, nach zwei Metern im luftleeren Raum.
5.
Ui, nun aber nochmal Vukcevic, schicker Pass auf Maicosuel, der flankt dieses Mal besser, Demba Ba geiert nach dem Ball, doch ein Roter nascht ihn ins Aus wie ein Lutschbonbon.
7.
Olic auf der linken Außenbahn. Läuft sich fest. Klose-Jünger und FCK-Experte Ehrmann grummelt: »Miro muss kommen.« Doch der sitzt auf der Bank und packt die letzten Weihnachtsgeschenke aus: Eine Mario-Gomez-Frisur (mit Echt-Gel).
10.
Bartels fabuliert darüber, wer auf dem Papier besser aufgestellt ist, dann malt er mit seinem Kugelschreiber Kreise um die Bayern-Spieler Van Bommel und Schweinsteiger und kleine traurig dreinschauende Smileys um das gesamte TSG-Mittelfeld.
11.
Ibertsberger tritt auf kotzgrüne Schuhe, danach Pfeifkonzert. Die Schuhe gehörten Arjen Robben und der liegt nun am Boden und guckt wie die Smileys auf Bartels Superpapier.
13.
Oha, nun mal eine halbe oder viertel Chance für die Bayern, Lahm auf rechts frisst sich über Linie wie Pacman in Level 28. Der Pass in den Sechzehner, in den Rücken von Gomez – und sich ungelenk anstellt wie Leisure Suite Larry in Level 1.
21.
Olic am Ball, dessen Söhne Luca und Toni heißen. Werden die jetzt auch ausgeliehen? Als niedliche Pimpfe, die in der Sesamstraße mit Grobi singen müssen? Unmenschliche Bundesliga.
17.
Schweini Freistoß, Gewühl wie am Grabbeltisch bei C&A, Ecke. Wie Nussecke. Nur nicht so lecker. Abstoß. Wie Abstoß. Von Butt.
22.
Und schon wieder Ecke. Im Strafraum der Hoffenheimer Treffen der Nutella-Boys, Compper, Beck und Hilde. Gemeinschaftlich schmieren sie den Ball aus der Gefahrenzone. Süß.
24.
Aus dem Berliner Stalinwinter heraus wirkt dieser grüne Rasen da in München wie ein Palmenstrand. Bock sucht nach Billigflügen, zwinkert mir zu: »Nur du und ich...« Ohne mich.
26.
»Alles, was Müller macht hat Hand und Fuß«, orthopädisiert Tom Bartels. Das mit der Hand wäre genau genommen illegal, und schon (weiß der Himmel, woher die die Nummer haben) rufen wütende Irland-Fans bei uns an. Auch Co-Trainer Liam Brady ist unter ihnen: »Fuck you you fucking fuck.« Seit wann duzen wir uns?
28.
Riesenchance von Ibisevic, Buttbuttbutt klatschtklatschtklatscht miesmiesmies ababab, mussmussmuss ichichich jetztjetztjetzt allesallesallesalles dreidreidrei Malmalmal sagensagensagen??? Hilfehilfehilfe!!!
31.
Van Bommel, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, steht friedfertig im Mittelfeld und denkt an Friedenstauben, da rennt der gemeingefährliche Ba in ihn hinein. Total fiese. Armer Bommi.
33.
Nach einer Winterpause bestehend aus Sofaliegen, Curling und Wiederholungen im TV gucken, kommt einem das Spiel unglaublich schnell vor. Nahezu rasant. Indes klare Torchancen bis dato Mangelware wie gute Produkte bei »kik«.
35.
Nun aber: EIne Flanke von Schweinsteiger wird verlängert im Getümmel, dahinter wartet Demichelis, der pferdartig heraneilt und per Jean-Claude-van-Damme-Fluggrätsche das 1:0 markiert.
37.
Die Bayern im Mittelfeld besser aufgestellt. Vor allem schneller unterwegs. Das Papier von Tom Bartels scheint recht zu behalten.
43.
Das Spiel wird ruppiger. Letzte Ermahnung für Vukcevic, weiß Bartels. Er darf sich jetzt gar nichts mehr leisten. Dabei hat sich für Halbzeit 2 so viel aufgespart.
45.
Die erste Halbzeit der Rückrunde ist vorbei. Die Aufregung hat sich langsam gelegt, wir fangen an, Fußball wieder lieb zu haben wie Glücksbärchen. Ein Spiel, nicht so schnell wie das in jenen Winterwirren 2008, dennoch unterhaltsam wie eine Mike-Krüger-Klamotte am Sonntagmorgen.
Ächz, 15 Minuten Halbzeit. Sollte man, so ganz nebenbei, auch abschaffen. Oder zumindest ein Halbzeitspiel der Allstars-Alte Herren FC Bayern gegen die Allstar-Alte-Herren TSG Hoffenheim bringen. 11 gegen 1.
Reinhold Beckmann empfängt Jogi Löw und quetscht ihn auf die harte Tour aus. Beckmann eben.
Beckmann faselt über den »Liebestöter« von Arjen Robben – und meint damit seine lange Unterhose. Beckmann kriegt sich kaum noch ein. Liebestöter! Der konservative Gegenentwurf zum Alt-Hippie, Lagerfeuerromantiker und Nudisten-Slacker Reinhold Beckmann.


