OH... AH.... TOOOOOOOOR!
Barcelona-Manchester im 11FREUNDE-Liveticker
Text: Andreas Bock und Lucas Vogelsang Bild: Imago
Mit überragender Mehrheit wurde Messi zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Wir erinnern noch einmal an den Moment, als klar wurde, dass er alles kann: Seinen Kopfball im CL-Finale. Hier ist das Liveticker-Protokoll von damals.
15:43 Uhr
Das größte Fußballereignis des Jahres und Michael Ballack darf nicht mal Zweiter werden. Vielleicht aber schaut er zu. Und vielleicht sieht Pep Guardiola heute wieder verrucht aus wie ein britischer Rockstar vor dem Zerlegen seines Hotelzimmers. Und vielleicht gewinnt Barcelona. Und vielleicht sogar Manchester United. Und ganz bestimmt ist der Ticker dabei – fast live und nicht in Farbe. Es begrüßen Sie East17-Fan-Choreograph Vogelsang und Slayer-Luftgitarrist Bock zum fröhlichen »Irgendwas ist immer«-Abend.
19:40 Uhr
Die Anspannung steigt. Menschen werden zu Tieren und Kollegen beginnen zu halluzinieren. Kollege Thorsten Schaar rollt mit einem Rollkoffer durch die Redaktion, denkt der Einkaufszettel, den er vor zehn Minuten vom Kollegen Benjamin Apitius bekommen hat, war die Eintrittskarte für das Finale. Macht sich auf den Weg, will das Flugzeug gen Rom noch bekommen. Was mich jedoch viel nervöser macht: Kollege Vogelsang ist noch nicht da. Gestern zitierte er noch Boris Becker: »Ich kann frei entscheiden, ob ich morgens aufwachen möchte oder nicht.« Freie Entscheidungen am Tag der Entscheidung sind manchmal die falschen Entscheidungen, Herr Vogelsang.
19:50 Uhr
Vogelsang trudelt ein. Direkt von einem 78-Stunden-Rave. Erkläre dem sehr wankenden Ticker-Greis dieses Spiel, das sich Fußball nennt. Wir notieren uns dabei die wichtigsten Punkte – u.a. auch die Schlappner-Philosophie Viererkette, Fahrradkette, Halskette –, faxen sie an Guardiola und Ferguson. Wer sie umsetzt, wird gewinnen. So viel steht jetzt schon fest. Alles weitere gleich.
20:00 Uhr
Wer heute Abend die Champions-League-Trophäe in einem Konfetti-Taifun und unter animalischem Geschrei in den Nachthimmel Roms recken wird, das weiß momentan noch niemand. Auch nicht Andreas Bock, der noch weniger hellseherische Fähigkeiten besitzt, als eine dieser überdimensionalen schwarzen Orakel-Billardkugeln, die auf jede Frage immer nur mit einem stupiden »Ja« antworten. Was Bock aber weiß, ist: Er will heute kein Elfmeterschießen. Bock erträgt nämlich keine Spannung. Als er das erste Mal »Aristocats« gesehen hat, versteckte er sich fast den ganzen Film hinter seiner Sponge Bob Plüschfigur. Das war letzte Woche. Und: Bock ist bald 35.
20:05 Uhr
Dank Premiere-Investigativ-Guru Patrick Wasserziehr wissen wir jetzt auch, was Franz Beckenbauer nach dem letzten Champions-League-Sieg der Bayern gedacht hat: Nichts. Spannend. Bock beißt in den Schwammkopf.
20:10 Uhr
Um dem Abend den richtigen Rahmen zu verleihen, hat Wasserziehr Beckenbauer Kastagnetten in das Resthaar geflochten. Beckenbauer hat ihm dafür mit einer Nagelfeile ein Alex-Ferguson-Faschingsgebiss in das Antlitz gemeißelt. Jetzt stehen sich beide gegenüber und versuchen, angestrengt seriös zu wirken. Wasserziehr verliert.
20:15 Uhr
Nun wird dieses Finale auch auf Beckenbauer TV zum Duell der beiden Spieler hochstilisiert, deren Bewegungsabläufe immer so wirken, als wären sie direkt aus der Playstation gefallen: Cristiano Ronaldo gegen Lionel Messi. Beckenbauer und Wasserziehr simulieren das Duell schon mal mit Fingerpuppen. Bis Beckenbauers Zeigefinger (Ronaldo) Wasserziehrs Daumen (Messi) eine Kuppennuss verpasst. Wasserziehr verschwindet daraufhin schluchzend im Off, sucht nach einem Hansaplast mit Delphin-Motiv. Beckenbauer feiert alleine weiter und ersetzt auf dem Aufstellungsbogen jeden Namen durch seinen eigenen. Und denkt sich dabei: Nichts!
20:19 Uhr
11Freunde-PR-Mann Dirk Völler steht leger im Türrahmen und konstatiert: »Ferguson hat zu lange Nasenhaare. Muss er sich mal schneiden.« Dann nimmt er sich seine überdimensionierte Lupe von der Nase und läuft gegen den Türrahmen.
20:25 Uhr
Das Hitzfeldsche »BarZelona« klingt in Vogelsangs Ohren wie ein Gedicht von Rilke. Er wünscht sich noch ein paar »BarZZZelonas«, doch Hitzfeld hustet nur noch und bekommt ein Wasser gereicht. Ein »Wasser«.
20:29 Uhr
Wir erinnern uns gemeinsam mit den Herren Beckenbauer, Wasserziehr, Rudi Völler und dem anderen, der auch immer dabei steht, wenn irgendwo im Premiere-Fantasialand das Stichwort Fußball fällt, an das WM-Finale 1990. Rudi Völler bekommt prompt wieder ein schwarzes Haar. Eine Nostalgie-Strähne.
20:31 Uhr
Wasserziehr informiert, dass Massimo Busacca die Partie pfeift. Lichtgestalt übernimmt: »Ja, mei, ich kenn' den Massimo.« Ein überflüssiger Kommentar, denn Lichtgestalt kennt jeden. Natürlich persönlich. Sogar Samson und die androgyne Synchronstimme von Herr von Bödefeld. Woher? Vom Grillen oder so.
20:34 Uhr
Nun geht die Eröffnungszeremonie los. Und nun kommt auch Marcel Reif ins Bild und ein Mann im weißen Muskelkostüm. Ist es Carsten Jancker? Ist es Michael Frontzeck? Nein, es ist Harry Valérien. Der Ur-Pfau des modernen Sportjournalismus.
20: 37 Uhr
Tänzerinnen in Superhelden-Kostümen tippeln über den Rasen wie Tippeltiere. Und wenn Tippeltiere einmal angefangen haben zu tippeln, dann hat es sich für die Spieler ausgetippelt. Findet das Spiel überhaupt noch statt? Oder wird die Partie im Wetttippeln entschieden? Vogelsang tippt auf Wetttippeln.
20:40 Uhr
Marcel Reif wirkt von der römischen Zeremonie zusehends betört, hält sich in seinem Wahn für den Fischer Weltalmanach 1984, hat aber anscheinend auf dem Weg ins Stadion ein paar Seiten verloren: Gedankenverloren schwelgt er in monochromen Erinnerungen an die Olympischen Spiele 1970 in Rom. Nur: Die waren zehn Jahre früher. Egal, freuen wir uns mit Marcel Reif auf dieses Champions-League-Finale 1999. Ottmar Hitzfeld steht schon an der Seitenlinie und überlegt, wie er das Spiel nach 80 Minuten abpfeifen kann. Ferguson schickt Sheringham zum Warmmachen. Geschichte kann so gnadenlos sein.
20:44 Uhr
Andrea Bocelli singt die Mannschaften in den Mittelkreis. Die androgynen Gladiatoren ziehen weiter zum Karneval der Kulturen.
20:45 Uhr
Anstoß. Fast so schön wie die Show davor, wie ein Frühlingsgedichtband von Marcel Reif. Noch 90 Minuten. Vielleicht.



