Ich geb' mir die Kugel
Best of 11FREUNDE-Liveticker 09: HSV-Werder
Text: Dirk Gieselmann und Fabian Jonas Bild: Imago
Eine Papierkugel entscheidet das UEFA-Pokal-Halbfinale zwischen dem HSV und Werder Bremen. Doch ins Finale zieht sie nicht ein, ebenso wenig der Hamburger SV und Diego. Wer fährt dann nach Istanbul? Der Liveticker weiß es.
18:34 Uhr
HSV-Werder: Der größte Straßenfeger seit »Das Halstuch«. Heute also die dritte Folge dessen, was eine Trilogie wäre, wenn man bloß dieses irgendwie überflüssige Bundesligaspiel absagen könnte. Ganz Norddeutschland diskutiert: Wie heißt eine Trilogie, wenn noch ein Teil dazukommt? Und: Gewinnt Werder? Oder: Gewinnt der HSV?
18:42 Uhr
Es könnte eines der letzten Spiele sein, die Diego für Werder absolviert. Der Wechsel des Regisseurs zu Juventus Turin wird nun immer wahrscheinlicher. Verzweiflung daraufhin bei den Werder-Fans in der 11FREUNDE-Redaktion. »Lass mich in Ruhe, Du Arschloch!«, so Pressesprecher Dirk Völler, als er gefragt wurde, ob man ihn mal in den Arm nehmen solle.
18:50 Uhr
Völler rappelt sich auf: »Mein Vater heißt Lothar!«, raunt er. »Lothar Völler! Wie Matthäus und Rudi! Rudi Matthäus! Ich lasse mich nicht unterkriegen!«
18:52 Uhr
Kurzerhand schwingt sich Völler nun zum Schattenmanager des SV Werder auf und verkündet auf der ersten »Präsidiumssitzung« (außer ihm ist nur der zufällig vorbeikommende Kollege Benjamin Apitius anwesend), wie das künftige Mittelfeld aussehen werde: »Özil! Schweini! Van der Vaart! Und dann steigt Köln ab, und wir holen noch Poldi!« – »Schlaf dich mal wieder aus«, so Apitius leutselig. »Ist ja auch anstrengend, immer arbeiten und der ganze Stress. Nicht? Ja. Tschüss, ich muss weg.«
19:05 Uhr
Das 1:0, so hart erkämpft und verdient es war, ist nichts, worauf sich der HSV ausruhen kann. Alex Silva und Mladen Petric fehlen vielleicht verletzt, Guerrero ist gesperrt, Werder kommt in Bestbesetzung. Dieses Rückspiel wird so hart wie der Zehennagel von Horst Hrubesch.
19:20 Uhr
Kollege Jonas ruft an. »Kochst du schon, Schatz? Ich habe Hunger.« Ich kenne keinen Jonas.
19:22 Uhr
Jetzt erst mal 'ne Kippe. Deutschland wirkt von meinem Balkon aus, im Abendlicht, so friedlich. Unvorstellbar, dass irgendwo da draußen ein Uefa-Cup-Halbfinale stattfindet.
19:31 Uhr
Das Spiel wird der belgische Unparteiische Frank de Bleeckere leiten. Ein Mann mit Erfahrung, der seit 1998 international pfeift und bei der WM 2006 und der EM 2008 war. Nur zwei, drei richtige Entscheidungen, und er hat eine bessere Bilanz als Tom Henning Ovrebo beim CL-Halbfinale Chelsea gegen Barcelona gestern Abend.
19:45 Uhr
Das Erstaunlichste an der Partie Chelsea-Barca war nicht der späte Ausgleich, sondern Ballack zu sehen, wie er Ovrebro zusammenschlägt, ohne ihn zu berühren. Das muss man erst mal schaffen. Jürgen Klinsmann scheiterte an einem ähnlichen Unterfangen: Er sollte den FC Bayern waschen, ohne ihn nass zu machen. Klappte nicht. Überschwemmung.
19:48 Uhr
Im anderen UEFA-Cup-Halbfinale führt Donezk mit 1:0 gegen Kiew. Donezk, das ist die Stadt, wo Bernd Schuster einst um sein Leben bangte. Im Herbst 2003 erfuhr er als Trainer von Schachtjor vom SPIEGEL-Korrespondenten Walter Mayr, dass der aktuelle Club-Präsident nur deshalb im Amt war, weil sein Vorgänger samt fünf Begleitern im Tunnel zum Stadion von einer Bombe zerrissen wurde. »Ja, leck misch in de Täsch«, erwiderte der unwissende blonde Engel, »sechs Tote, und das sagen Sie mir jetzt.«
19:56 Uhr
Vielleicht ist er das der Grund, warum Schuster seine Liebe zur Rap-Musik und zum Allein-Autofahren entdeckte. »Bei mir setzt sich keiner mehr ins Auto«, verkündete er. »Ich hau mir da die Eminem-Dinger rein und fertig.«
20:06 Uhr
Kritik aus dem 11FREUNDE-Forum: der Ticker sei, so User »pommesgruenweiss«, heute seltsam uninspiriert. Das ist bitter, nach allem, was ich für den deutschen Fußball getan habe. »Du könntest noch viel besser sein«, so der inzwischen eingetroffene Kollege Jonas, »wenn du endlich zugeben würdest, dass du schwul bist.«
20:16 Uhr
Hier Jonas. Gieselmann sitzt im Anzug auf dem Sofa, trägt dazu Turnschuhe und hofft darauf, ähnlich witzig zu werden wie Spaßbombe Cherno Jobatai. Als ich den Raum betrete, sprintet er ins Bad und sucht nach Haargummis seiner Frau.
20:21 Uhr
»Willste ein Bier?« fragt er nun, ich bejahe. »Ich hab aber keins!« Hahaha. Es könnte ein langer Abend werden, hoffe inständig, dass es keine Verlängerung gibt.
20:24 Uhr
Nachdem wir beinahe wieder im Werbestrudel des übertragenden Privatsenders ersoffen wären, beginnt schließlich doch noch die Übertragung. Olli Welke und Mirko Slomka. Bitte Gieselmann, mir doch noch einen Witz zu erzählen, zur Not denselben noch mal.
20:29 Uhr
Petric kann spielen, trotz Risswunde an der Wade. »Unangenehm, wenn so was aufplatzt«, so Welke. Unangenehm, wenn jemand so was sagt.
20:31 Uhr
In der Smalltalk-Hölle: Das arme Sünderlein steht da und weiß nicht, was geschieht. Kommt der Teufel um die Ecke und sagt: »Na, wie geht's?«
Schlechter Witz.
Und dennoch leider nah an der Wirklichkeit. Denn in der SAT.1-Expertenhölle treffen sich Slomka und Welke. Sagt der eine: »Das Schöne ist, dass auf jeden Fall eine deutsche Mannschaft im Finale steht.« Sagt der andere: »Ja, entweder Werder oder der HSV.«
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