Nö.
Bayern-Barca im 11FREUNDE-Liveticker
Text: Andreas Bock und Dirk Gieselmann Bild: Imago
Fußball, du Arschloch! Als Chelsea und Liverpool einander bekämpften wie einst Ali und Foreman, starrten wir auf das Freundschaftsspiel Bayern gegen Barca. Ging 1:1 aus. Das Protokoll der Belanglosigkeit – jetzt im Liveticker.
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Jetzt nur noch die Namen der Torschützen eintragen – fertig!
12:14 Uhr
Kollege Fabian Jonas, der nach dem 0:4 im Hinspiel seinen Rücktritt von sämtlichen FCB- und CSU-Ämtern erklärt hatte, meldet sich. Er sei »wieder da«, posaunt er, ohne ihn »geht es ja nicht«. Und weiter, als ich den Telefonhörer schon beiseite gelegt habe: »Es wäre ja ganz schön blöd, bei diesem Wunder nicht dabei zu sein.«
12:15 Uhr
Kollege Bock will sich nun mit Weißbier dem »Wunder entgegensaufen«, hofft, so auch im Falle einer Niederlage weiterhin fest an ein Weiterkommen der Bayern glauben zu können.
12:20 Uhr
Nachdem mir Mirko Votava im Interview mangelnde Beweglichkeit attestiert hat, werde ich a) heute abend doch nicht der Aggressive Leader sein, wie eigentlich mit Klinsi abgesprochen, und b) alle Votava-Poster aus meinem Hobby-Keller entfernen.
12:25 Uhr
Dolchstoß auf bild.de: »Klinsis letzte Lehrstunde: Heute Abschied aus Europa«, shouten die Miesmacher. Wenn wir jetzt nicht alle zusammenhalten, dann kann das ja nichts werden.
12:50 Uhr
Wie tief die Bayern in der Krise stecken, erweist ein Blick auf diejenigen, die ihnen zur Hilfe eilen. Im 11FREUNDE-Forum schreibt »Der Uerdinger« in Gedenken an das 7:3 seines Klubs gegen Dynamo Dresden am 19.3.1986: »Macht's wie wir damals!« Holt Klinsi jetzt Schäfer, Funkel und Hergeth?
13:15 Uhr
Auch finanziell scheint es dem Rekordmeister nicht gut zu gehen. Noch nicht mal ein Boot, in dem alle sitzen könnten, lässt sich noch auftun. Und so muss Lukas Podolski eine prekäre Metapher wählen, als er seine Loyalität zum Ausdruck bringen möchte: »Wir stehen alle gemeinsam in der Scheiße.«
13:32 Uhr
Ribéry will also zu Barca, van Bommel hat's in einem spanischen Radiosender ausgeplaudert. Verständlich! Als wir klein waren, wollten wir ja auch immer mit den Kindern spielen, die die geilste Carrera-Bahn hatten. Und doch schreiben wir dem Guten einen Spruch von Groucho Marx ins Poesiealbum: »Ich möchte niemals Mitglied in einem Klub sein, der Leute wie mich aufnimmt.«
14:08 Uhr
Jens Lehmann will nicht nur zurück in die Nationalelf, sondern sollte vor der Saison auch zum FC Bayern geholt werden, wie die »Süddeutsche Zeitung« heute kolportiert. Wenn das wahr geworden wäre, würde Kahn vielleicht immer noch auf der Bayern-Bank sitzen und vor dem heutigen Elfmeterschießen, das wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit prophezeien, Lehmann den Nacken massieren. Doch wer schöbe der Nummer 1 den Spickzettel in den Stutzen? Walter Junghans müsste es von Amts wegen tun, ihm ist jedoch vom wahnwitzigen Gedrehe des Torwart-Karussells zu schwindelig. Also Rensing?
14:15 Uhr
Barca-Coach Josip Guardiola leidet unter einem seltsamen Trauma. Er kann und will trotz des 4:0 im Hinspiel nicht jetzt schon an ein Weiterkommen seiner Mannschaft glauben – und presst auf Nachfragen nur ein gequältes »Kaiserslautern« hervor. Der pfälzische Underdog hatte 1991 gegen den katalanischen Overdog mit 3:0 geführt, als der listige Bakero kurz vor Schluss doch noch einen Kopfball ins Netz zwirbelte. Barca war weiter und gewann schließlich den Wettbewerb, doch der Triumph blieb für den grüblerischen Guardiola ein Menetekel, dass er sich niemals voreilig freuen dürfe. Die Feierlichkeiten anlässlich des Champions-League-Gewinns 2009 erwarten wir also frühestens in 20 Jahren. Man weiß ja nie.
14:30 Uhr
Um sich auf die blitzschnellen Ballstafetten von Xaxi und Co. vorzubereiten, zieht Kollege Bock sich noch einmal die größten Partien der Tischtennisgurus Roßkopf und Fetzner rein. »Mein Augenmuskel ist schon auf die vierfache Größe angewachsen, mir entgeht kein Pass«, prahlt er.
14:32 Uhr
Laut »Süddeutscher Zeitung« möchte der wiedergenesene Philipp Lahm heute Abend den »Ausrutscher gerade rücken«. Wie war das noch mal in Loriots Sketch »Das Bild hängt schief«?
14:38 Uhr
Breaking News: Nach der 1:5-Niederlage gegen Union Berlin hat Edgar Schmitt sein Amt bei den Stuttgarter Kickers niedergelegt. Wird er jetzt neuer Bayern-Trainer/-Manager/-Torwart/-Präsident?
14:50 Uhr
Advantage Bayern: Massimo Oddo spielt heute nicht mit, trifft sich mit Bestseller-Autor Sten Nadolny, um den zweiten Teil von »Die Entdeckung der Langsamkeit« zu konzipieren.
16:38 Uhr
Mein Mitarbeiter Benni Kuhlhoff, seit je her Paparazzo des Elends, hat Europapokal-Partien zusammengetragen, die sich haushoch führende Teams noch aus der Hand nehmen ließen. Darunter auch Roms 0:4-Niederlage gegen Jena 1980, die »Die Neue Fußballwoche« zu der barocken Zeile hinriss: »Das Furioso der Zeiss-Elf wird der Roma und ihren Tifosi sicherlich noch lange in den Ohren klingen - und schmerzen...«
16:50 Uhr
Kollege Bock ist nun beim achten Weißbier angelangt, tunkt eine Riesenbrezel hinein. »Ich halt den letzten Elfer«, lallt er, hechtet auf sein Altpapierlager, schläft ein.
17:00 Uhr
Jürgen Klinsmann will die »taz« verklagen, weil diese in als Gekreuzigten mit der Unterzeile »Always look on the bright side of life« gezeigt hat. Pressesprecher Markus Hörwick sprach von der »vielleicht schlimmste Entgleisung, die es in den deutschen Medien jemals gegeben hat«. Und was ist mit der Übertragung des Hinspiels am vergangenen Mittwoch? Wer verklagt SAT.1?
17:14 Uhr
Derweil ist Kollege Bock erwacht, voluptuiert sich nun dem Elfmeterschießen entgegen, als dessen Helden er sich sieht. Aus dem Regal zieht er »Fußball-WM '86 Mexico«, das Standardwerk aus der Feder Harry Valeriens, und rezitiert mit großer Geste Überschriften: »Toni Zumacher!«, blökt er. »Bier schlägt Champagner! La Ola – Welle der Begeisterung!« Dann sperren ihn robuste Praktikanten im Konferenzraum ein.
17:30 Uhr
»Glaubt Ihr an ein Wunder?«, fragt Kollege Kuhlhoff blauäugig. Niemand antwortet. Erst der zufällig vorbei kommende Aurelius Augustinus spricht: »Ein Wunder passiert nicht gegen die Natur, sondern gegen unser Wissen von der Natur.« Kuhlhoff googelt die Begriffe »Wissen«, »Bayern« und »Kuhlhoff«, nimmt sich dann jedoch spontan Urlaub.
17:35 Uhr
Der in den Konferenzraum gesperrte Kollege Bock ist, wie erst jetzt bekannt wurde, komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Durch den Türspalt schiebt er folgende Nachricht:
»Nicht nur, dass mein Handy runterfiel, nein, ich musste auch noch mit meinem Rad drüberfahren. Sieht nun in etwa so aus wie ein altes Zwieback. Oder der Miesling von Spaß am Dienstag in verdammt mieser Stimmung. Je nachdem. Frage: Hat jemand von euch ein altes Handy, das in der Schublade vor sich hin schimmelt? Muss nur telefonieren können und SMS verschicken. Das wäre toll.«
Wer von Euch, liebe Fans, kann dem armen Andreas helfen? Bitte meldet Euch unter online@11freunde.de!
17:50 Uhr
Internet-Gigant bild.de will das Spiel vom Volk entscheiden lassen, fragt ins Rund: »Wunder oder wieder Klatsche?« Über dem Voting prangt der Slogan: »Deutschlands schnellste Meinung!« Das Ergebnis können wir nicht sehen, es ist zu schnell für das menschliche Auge. Wir verbringen die Zeit ohnehin lieber damit, uns Deutschlands langsamste Meinung zu bilden. Hochachtungsvoll, Euer 11FREUNDE-Ticker.
18:01 Uhr
»Es geht darum, sich anständig zu verabschieden«, verkündet indes Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. Der Rücktritt kommt plötzlich, wir sind dennoch vorbereitet: Leb wohl, Lichtgestalt!
18:22 Uhr
Blitzinterview mit Bayern-Expertin Katja Ebstein. Sie sagt: »Viele Menschen fragen, was ist schuld daran,warum kommt das Glück nicht zu mir? Fangen mit dem Leben viel zu wenig an. Dabei steht das Glück schon vor der Tür. Wunder gibt es immer wieder. Heute oder morgen können sie geschehn. Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn. Viele Menschen suchen jeden Tag aufs Neue jemand der sein Herz ihnen gibt. Und wenn sie schon glauben, er kommt nie vorbei, finden sie den einen der sie liebt. Wunder gibt es immer wieder. Heute oder morgen können sie geschehn. Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.«
18:29 Uhr
Michael Rensing will Gerüchten zu Folge aus Protest gegen seine Degradierung in der ersten halben Stunde mit dem Rücken zum Spielfeld stehen und seiner Mannschaft die Unterstützung verweigern. Wird die Aufholjagd am Ende daran scheitern? Ich halte diese Spannung nicht mehr aus, gehe erst mal zum Supermarkt. Hier mein Einkaufszettel, Wahnsinn: eine Banane, was zu trinken, Kippen, Spülmaschinensalz (für zu Hause), kleines Geschenk für den Kollegen Bock. Bis nachher, liebe Fans.
19:32 Uhr
Bin vom Einkauf zurück. »Bringste mir 'ne Apfelschorle mit?«, bat Kollege Bock noch. »Geschmacksrichtung lieblich!« Ich greife zu »herb«, soviel internationale Härte muss heute Abend sein.
19:37 Uhr
So langsam müssen wir uns auch mit dem Gedanken vertraut machen, dass das heute der langweiligste Kick der Menschheitsgeschichte werden könnte. Andererseits: »Unsere Zeit ist so aufregend, dass man die Menschen eigentlich nur noch mit Langeweile schockieren kann.« (Samuel Beckett)
19:40 Uhr
Wir haben an der Tür zur Barca-Kabine gelauscht. Coach Guardiola will ein spannendes Spiel sehen, steckt seine Spieler in so genannte Age-Anzüge, die Gebrechlichkeit simulieren sollen.
19:49 Uhr
Der Gast, der beim Hinspiel die Idee hatte, Erdnüsse ohne Salz auf den Tisch zu stellen, ist heute wieder am Start. Angst geht um: Was hat er heute zum Naschen mitgebracht? Ferrero Küsschen ohne Ferrero?
20:01 Uhr
Kollege Kuhlhoff sitzt im Fernsehzimmer und kaut sich die Fingernägel ab. Der Grund: Handball-Heesters Jackson Richardson (107) feiert sein Comeback für die Rhein Neckar Löwen. »Der ist aus dem Flieger gestiegen, hat 'ne Stunde geschlafen, und jetzt spielt er! Weltklasse!«, jubelt Kuhlhoff. Beim ebenfalls anwesenden Kollegen Dirk Völler verfinstert sich hingegen die Miene. »Radsport korrupt, Handball korrupt – und was kommt als nächstes?« – »Keine Ahnung«, so der zufällig vorbeikommende Kollege Tim Jürgens. »Bodenturnen?«
20:17 Uhr
Ein Vorbericht, der uns in Angst und Schrecken stürzt. Klinsi in Schwarzweiß, Musik aus dem Italo-Western-Archiv, »So! Eine! Blamage! Darf! Es! Nicht! Noch! Einmal! Geben!«, sagt ein Sprecher aus dem Off. Wer zieht als Erster seinen Colt?
20:24 Uhr
Im Hintergrund wabert »I will survive« von Gloria Gaynor durch die Allianz Arena. Franz Beckenbauer wird wichtige Sachen gefragt, will eigentlich schunkeln, weil »mir san mir« eh vorbei ist und Gloria Gaynor doch eigentlich ne ganz knorke Frau ist. Doch Marcel Reif und Dieter Nickles nehmen ihn gewieft in die Zange.
20:29 Uhr
Mit viel Süffisanz, dafür umso weniger Witz salbadert ein Premiere-Redakteur über die vermeintliche Arroganz der Spanier. Scheiße, wenn man den Ironie-Grundkurs geschwänzt hat.
20:32 Uhr
Franz Beckenbauer will unbedingt als Premiere-Experte und nicht als Bayern-Präsident gesehen werden, versteckt sich hinter dem »man« wie ein Nackter hinter einem Taschentuch.
20:35 Uhr
Der Gast ist unruhig. Blättert durch ein Männermagazin und bringt alles durcheinander. Yvonne Catterfeld wird zu Jeanette Biedermann, Claudia Effenberg zu Marcel Reiff.
20:38 Uhr
Beckenbauer hat heute seine blauen Brillengläser daheim gelassen. Vielleicht bringt es Glück. Vielleicht hat er deswegen im Kleiderschrank die die Krawatte gegriffen, die eher nach Bank-Azubi aussieht denn nach Champions League.
20:41 Uhr
Nickles und Beckenbauer haben keine vorbereiteten Platitüden mehr auf Lager, grinsen sich sphärisch an. Doch der Anstoß naht. »Sie kommen heraus! Sie kommen heraus!« (Albert Camus, »Die Pest«)
20:43 Uhr
Niemand hält irgendwas für möglich, dafür geht eine ganze Menge: Marcel Reif probiert sich als Frechdachs, Rensing eine neue Kaugummisorte (Papaya), Schiri Rosetti hat eine neue Frisur, Puyol nicht. Das wird ein »Abend«, soviel steht fest.
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