HSV-Galatasaray im 11FREUNDE-Ticker
Dorsche angeln im Volkspark
Text: Andreas Bock und Mathias Ehlers Bild: Imago
Früher war alles besser - der HSV auch. Rambo fehlte an allen Ecken und Enden. Wieso, weshalb, warum? Wie bereitet man Dorsch zu? Und sowieso: Dallas oder Denver-Clan? Ach ja, Fussball war auch. Nachzulesen im 11Freunde-Ticker.
17:20 Uhr
Die 8oer sind wieder da. Zumindest in der BTX-Redaktion der 11Freunde. Doch die Gegenwart holt uns ein - Liveticker-Edelfan Dieter-Thomas Heck schlug uns breit, das Spiel seines HSV gegen Galatasaray Istanbul gewohnt ahnungslos zu kommentieren. Döner-Witze stehen auf dem Index, »Schwarzwaldklinik«-Zitate nicht.

17:45 Uhr
Willkommen zum UEFA-Cup, der Champions League der Herzen. Aus gut informierten Kreisen wissen wir, dass Didi Beiersdorfers Gattin Türkin ist. Das ist natürlich kein Problem. Ein Problem ist aber, dass der HSV-Manager nicht allen Kartenwünschen von Frau Beiersdorfers Verwandtschaft nachgekommen ist. Frei nach Hans Rosenthal sind wir der Meinung, das ist Spit...äh...Skandal!!! Bei so viel Geiz sind wir froh, nicht mit Dietmar Beiersdorfer verwandt zu sein.
17:50 Uhr
Die nachfolgenden Sendungen verzögern sich. Unsere Lieblingssendung »Brisant« ist noch on air und on screen und sowieso up to date. Diskutiert wird: der Amoklauf von Winnenden. Schuld haben die 80er: Monkey Island, Zack McKracken und Mickey Mouse Heft 2 aus dem Jahr 1984. Es folgt ein Werbespot zum Revolverblatt Deutschlands. Philipp Lahm: »Ich habe eine positive Meinung zu Bild, weil ich lese Bild jeden Tag.« – Ah ja, wir haben eine positive Meinung zu Johannes B. Kerner, weil: Wir sehen ihn jeden Tag irgendwo im TV-Dschungel.
17:55 Uhr
So, nun aber: Bei Galatasaray haben die Spieler Nummern wie 74, 55 oder 66. Addiert man diese ergibt das 195. Die Wurzel daraus ergibt das heutige Ergebnis. Und die Lieblingszahl von Dietmar Beiersdorfer.
17:58
Um die Schweigeminute anlässlich des Amoklaufs zu überstehen, schmettert der Stadion-DJ vorher nochmal auf Manowar-Lautstärke den Klassiker »HSV - all the way« über die Boxen. Wäre nun Partyschaum vorhanden und Dieter-Thomas Heck vor Ort: Es wäre eine Schaumparty erster Güte!
1.
Los geht's. Endlich wieder Fußball. Der HSV in bester Happel-Tradition mit Mladen Hrubesch im Sturm.
4.
Die Frage ist nicht: »Wo sind wir?«, sondern: »Wann sind wir?«. Antwort: In der 4. Minute.
5.
Eros & Vamos – was klingt wie ein 80er Jahre Popdance-Duo mit Dauerwelle und Ballonseidenhose, sind die Namen der Assistenten von Schiedsrichter Kassai. Bisher ohne große Torchance. Und ohne Fehler. Unfehlbar wie Max Mustermann!
7.
Bisher kommen keine zwei Pässe in Folge an – in etwa so wie eine Doppel-Moderation von Nicky und Sandra. Oder Stefan Effenberg und Reinhold Beckmann.
9.
»Intro«-Kollege Siegmund kommt ins Zimmer, fragt: »Wie viele Türken sind da?« Ehlers zählt durch: »22.304.«
12.
Suche Ablenkung. Lesen bildet. Also lese ich. In Horst Hrubeschs Fischerei-Standardwerk »Dorschangeln vom Boot und an den Küsten«. Dort heißt es: »Der Dorsch ist an den deutschen Küsten, vor allem auf der Ostsee, der von Sportfischern meistgefangene Fisch«. Bock staunt.
14.
Siegmund glaubt mir nicht und zählt die türkischen Fans selbst durch. Er kommt auf das gleiche Ergebnis.
16.
Martin Jol guckt griesgrämig wie nach einem Essen ohne Nachtisch (bzw. mit Naturquarkspeise und Sonnenblumenkernen statt grünem Wackelpudding). Dabei stellt sich der HSV gar nicht so schlecht an. Besser zumindest als letzte Woche in Gladbach.
17.
Frage: Wann lachte Jol zuletzt? Bei den »Supernasen« Teil 2 oder als er zuletzt in der Google-Bilder-Suche »Martin Jol + Bayern« eingab und sein Bild mit dem Afro erblickte?
19.
Freistoß für Galatasaray: Lincoln (the artist formerly known as FCK-Spielmacher und Schalke-Fiesling) läuft an, Schuss.... oooooh. Nix. So trickreich wie »The Next Uri Geller« ohne Tricks.
21.
Der Trick ist eh: zu atmen. Und siehe da: Ups. Martin Jol hat es kurz getan. Dieses Atmen! Dabei klebten seine Lippen aufeinander wie Briefmarken auf Holztischen.
23.
Das nennt man wohl Abtasten. Würde der HSV im alten Volksparkstadion spielen, und die Fans säßen circa 80 Meter Luftlinie vom Rasen entfernt, wäre mittlerweile ein gellendes Pfeiffkonzert ausgebrochen. Da aber Capo, Maskottchen und Anzeigetafel eine Dampferfahrt der guten Laune suggerieren, ist alles gut! Alles!
27.
Online-Chef Gieselmann betritt die Ticker-Höhle und fragt: »Wie hieß eigentlich der Typ, der nach Viktor Worms die Hitparade moderierte?« Wie schauen nach und werden schlauer. Die Antwort gibt es in der 42. Minute. Oder früher. Oder später.
28.
Oh, ein Highlight. Gelb für Baris Özbek. Geboren in Castrop-Rauxel, da wird uns einiges klar.
29.
Knorker Schuss von Piotr Trochowski. Gala-Torwart de Sanctis hält – mit der Kraft der zwei Herzen.
31.
Der HSV übernimmt das Spiel. Aber, aber.... neieieieieieien. TOOOOR. Für Galatasaray.
32.
Über fünf Schienbeine und zwei Rubiks-Zauberwürfel kommt der Ball vor die Füße von Ayhan. Der zieht ab und schnalzt den Ball ins Netz. Schon im Flug mutiert Frank Rost zu Conan dem Barbaren. Wäre ich seine Halsadern, wäre ich lieber ein Flokati-Teppich.
34.
Die ersten bengalischen Feuer werden via Airwolf auf den Rasen geschossen. Getreu dem Motto »Im Krieg musst du selbst zum Krieg werden« greift der HSV an: Petric rennt alleine auf de Sanctis zu. Den macht er sonst sogar mit zusammengebundenen Schnürsenkeln. Diesmal scheitert er. Ist halt doch nicht der 35-jährige Rüstü im Tor.
38.
Ex-Praktikantin und Semi-Osmanin Ayla Kiran mischt sich in die Zählung der türkischen Besucher ein und fragt: »Zählen auch Halbtürken?«. Da hat sie recht, wir zählen erneut durch und kommen auf 22304,5.
40.
Der HSV macht auf harmlos. Ihm kann nur ein Mann helfen - Rambo. Der Rambo aus Rambo 2, so sehr Rambo war Rambo nie zuvor und nie danach, der labert nicht und schießt sofort. Aber die Wechselfrist ist schon abgelaufen.
43.
Was jetzt dem HSV helfen würde: Ein Yps-Gimmick, Rambo aus Rambo 4 oder Horst Hrubesch anno 1982. Leider hüpfen dort nur Fix (Aogo) und Foxi (Boateng) an der Seitenlinie herum.
44.
Jetzt bekommt Fix auch noch Gelb für Ballwegschießen.
18:50
Halbzeit: Was hier los ist, mehr sein Geld rauswerfen kann man nur in der Gehgeisterbahn auf dem Rummelplatz. Oder bei diesen Greiferautomaten mit den Metallgreifern, die noch nie seit ihrer Konstruktion im Jahr 1984 was gegriffen haben. Wir skandieren: »Scheiß Millionäre, wir singen,... « äh, usw.
18:51
Dringend benötigt: Ivica Olic. Der läuft vermutlich schon seit drei Stunden im überdimensionalen Hamsterrad – »zum Spaß«.
18:52
»Das ist doch Scheiße!« brüllt HSV-Groupie Bock. Jetzt hat er keinen Bock mehr. Haha. Es ist an der Zeit, dass Namenswitze wieder salonfähig werden. Welche Musik hört Bock am liebsten? Bock'n'Roll. Noch viel mehr Haha. Sein Lieblingssport? Bocksen. Ich kann nicht mehr, zuviel Haha.
18:54
Wir freuen uns auf 19.05 Uhr. Dann kommt »Knight Rider«. Sprechende Autos rocken wie Aerosmith und Run DMC. Bock springt auf und krächzt: »Walk This Way«
18:55
Die Namenswitze machen Bock bockig...oops, das war keine Absicht.
18:56
Wir werden nochmal darüber informiert, wer alles Türke oder Halbtürke ist. Mehmet Scholl zum Beispiel. Und darauf »bin ich stolz«. Ach ja, stolz. Stolz bin ich darauf, dass ich die Aufstellung vom HSV-Juve-Spiel 1983 auswendig kann. Ähm, oder auch nicht, egal. Beiersdorfers Frau ist übrigens die Tochter vom Mr. Kebab-Besitzer in Hamburg – kleine Werbeunterbrechung: Best Döner in town! Wohlwillstraße. Scholl fordert derweil mehr Schwalben. Andi Möller soufliert unterm Moderationstisch...
18:59
Schwalben sind Bocks Ding, mir sind sie egal. Ich interessiere mich für Fische und lese in Hrubeschs Angelbibel. Horst Hrubesch schreibt weitsichtig. Nicht nur das Fangen von Dorschen erklärt er uns. Nein, auch die Zubereitung wird vermittelt: »Beim Grillen wird erst die Fleischseite angegart bzw. leicht gebräunt. Dann dreht man das Filet um, so daß es mit der Hautseite auf dem Grillrost liegt. Nun wird es durchgebacken. Das Fleisch fällt dabei nicht so leicht auseinander und kann besser gehandhabt werden. Auch Nachwürzen gelingt nun besonders gut, da der Saft nicht nach unten auslaufen kann, sondern lediglich zu einem geringeren Teil aus den Seiten tropft«. Danke, Horst.





