Drittes Engagement bei Arminia
Middendorp: Reifer und wieder erfolgreich
Text: sid
Als Arminia Bielefeld im März wie ein angeschlagener Boxer in Richtung 2. Fußball-Bundesliga taumelte, gab es in den Augen vieler Fans und der Verantwortlichen nur noch einen, der den Klub retten konnte: Ernst Middendorp, der `Jahrhundert-Trainer´ der Arminia. Nach seinen beiden ersten erfolgreichen Amtszeiten auf der Alm (1988 bis 1990 und 1994 bis 1998) als Held verehrt, nach Angaben des Klubs im offiziellen Schreiben bei der Wahl zum besten Arminen-Coach aller Zeiten `aber nicht im Besitz eines Diplomaten-Ausweises´.
Als den 48-Jährigen der Ruf seines Lieblings-Klubs in Südafrika erreichte, zögerte er keine Sekunde. `Das hätte ich aber auch bei jedem anderen Klub nicht getan´, erzählt er unverblümt: `Dass es Arminia war, war schön. Aber das Zauberwort für mich hieß Bundesliga.´ Nach missglückten Engagements in Uerdingen, Bochum und Augsburg schien `Power-Ernst´ in Deutschland fast schon in Vergessenheit geraten, nach Auslands-Stationen in Ghana, Südafrika und dem Iran wollte er aber unbedingt wieder zurück auf die große deutsche Bühne.
Nach einem halben Jahr lässt sich sagen, dass sowohl Arminia als auch Middendorp die richtige Entscheidung gefällt haben. Die Verbindung zwischen der grauen Maus und dem exzentrischen Coach funktioniert auch im dritten Anlauf. In der vergangenen Saison rettete sich die Arminia vorzeitig, in dieser Spielzeit erwischte sie einen Blitzstart, belegte zwischenzeitlich Rang zwei und war bis zum ernüchternden 0:3 bei Schalke 04 erster Bayern-Jäger. Acht Siege aus 15 Spielen lautete die beeindruckende Bilanz Middendorps vor dem Spiel gegen Hannover 96 am Mittwoch.
Die Zeit im Ausland und in völlig anderen Kultur-Kreisen hat ihn auf den ersten Blick etwas zahmer gemacht. So schroff wie vorher ist er nicht mehr im Umgang mit Spielern, Klub-Verantwortlichen oder Journalisten. Ausfälle wie das legendäre `Knien Sie nieder, Sie Bratwurst´ zu einem Medienvertreter sollen nicht mehr vorkommen. `Ich bin gereift´, sagt Middendorp: `Vorher war ich ungeduldig. Heute weiß ich: Mit etwas Abstand kann man viele Dinge besser klären.´
Doch da ist auch immer noch der andere Middendorp. Derjenige, der im April nach ausgiebigem Alkohol-Genuss schlafend am Steuer seines Autos gefunden wurde, mit diesem Vorfall aber sehr offensiv umging: `Ich habe einen Fehler gemacht, für den habe ich die Verantwortung übernommen. Ich habe eine Strafe in der Höhe eines Mittelklasse-Wagens bezahlt und bezahle auch meinen Fahrer.´ Der Verein lehnte seinen Rücktritt ab, Vereinspräsident Hans-Hermann Schwick verteidigte ihn als Jurist sogar, die Spieler standen hinter ihm und die Fans machten mit Plakaten wie `lieber ein besoffener Trainer als ein neuer´ ihre Meinung deutlich.
Obwohl etwas zahmer, ist Middendorp eben immer noch der Hans Dampf in allen Gassen, der polarisiert. Der aneckt. Der manchmal all zu sehr nach vorne prescht. Der in Bielefeld aber heiß und innig geliebt wird. Und auch in der dritten Amtszeit erfolgreich arbeitet.
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