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17.07.2010

Aachen auf Abwegen bei der Bundeswehr

»Es wird auch mal dreckig«

Interview: Christian Gail  Bild: Imago

Spieler mit Uniform und Marschgepäck, schweißtreibende 15 Kilometer beim Orientierungslauf. Zweitligist Alemannia Aachen war zu Gast bei der Bundeswehr. Erik Meijer hat uns die neuen Trainigsmethoden erklärt.

Aachen auf Abwegen bei der Bundeswehr - »Es wird auch mal dreckig«


Erik Meijer, Hand aufs Herz: Wie viel Prozent dieser Aktion waren PR und wie viel wirkliches Training?

Das waren null Prozent PR, sondern eine reine Teambuildingmaßnahme. Ich glaube nicht, dass man etwas über Fußball lernt, wenn man einen Kilometer durch einen Fluss läuft. Das hatte mehr damit zu tun, dass die Spieler lernen, sich untereinander zu helfen und der Trainer erkennt, was für verschiedene Typen er im Verein hat. Wer übernimmt die Führung, wer denkt erst einmal nach und welche Spieler handeln einfach, das sind wichtige Erkenntnisse. Letzte Saison war es etwas kühl in der Mannschaft geworden. Es war zwar eine Mannschaft, aber keine geschlossene Einheit. Ich lege aber sehr viel Wert auf einen geschlossenen Mannschaftsauftritt, da ich in meiner aktiven Zeit gemerkt habe, dass man mit Zusammenhalt Berge versetzen kann.  Daher hoffen wir, dass wir mit solchen Aktionen die Spieler noch weiter motivieren können.


 
Wie kam diese spezielle Trainingseinheit bei den Spielern an?

Diese Aktion, werden die Spieler ihr Leben lang nicht vergessen. Am Ende waren alle ziemlich müde. Wir haben noch zusammen gegrillt und das Deutschland-Spiel gegen Spanien geschaut. Danach sind alle happy im Zelt eingeschlafen.
     
Das heißt, dass in der nächsten Saison eine ähnliche Trainingseinheit folgen wird? Wie wäre es mit Fallschirmspringen?

Ach, lassen sie sich überraschen, aber das könnte schon sein. Vielleicht nicht in der gleichen Art und Weise wie dieses Jahr, denn das wäre ja eine schlichte Kopie. Aber wir haben gesehen, dass solche Aktionen die Mannschaft zusammenschweißen und allen Spaß gemacht haben. Uns wird schon etwas einfallen, was bisher noch keiner gemacht hat. Dabei müssen wir natürlich auch auf unser Budget achten. Da kam uns die erfolgreiche Kooperation mit der Bundeswehr schon sehr gelegen. 

Auf ihrer Homepage sieht man die neue Kampagne »Auf Gedeih und Verderb«. Die Spieler auf den Fotos sehen dabei aus, als ob sie einen dreckigen 90 Minuten-Kampf hinter sich gebracht hätten. Die Trikots sind verschmutzt, die Spieler sitzen erschöpft in der Kabine.  Wie hängt diese Kampagne mit der Trainingseinheit zusammen?

Beides hat mit Arbeit und Zusammenhalt zu tun. Dabei wird man auch mal dreckig und nass. Und wenn es beim Orientierungslauf bis auf »Gedeih und Verderb« geht, passt das natürlich zusammen. Die Jungs hatten bei diesem Fototermin natürlich auch viel Spaß, denn nicht jeder wird mal eben eine Stunde geschminkt. Das war schon was Besonderes. Am nächsten Tag kamen alle ins Büro und wollten die Bilder unbedingt auf CD gebrannt haben. Das zeigt, dass sich die Jungs gut gefühlt haben und wenn dabei noch etwas Positives für das Umfeld und die Fans herauskommt, ist das natürlich klasse.

Zu Zeiten, als Jürgen Klinsmann Trainer beim FC Bayern München war, sah man Buddah-Figuren auf dem Gelände und den Spielern wurde eine Bibliothek zur Verfügung gestellt. Die Spieler sollen sich also auch neben dem Platz fortbilden und kulturelle Angebote nutzen. Was halten Sie von diesem Trend? Wäre das auch eine Idee für Alemannia Aachen?
 
Puh, das geht vielleicht etwas zu weit. Ich brauche auch keinen Bereich, wo Yin-Yang-Symbole an der Wand hängen. Aber die Spieler sollen miteinander reden, anstatt sich den iPod in die Ohren zu stöpseln. Kommunikation im Team ist wichtiger als eine Bibliothek auf dem Gelände. Aber Fakt ist, dass es keinem Spieler wehtun würde, wenn er mal ins Theater ginge oder sich mit der Stadt beschäftigt, in der er arbeitet. Deswegen haben wir haben wir auch gemeinsam mit der Mannschaft die Stadt und den Aachener Dom besichtigt.






Kommentare

  • User
  • 17.07.2010 18:25:51 briankohn

    "Wir haben noch zusammen gegrillt und das Deutschland-Spiel gegen Spanien geschaut. Danach sind alle happy im Zelt eingeschlafen."

    Möchte mal wissen, was es da glücklich zu sein gab...

  • User
  • 17.07.2010 20:35:24 Shileno

    Meijer ist Holländer ;-)

  • User
  • 17.07.2010 21:23:19 fisch100

    die fotos sind ja total übertrieben. so sieht kein mensch nach nem fussballspiel (also auch nicht matschliga) aus.aber die frisuren sitzen noch !

  • User
  • 17.07.2010 23:34:42 Catilina

    Mitte der 70er wollte Schalke 04 mit einem Kader, in dem Spieler wie Fischer, Fichtel, Nigbur, Abramczik, Rüssmann und Oblak (Slowene) standen, den Angriff auf die Meisterschaft wagen.

    Es war die Zeit von Gladbachs Alleinherrschaft, denn Bayern München spielte damals nur noch im Europapokal auf Topniveau.

    Zugleich war es die Zeit von Managern, die zwar große Rosinen im Kopp hatten, aber irgendwie unseriös waren: Krohn beim HSV, Siebert bei Schalke 04.

    Jedenfalls bekamen die Spieler in der Saisonvorbereitung ein Astronauten-Präparat verabreicht, das ihre Knochen und Muskeln stärken sollte. Anschließend wurden sie im härtesten Camp der Fernspäher 16 Stunden am Tag gedrillt (Fernspäher waren damals die absolute Elitetruppe - jede der 12 Bundeswehrdivisionen besaß eine Kompanie davon. Mitte der 90er restlos im Kommando Spezialkräfte (KSK) aufgegangen).

    Als der 2 Jahre zuvor aus Spanien zurückgekehrte Max Merkel die Leitung der Mannschaft übernehmen wollte, fand er die Spieler ausgepowert und erschöpft vor. "Mit dem verlorenen Haufen müssen Sie froh sein, wenn Sie nicht absteigen", soll er dem Siebert auf den Kopp zu gesagt haben.

    Trainer wurde dann schließlich ein anderer Schleifer, Friedel Rausch. Der beging Majestätsbeleidigung, als er beim Heimspiel gegen Bayern München den Kaiser in Manndeckung nehmen ließ. Schalke gewann 7-1. Meister wurde Gladbach, aber das 7-1 gegen Bayern ging als eine Sternstunde in die Geschichte der Liga ein.

  • User
  • 18.07.2010 00:27:02 Catilina

    Vielleicht stärkt so ein Aufenthalt das Zusammengehörigkeitsgefühl, sportlich dürfte der Ertrag gleich null sein. Erinnert an die Selbsterfahrungstrips, denen Manager sich unterziehen.

    Damals, in den 70ern, als Schalke seine Cracks für ein paar Wochen Soldat spielen ließ, war so ein Ausflug zum Militär auch deswegen nicht ohne Komik, weil Bundesligaspieler nur dann zur Bundeswehr eingezogen wurden, wenn sie es (wie z.B. Kalle Rummenigge) wirklich drauf anlegten, ihren Wehrdienst abzuleisten. Beckenbauer war nur das prominenteste Exempel eines Leistungssportlers, der als untauglich ausgemustert wurde.

  • User
  • 18.07.2010 08:08:39 Andreas Blenke

    Paßt aber irgendwie zum Meijer, und zu Aachen. Bei der Alemannia seh ich vor meinem geistigen Auge eh immer eine abgegriffene Praline-Ausgabe in der Mannschaftskabine rumliegen.

  • User
  • 18.07.2010 09:30:53 S Block

    Was ich vor meinem geistigen Auge sehe, wenn ich an MG denke, sag ich lieber nicht.

  • User
  • 18.07.2010 11:57:15 ColePorter

    Ähnlich gehts mir mit der Alemannia.

    Zumal man die sportlich eh aus dem Sichtfeld verloren hat. Jetzt müssen sich die armen Jungs schon mit Dreck einsauen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

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