Was für ein Typ Plattenkäufer waren Sie denn?Ich hing viel auf Flohmärkten rum. Schnell mit dem Finger in die Kiste – kenn ich, hab ich, ah, eine kleine Perle, handeln, fertig. Als die CD aufkam, herrschte Goldgräberstimmung in den Plattenläden, denn die Leute dachten, das Vinyl würde vom Markt verschwinden. Da habe ich oft Ramschposten gekauft, Kartons mit 200 bis 300 Platten. Das waren Glückskäufe, und nicht immer wusste ich, welche Musik mich erwartet.
Kennen Sie die Geschichte von Warren Hill?Der die Velvet-Underground-Scheibe kaufte?
Auf einem New Yorker Flohmarkt fand er eines Tages eine Scheibe mit dem ominösen Aufdruck »Velvet Underground. 4-25-66. Att N. Dolph«. Er kaufte sie für 75 Cent und stellte später fest, dass es sich um eine Dubplate des ersten Velvet-Underground-Albums handelte. Davon soll es nur zwei Stück weltweit geben. Er verkaufte sie für 25.000 Dollar.Fantastisch, nicht wahr? Ich habe zwar auch einige besondere Editionen im Schrank, etwa vom weißen Beatles-Album, doch ich denke nicht, dass ich auf einem ähnlichen Schatz sitze.
Haben Sie Ihre Sammlung denn nie katalogisiert?Das haben andere für mich gemacht.
Andere?Vor einigen Jahren habe ich zwei Studenten damit beauftragt. Die sind sämtliche Platten alphabetisch durchgegangen und haben sie in einem Dokument erfasst. Das war eine Heidenarbeit.
>> Bildergalerie: Ey, Digger! – Fußballer und ihre Schallplattensammlungen Welche Musik haben Sie denn früher am liebsten aufgelegt?Ich bin Jahrgang 1951 und Mitte der Sechziger über die Beatles und Stones zur Musik gekommen. Damals waren Tonträger beinahe überlebenswichtig
(lacht). Es gab ja nur drei oder vier Radiosender, und die dudelten immer das gleiche Zeugs.
Und heute?Heute höre ich auch gerne Jazz und Soul. Auch moderne Pop- und Rockmusik. Super finde ich zum Beispiel den Song »Heart Shaped Gun« von der Sängerin Schmidt. Ich kaufe mir auch häufiger die Musik-Zeitschriften. In einer stand letztens eine Liste mit den besten 50 Singles aller Zeiten, die habe ich mir alle auf meinen iPod gezogen.
Sie haben dem Vinyl abgeschworen?Ich finde es schön, dass das Vinyl überlebt hat, hier in Wiesbaden hat kürzlich erst wieder ein charmanter Laden aufgemacht. Ich lege heute seltener auf, manchmal gleiten meine Finger noch in Flohmarktkisten und ziehen vergessene Stones-Platten raus. Das fühlt sich immer noch gut an. Trotzdem höre ich heute hauptsächlich über meinen iPod Musik. Da sind über 50.000 Songs drauf.
(Pause) Was natürlich auch irgendwie Quatsch ist – wann will ich das denn alles hören?