22.01.2013

Zweitligalegende Werner Nickel über 10.000 Schallplatten

»Die fühlen sich immer noch gut an«

Zweitligalegende Werner Nickel (u.a. Stuttgarter Kickers und FC St. Pauli) sammelt seit über 30 Jahren Schallplatten. Zwischenzeitlich besaß er 10.000 Scheiben. Ein Gespräch über Platzmangel, Flohmärkte und Charly Dörfel.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Werner Nickel, kennen Sie Charly Dörfel?
Klar. Als ich beim FC St. Pauli spielte, haben wir uns ein paar Mal bei mir getroffen und Platten aufgelegt. 

Experten unter sich.
Kann man so sagen. Charly war ein lustiger Vogel. Er besaß damals aber schon mehr Schallplatten als ich.
 
Er sagt, dass er 23.000 Schallplatten besitzt.
Ich hatte damals 10.000 Stück, 5000 Singles, 5000 LPs. Einsortiert in einem sieben Meter langen und zwei Meter hohen Regal. Die Singles habe ich aus Platzgründen irgendwann verscherbelt. Aktuell besitze ich etwa 7000 Platten und 5000 CDs. Ich habe ein schönes Regal, da sieht man das Holz gar nicht, sondern hat das Gefühl, dass die Platten an der Wand schweben.
 
Dörfel muss auch damals schon sehr beeindruckt von Ihrem Einrichtung gewesen sein?
Warum?
 
Sie sollen damals in Ihrer ganzen Wohnung Lautsprecherboxen aufgestellt haben.
Ja, stimmt. Die Boxen standen überall, im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, sogar in Bad und Küche. Ohne Musik ging es einfach nicht.

>> Bildergalerie: Ey, Digger! – Fußballer und ihre Schallplattensammlungen

Kaum vorstellbar, dass sich heutige Fußballer mit so viel Hingabe einem Hobby zuwenden.
Damals, in den siebziger Jahren, war die Fußballwelt ja auch noch eine andere. Ich war jedenfalls kein Profi im heutigen Sinne. Ich studierte Anglistik, Sport und Pädagogik, nebenher kickte ich in der Zweiten Liga für Vereine wie den FC St. Pauli, Mainz 05, Waldhof Mannheim oder die Stuttgarter Kickers. Wenn man so will, war Fußball mein eigentliches Hobby.
 
Sie haben über 250 Zweitligaspiele gemacht und 85 Tore geschossen. Keine schlechte Quote. Wieso rief nie ein Bundesligist an?
Ich hatte zu Beginn meiner Karriere eine Anfrage von Hannover 96, doch das Angebot aus Hamburg reizte mich mehr. Es gab ein kleines Handgeld und der FC St. Pauli hatte Bundesliga-Ambitionen. Zweimal scheiterten wir knapp in der Aufstiegsrunde. Schön war auch die Zeit bei den Stuttgarter Kickers, wo ich mit Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald und Karl Allgöwer gekickt habe.
 
Auch Plattensammler?
Nein, auf den Fahrten musste ich immer den DJ machen.
 
Mit einem portablen Plattenspieler?
Leider nein. Aber damals kam ja die MC (Music-Cassette, d. Red.) auf den Markt. Sie kennen das: Platte auflegen, Kassette rein, aufnehmen und dann so lange hören, bis das Band nudelt.

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