08.12.2006

Zvjezdan Misimovic im Interview

„Mein Traum: Ein Tor gegen Kahn“

Zvjezdan Misimovic ist der Hoffnungsträger des erstarkenden VfL Bochum. Im Gespräch mit 11freunde.de erzählt er von seinem Lehrmeister Hermann Gerland, der harten Zeit in Liga 2 und seiner großen Kunst - dem Freistoßschießen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago


Früher gab es keine Plastikmauern. Die fußballerischen Grobmotoriker einer Mannschaft mussten die Mauer mimen. Hatten Sie je Mitleid mit einer Mauer?

Ich wäre jedenfalls nicht gerne in der Mauer gestanden (lacht). Bei mir hatten die Jungs aber wenig zu befürchten, da ich nie mit Absicht in die Mauer zielte und meistens versucht habe, den Ball über sie zu spielen.

Dann haben Sie auch noch keinen Spieler ins Krankenhaus oder zumindest vom Platz geschossen?

Zum Glück ist das noch nicht passiert.

Ein perfekter Freistoß zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er ...

...scharf und platziert geschossen wird und etwas Zählbares dabei heraus springt.

Muss er nicht auch in einer bestimmten Art und Weise ins Tor fliegen, damit Sie komplett zufrieden sind? Das Tor am Wochenende gegen Hamburg war zwar schön aber Stefan Wächter war noch am Ball dran. Wurmt das nicht?

Ob der Torwart noch dran ist oder der Ball abgefälscht wird, ehe er die Torlinie überquert, ist mir völlig egal. Den Schuss versuche ich natürlich so zu setzen, dass ihn niemand mehr berührt, bevor er theoretisch ins Tor fliegen soll.

Haben Sie nach dem Schuss ein besonderes Gefühl im Fuß, wenn der Ball perfekt getroffen wurde?

Das bemerke ich im Zweifel an der Flugbahn des Balles, wenn ich ihm nach dem Schuss hinterher schaue. Ein besonderes Prickeln habe ich nicht im Fuß.

Und spüren Sie manchmal noch vor dem Schuss, dass der Ball rein geht?

Ich bin ab und an überzeugt, dass ich den Freistoß verwandele.

Und geht es manchmal trotzdem daneben?

Es kann gar nicht immer klappen, da bin ich realistisch.

Haben Sie einen Freistoß schon einmal so verzogen, dass dabei ein Einwurf für den Gegner heraussprang?

Ein Einwurf für den Gegner sprang zum Glück noch nicht heraus, aber gefühlte Fieldgoals habe ich schon erzielt.

Wer ist momentan der gefährlichste Freistoßschütze der Welt?

Ganz klar, dass ist Juninho von Olympique Lyon. An ihn kommt keiner ran.

Und der beste aller Zeiten?

Ebenfalls Juninho. Seine Schusstechnik, die Flugbahn, die Bälle nach Freistößen von ihm vollziehen - dass ist schon einzigartig.

Und was halten Sie von Chilavert? Immerhin war er Torwart.

Das ist bemerkenswert. Ich glaube aber, dass er in Europa nicht so erfolgreich mit seinen Freistößen gewesen wäre.

Würden Sie sich trauen, einen Freistoß so zu schieben, wie es Ronaldinho gegen Bremen getan hat? Wäre die Mauer nicht gesprungen, hätte es ziemlich peinlich für den brasilianischen Superstar ausgesehen.

Dieses Selbstbewusstsein zeichnet große Spieler aus. Außerdem ist es notwendig, auch mal etwas zu riskieren. Und wer weiß, vielleicht hatte er sich vor dem Spiel eine DVD angesehen und gewusst, dass Werders Mauer hochspringt. Jedenfalls hat er den Ball eiskalt verwandelt.

Und die gegensätzliche Variante? Haben Sie schon mal einen Freistoß à la Ronald Koeman oder Massimilian Porcello, der kürzlich aus 45 Metern traf, abgefeuert?

Versucht habe ich das sicherlich schon mal. Dem Ball weniger Effet mitzugeben, ihn dafür mehr mit dem Vollspan zu treffen. Am Ende muss ich eingestehen, dass solche Distanzen zu weit für mich sind.

Der beste Freistoß aller Zeiten?

Spontan fällt mir David Beckhams Freistoß aus der WM-Qualifikation 2001 gegen Griechenland ein. Die eigene Nationalmannschaft in der letzten Spielminute zu einer Weltmeisterschaft zu schießen, ist nicht von schlechten Eltern. Dazu war es auch noch ein sehr schöner Freistoß.

Träumen wir einmal: Ihr ganz persönlicher Freistoßtraum sieht wie folgt aus...

Allianz-Arena. 90. Minute. Spielstand 0:0. Ich laufe an und erziele den Siegtreffer für den VfL Bochum. Und ganz wichtig: Im Tor steht Oliver Kahn ( lacht ).


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