08.12.2006

Zvjezdan Misimovic im Interview

„Mein Traum: Ein Tor gegen Kahn“

Zvjezdan Misimovic ist der Hoffnungsträger des erstarkenden VfL Bochum. Im Gespräch mit 11freunde.de erzählt er von seinem Lehrmeister Hermann Gerland, der harten Zeit in Liga 2 und seiner großen Kunst - dem Freistoßschießen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago


Sie waren letzte Saison maßgeblich am Wiederaufstieg beteiligt. Ein entscheidendes Jahr für ihre Kariere?

Zuerst wollte ich nicht in die 2. Bundesliga. Ich habe befürchtet, dass meine Chancen in der Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas als Zweitligaspieler erheblich sinken würden. Die letzte Saison hat nicht nur mich sondern auch die gesamte Mannschaft stärker gemacht. Wir mussten ständig gewinnen. Diesem Druck hat die Mannschaft standgehalten.

Oft sprechen junge Spieler davon, dass sie sich in der 2. Bundesliga die nötige Härte geholt haben.

Sicher habe ich in der 2. Bundesliga mehr auf die Füße bekommen als in der Bundesliga. Im Unterhaus wird eine andere Spielweise verlangt. Zuerst wird dagegengehalten, ehe nach 70 Minuten vielleicht noch spielerische Elemente in die Waagschale geworfen werden. Dass wussten wir aber.

Klingt, als hätten Sie sich vor besagter Zweitligasaison bewusst vorgenommen, härter und aggressiver zu spielen. Das Ergebnis: Neun gelbe Karten und zwei gelb-rote Karten. Für einen offensiven Mittelfeldspieler gar nicht schlecht.

Dass ich mich in der 2. Liga wehren musste war klar. Dort weht ein rauer Wind. So kommen dann neun gelbe Karten zustande. Bei den gelb-roten Karten gingen die Emotionen leider mit mir durch. Elf Karten für einen offensiven Mittelfeldspieler sind aber sicher nicht an der Tagesordnung, das stimmt (lacht).

In dieser Saison läuft es für Sie persönlich recht gut. Ihr Verein kämpft sich nun langsam nach oben, dank ihrer Freistöße. War ihnen vor der Saison klar, dass ihre ruhenden Bälle überlebenswichtig für den VfL werden könnten?

Ich freue mich, dass ich durch meine Fähigkeiten am ruhenden Ball zum momentanen Erfolg beitragen kann. Unserer Mannschaft war klar, dass Standardsituationen sehr wichtig für uns sein könnten. Zu Beginn der Saison haben wir diesbezüglich wenig zu Stande gebracht, was sich zum Glück gebessert hat.

Wie oft legen Sie Sonderschichten ein, um den Ball über die Plastikmauer zu zirkeln?

Letzte Saison habe ich sehr viel trainiert und nur ein Tor per Freistoß erzielt. Bei dieser mickrigen Ausbeute habe ich es in dieser Saison bleiben lassen. Mit Erfolg, immerhin habe ich schon zwei Freistöße direkt verwandeln können (lacht). Aber im Ernst: Die Situation zwischen Training und Spiel ist nicht vergleichbar, weshalb Freistöße auch nicht wettkampfnah zu trainieren sind. Der Druck und die Fans fehlen im Training. Im Fuß hat man es sowieso - oder eben nicht.

Freistoßtraining ist also sinnlos?

Das würde ich so nicht unterschreiben. Im Training kann man die Durchführung eines Freistoßes sehr gut üben. Es bringt im Spiel Sicherheit, wenn der Ablauf automatisiert ist. Ich nehme beispielsweise immer vier Schritte Anlauf und laufe in einem bestimmten Winkel zum Ball an.

In ihren Teams avancierten Sie immer schnell zum Freistoßschützen.

Ich habe eigentlich immer Freistöße getreten. Ab der B-Jugend habe ich meine Technik auch gezielt trainiert und mir nach den Übungseinheiten oft einen Torhüter geschnappt.

Worin lag der Reiz, dass Sie Freistöße schießen wollten? Gab es einen Spieler, den Sie wegen seiner Freistoßtechnik bewunderten?

Sinisa Mihajlovic fand ich sehr gut. Er verwandelte einmal in einem Spiel drei Freistöße. Und natürlich bewundere ich Juninho für seine Art, Freistöße zu schießen. Er hat in Frankreich schon über 30 davon verwandelt.

Ist ihre Quote im Training noch besser als im Spiel?

Natürlich, ich erwähnte ja bereits, dass Training und Spiel nicht vergleichbar sind. Im Training haut man dem Keeper von zehn Schüssen sechs oder sieben rein. Wichtig ist, dass platziert geschossen wird.

Schon mal eine Trainingsmauer zerschossen?

Nein, bis jetzt noch nicht. Aber ich gehöre auch nicht zu der Fraktion von Freistoßschützen, die den Hammer herausholt. Ich schlenze den Ball lieber über die Mauer oder ins Torwarteck.

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