Zvjezdan Misimovic im Interview

»Wolfsburg bleibt die graue Maus«

Zvjezdan Misimović war jahrelang einer der besten Mittelfeldspieler der Bundesliga – bis er kurz vor der Saison überraschend zu Galatasary Istanbul wechselte. Wir sprachen mit ihm über türkische Verkehrsteilnehmer und ein neues Image. Zvjezdan Misimovic im Interview

Zvjezdan Misimović, Ihr neuer Trainer bei Galatasaray Istanbul heißt Gheorghe Hagi. Wie trainiert es sich so von Spielmacher zu Spielmacher?

Er weiß ganz genau, welche Schwierigkeiten und Ansprüche diese Position mit sich bringt, schließlich war er selbst einer der besten Spielmacher aller Zeiten. Für mich ist das ein klarer Vorteil.

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Als Spieler war Hagi auch für seine Disziplinlosigkeiten bekannt. Wie ist er als Trainer?

Ganz anders. Er legt sehr viel Wert auf Disziplin und Teamwork. Ich glaube nicht, dass der Spieler Hagi beim Trainer Hagi sehr viele Spiele gemacht hätte.

Sie sind vor der Saison vom VfL Wolfsburg nach Istanbul gewechselt. Was unterscheidet Ihren neuen von Ihrem alten Job?

Der Druck ist größer. Hier gibt es jeden Tag vier bis fünf Live-Sendungen, in den ausschließlich über den Verein diskutiert wird. Und die Fans sind ein ganz anderes Kaliber. Extrem fanatisch, die akzeptieren es nicht, wenn du dich nicht auf dem Platz zerreißt.

Warum eigentlich Istanbul? Es heißt, Sie hätten auch einige andere Angebote vorliegen gehabt.

Vor fünf Jahren war ich mit der bosnischen Nationalmannschaft das erste Mal in Istanbul und ich habe mich gleich in die Stadt verliebt. Und Gala ist nun einmal einer der bekanntesten Fußball-Vereine der Welt. Deshalb bin ich hier.

Was macht Istanbul als Stadt so reizvoll?

Hier wird jeder Geschmack bedient. Die Basare und die Moscheen sind wirklich beeindruckend und die Lage am Bosporus sowieso. Eigentlich stört mich hier nur eine Sache.

Und zwar?

Der Verkehr! Während wir telefonieren stehe ich im Stau, da geht gar nichts. Und wenn mal Platz ist, wird aus einer dreispurigen Straße eine sechspurige. Ich bin jeden Abend heilfroh, wenn ich meinen Wagen ohne Blechschaden vor der Haustür parken kann.

Ihr Wechsel kurz vor Saisonbeginn hat einige Fragezeichen hinterlassen. Wie lief das damals ab?

Ich wollte weg aus Wolfsburg. Der VfL war damit einverstanden, allerdings unter der Voraussetzung, dass sie einen geeigneten Nachfolger für mich präsentieren. Der wurde mit Diego erst spät gefunden. Die Situation war für beide Seiten nicht angenehm: Wolfsburg konnte sich nicht anständig mit der kompletten Mannschaft vorbereiten und ich saß zwischen den Stühlen.

Es hieß, Sie wären sehr gerne zum FC Schalke 04 gegangen, wo Ihr alter Trainer aus Wolfsburger Meisterzeiten, Felix Magath, trainiert.

Das ist korrekt. Ich hätte gerne weiter mit Magath zusammen gearbeitet. Dass der Wechsel letztlich nicht zu Stande kam, hat nicht an mir gelegen.

Sondern?

Schalke und Wolfsburg konnten sich nicht einigen. Jetzt bin ich in Istanbul und glücklich damit.

Warum wollten Sie eigentlich weg aus Wolfsburg? Geld ist genügend vorhanden, gute Mitspieler und ein namhafter Trainer auch.

Trotzdem bleibt Wolfsburg immer die graue Maus der Bundesliga, dieses Image lässt sich nun einmal nicht so leicht abstreifen. Istanbul ist eine Weltstadt, Galataray ein Weltverein. Die Unterschiede sind groß. 

Sie sind in den vergangenen Jahren immer einer der besten Mittelfeldspieler der Bundesliga gewesen. Fühlten Sie sich in der Wolfsburger Provinz unterschätzt?

Vielleicht. Es ist ein Unterschied, ob man in Wolfsburg 15 Tore schießt, oder in München.

Spüren Sie diese neue Aufmerksamkeit auch von Ihren neuen Fans?

Natürlich. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Am fünften Spieltag hatten wir mit Gala ein Auswärtsspiel in Izmir, bei Bucaspor. Das sind fast 600 Kilometer. Und von den 40.000 Menschen im Stadion waren 35.000 aus Istanbul! Wenn wir mit dem VfL Wolfsburg ein Auswärtsspiel in Freiburg hatten, saßen acht Gästefans auf der Tribüne. 

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