08.12.2006

Zvjezdan Misimovic im Interview

„Mein Traum: Ein Tor gegen Kahn“

Zvjezdan Misimovic ist der Hoffnungsträger des erstarkenden VfL Bochum. Im Gespräch mit 11freunde.de erzählt er von seinem Lehrmeister Hermann Gerland, der harten Zeit in Liga 2 und seiner großen Kunst - dem Freistoßschießen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Vielen jungen Talenten, die beim FC Bayern von Hermann Gerland trainiert wurden, gelang es, sich im Profifußball zu etablieren. So auch Ihnen. Vermittelt er die elementaren Eigenschaften, die Profifußballer nötig haben, besser als andere?

Hermann Gerland war selbst Profi und lange Trainer in der Bundesliga. Er weiß, wie es im Profigeschäft abläuft und welche Eigenschaften ein Spieler benötigt, um sich als Profi zu etablieren. Was ich sehr an ihm schätze, ist seine ehrliche und direkte Art. Gerland teilt seinen Spielern sofort mit, was ihn stört, auch wenn sie die Wahrheit manchmal nicht hören wollen.

Aber eine realistische Einschätzung der eigenen Leistung zu erhalten, ist doch eine gute Sache.

Natürlich, doch manchmal auch eine unangenehme, gerade für junge Spieler. Wenn ein Talent bei ihm ankommt und der Meinung ist, dass es schon viel erreicht hätte, sorgt Gerland schnell für Bodenhaftung. Dafür ist er der richtige Typ. Mir persönlich musste er ab und an auch in den Hintern treten, was im Nachhinein gar nicht schlecht war.

Hermann Gerland war auch lange Trainer in Bochum. Hat er Ihnen 2004 zum Wechsel an die Castroper Straße geraten?

Richtig, er vermittelte mir damals, dass Bochum eine gute Adresse für mich und meine weitere sportliche Entwicklung wäre. Er stellte dann auch den Kontakt her. Ich habe nicht bereut, damals auf den Rat von Gerland gehört zu haben.

Wieso der Wechsel zur vermeintlich „grauen Maus“ im Ruhrpott? Es gab sicherlich andere Angebote für einen talentierten Rohdiamanten des FC Bayern.

Sicherlich gab es auch andere Angebote. Ich war vor meinem Wechsel mehrmals hier gewesen und habe mir alles angeschaut. Dazu passte die sportliche Situation und Perspektive. Ich kam zu der Entscheidung, dass ich am besten nach Bochum passte.



Für die Bayern absolvierten Sie davor 15 Bundesligaminuten. Woran haben Sie als junger Spieler festgemacht, dass es besser wäre das Schlaraffenland in München zu verlassen?

Am Anfang war es schön, mit den großen Stars zu trainieren und von ihnen zu lernen. Doch irgendwann wollte ich regelmäßig spielen, mich weiterentwickeln. In München war die Chance dazu nicht sehr groß. Es bringt auch nichts, sich mit ein paar Kurzeinsätzen beim großen FC Bayern zu begnügen.

Ein langwieriger Abnabelungsprozess?

Als für mich klar war, dass ein Vereinswechsel sinnvoll wäre, habe ich mich schnell für den VfL Bochum entschieden. Die Chance zu spielen war viel größer, ich wollte mich einer neuen Situation stellen und mich beweisen. Das war keine schwere Entscheidung.

In Bochum bekamen Sie endlich die Chance, sich zu bewähren. Es scheint, dass ihnen der Schritt in die Bundesliga leicht fiel. Immerhin haben Sie in ihrer ersten Saison 31 Einsätze verzeichnen können.

Man darf nicht vergessen, dass ich bereits Nationalspieler für Bosnien-Herzegowina war, als ich nach Bochum kam. Ich konnte also etwas Erfahrung vorweisen. Mit 31 Einsätzen war ich am Ende durchaus zufrieden.

Was Sie in ihrer ersten Bundesligasaison durchmachten, erleben manche Profis in ihrer gesamten Kariere nicht. Den unglücklichen Knockout im UEFA-Cup gegen Standart Lüttich, von dem sich die Mannschaft nicht mehr erholen konnte und am Ende gar abstieg, erlebten Sie auf dem Platz. Sie wurden kurz vor dem Ausgleichstreffer für Lüttich eingewechselt.

Ich war total geschockt, wie alle anderen auch. Wir waren in beiden Partien die bessere Mannschaft. In der 90. Minute kassierten wir ein dummes Gegentor und schieden aus.

Das dumme Gegentor entwickelte sich zu einem Trauma. Wieso kann sich ein Profiteam von einem sicherlich ernüchternden und entscheidenden Gegentreffer über eine gesamte Saison nicht mehr erholen?

Schwer zu sagen, aber ich möchte unseren Abstieg 2005 eigentlich nicht auf dieses Gegentor zurückführen. Profis müssen Niederlagen verarbeiten und mit Niederlagen umgehen. Wir hatten und haben jede Woche die Chance, uns neu zu beweisen. Vor zwei Jahren wurde dieses Tor von den Medien als Grund unserer Misere festgemacht, vielleicht ist es uns deshalb schwerer gefallen, es zu vergessen.

Als junger und neuer Spieler waren Sie in solch einer Situation ohnmächtig.

In der Vorrunde kam ich meistens von der Bank, da war es für mich, mit damals 22 Jahren eigentlich unmöglich, Einfluss zu nehmen. Sicher habe ich versucht, den anderen zu helfen, aber in der Mannschaftshierarchie war ich noch nicht so weit oben, dass ich das Zepter hätte übernehmen können. In der Rückrunde, als ich Stammspieler wurde, ging es dann etwas besser.

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