Zur neuen Stadionordnung des BVB

»Die Südtribüne ist kein Platz für kleine Kinder«

Borussia Dortmund ist mit einer neuen Stadionordnung in die Saison gestartet. Diese schränkt das Zugangsrecht von Kleinkindern ins Westfalenstadion ein – die Südtribüne ist für sie tabu. Darüber sprachen wir mit Bruno Reckers, einem der bekanntesten BVB-Fans, der sein erstes Spiel 1964 als 10-Jähriger verfolgte und noch heute auf der Südtribüne steht.

Bruno Reckers, als Sie 1964 Ihr erstes Spiel von Borussia Dortmund sahen, waren Sie gerade einmal zehn Jahre alt. War es nicht gefährlich, sich als kleiner Steppke unter die Fanmassen zu mischen?

Das war gar kein Problem. Die Borussia hat damals noch im Stadion Rote Erde gespielt. Und wann war das denn mal ausverkauft? Vielleicht zweimal im Jahr. Außerdem war das Stadion weitläufig. Die Hardcore-Fans, sofern man für damalige Verhältnisse davon sprechen konnte, standen in der Nordkurve. Weiter unten am Zaun, der an die Aschenbahn grenzte, standen Familien mit ihren Kindern. Die konnten sich dort problemlos breitmachen. Es war noch so viel Platz im Stadion, dass dort sogar Bierstände und Würstchenbuden aufgebaut waren.

Im Ernst?
Man hätte da auch einen LKW parken können. Als ich mir meine ersten Borussen-Spiele anschaute, waren vielleicht 5000 Zuschauer da – in einem Stadion, das für  bis zu 40.000 Zuschauer Platz bot.


Die Borussia spielt schon lange nicht mehr im Stadion Rote Erde, sondern im Westfalenstadion. Auf der Südtribüne, wo die treusten BVB-Anhänger stehen, dürfen sich seit dieser Saison keine Kinder unter sieben Jahren mehr aufhalten. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?
Die Südtribüne ist kein Platz für kleine Kinder. Dort ist alles viel zu eng. Das kann man nicht mehr mit früher vergleichen. Ich bin mit 14 Jahren alleine nach Kaiserslautern zum Auswärtsspiel gefahren, aber damals standen Heim- und Gästefans teilweise noch im gleichen Block, ohne dass man sich darüber Gedanken machen musste. Heute geht alles etwas hektischer zu. Als wir dieses Jahr Meister wurden, haben einige Zuschauer versucht, den Platz zu stürmen. In so einer Situation will man sein Kind nicht dazwischen stehen haben.

In Internetforen haben sich Eltern zu Wort gemeldet, die mit ihren vierjährigen Kindern die Meisterschaft auf der Südtribüne gefeiert haben.
Ich habe in meinem Block noch keine Kinder gesehen, die ich auf unter sieben Jahre geschätzt hätte. Man muss das aber noch nicht mal vom Alter, sondern eher von der Größe abhängig machen. Ein Mensch unter circa 1,50 Metern sieht dort nichts. Und wenn ein Kind auf den Schultern seines Vaters sitzt, versperrt es den anderen Leuten die Sicht.

Überrascht es Sie, dass der BVB die neue Stadionordnung erst jetzt veröffentlicht hat?


Nein. Mir drängt sich da eher eine andere Frage auf: Warum muss man so etwas überhaupt festlegen? Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, ein Kleinkind nicht mit auf die Südtribüne zu nehmen. Dafür gibt es doch den Familienblock. Ein Kumpel von mir geht dort immer hin. Wenn seine beiden Kids einmal genug haben, können sie sich mit anderen Dingen beschäftigen. Kein Kind unter sieben Jahren schaut anderthalb Stunden lang konzentriert einem Fußballspiel zu.



Die neue Stadionordnung besagt auch, dass Kinder unter 14 Jahren nicht mehr ohne Begleitung ins Stadion dürfen. Wie stehen Sie dazu? 


Ein 13-Jähriger kann schon entscheiden, ob er alleine ins Stadion gehen will. Außerdem ist das ohnehin schwer zu kontrollieren. Die Kinder von heute sind schlau. Wenn sie noch keine 14 sind, sprechen sie vor dem Stadion eben einen älteren Zuschauer an, der sie mit ins Stadion nimmt. Da gibt es genug, die das unterstützen würden. Oder sie geben vor den Ordnern an, dass ihr Erziehungsberechtigter später nachkommt. Wenn man seinen Verein liebt, sollte man die Möglichkeit haben, ihn auch schon in jungen Jahren  zu unterstützen. Es muss ja nicht die Südtribüne sein.

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