Zum Weltfernsehtag (1): Gaby Papenburg über »ran«

»Die rote Jeansjacke ist heilig«

Als »ran« 1992 auf Sendung ging, war die Irritation groß: Der Moderator trug eine Jeansjacke und die Spielerfrauen schienen interessanter als der Ball. Gaby Papenburg war dabei.

Heute ist Weltfernsehtag. Wir feiern das mit ein paar Klassikern zum Thema. Lest heute vier Interviews aus unserem Archiv: Heribert Faßbender über die »Sportschau«, Wolfgang Ley über »Eurosport«, Gaby Papenburg über »ran« und Ulli Potofski über »Anpfiff«. Gesammelt findet ihr alle Interviews hier.

Gaby Papenburg, stimmt es eigentlich, dass Reinhold Beckmann vor der ersten »ran«-Sendung eine Index-Liste von altbackenen Wörtern und Phrasen an das Team ausgab?

Die gab es. Allerdings galt diese Liste eher für die Kommentatoren.

Was durfte nicht mehr gesagt werden?
Das fassbendersche »N’Abend allerseits« war natürlich verpönt. Zudem Phrasen wie »Olaf Thon steht heute auf dem Prüfstand« oder »Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen«. Schlimm auch Redundanzen wie »Die nachfolgende Ecke brachte nichts ein«. Bei Ernst Huberty gingen bei solchen Nullsätzen die Alarmglocken an.

Bei Ernst Huberty?
Er war einer von unseren Rhetorik-Trainern, die Reinhold Beckmann für die Sendung engagiert hatte. Das mag verwunderlich klingen, schließlich kam Huberty von der ARD, also von dort, wo dieser Sprech sich über Jahre verselbständigt hatte. Doch Huberty war ein extrem guter Lehrer, und ich glaube, er hatte stets genügend Distanz zu dem Thema, um Plattitüden und Worthülsen einschätzen zu können.

Sie verabschiedeten sich allerdings nicht nur vom »Sportschau«-Vokabular. Was gerade zu Beginn für Verwirrung sorgte, war die große Anzahl an Kameras.
Das war eines unser Hauptanliegen. Wir wollten mit den Gepflogenheiten brechen, ein Spiel mit zwei oder drei Kameras zu erzählen. Bei »ran« hatten wir in Hochzeiten ja bis zu elf Kameras. 

Kritiker nörgelten, dass »ran« diese ausschließlich dafür verwendete, um die Ränge abzufilmen?
Das war ja kein Geheimnis. Und das rief damals natürlich etliche Fußballpuristen auf den Plan, die meinten, dieser Schickimicki-Rattenschwanz gehöre nicht zum Fußball. Nach dem Motto: »Wichtig ist auf dem Platz.« Das war auch unser Credo: Natürlich ist wichtig auf dem Platz, doch wichtig ist eben auch neben dem Platz. Und daher scannte ein Kamerateam 90 Minuten die Ränge, und wenn was Interessantes passierte, dann hielten sie die Kamera drauf. Die restlichen Kameras waren aber auf dem Spielfeld, neun oder zehn Kameras. So konnte ein Spiel viel dichter und rasanter erzählt werden. Wir orientierten uns somit an dem Versuch, den RTL zuvor mit »Anpfiff« unternommen hatte, die unserer Meinung nach schon vieles richtig gemacht hatten.

Auf das »Sportschau«-geschulte Auge wirkte das neue Tempo gewöhnungsbedürftig.
Vielleicht haben wir den Zuschauer anfangs überfordert. Allerdings schien sich das Publikum schnell daran gewöhnt zu haben, nach einigen vernichtenden Kritiken in der Presse, gab es fast nur noch positives Feedback. Wobei ich nicht weiß, ob uns die Redaktionsassistenten die negativen Kritiken unterschlagen hat. (Lacht.)

Sie gehörten neben Nachwuchsmoderator Johannes B. Kerner und dem Gründer Reinhold Beckmann zum ersten Team von »ran«. Wie kamen Sie in das Team?

Als Reinhold Beckmann bei Sat1 anfing, arbeitete ich bereits bei dem Sender. Ich war in der Sportredaktion tätig und hatte diverse Sportübertragungen moderiert. Schon kurz nach seinem Eintritt bei Sat1 sagte Reinhold mir, dass er gerne eine Frau im Team hätte und dass ich diese sein sollte.



Seit Carmen Thomas’ »Schalke 05«-Fauxpas im »Aktuellen Sportstudio« hatte keine Frau mehr eine Fußballsendung moderiert. Wie hoch war der Druck?
Eine gewisse Nervosität vor meiner ersten Sendung im September 1992 war durchaus vorhanden. Zumindest war da die Sorge, dass die Männerwelt meine Moderation nicht annehmen könnte.

Und dann trötete Peter Neururer noch: »Ach, jetzt versucht's wieder mal eine Frau. Sollte die doch besser lassen.«
Ach, der Peter. (Lacht.) Das meinte der nicht so. Er hat diesen Satz damals in seiner typisch-flapsigen Art gesagt, und somit nahm ich das nicht persönlich. Ich hatte jedenfalls nie das Gefühl, dass er mir bei Interviews Steine in den Weg legte oder mich in irgendeiner Art sabotierte.

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