Zum Geburtstag: Roy Makaay im großen Karriere-Interview

»Meistens stand ich da, wo ich nicht hätte stehen sollen«

Roy Makaay feiert diese Woche seinen 40. Geburtstag. Im 11FREUNDE-Interview sprach das »Phantom« über Partys mit Brazzo, die Cousine von Schweini und 100 Tore pro Saison.

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Roy Makaay, in einem Interview hat Ihr ehemaliger Mitspieler Ruud van Nistelrooy einmal sein Lieblingsgeräusch beschrieben. Es sei der Sound, wenn der Ball mit voller Wucht im Tornetz lande: Zwosch! Was hören Sie am liebsten?
Was Ruud da sagt, klingt schon ziemlich gut. Leider scheinen nicht alle Platzwarte ein Herz für Torjäger zu haben: Bei den Bayern waren die Netze beispielsweise immer so hart gespannt, dass der Ball direkt wieder aus dem Tor flog. Das war eher ein »Zwuff« als ein »Zwosch«.

Welches Geräusch haben die Tore gemacht, als Sie ein kleiner Junge waren?
Häufig so eine Art »Peng«, wenn der Ball auf das Blech eines parkenden Autos prallte. Der Parkplatz gleich neben unserem Haus war als Bolzplatz ideal, schließlich waren die meisten Autos unterwegs, unsere Väter waren damit zur Arbeit gefahren. Es gab auch einen richtigen Platz, aber der war meistens voller Hundescheiße. Hat uns damals aber auch nicht wirklich gestört. Das Spiel war ohnehin erst zu Ende, wenn die Mütter uns zum Abendessen ins Haus riefen.

Was ist Ihre früheste Erinnerung als Fußballfan?
Nicht unbedingt die früheste, aber die intensivste war sicherlich die Europameisterschaft 1988, ganz besonders das Halbfinale gegen die Deutschen. Ich war 13 und saß mit meiner Familie vor dem Fernseher, als Marco van Basten Jürgen Kohler abkochte und kurz vor dem Schlusspfiff das entscheidende Tor schoss. Van Basten war ein unglaublicher Stürmer, der beste seiner Zeit und das Vorbild einer ganzen Generation – mich eingeschlossen.

Sie sind heute Trainer in der Jugendakademie von Feyenoord Rotterdam, die in den vergangenen vier Jahren zur besten Nachwuchsschule des Landes gewählt wurde – haben Sie eine ähnlich gute Ausbildung genossen?
Die Möglichkeiten von heute hatten wir nicht. Ich war schon 15, als ich zu einem Profiklub wechselte. Zuvor hatte mich VVV Venlo angefragt, aber die täglich anderthalb Stunden Hin- und Rückfahrt von meinem Wohnort Nijmegen waren mir zu heftig. Ich absolvierte zwei Trainingseinheiten bei NEC Nijmegen, aber die Verantwortlichen schickten mir nur einen Brief mit der Kernaussage: Du bist nicht gut genug. Glücklicherweise war ein Trainer aus meinem Amateurverein gleichzeitig Scout für Vitesse Arnheim. Er empfahl mich, und nach meinem ersten Übungsspielchen kam der inzwischen leider verstorbene Cheftrainer Bert Jacobs auf mich zu und sagte: »Du bleibst hier.«

Was haben Sie in Nijmegen falsch gemacht?
Gar nichts. Auch Trainer und Scouts können mal Fehler machen.

Sprechen Sie da aus Erfahrung?
Natürlich. Niemand ist davor gefeit, das Talent oder Potential eines jungen Spielers zu übersehen oder falsch einzuschätzen. Ich bin jetzt seit vier Jahren bei Feyenoord und habe bestimmt schon einen angehenden Profifußballer verabschiedet, der woanders geblieben wäre.

Fließen schon mal Tränen, wenn Sie einem Talent sagen: Sorry, das war’s für dich?
Nicht bei der U19, aber bei den Jüngeren kommt das vor. Das geht mir nahe, weil ich ja selbst mal auf der anderen Seite des Tisches gesessen habe und nachfühlen kann, was in den Jungs vorgeht. Außerdem: Wer sieht schon gerne kleine Jungs weinen? Aber wenn ich nicht in der Lage wäre, Fußballern mitzuteilen, dass sie nicht gut genug sind, bräuchte ich gar nicht erst Trainer zu werden.

Was für ein Typ Trainer sind Sie?
In erster Linie will ich, dass meine Spieler Spaß beim Fußball haben. Deshalb mache ich häufig Flachs im Training. Ohne dabei die Zügel schleifen zu lassen. Neulich führte meine U19 in einem Pokalspiel mit 2:1. In der Halbzeit bin ich trotzdem sehr laut geworden, weil ich spürte, dass die Mannschaft den Gegner nicht ernst nahm. Wer nicht in jedem Training und in jedem Spiel 100 Prozent geben will, ist nicht für den Profifußball geeignet.

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