01.04.2014

Zum 60. Geburtstag von Dieter Müller

»Ich war besessen«

Dieter Müller wird heute 60 Jahre alt. Zur Feier des Tages erinnern wir an den 17. August 1977, als der Kölner Stürmer beim 7:2-Sieg gegen Werder Bremen sechs Tore schoss.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Dieter Müller, sechs Tore in 90 Minuten. Hatten Sie nicht irgendwann Mitleid mit Werder-Torwart Dieter Burdenski?
Ach was. Erstens kannte ich den Dieter damals noch gar nicht so gut und zweitens war ich einfach besessen Tore zu schießen. Ich sage ihnen, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte acht oder zehn Tore zu schießen, dann ich hätte ich das auch gemacht.

Ihr Gegenspieler an diesem dritten Spieltag hieß Horst-Dieter Höttges, der Eisenfuß. Wie haben Sie es denn nur geschafft diesen herausragenden Verteidiger so an die Wand zu spielen?
Der Höttges, mit dem hatte ich auf dem Platz immer so meine Probleme. Im Weserstadion hat der nach allem getreten, was sich bewegt hat, da musstest du froh sein als Stürmer nicht auf der Bahre aufzuwachen. Auswärts war er dann lammfromm, hat sogar vor dem Spiel versucht mit mir netten Smalltalk über das Wetter zu machen. Das hat mich noch wütender gemacht. Typen wie Höttges, oder auch Detlef Pirsig dürften ja heutzutage gar nicht mehr Fußball spielen.


Und Sie, würden Sie noch Ihre Tore machen?
Ich wäre wohl immer noch für die ein oder andere Hütte gut. Das Spiel mag sich verändert haben, aber Stürmer mit guter Schusstechnik machen auch 2010 noch die Tore.

Franz Beckenbauer sagt: »Dieter Müller hat den siebten Sinn. Der haut uns selbst in den Prominentenspielen die Tore voll.« Was meint er damit?
Das ist schwer zu erklären. Entweder man hat diese Begabung Tore zu schießen, oder man hat sie nicht. Tony Woodcock hat mir mal erzählt, wie ich unseren damaligen Mitspieler Pierre Littbarski in einem Spiel kurz vor der Torlinie weggeschubst habe, um selbst den Treffer zu machen. Verstehen sie: Das war ich! Ein Besessener. Und natürlich habe ich auch deshalb so häufig eingenetzt, weil ich fantastische Mitspieler hatte...

...Heinz Flohe, Pierre Littbarski...
...und später in Bordeaux dieses unglaubliche Mittelfeld mit Tigana und Giresse. Wenn du solche Typen hast, mit so einem Gefühl für den richtigen Moment, den richtigen Pass, die richtige Flanke – dann brauchst du als Stürmer nur noch an der richtigen Stelle zu stehen.

Schöner Übergang zu Ihrem Namensvetter, Gerd Müller. Der hatte in der Saison 1977/78 nach zwei Spielen schon sechs Tore geschossen, sie als aktueller Torschützenkönig waren hingegen noch ohne Treffer.
Ich würde ihnen gerne sagen, dass ich den Bremern deshalb sechs Stück eingeschenkt habe, aber so war das nicht. Und zum Gerd: Für mich ein unerreichbarer Ausnahmespieler. Der hat überall seine Tore gemacht, auf jedem Level und zu jeder Zeit.

Weil er auch den »siebten Sinn« hatte?
Weil er vor allem beweglich war wie kein anderer Fußballer seiner Zeit. Wie der sich auf engstem Raum drehen konnte– das war unnatürlich. Und: Der Gerd war natürlich auch besessen, ein vom Tore schießen Getriebener.
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