Zum 50. Geburtstag: Ein Anruf bei Toni Polster

»Österreich hat meine Musik nicht verdient«

Doppelpack-Toni wird 50. Der Rekordtorschütze Österreichs sprach mit uns zu seinem Ehrentag über Geburtstagswünsche, seine Liebe zum 1. FC Köln und das Ende seiner musikalischen Karriere.

Toni Polster, was ist schlimmer: Nach drei Spieltagen bei Admira Wacker entlassen zu werden oder den 50. Geburtstag vor der Brust zu haben?
Das ist beides nicht schlimm. Älter werden wir alle, und dass es bei der Admira ein Ende genommen hat, war besser so.

Warum das?
Die Umstände für ein erfolgreiches Arbeiten waren einfach nicht gegeben. Der Sponsor wollte in die Aufstellung reinreden. Das habe ich natürlich nicht mit mir machen lassen. So kam es dann zum Bruch. Es lag ja nicht an meiner Leistung. Ich habe gute Arbeit abgeliefert.

Und die 50 macht Ihnen gar keinen Kummer?
Nein, warum denn? Ich habe ein wunderbares, privilegiertes Leben. Was sollte mich bekümmern?

Was wünschen Sie sich zu Ihrem Ehrentag?
Meine Mutter sollte wieder zunehmen, nachdem sie krankheitsbedingt viel Gewicht verloren hat in letzter Zeit. Und meinem Vater wünsche ich, dass er bald den Rollator wegstellen kann.

Sie selbst sind wunschlos glücklich?
Wie jeder sonst auch, hoffe ich natürlich gesund zu bleiben. Es wäre natürlich schön, wenn ich irgendwann noch einmal in der Bundesliga trainieren könnte. Ob in Deutschland oder Österreich. Aber das liegt nicht in meiner Hand. Deshalb mache ich mich da auch nicht verrückt.

Aus Ihrer Zeit in Deutschland sind Sie uns noch als durchaus feierlustig bekannt. Lassen Sie es heute ordentlich krachen?
Natürlich lasse ich es polstern. Aber im privaten Kreis. Zunächst mal steht ein Training mit meiner Mannschaft (SC Wiener Viktoria, d. Red.) an, die werde ich anschließend einladen. Am Abend feiern wir mit meiner Tennisrunde, und am Mittwoch hocken wir uns mit meiner Fußballtruppe zusammen.

Wenn Sie heute auf Ihre Karriere zurückblicken, was ist Ihnen besonders in Erinnerung?
Es gibt einiges, an das ich mich gern und mit Stolz erinnere. Den Torrekord von Hans Krankl in der Nationalmannschaft gebrochen zu haben, dreimal hintereinander Torschützenkönig in Österreich gewesen zu sein oder in Spanien 33 Saisontore erzielt zu haben. Ganz besonders für mich war aber, Österreich zweimal als Kapitän zur WM zu führen. Und auch die Ehrung als Österreichs »Sportler des Jahres« war in diesem Wintersport-verrücktem Land sicher etwas Außergewöhnliches.

Auf welche Ihrer neun Vereinsstationen blicken Sie am liebsten zurück?
Es waren zwei Stationen: Sevilla und Köln. In Sevilla hatte ich vor allem sportlich eine überragende Zeit. In Köln hat es einfach gepasst.

Warum lief es in Köln so gut für Sie?
Die Leute haben mir so viel Liebe und Leidenschaft entgegen gebracht. Ich habe mein Bestes gegeben, das auf dem Platz zurückzuzahlen. Und ich denke, es ist mir meistens gelungen.

In Köln haben Sie nicht nur sportlich, sondern auch musikalisch für Aufsehen gesorgt. Zum Beispiel im Duett mit den »Fabulösen Thekenschlampen«. Singen Sie denn auch heute noch?
Musik mache ich keine mehr. Österreich hat meine Musik nicht verdient. Ich habe mehrere goldene Schallplatten eingespielt und trotzdem spielen die Radiosender die Musik nicht. Und ich bin zu stolz, um wie ein Bettler daher zu kommen.


Auch im Fußball spielt Österreich der Musik hinterher. Für die WM in Brasilien konnte sich das ÖFB-Team einmal mehr nicht qualifizieren. Wann sehen wir »Austria« wieder bei einem großen Turnier?
Es ist wirklich schade, dass wir nicht bei der Weltmeisterschaft vertreten sind. Aber die Mannschaft und das Trainerteam leisten gute Arbeit. Und da das Teilnehmerfeld zur Europameisterschaft in Frankreich 2016 auf 24 aufgestockt wird, und jeweils zwei Mannschaften je Qualifikationsgruppe ein Ticket lösen, darf man doch davon ausgehen, dass auch Österreich wieder dabei ist.

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