Zlatan Bajramovic im Interview

„Schmerz ist nicht gleich Schmerz“

Zwar ziert sich Zlatan Bajramovic vor dem Wort Meisterschaft. Doch ein Mann, der mit gerissener Muskelfaser ein Tor macht, beißt sich auch bis nach ganz oben durch. 11freunde.de sprach mit einem der härtesten Hunde von Gelsenkirchen. Imago

Herr Bajramovic, nach dem Hinrundenspiel in Bielefeld, bei dem sie trotz einer Verletzung weiterspielten und auch noch ein Tor erzielten, sagten Sie nach Abpfiff in einem Interview: „Faserriss ist Faserriss“. Sind Sie ein harter Hund?

Wir hatten schon dreimal gewechselt, da konnte ich einfach nicht mehr raus - das hätte uns ja noch weniger gebracht. Deswegen habe ich wenigstens versucht, wie ein Hütchen dazustehen, und bin dann ab und zu leicht nach vorne getrabt. Dass mir dann das Tor gelingt, ist natürlich Glück. Aber ohne eine gewisse Einstellung geht gar nichts. Ich nehme immer wieder auch mit Schmerzen am Trainings- und Spielbetrieb teil und versuche, mich durchzubeißen.

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Wie schalten Sie in solchen Situationen den Schmerz aus?

Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Es gibt leichte Verletzungen, mit denen man trotzdem die volle Leistung bringen kann. Es gibt aber natürlich auch solche wie einen Muskelfaserriss, nach dem dann eigentlich gar nichts mehr geht. Man kann nicht mehr sprinten, nicht richtig in die Zweikämpfe gehen, sondern nur noch leicht traben. Und selbst das nur unter Schmerzen.

Ihr Spielfluss wurde in den letzten eineinhalb Jahren öfter durch Verletzungen unterbrochen. Waren Sie irgendwann wütend auf Ihren Körper?

Ich muss sagen, dass ich eigentlich noch Glück mit den Verletzungen hatte. Die zwei Faserrisse kurz nacheinander waren eigentlich die ersten schweren Verletzungen, seitdem ich in Schalke bin. Damit bin ich relativ zufrieden. Ich bin also nicht sauer auf meinen Körper, sondern höchstens mal auf mich, wenn ich mich nicht sorgfältiger um ihn kümmere. Man muss ihn einfach sehr clever pflegen, also vor und nach dem Spiel genauso wie vor und nach dem Training. Denn mein Körper ist schließlich mein Kapital.

Ihr Kollege Christian Pander, der nach 19 Monaten Verletzungspause in der Rückrunde eine furiose Rückkehr feiern konnte, hat sich nun schon wieder verletzt. Stoßen Sie solche Geschichten auch immer wieder an, sich um Ihren Körper zu sorgen?

Mit Sicherheit, ja. Ich frage mich in solchen Momenten immer, ob ich gerade alles richtig mache. Wobei natürlich gerade im Fußballgeschäft auch viel mit Pech zu tun hat. Ich kann mich nicht davor schützen, umzuknicken. Das geht nicht.

Hat man, gerade in einer Situation, in der man selbst eine Verletzung überstanden hat, Mitleid mit den maladen Kollegen?

Auf jeden Fall. Mit Christian Pander eben, der in der Hinrunde so ein Super-Comeback gegeben hat, und uns jetzt ganz immens fehlt. Zum Glück konnten wir die Spiele auch ohne ihn gewinnen. Aber jeder Spieler, der ausfällt, fehlt uns natürlich auch menschlich. Das ist bei Pander so, aber auch bei Kobiashvili und Gerald Asamoah. Allesamt ganz wichtige Spieler, die hoffentlich bald zurückkehren.

Eine wirklich angestammte Position wie Ihre Kollegen Lincoln, Bordon oder auch Pander haben Sie nicht. Sehen Sie sich als Allzweckwaffe?

Ich habe mir in der Vorrunde ein Stückweit Respekt erarbeitet. Ich habe bisher eine richtig gute Saison gespielt - damit kann ich zufrieden sein und bin es auch. Ich muss mich vor keinem verstecken, auch wenn ich keine absolut feste Position habe.

Auf welcher Position sehen Sie sich denn am stärksten?

Auf der 6er-Position. Aber ob wir mit zwei Sechsern spielen oder in der Raute ist eigentlich egal - das kann ich beides spielen. Im defensiven Mittelfeld bin ich sehr zufrieden.

Im Kampf um einen Stammplatz ist die Tatsache, dass sie keine feste Position haben, nicht gerade ein Herausstellungsmerkmal.

Ich sehe das gerade im Mittelfeld eher als Vorteil. Ich habe auf allen Positionen konstant meine Leistung gebracht, und das ist alles, was zählt. Ich mache mir keine Gedanken, dass ich flexibel einsetzbar bin. In Aachen habe ich sogar als rechter Verteidiger gespielt. Ich will spielen, das ist das wichtigste. Aber ich bin auch Realist: Wir sind im Mittelfeld so gut besetzt, dass es jeden mal treffen kann.



In Schalke ging es in der Hinrunde hoch her. Es gab zahlreiche Mini-Skandale, Störfeuer und den Presseboykott. Wie turbulent haben Sie die Zeit erlebt?

Es sind Dinge passiert, von denen ich nie erwartet hätte, dass sie so passieren. Aber ich hake so etwas immer schnell ab und konzentriere mich darauf, dass es weiter nach vorne geht.

Haben Sie den Presseboykott als angenehm empfunden?

Das war eine einmalige Sache, die wir da gestartet haben.Ob der gleichzeitige sportliche Erfolg allein daran lag, weiß ich nicht. Aber ich persönlich habe es als sehr angenehm empfunden - und als Team hat es uns zusammengeschweißt.

Wie haben Sie den Moment erlebt, in dem Levan Kobiashvili eine Sekunde nach Beendigung des Kollektivschweigens im Stadion das 2:0 gegen die Bayern erzielte?

Es war mit Abstand das Lauteste, was ich bislang „Auf Schalke“ erlebt habe. Ich muss aber sagen, dass ich mir das bei der Leistung, die wir hier Woche für Woche derzeit erbringen, einfach öfter erhoffe. In einigen Stadien Europas, in denen wir gespielt haben, war das bei jedem Spiel so laut. Das will ich auch.

Vor dem Wechsel zu Schalke 04 haben Sie in St. Pauli und Freiburg gespielt. Die Idylle dieser Vereine muss Ihnen manchmal fehlen.

Ich würde nicht sagen, dass in Hamburg außerordentliche Idylle geherrscht hat. Aber das ist schon richtig - die Freiburger Idylle fehlt mir manchmal sehr. Die Trainingseinheiten, bei denen einfach mal keiner zuguckt und man das Plätschern der Dreisam hört. Das war schon schön.

Dementsprechend höher ist der Druck in Schalke.

Ich verspüre gar keinen Druck, denn ich will immer den maximalen Erfolg. Das war auch schon in Freiburg so. Natürlich wollen alle Schalker, dass endlich mal die Meisterschaft gewonnen wird, und dementsprechend groß sind die Hoffnungen. Ich bin überzeugt von der Qualität, die in unserer Mannschaft steckt, aber bis zum Saisonende ist es noch ein weiter Weg. Ich weiß, dass an vielen Tagen die Klasse, aber noch an viel mehr Tagen die Tagesform über einen Spielausgang entscheidet. Ich bin mir durchaus bewusst, dass man auch mal einen Negativlauf haben kann. Ich hoffe natürlich, dass wir diesen nicht mehr erwischen, aber darauf müssen wir einfach vorbereitet sein.

Nach dem letzten Wochenende ist man sich relativ einig: Die Meisterschaft wird sich nur noch zwischen Schalke und Bremen entscheiden. Was spricht für Ihren Klub?

Im Moment spricht der gute Lauf, unsere gute Form für uns. Aber das kann sich binnen zwei, drei Spielen schnell ändern. Davor müssen wir uns schützen.

Auch wenn Sie momentan auf dem ersten Platz stehen, so recht traut dem FC Schalke niemand die Meisterschaft zu. Nervt Sie das?

Das ist mir vollkommen egal. Wir haben in dieser Saison oft genug gezeigt, dass wir Fußball spielen können. Ich höre nicht so sehr darauf, was andere Leute sagen.

Es scheint, als helfe dem FC Schalke in dieser Saison auch der so genannte Bayern-Dusel, den Sie zum Beispiel in den Partien in Bielefeld und gegen Aachen hatten.

Das sind zwei von 20 Spielen, das ist also ziemlich wenig Dusel. Insbesondere, weil Aachen durch ein Abseitstor in Führung gegangen ist - also auch durch Glück. Und gut, das Spiel in Bielefeld war so schwach, dass es normaler Weise unentschieden enden muss. Von übermäßigem Glück auf unserer Seite würde ich dennoch nicht sprechen.

Zweifeln Sie daran, dass der FC Schalke in diesem Jahr Deutscher Meister wird?

Ich habe gegenüber der Mannschaft jedenfalls noch nie das Wort Meisterschaft in den Mund genommen. Das ist ja schließlich kein riesiger Vorsprung, den wir da haben. Wir müssen, wie gesagt, von Spiel zu Spiel denken. Aber ich denke schon, dass wir bis zum Ende um den Titel mitspielen und es schließlich auch schaffen können.

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