08.02.2007

Zlatan Bajramovic im Interview

„Schmerz ist nicht gleich Schmerz“

Zwar ziert sich Zlatan Bajramovic vor dem Wort Meisterschaft. Doch ein Mann, der mit gerissener Muskelfaser ein Tor macht, beißt sich auch bis nach ganz oben durch. 11freunde.de sprach mit einem der härtesten Hunde von Gelsenkirchen.

Interview: Daniel Müller Bild: Imago
Herr Bajramovic, nach dem Hinrundenspiel in Bielefeld, bei dem sie trotz einer Verletzung weiterspielten und auch noch ein Tor erzielten, sagten Sie nach Abpfiff in einem Interview: „Faserriss ist Faserriss“. Sind Sie ein harter Hund?

Wir hatten schon dreimal gewechselt, da konnte ich einfach nicht mehr raus - das hätte uns ja noch weniger gebracht. Deswegen habe ich wenigstens versucht, wie ein Hütchen dazustehen, und bin dann ab und zu leicht nach vorne getrabt. Dass mir dann das Tor gelingt, ist natürlich Glück. Aber ohne eine gewisse Einstellung geht gar nichts. Ich nehme immer wieder auch mit Schmerzen am Trainings- und Spielbetrieb teil und versuche, mich durchzubeißen.



Wie schalten Sie in solchen Situationen den Schmerz aus?

Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Es gibt leichte Verletzungen, mit denen man trotzdem die volle Leistung bringen kann. Es gibt aber natürlich auch solche wie einen Muskelfaserriss, nach dem dann eigentlich gar nichts mehr geht. Man kann nicht mehr sprinten, nicht richtig in die Zweikämpfe gehen, sondern nur noch leicht traben. Und selbst das nur unter Schmerzen.

Ihr Spielfluss wurde in den letzten eineinhalb Jahren öfter durch Verletzungen unterbrochen. Waren Sie irgendwann wütend auf Ihren Körper?

Ich muss sagen, dass ich eigentlich noch Glück mit den Verletzungen hatte. Die zwei Faserrisse kurz nacheinander waren eigentlich die ersten schweren Verletzungen, seitdem ich in Schalke bin. Damit bin ich relativ zufrieden. Ich bin also nicht sauer auf meinen Körper, sondern höchstens mal auf mich, wenn ich mich nicht sorgfältiger um ihn kümmere. Man muss ihn einfach sehr clever pflegen, also vor und nach dem Spiel genauso wie vor und nach dem Training. Denn mein Körper ist schließlich mein Kapital.

Ihr Kollege Christian Pander, der nach 19 Monaten Verletzungspause in der Rückrunde eine furiose Rückkehr feiern konnte, hat sich nun schon wieder verletzt. Stoßen Sie solche Geschichten auch immer wieder an, sich um Ihren Körper zu sorgen?

Mit Sicherheit, ja. Ich frage mich in solchen Momenten immer, ob ich gerade alles richtig mache. Wobei natürlich gerade im Fußballgeschäft auch viel mit Pech zu tun hat. Ich kann mich nicht davor schützen, umzuknicken. Das geht nicht.

Hat man, gerade in einer Situation, in der man selbst eine Verletzung überstanden hat, Mitleid mit den maladen Kollegen?

Auf jeden Fall. Mit Christian Pander eben, der in der Hinrunde so ein Super-Comeback gegeben hat, und uns jetzt ganz immens fehlt. Zum Glück konnten wir die Spiele auch ohne ihn gewinnen. Aber jeder Spieler, der ausfällt, fehlt uns natürlich auch menschlich. Das ist bei Pander so, aber auch bei Kobiashvili und Gerald Asamoah. Allesamt ganz wichtige Spieler, die hoffentlich bald zurückkehren.

Eine wirklich angestammte Position wie Ihre Kollegen Lincoln, Bordon oder auch Pander haben Sie nicht. Sehen Sie sich als Allzweckwaffe?

Ich habe mir in der Vorrunde ein Stückweit Respekt erarbeitet. Ich habe bisher eine richtig gute Saison gespielt - damit kann ich zufrieden sein und bin es auch. Ich muss mich vor keinem verstecken, auch wenn ich keine absolut feste Position habe.

Auf welcher Position sehen Sie sich denn am stärksten?

Auf der 6er-Position. Aber ob wir mit zwei Sechsern spielen oder in der Raute ist eigentlich egal - das kann ich beides spielen. Im defensiven Mittelfeld bin ich sehr zufrieden.

Im Kampf um einen Stammplatz ist die Tatsache, dass sie keine feste Position haben, nicht gerade ein Herausstellungsmerkmal.

Ich sehe das gerade im Mittelfeld eher als Vorteil. Ich habe auf allen Positionen konstant meine Leistung gebracht, und das ist alles, was zählt. Ich mache mir keine Gedanken, dass ich flexibel einsetzbar bin. In Aachen habe ich sogar als rechter Verteidiger gespielt. Ich will spielen, das ist das wichtigste. Aber ich bin auch Realist: Wir sind im Mittelfeld so gut besetzt, dass es jeden mal treffen kann.

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