Zico über Deutschlands WM-Chancen und die besten Spieler des Turniers

»Messi killt den Gegner«

Das Gehirn der legendären Selecao der frühen achtziger Jahre, Zico, über die Chancen der Deutschen im Halbfinale, das unschöne Gefühl, Lothar Matthäus an den Hacken zu spüren, und die besten Spieler der WM.

Zico, die deutsche Elf spielt im Halbfinale in den Farben Ihres Stammklubs Flamengo.
Sie haben Recht, der Klub ist mein Zuhause. Aber das Match gegen Brasilien hat nichts mit Flamengo zu tun. Es freut mich, dass die Deutschen mit dem rot-schwarzen Trikot dem brasilianischen Fußball eine Hommage widmen. Aber ich werde während des Spiels meine Klubbrille nicht tragen.

Wird die Selecao das Finale erreichen?
Das Team hat die Qualität dazu, die Spieler allesamt die individuellen Fähigkeiten. Bedenken Sie, dass die Mannschaft von Beginn des Turniers unter enormen Druck stand, dem sie standgehalten hat. Die Zuschauer erwarten den Sieg – nichts als den Sieg. Nun ist die Elf so lange im Turnier, dass sie den Druck händeln kann. Es ist der richtige Zeitpunkt, um auch den Sprung ins Finale zu schaffen. Sie werden es schaffen.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Neymar?
Brasilianer lernen in ihrem Leben zwangsläufig, aus negativen Ereignissen positive Schlüsse zu ziehen. Kolumbien hat auch ein sehr gutes Turnier gespielt, obwohl ihr bester Spieler, Radamel Falcao, ausgefallen war. Natürlich fällt es im Moment schwer, das Positive an Neymars Verletzung zu erkennen. Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Laufbahn jemals eine vergleichbare Situation erlebt zu haben. Aber ich gehe davon aus, dass die Mannschaft eine Trotzreaktion zeigt. Das Zeug hat sie dazu. 


Wie schlecht steht es um Neymar?
Ich bin kein Arzt, aber er erhält die optimale medizinische Versorgung. Wenn er sich nach den Anweisungen der Ärzte richtet, kommt er bald zurück.

Lassen sich Parallelen zwischen dem Team der WM 1982, in dem Sie die Strippen zogen, und der gegen gegenwärtigen Selecao ziehen.
Man kann Generationen nicht vergleichen. Jedes Team hat andere Köpfe, jeder Trainer eine unterschiedliche Vision. Wir waren eine Mannschaft, die wunderbaren Fußball zelebriert hat, der schön anzusehen war, aber wir haben nichts gewonnen. Beim Confed-Cup hat das Team von Felipao gezeigt, dass es vielleicht nicht immer den attraktivsten Fußball spielt, aber eine Gewinnermentalität hat. Auch wenn mir unser Fußball in einigen Momenten besser gefiel, das heutige Team hat das Zeug Weltmeister zu werden.

Bei der WM 1982 erreichte Deutschland mit einem sehr physischen Fußball das Finale, die technischen Genies aus Brasilien schieden in der Zwischenrunde aus. Wie hat sich der Stil der beiden Teams verändert?
Deutschland hat sich von seine Spielweise grundlegend verändert, die Elf spielt heute viel hochklassiger und technisch versierter. Das liegt auch an den vielfältigen internationalen Einflüssen, die das Team hat. Sami Khedira, Miroslav Klose, Jerome Boateng, Lukas Podolski – alles Spieler, die auch für andere Teams hätten spielen können. Aber sie haben sich für Deutschland entschieden und bereichern das Spiel der Mannschaft. Aber vergessen Sie nicht, dass Deutschland auch damals technisch sehr gut ausgebildete Spieler hatte. 


An wen denken Sie?
An Hansi Müller oder Pierre Littbarski zum Beispiel. Aber grundsätzlich war es natürlich eine eher passive Spielweise. In Spielen gegen Deutschland wurde ich immer in Manndeckung genommen, Lothar Matthäus hat mich noch weit über die 90. Minute hinaus abgedeckt. Das war nicht schön. Heute machen sie eher von sich aus das Spiel.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz zur WM aus?
Ich bin froh, dass die brasilianischen Fans so friedlich waren und die Besucher freundlich empfangen haben. Es war ein großes Turnier, das in vielen Spielen herausragenden Fußball erlebt hat. Brasilien steht nun vor den zwei wichtigsten, alles entscheidenden Spielen, die für die abschließende Bewertung des Turniers nicht unwichtig sind.

Wer ist für Sie der beste Spieler des Turniers? 

Da fallen mir auf Anhieb drei Namen ein. Spieler, die sowohl eine starke Präsenz und Persönlichkeit haben, als auch das Spiel ihrer Mannschaft nachhaltig prägen, obwohl sie alle von unterschiedlichen Positionen kommen.

Wir sind gespannt.
David Luiz ist als Innenverteidiger die Referenzgröße in der Selecao. Er überzeugt nicht nur mit seinem Stellungsspiel, sondern auch mit seiner sehr guten Technik. Arjen Robben führt das niederländische Team von der Spitze aus, er tut alles, um zu gewinnen.

Und?
Natürlich Lionel Messi. Er ist immer da, wenn man ihn braucht. Manchmal scheint es, als schlendere er nur über den Rasen, dabei durchschaut er jede Spielsituation ganz genau. Und wenn er eine Idee entwickelt hat, ist er in Sekundenbruchteilen da und killt den Gegner.

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