14.05.2007

Yves Eigenrauch im Interview

„Ich wünsche S04 den Titel nicht“

Einst war YYYYYves Schalkes Liebling. Doch nun hat er es sich mit vielen verscherzt: In einem offenen Brief ging er auf Distanz zu seinem Ex-Klub. Wir sprachen mit dem Idol auf Abwegen.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Bei aller Kritik am Profifußball, gehen Sie trotzdem manchmal ins Stadion?

Nein, ich habe keine Lust, Geld dafür auszugeben. Es bringt mir nichts, auf der Tribüne zu sitzen. Das fand ich schon immer langweilig.

Und was ist mit der Sportschau im Fernsehen. Die gibt’s ja quasi zum Nulltarif?

Die schaue ich mir ab und zu mal mit meiner fünfeinhalb Jahre alten Tochter an. Aber ich habe noch nie viel Fußball geschaut oder Sportzeitschriften gelesen. Das ganze Trara interessierte mich schon als Jugendlicher nicht. Und als Spieler war das nicht anders. Ich wollte selber kicken und nicht anderen dabei zuschauen.

Es gibt die Anekdote, wonach Sie 1998 vor dem Uefa-Cup-Rückspiel gegen Inter Mailand mit dem Namen Ronaldo nichts anfangen konnten…

Ich wusste, dass Ronaldo ein guter Fußballer war. Aber viel gesehen hatte ich bis dato von ihm nicht. Geschweige denn, dass ich wusste, wie gut er wirklich war.

Wie schafft man es als sperriger Typ wie Sie, zum Publikumsliebling und zur Kultfigur zu werden?

Ich denke, die Leute haben registriert und honoriert, dass ich authentisch bin. Und es hatte wohl auch mit meiner Spielweise zu tun. Ich konnte nicht allzu viel am Ball, aber ich habe mich immer sehr angestrengt.

Können Sie sich noch an den 19. Mai 2001 erinnern, als im Schalker Parkstadion schon die Meisterschaft gefeiert wurde und der FC Bayern München gegen den HSV in der letzten Minute noch den Ausgleich machte und sich die Schale holte?

Ich war nicht im Kader, saß auf der Tribüne und war gekommen, um einen Erfolg zu sehen. Aber als es anders kam, war ich nicht wirklich betroffen.

Obwohl Sie als Profi elf Jahre für den FC Schalke gespielt haben?

Die verlorene Meisterschaft hatte für mich keine weitere Relevanz. Genauso wenig wie der Erfolg von 1997. Da kam am Ende eines Spiels der Gewinn des Uefa-Cups raus. Mehr nicht.

Gleichzeitig beschweren Sie sich darüber, dass der Verein die „Eurofighter“ mit einem unpersönlichen Serienbrief zum 10-Jährigen-Treffen eingeladen hat…

Das ist etwas anderes. Hier geht es um das Verhältnis zwischen Verein und Spieler. Ich und einige andere Spieler hätten sich damals über einen Siegerring oder irgendein anderes persönliches Andenken sehr gefreut. Ich hätte stattdessen auf die Prämie verzichtet. Andere Spieler übrigens auch. Stattdessen erhielten einige von uns bei ihrer Verabschiedung 2002 eine bescheuerte, blaue Breitling-Uhr, auf deren Rückseite schlicht eingraviert wurde: Zur Erinnerung FC S04.

Sie werden dem Treffen am 21. Mai fernbleiben?

Ich bin mit meiner Familie beim Zelten in Mecklenburg-Vorpommern.

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