14.05.2007

Yves Eigenrauch im Interview

„Ich wünsche S04 den Titel nicht“

Einst war YYYYYves Schalkes Liebling. Doch nun hat er es sich mit vielen verscherzt: In einem offenen Brief ging er auf Distanz zu seinem Ex-Klub. Wir sprachen mit dem Idol auf Abwegen.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Herr Eigenrauch, warum gönnen Sie dem FC Schalke 04 den deutschen Meistertitel nicht?

Nicht gönnen ist der falsche Ausdruck. Das wäre irgendwie herablassend. Ich wünsche Schalke die Meisterschale nicht wirklich. So habe ich das formuliert.

Und was ist der Grund dafür?


Ich habe in letzter Zeit einige Sachen gehört, gelesen und gesehen, aufgrund dessen es mir eben schwer fällt, Schalke den Titel zu wünschen.

Was zum Beispiel?


Ich möchte nicht ins Detail gehen. Nur so viel: Auf der Geschäftsstelle bleibt angesichts der vielen Arbeit keine Zeit mehr für die persönliche Note. Irgendwie ist die zwischenmenschliche Nähe verloren gegangen. Alles wird immer professioneller und daher distanzierter – auch was das Verhältnis der Spieler zu den Fans angeht. Für viele scheint Fußballspielen nur noch ein reiner Job, ein Geschäft zu sein.



Ist das in Stuttgart anders? Wünschen Sie deshalb dem Konkurrenten den Titel?

Nein, das ist sicherlich überall ähnlich. Mir ist es egal, wer nach dem 34. Spieltag vorne ist. Schauen Sie sich nur mal die Homepages der Vereine an. Das ist ein Einheitsbrei. Warum nutzt man dieses Medium nicht, um die Fans ehrlich zu informieren.

An welche Themen denken Sie dabei?


Zum Beispiel das Thema Gazprom, Hauptsponsor vom FC Schalke 04. Dem russischen Staatskonzern werden ja alle möglichen dubiosen Machenschaften nachgesagt. Der Verein könnte doch seine Homepage dafür nutzen, um sich zu diesen Vorwürfen zu äußern und uns zu erläutern, warum die Kritik unangebracht ist.

Interessiert das die Fans überhaupt?


Manche schon, aber sicher nicht alle. Als Reaktion auf meinen offenen Brief hat beispielsweise ein Fan in einem Internetforum geschrieben, dass ihm die Sache mit Gazprom egal sei. Er wechsle ja auch nicht seine Frau, wenn die sich ihre Haare blond färbe. Ist doch ein harter Vergleich oder? Für manche Leute bedeutet Fußball einfach alles. Dafür leben sie. Aber das kann es doch nicht sein, diese bedingungslose Hingabe. Es gibt doch viel wichtigere Dinge, zum Beispiel Klimaschutz oder die fehlende Solidarität in unserer Gesellschaft und und und.

Was bedeutete für Sie als Spieler der FC Schalke 04?

Das waren ein paar Buchstaben für mich. Es war nicht der Verein FC Schalke 04, an dem mein Herz hing, sondern das Umfeld und die außergewöhnliche Zuneigung, die ich seitens der Fans spürte.

Hatten Sie jemals an einen Wechsel gedacht?

Nie. Ich war ein Spieler, der ein familiäres Umfeld schätzte. Und das hatte ich bei Schalke gefunden.

Wären Sie nicht schwach geworden, wenn der FC Bayern München mit dem Scheckbuch gewunken hätte?

Nein. Aber die Frage stellte sich erst gar nicht. Dafür waren meine fußballerischen Mittel viel zu bescheiden. Ich kann mich ganz gut selber einschätzen. Eine Fähigkeit, die heute vielen Spielern abhanden gekommen zu sein scheint.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Das hat sicherlich auch mit den Beratern zu tun. Die reden den Jungs ein, dass sie die Besten sind und zu dem oder dem Verein wechseln sollen, nur weil sie selber von den Transfers profitieren.

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