Youri Mulder über die »Causa Robben«

»Arjen ist verantwortlich«

Seit Bayern-Profi Arjen Robben im WM-Finale mit einer Verletzung aufs Feld geschickt wurde, tobt ein Streit zwischen dem FCB und der holländischen Verbandsführung. Wir sprachen mit Youri Mulder über Schmerzen und Müller-Wohlfahrt. Youri Mulder über die »Causa Robben«Imago

Youri Mulder, ist der Streit zwischen dem niederländischen Verband und Bayern München ein großes Thema bei Ihnen in Holland?

Absolut. Witzig übrigens, dass Sie mich fragen. Ich habe immer das Gefühl, dass es in Holland ein viel größeres Thema ist, als in Deutschland. Schließlich geht es um die Nationalmannschaft und nicht nur um einen Verein.

[ad]

Klären Sie uns doch über die niederländische Sicht der Dinge auf.

Es fing damit an, das unser Sender NOS (Öffentlich-Rechtlicher Fernsehsender der Niederlande, d. Red.) am ersten Trainingstag von Bayern München mit einem Fernsehteam vor Ort war. In einem Interview sagte Robben, dass er sich gut fühle und gleich trainieren wolle. Anschließend ging er zu Bayerns Arzt Hans Müller-Wohlfahrt – der ihm mitteilte, dass er bis zur Winterpause nicht mehr spielen könne.

In den Augen der niederländischen Öffentlichkeit sicher ein seltsamer Vorfall.

Klar. Irgendwann wurde es dann zu einem hässlichen Fall. Der FC Bayern hat viel Schlechtes über den Arzt des KNVB (niederländischer Fußballverband, d. Red.) gesagt. Aber auch der holländische Verband hat falsche Dinge über Müller-Wohlfahrt verbreitet. In den Medien hieß es auf einmal, er sei ein Scharlatan und wolle nur seine eigenen Arzneimittel verkaufen. So etwas ist natürlich schlecht. Nur für mich als Fernsehanalytiker ist das schön. Da habe ich viel zu tun.

Als Fernsehanalytiker können Sie uns sicherlich sagen, wie Bayerns Verhalten in den niederländischen Medien bewertet wird.

Negativ. Die Sache mit Robben und der Krach zwischen Uli Hoeneß und Louis van Gaal sind natürlich nicht gerade gut für das Image. Früher wurde immer sehr positiv über Bayern berichtet. Da sprach man von einem Verein, der professionell geleitet wurde und einer der reichsten Klubs in Europa ist.

Konkret: Was hat Bayern falsch gemacht?

Wie aus dem Nichts haben sie behauptet, dass Robben schwer verletzt ist und bei der WM nicht hätte spielen dürfen. Aber wenn er so schwer verletzt ist, wie Bayern behauptet, warum war Robben dann in Südafrika so gut in Form?

Überschätzt die medizinische Abteilung in München die Verletzung?

Ich kenne Dr. Müller-Wohlfahrt. Er ist der beste Arzt, bei dem ich je war. Der sieht sofort, was mit deinem Muskel los ist. Man fühlt sich vielleicht fit, aber Müller-Wohlfahrt weiß, dass der Muskel irgendwann wegknallt. Wenn er Robben aus dem Verkehr zieht, hat das einen guten Grund.

Wo liegt der Fehler dann?

Wenn die Verletzung so schlimm ist, wie Bayern jetzt sagt, dann hätten sie Robben doch direkt einfliegen müssen! Anstatt dessen untersuchen sie ihn erst zwei Wochen später und lassen ihn Urlaub auf Ibiza machen. Da liegt der Fehler!



Der niederländische Verband hat keine Fehler gemacht?

Ich sage nicht, dass den Verband keine Schuld trifft, denn es ist auf jeden Fall die falsche Diagnose bei Robben gestellt worden. Und die Reaktionen auf die Behauptungen aus München waren nicht in Ordnung. Die Anschuldigungen gegen Müller-Wohlfahrt etwa.

Hätte man bei der WM nicht auf Robben verzichten können?

Nein, er ist unser bester Mann. Wieso sollte die Nationalmannschaft freiwillig auf ihn verzichten? Eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist das Größte im Fußball. Wenn Bayern München im Champions-League-Finale spielt und Robben fitspritzen könnte, würden sie es doch auch machen.

Ist das für die Gesundheit des Spielers nicht trotzdem gefährlich?

So ist eben der Profifußball. Du hast immer Schmerzen und bist nie total fit. Irgendwas hast du immer. Du kannst nur versuchen, so fit wie möglich zu sein. Und das hat Robben gemacht. Dass zeichnet einen Profi aus.

Jeder andere Profi hätte also genau so gehandelt?

Absolut.

Und Holland wollte Robben unbedingt spielen sehen.

Natürlich. Jeden Tag war unser Sender beim Physiotherapeuten des Verbands und hat nach Robbens Fitness gefragt. Aber sie haben ihn trotzdem erst im letzten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste eingesetzt. Und letztlich ist man als Spieler immer selber für seinen Körper verantwortlich.

Den Hauptteil der Verantwortung trägt Robben selbst?

Genau. Es war seine Entscheidung zu spielen. Besser ist es natürlich, wenn der Verbandsarzt dem Spieler sagt: Das geht nicht, du kannst nicht spielen. Franz Beckenbauer hat Recht, wenn er meint, dass man die Spieler vor sich selbst schützen muss. Aber wenn ein Spieler auf den Platz will, ist es auch nicht verboten, ihn trotzdem auflaufen zu lassen.

Glauben Sie, dass die Bayern eine Klage gegen den KNVB einreichen werden?

Ich glaube nicht. Denn es ist juristisch gesehen nicht viel zu holen. Das merkt man auch daran, wie ruhig der Verband mit der Sache umgeht. Wahrscheinlich wird Robben irgendwann wieder spielen, Tore schießen und dann ist die Sache vorbei. Der Konflikt wird dann wie eine Kerze langsam abbrennen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!