03.05.2013

Yildiray Bastürk über die Nachfolger von Özil und Co.

»Die Türkei muss endlich mit dem DFB kooperieren«

Um die vielen deutschtürkischen Talente ist in den vergangenen Jahren ein harter Kampf zwischen dem DFB und der TFF (Türkiye Futbol Federasyonu) entstanden. Yildiray Bastürk könnte bald Europa-Scout der Türkei werden. Wir sprachen mit ihm über die Disziplin von Deutschtürken, die Probleme der Nationalmannschaft und die Trauer um Serdar Tasci.

Interview: Karol Herrmann Bild: Imago

Yildiray Bastürk, was haben Sie seit Ihrem Karriere-Ende vor zwei Jahren gemacht?
Ich habe geheiratet, bin zwei Mal Vater geworden und habe in der Türkei die Trainer A-Lizenz erworben. Demnächst möchte ich den Fußballlehrer-Lehrgang machen und als Jugendtrainer arbeiten. Zu Bayer Leverkusen gibt es bereits Kontakt.

Der Leitung des Europa-Büros des türkischen Verbandes ist zurzeit unbesetzt. Lange hat dort der ehemalige Bundesliga-Spieler Erdal Keser nach Talenten mit türkischen Wurzeln gesucht. Das wäre doch wie gemacht für Sie.
Man hat mich schon gefragt, ob ich das Europa-Büro leiten möchte. Dazu müssten aber die Bedingungen stimmen. In der Vergangenheit wurden dort viele Fehler gemacht.

Sie meinen die Konflikte zwischen dem DFB und der TFF bei der Rekrutierung deutsch-türkischer Talente für die Nationalmannschaft?
Matthias Sammer war zu seiner Zeit beim DFB über die Abwerbungsversuche von Erdal Keser bei der U17-Nationalmannschaft ziemlich aufgebracht. Letztendlich ist es aber vor allem für die Jungs ein Problem, wenn die Verbände ständig bei ihnen und ihren Eltern anrufen. Das macht die jungen Spieler verrückt, verdirbt sie gewissermaßen. Ich sage: Die Türkei darf Deutschland nicht als Konkurrent sehen und muss endlich anfangen, mit dem DFB zu kooperieren. Denn eines ist sicher: Der türkische Verband hat ein ernsthaftes Problem mit der Nachwuchsförderung und kann sich sehr glücklich schätzen, dass so viele Deutschtürken die U-Nationalmannschaften des DFB durchlaufen und dort auf höchstem Niveau ausgebildet werden. Und längst nicht alle davon haben das Zeug, später Leistungsträger der DFB-Elf zu werden. Sie können sich dann immer noch für die Türkei entscheiden.

Sobald ein Spieler in einem Pflichtspiel einmal für eine A-Nationalmannschaft aufgelaufen ist, gibt es kein zurück mehr. Da liegt es doch nahe, dass sich die Verbände junge Talente erst einmal »sichern« wollen.
Was aber schnell zum Nachteil der Spieler werden kann. Nehmen Sie das Beispiel Serdar Tasci (Tasci machte bislang 14 Länderspiele, konnte sich aber nicht auf Dauer in der deutschen Nationalmannschaft durchsetzen, d. Red.). Auch bei Ilkay Gündogan, der nach einem durchwachsenen Start in Dortmund für Deutschland nominiert wurde, hatte ich zunächst das Gefühl, der DFB will sich den Spieler sichern. Dass es jetzt so gut läuft, konnte keiner voraussehen.

Nuri Sahin hätte es hingegen bestimmt in Deutschland packen können. Die Chancen, bei einer WM zu spielen, wären ohne Zweifel höher gewesen. 
Nuri hat schon mit 16 für die Türkei gespielt. Wenn du als Spieler dann erstmal die türkische Hymne gesungen hast, ist es eigentlich ausgeschlossen, später für ein anderes Land zu spielen. Umgekehrt ist das viel unkomplizierter. Das ist die Chance für den türkischen Verband.

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