18.12.2012
Xherdan Shaqiri über Hitzfeld, Heimweh und das P1
»Ich vermisse die Kochkünste meiner Mutter«
In Basel war er der gefeierte Jungstar, beim FC Bayern muss er sich hinten anstellen. Xherdan Shaqiri über Ottmar Hitzfeld, das P1 und eine Stutzen-Schlacht in der Umkleidekabine.
Interview:
Raffaela Angstmann
Bild: Imago
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Werden Sie auf der Straße erkannt und angequatscht?
Die meisten erkennen mich, aber man wird nicht andauernd angesprochen. München ist ruhiger und edler als andere deutsche Städte.
Mit wem sind Sie in München unterwegs?
Ich werde andauernd von Freunden aus der Schweiz besucht. Also bin ich praktisch nie alleine. Ob Geschwister oder Freunde, es ist immer jemand da. Sie kommen auch gerne zu unseren Trainingseinheiten.
Apropos Geschwister: Ihr Bruder ist gleichzeitig auch Ihr Berater. Vermissen Sie Ihre Familie?
Wenn meine Eltern nicht hier sind, dann fehlen mir vor allem die Kochkünste meiner Mutter (lacht). Die sind unbeschreiblich! Wenn ich frei habe, bin ich oft zuhause in der Schweiz. Vor allem wenn dort Schnee liegt, bleibe ich natürlich lieber dort als in München.
Was fehlt Ihnen aus der Schweiz am meisten nebst Mamas Küche?
Schweizer Schokolade natürlich!
Zurück zum Verein: Sie haben sich beim FCB schnell eingewöhnt. Was ist Ihre Rolle im Team?
Wir sind ein 25-Mann-Kader und ich denke, jeder Einzelne hat eigentlich dieselbe Rolle und Aufgabe: man muss auf dem Platz Leistung bringen. Als neuer Spieler ist das natürlich nicht so leicht, aber ich bin bis jetzt ganz zufrieden mit meinen Einsatzzeiten.
Wie brutal ist der Konkurrenzkampf im Mittelfeld?
Die Konkurrenz ist groß, aber damit muss man als Spieler einfach umgehen können. Du musst den Konkurrenzkampf annehmen und dem Trainer beweisen, dass er auf dich zählen kann.
Wie sieht eigentlich eine Spielvorbereitung beim FC Bayern aus?
Die Vorbereitung findet meist im Hotel statt. Kurz vor dem Spiel sind viele für sich am Musik hören, manche spielen aber auch Karten.
Wer gibt im Team den Ton an?
Einen Leader, wie es früher Mark van Bommel war, gibt es heute nicht mehr. Ob wirklich einer den Ton angibt, ist schwierig zu sagen. Jeder darf hier mitreden, und das läuft ganz normal über den Kapitän.
Wie ist Ihre Beziehung zu Philipp Lahm?
Wir vertragen uns ganz gut, unternehmen allerdings nichts Privates miteinander.
Franck Ribéry gilt als Spaßvogel. Hat er Sie auch schon mal veralbert?
Ja, er spielt gerne mal Streiche, ein echt witziger Kerl. Aber wir haben alle viel Spaß miteinander.
Was für Späße erlaubt man sich denn unter Mannschaftskollegen?
Wir blödeln gerne rum, vor allem im Training. Und in der Umkleidekabine bewerfen wir uns gerne mal mit Stutzen.
Ottmar Hitzfeld meinte einst, Sie seien ein »charakterlich einwandfreier Junge«. Woran müssen Sie, abgesehen von den sportlichen Qualitäten, noch arbeiten?
Ich arbeite hart dafür, ein Topspieler zu werden. Woran ich charakterlich arbeiten sollte, müssen Sie meine Familie fragen. Das kann ich nicht beurteilen.
Ihr Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld kennt den FC Bayern wie kein Zweiter. Haben Sie mit ihm über Ihre Aufgaben beim FC Bayern gesprochen?
Wir reden immer mal wieder darüber. Sein Feedback war mir vor allem im Vorfeld meines Wechsels sehr wichtig. Ich bin dann mit meinen Fragen auf ihn zugegangen. Ich wollte wissen, wie im Verein gearbeitet wird. Er hat mir nur gute Dinge erzählt, was mich in meinem Vorhaben bestätigt hat.
Hand aufs Herz: Lieber den Stürmerkollegen mit einer hübschen Vorarbeit ein Tor auflegen oder selbst ein Tor erzielen und sich den Jubel abholen?
Jeder will natürlich ein Tor schießen, schon alleine weil der Torjubel so herrlich ist. Allerdings ist ein richtig schöner Pass nicht zu unterschätzen. Ich bin auch gerne der Vorbereiter.



