Xherdan Shaqiri über Hitzfeld, Heimweh und das P1

»Ich vermisse die Kochkünste meiner Mutter«

In Basel war er der gefeierte Jungstar, beim FC Bayern muss er sich hinten anstellen. Xherdan Shaqiri über Ottmar Hitzfeld, das P1 und eine Stutzen-Schlacht in der Umkleidekabine.

Xherdan Shaqiri, Sie spielen nun seit einem halben Jahr in der Bundesliga. Was ist der größte Unterschied zur Schweizer Super League?

Mit dem FC Basel und dem FC Bayern vergleiche ich natürlich zwei große Klubs, allerdings ist der deutsche Fußball eine ganz andere Welt. Schon alleine der Rummel rund um die Bayern macht den größten Unterschied aus.

Wurden Sie von der Größe des Vereins und der gesamten Aufmerksamkeit erschlagen?

Ich wusste bereits, was mich hier erwartet. Als ich beim FC Basel war, spielte ich für den größten, wenn nicht auch besten Klub der Schweiz. Das ist nicht zu unterschätzen. Der FC Basel ist der FC Bayern der Schweiz, trotzdem ist der FC Bayern auf einer ganz anderen Ebene, nicht nur sportlich gesehen, sondern auch in der Medienwelt.

Müssen Sie mehr Interviews geben als früher?

Das gehört dazu, wenn man für einen Topklub spielt. Als Bayern-Spieler ist man sehr gefragt. Ich gebe zum Glück nicht jeden Tag Interviews, aber dann gibt es Tage wie heute, an denen wir alle Medienanfragen nacheinander durchgehen. Wir haben hier über zehn Leute, die nur für die Medien zuständig sind.

Gab es eigentlich einen Begrüßungsabend für Sie?

Dem gesamten Klub bin ich in München vorgestellt worden, es war allerdings kein großes Fest. Der FC Bayern ist wie eine kleine Familie. Man wird sehr herzlich aufgenommen und ist schnell integriert. Den Fans wurde ich dann vergangenen Sommer im Trainingslager in Trentino vorgestellt.

Haben Sie schon neue Freunde gefunden?
Die meiste Zeit verbringe ich mit Anatolij Tymoschtschuk.

Was unternehmen Sie miteinander?

Er ist ja einige Jahre älter als ich, daher haben wir nicht immer dieselben Interessen. Wir sind vor allem zusammen, wenn wir mit der Mannschaft unterwegs sind. Privat zieht jeder Spieler sein eigenes Ding durch. Am Anfang haben Anatolij und ich mehr miteinander unternommen, aber während der Saison mit den ganzen Partien ist es eher schwierig.

Waren Sie schon mal im legendären P1?

Da war ich einmal, aber in letzter Zeit war ich nicht so viel unterwegs, weil wir viele Spiele hatten. Hier muss man im Nachtleben sowieso sehr vorsichtig sein.



Weswegen?

Ausgehen bedeutet hier etwas ganz anderes als in der Schweiz. Man muss gut darauf achten, wo man hingeht, sonst landet man schnell in der Zeitung. Ich schaue also, dass ich nicht zu spät nach Hause gehe.

Diese Dinge liegen sicherlich auch der Klubführung am Herzen.
Ich gehe natürlich nicht in irgendwelche Spelunken. Ich höre auf die Tipps von meinen Mitspielern.

Dieses Jahr waren Sie zum ersten Mal auf dem Oktoberfest. Wie hat es Ihnen dort gefallen?

Ich freue mich schon aufs nächste Jahr! Ich war am letzten Tag mit der Mannschaft da, das war ganz unterhaltsam. Privat bin ich nicht mehr groß rausgegangen zu der Zeit, schließlich war sehr viel los.

Werden Sie auf der Straße erkannt und angequatscht?

Die meisten erkennen mich, aber man wird nicht andauernd angesprochen. München ist ruhiger und edler als andere deutsche Städte.

Mit wem sind Sie in München unterwegs?

Ich werde andauernd von Freunden aus der Schweiz besucht. Also bin ich praktisch nie alleine. Ob Geschwister oder Freunde, es ist immer jemand da. Sie kommen auch gerne zu unseren Trainingseinheiten.

Apropos Geschwister: Ihr Bruder ist gleichzeitig auch Ihr Berater. Vermissen Sie Ihre Familie?

Wenn meine Eltern nicht hier sind, dann fehlen mir vor allem die Kochkünste meiner Mutter (lacht). Die sind unbeschreiblich! Wenn ich frei habe, bin ich oft zuhause in der Schweiz. Vor allem wenn dort Schnee liegt, bleibe ich natürlich lieber dort als in München.

Was fehlt Ihnen aus der Schweiz am meisten nebst Mamas Küche?

Schweizer Schokolade natürlich!

Zurück zum Verein: Sie haben sich beim FCB schnell eingewöhnt. Was ist Ihre Rolle im Team?

Wir sind ein 25-Mann-Kader und ich denke, jeder Einzelne hat eigentlich dieselbe Rolle und Aufgabe: man muss auf dem Platz Leistung bringen. Als neuer Spieler ist das natürlich nicht so leicht, aber ich bin bis jetzt ganz zufrieden mit meinen Einsatzzeiten.

Wie brutal ist der Konkurrenzkampf im Mittelfeld?

Die Konkurrenz ist groß, aber damit muss man als Spieler einfach umgehen können. Du musst den Konkurrenzkampf annehmen und dem Trainer beweisen, dass er auf dich zählen kann.  

Wie sieht eigentlich eine Spielvorbereitung beim FC Bayern aus?
Die Vorbereitung findet meist im Hotel statt. Kurz vor dem Spiel sind viele für sich am Musik hören, manche spielen aber auch Karten.

Wer gibt im Team den Ton an?

Einen Leader, wie es früher Mark van Bommel war, gibt es heute nicht mehr. Ob wirklich einer den Ton angibt, ist schwierig zu sagen. Jeder darf hier mitreden, und das läuft ganz normal über den Kapitän.

Wie ist Ihre Beziehung zu Philipp Lahm?

Wir vertragen uns ganz gut, unternehmen allerdings nichts Privates miteinander.

Franck Ribéry gilt als Spaßvogel. Hat er Sie auch schon mal veralbert?

Ja, er spielt gerne mal Streiche, ein echt witziger Kerl. Aber wir haben alle viel Spaß miteinander.

Was für Späße erlaubt man sich denn unter Mannschaftskollegen?

Wir blödeln gerne rum, vor allem im Training. Und in der Umkleidekabine bewerfen wir uns gerne mal mit Stutzen.

Ottmar Hitzfeld meinte einst, Sie seien ein »charakterlich einwandfreier Junge«. Woran müssen Sie, abgesehen von den sportlichen Qualitäten, noch arbeiten?

Ich arbeite hart dafür, ein Topspieler zu werden. Woran ich charakterlich arbeiten sollte, müssen Sie meine Familie fragen. Das kann ich nicht beurteilen.

Ihr Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld kennt den FC Bayern wie kein Zweiter. Haben Sie mit ihm über Ihre Aufgaben beim FC Bayern gesprochen?

Wir reden immer mal wieder darüber. Sein Feedback war mir vor allem im Vorfeld meines Wechsels sehr wichtig. Ich bin dann mit meinen Fragen auf ihn zugegangen. Ich wollte wissen, wie im Verein gearbeitet wird. Er hat mir nur gute Dinge erzählt, was mich in meinem Vorhaben bestätigt hat.

Hand aufs Herz: Lieber den Stürmerkollegen mit einer hübschen Vorarbeit ein Tor auflegen oder selbst ein Tor erzielen und sich den Jubel abholen?

Jeder will natürlich ein Tor schießen, schon alleine weil der Torjubel so herrlich ist. Allerdings ist ein richtig schöner Pass nicht zu unterschätzen. Ich bin auch gerne der Vorbereiter.

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