10.01.2011

Xavi über Barca und Messi

»Technik ist wichtiger als Kraft«

Xavi galt als heißester Kandidat für den Titel »Weltfußballer des Jahres«. Pustekuchen. Hier spricht der Profi des FC Barcelona über die Gier nach Erfolg, die Ära Lionel Messi und die Provokationen José Mourinhos.

Interview: Paco Aguilar Bild: imago

Xavi, Sie haben seit 2008 alles gewonnen, was es im Fußball zu gewinnen gibt. Ist man da nicht irgendwann auch mal satt?

Nein, denn wenn du dich einmal an den Erfolg gewöhnt hast, willst du immer mehr davon. Er ist wie eine Droge, du kriegst niemals genug.

Wird Barcelona also zum dritten Mal in Folge Meister?

Wir sind auf dem richtigen Weg, die Einstellung stimmt, das Klima in der Mannschaft auch. Wir haben alles, was man braucht, um weiter Titel zu sammeln.



Gibt es bestimmte Erfolge, die Sie unbedingt noch erleben wollen?

Viele sogar. Noch besser zu sein als das Dream Team und seine vier Mei- sterschaften in Folge, zum Beispiel. (Unter Trainer Johan Cruyff wurde der FC Barcelona 1991, ’92, ’93 und ’94 Spanischer Meister, d. Red.)

2011 findet das Champions-League-Finale in Wembley statt. Wäre das nicht ein besonders geeigneter Schauplatz, um erneut den Europacup zu gewinnen?


Natürlich. Letzte Saison wollten wir unbedingt das Finale in Bernabeu erreichen, aber dann fehlte uns gegen Inter ein Tor (1:3, 1:0 im Halbfinale, d. Red.). Jetzt brennen wir darauf, das Endspiel an dem Ort zu spielen, an dem das Dream Team unter Cruyff 1992 den ersten Landesmeister-Titel in Barcas Vereinsgeschichte holte.

Zu Beginn der Saison schien Barca aber Mühe zu haben, seine Spiele zu gewinnen, besonders zu Hause im Camp Nou.

Das Problem ist, dass wir uns, anders als in den Jahren zuvor, schwerer tun, frühe Tore zu schießen und unsere Gegner damit unter Druck zu setzen. Diese Saison sind wir oft diejenigen, die das erste Tor kassieren. Das ist uns gegen Hercules Alicante passiert, gegen Panathinaikos Athen,
Rubin Kazan ...

Vielleicht wissen diese Gegner inzwischen einfach, wie man gegen Barcelonas System der absoluten Ballkontrolle spielen muss.

Für mich liegt der Schlüssel darin, das erste Tor zu schießen, das bringt uns
Sicherheit. Wenn unser Gegner in Führung geht, obwohl er eigentlich nur die Null halten will, macht das die Sache für uns erheblich schwieriger. So war das übrigens auch beim Spiel Spanien gegen die Schweiz. (0:1 im ersten Vorrundenspiel der WM, d. Red.)

Im direkten Duell haben Sie Real Madrid Ende November mit 5:0 gedemütigt. Dennoch scheint Real unter José Mourinho stärker als in den Vorjahren zu sein. Die Neuzugänge, besonders Mesut Özil und Sami Khedira, haben sich schnell eingewöhnt.


Das sind sicherlich zwei gute Spieler. Aber von denen hatte Real schon vorher eine ganze Reihe: Cristiano Ronaldo, Higuain, Casillas, Pepe, Marcelo. Aber was wirklich zählt, ist das Kollektiv, die Mannschaft. Das ist das Entscheidende. Und auch wenn sie unsere Philosophie nicht teilen, gewinnt dieses Real seine Spiele und gibt immer alles.

Nach der WM hatten Sie nur wenig Urlaub. Wie läuft es bei Ihnen persönlich?


Körperlich bin ich eingeschränkt. Ich musste diese Saison schon zwei Wochen aussetzen, weil ich unter Schmerzen an der Achillessehne litt. Aber diese Ruhetage haben mir gut getan, ich konnte meine Batterien wieder aufladen.

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