21.05.2009

Wynton Rufer im Interview

»Wie für den Pokal gemacht«

Wynton Rufer war einer der treffsichersten Stürmer von Werder Bremen. Der Neuseeländer holte mit Werder in den Neunzigern zahlreiche Titel. Hier spricht er über sein Siegtor beim Finale 1992, Thomas Schaaf und die Einsamkeit beim Feiern.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Wynton Rufer im Interview
Herr Rufer, wenn in Istanbul heute das UEFA-Cup Finale angepfiffen wird, ist es in Neuseeland noch sehr früh am morgen. Haben Sie sich schon den Wecker gestellt?

Das Spiel wird hier ab 6.30 Uhr live übertragen. Da ich sowieso jeden Tag um 6.00 Uhr aufstehe, ist das kein Problem. Ab dem Viertelfinale konnte ich alle Spiele live sehen. Auch die Champions League Spiele schaue ich mir an. Ich bin es also gewohnt, so früh Spiele zu schauen. Auf einen extra Wecker kann ich also verzichten.



In aller Ruhe beim Frühstück Fußball schauen. Davon träumen viele in Deutschland.

Ich esse wesentlich später. So früh am Morgen kriege ich noch nichts runter. Da konzentriere ich mich lieber auf das Spiel. Und danach geht dann die Arbeit los.

Wie sehr können Sie die Bundesliga aus Neuseeland beobachten?

Da weiß ich genau bescheid. Ich war sogar im Februar noch beim Spiel HSV gegen Bayern im Stadion. Es ist schon sensationell, dass Wolfsburg jetzt ganz oben steht und vielleicht Meister werden kann. Auch die Hertha ist oben mit dabei. Diese Mannschaften waren zu meiner aktiven Zeit nicht gerade die ersten Adressen in der Bundesliga. Aber für die Liga ist das gut, so bleibt es sehr spannend.

Erinnern Sie sich noch an den 6. Mai 1992?

Natürlich. Da haben wir mit Werder Bremen im Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen den AS Monaco gespielt.

Das war das bisher letzte Europapokal-Finale für Werder Bremen. Beim damaligen Sieg schossen Sie sogar das entscheidende 2:0, das zum Titelgewinn reichte. Erinnern Sie sich noch an Ihr Tor?

Das vergisst man nicht. Mirko Votava hat im Mittelfeld den Ball erobert. Dann hat Klaus Allofs einen perfekten Pass auf mich gespielt. Ich lief allein auf den Torwart zu, aber viel Zeit zum Nachdenken war dann nicht mehr. Ich habe den Torhüter umspielt und den Ball eingeschoben. Das ging alles sehr schnell. Als der Ball rein rollte, war ich mir ziemlich sicher, dass wir das Spiel und damit den Titel gewinnen werden. Ein Wahnsinnsgefühl. 

Wie wurde der größte Erfolg in der Bremer Vereinsgeschichte anschließend gefeiert?

(lacht) Das war ein bisschen kurios. Wir haben die drei Tage nach dem Spiel nur gefeiert. Am Wochenende mussten wir dann gegen Eintracht Frankfurt spielen. Das Stadion war ausverkauft, denn die Eintracht konnte mit einem Sieg gegen uns Deutscher Meister werden. Uns war die Bundesliga nach dem Europapokal völlig wurscht. Wir haben drei Tage nicht geschlafen und auch nicht trainiert und auf einmal führen wir 2:0 in Frankfurt. Wieder durch Tore von Allofs und mir. Das war unglaublich. Die Frankfurter taten mir nach dem Spiel ein bisschen leid. Sie hatten so eine gute Mannschaft und hätte den Titel auch gewinnen müssen. Denn am Ende ist dann Stuttgart Meister geworden.

Im Europapokalfinale gegen Monaco wurde vor der Halbzeit Thomas Schaaf eingewechselt. Schaaf feiert in Bremen in dieser Saison sein 10 jähriges Trainerjubiläum. Haben Sie ihm eine solche Trainerkarriere zugetraut?

Nach seiner aktiven Zeit war Thomas Trainer bei der Werder A-Jugend. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt einen jungen neuseeländischen Spieler nach Bremen vermittelt, der dann unter Thomas Schaaf trainiert hat. Er war begeistert von Thomas als Trainer. Er scheint also etwas von seinem Job zu verstehen. (lacht) Ich freue mich, dass er die Chance in Bremen bekommen hat und drücke ihm die Daumen, dass er nach dieser Saison wenigstens einen Pokal nach Bremen holt.

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