Wozu die Aufregung über Schiedsrichter, Hans Meyer?

»Man sollte sich auch mal aufregen dürfen«

In unserer Rubrik »Gehen Sie davon aus« kläre wir jeden Monat mit Hans Meyer die kleinen und großen Fragen der Fußballwelt. Für unsere aktuelle Ausgabe 11FREUNDE #150 beleuchtet der Helmut Schmidt der Trainergilde das Verhältnis seiner Kollegen zu den Schiedsrichter.

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150

Hans Meyer, wenn Sie zurückblicken: Haben Schiedsrichter im Laufe Ihrer Trainerlaufbahn mehr Entscheidungen für oder gegen Sie getroffen?
Gehen Sie davon aus, dass Schiris auf Erfolge oder Misserfolge in meiner Laufbahn von meinem Gefühl her wenig bis keinen Einfluss hatten. Ich selbst und meine Spieler haben da deutlich mehr Fehler gemacht.

Wozu dann die Aufregung über Fehlentscheidungen?
Verlangen Sie von den Trainern nichts Unmenschliches, junger Mann. Wenn man durch den schlechten Tag eines Schiris Punkte verliert, sollte man sich auch mal aufregen dürfen.

Kann ein Trainer den Schiedsrichter durch sein Verhalten positiv oder negativ beeinflussen?
Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Freiburgs Trainer Christian Streich meinte neulich, seine Impulsivität sei schuld daran, dass die Schiedsrichter so oft gegen seine Mannschaft pfeifen. Mit meiner vorherigen Antwort habe ich bereits auf dieses Problem verwiesen. Aber sprechen Sie mit Christian, der mit Spielerabgängen, Europacupbelastung und Verletzungen gerade eine komplizierte Zeit durchmacht, mal am Tag danach – Sie werden sehen, dass er all das schon wieder gelassener nimmt.

BVB-Trainer Jürgen Klopp wurde sogar auf die Tribüne verwiesen. Er vermutete, sein »weltbekannter Gesichtsausdruck« sei der Grund gewesen.
Kann ich mir kaum vorstellen. Wo Jürgen doch so gut aussieht!

Hat Ihr Aussehen mal ein Spiel entschieden?
Tolle Frage! Endlich kann ich es sagen: Ich habe ein Drei-Punkte-­Gesicht!

Bremens Aaron Hunt gab eine Schwalbe zu, Manuel Gräfe nahm den Elfmeterpfiff zurück. Gebührt dem reuigen Sünder ein Preis?
Fairness wird in anderen gesellschaftlichen Bereichen längst nicht so heuchlerisch diskutiert wie im Fußball. Das Spiel ist gläsern, alle sehen alles und glauben, über alles richten zu können. Nur die Akteure haben diese Informationen nicht. Wie oft habe ich erlebt, dass sie nach Videoanalysen ehrlich überrascht waren, wie sehr die Wirklichkeit von ihrem Empfinden abwich. Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, Hunt sollte unbedingt ausgezeichnet werden! Es ist schön, dass der Hochleistungsbereich solche Momente bereithält.

Waren Sie selbst mal geneigt, eine Entscheidung, die sie begünstigt hätte, zu korrigieren?
Wir sollten es mit der Fairness nicht übertreiben, sonst würden alle fünf Minuten Entscheidungen zurückgenommen – und alle würden sich ständig küssend in den Armen liegen.

Wer ist Ihr Lieblingsschiedsrichter?
Einer der besten aus der jüngeren Vergangenheit war Markus Merk. Meine Mannschaften hat er 14, 15 Mal gepfiffen, und ich dachte immer, es könne doch kein Zufall sein, dass er dabei so oft
unter seinem Niveau blieb. Siehe Christian Streich.

Beurteilen Sie Schiedsrichter heute milder als früher?
Bei Spielen, an denen ich nicht beteiligt war, konnte ich auch früher schon ein ganz milder Schiri-­Versteher sein.

Wären Sie selbst denn ein guter Schiedsrichter?
Bei aller Bescheidenheit: ein ausgezeichneter.

Was müsste ich Ihnen bieten, damit Sie ein Bundesligaspiel pfeifen?
Ich würde es freiwillig tun. Es hat mich bloß noch niemand gebeten. Leider. Oder soll ich sagen: zum Glück?

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