Wolfsburg-Kapitän Diego Benaglio über Magath, Diego und Klaus Allofs

»Ich hatte nie Probleme mit Magath«

Seit Sommer 2012 ist Diego Benaglio Kapitän beim VfL Wolfsburg, sechs Jahre arbeitete der 29-Jährige mit Felix Magath zusammen. Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen erinnerte sich Benaglio an den ehemaligen Coach und spricht über den Status quo in der Autostadt.

Diego Benaglio, seit Saisonbeginn sind Sie Kapitän vom VfL Wolfsburg. Was hat sich für Sie mit dieser Rolle verändert?
Die Veränderung war nicht so groß. Ich habe schon immer gerne Verantwortung übernommen. Nach fünf Jahren beim VfL gehörte ich ohnehin zu den Führungsspielern. Felix Magaths Entscheidung, mich zum Kapitän zu ernennen, hat mich natürlich sehr gefreut. Ich führe dieses Amt mit Stolz aus.

Sie kannten Felix Magath auch schon länger aus ihrer gemeinsamen Zeit beim VfB Stuttgart von 2002 bis 2005. War das ausschlaggebend für seine Entscheidung?
Zumindest weiß er, dass ich nicht zögere, auch mal unangenehme Themen anzusprechen. Vielleicht hatte das einen Einfluss auf seine Entscheidung. 

Magath ist bekannt für eine eher raue Umgangsart mit seinen Spielern. Wie konnten Sie damit umgehen?
Ich habe insgesamt sechs Jahre lang mit ihm zusammengearbeitet und war unter ihm sehr erfolgreich. Er ist eben ein Trainer, der alles dem Erfolg unterordnet. Deswegen darf er auch von den Spielern verlangen, dass sie alles für ihren Verein tun. Diesen Weg bin ich immer mitgegangen. Und wer das tut, der bekommt auch keine Probleme mit Felix Magath.

Hat Magath Sie stark geprägt?
Definitiv. Ich verdanke ihm sehr viel. Wenn man mit einem Trainer so lange arbeitet, dann ist der Einfluss natürlich groß. Wir wussten auch immer, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Nach seiner Entlassung beim VfL hieß es allerdings, die Spieler hätten Magaths Abgang befürwortet. Allen voran Diego. Ist da was dran?
Das ist nicht richtig. Das war eine Entscheidung vom Aufsichtsrat, basierend auf dem Tabellenplatz und den Partien, die nicht zufriedenstellend waren. Wir Spieler hatten damit nichts zu tun, und hatten die Entscheidung des Aufsichtsrates zu akzeptieren.

In der Zeit vor Magaths Entlassung war die Stimmung im Team merklich angespannt. Mussten Sie Meinungsverschiedenheiten unter den Spielern lösen?
Ich habe versucht diejenigen, denen es an Selbstvertrauen mangelte, zu stützen. Als Kapitän ist man das Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer. Wenn ein Mitspieler mal vergisst, was seine Qualitäten sind, dann muss man ihn als Mannschaftskapitän beizeiten daran erinnern.

Wie haben Sie sich eigentlich von Felix Magath verabschiedet?
Es ist im Fußball wie in allen anderen Berufen: Man begegnet sich im Leben immer zweimal. Natürlich ist es schade, wie es letztlich zu Ende ging, aber wenn wir uns wieder begegnen würden, gäbe es keine Spannungen. 



Seit 2009 war die Startelf nicht mehr so konstant. In den letzten fünf Partien hat der neue Trainer Lorenz-Günther Köstner immer dieselbe Startaufstellung aufgeboten. Bis auf die 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hat der VfL alle Spiele gewonnen. Ist diese neue Konstanz der Schlüssel zum Erfolg?
Wenn etwas prima funktioniert, braucht man es nicht zu verändern. Davor hat wenig geklappt, deswegen war Felix Magath auch gezwungen, verschiedene Formationen ausprobieren.


Was macht  Lorenz-Günther Köstner im Umgang mit den Spielern eigentlich besser als Felix Magath?
Ich vergleiche meine Trainer nicht gerne miteinander. So wie jeder Spieler individuell ist, sind eben auch die Trainer sehr verschieden.

Die Nachricht von Neuzugang Klaus Allofs soll insbesondere Ihre Mitspieler Naldo und Diego erfreut haben, die einst von Allofs nach Bremen geholt worden waren. Können Sie das bestätigen?
Als erstmals Gerüchte laut wurden, dass Klaus Allofs neuer Manager beim VfL Wolfsburg werden würde, haben wir natürlich bei den beiden nachgehakt. Naldo und Diego haben bislang durchweg gute Erfahrungen mit Klaus Allofs gemacht – und ich kann mich ihnen inzwischen nur anschließen.

Was hat sich grundlegend verändert seit das neue Duo Köstner/Allofs das Ruder in Wolfsburg übernommen hat?
Ganz einfach: Dank der Erfolgserlebnisse ist das Selbstvertrauen endlich zurück.  

Heute spielt der VfL gegen Werder Bremen, für Klaus Allofs eine ganz besondere Begegnung. Überträgt sich seine Nervosität auch auf die Mannschaft?
Jedem von uns ist bewusst, dass das für Klaus Allofs ein spezielles Spiel ist, aber wir sollten uns jetzt nicht von dem Drumherum ablenken lassen. Wir müssen versuchen, uns nur auf unsere Leistung zu konzentrieren.

Allofs hat unter anderem die Aufgabe, einen neuen VfL-Trainer zu suchen. Wenn es nach Ihnen ginge: Sollte Lorenz-Günther Köstner bleiben?
Es ist schwer, sich dazu zu äußern. Derzeit leistet er hervorragende Arbeit und hat einen guten Draht zur Mannschaft. Da im Moment kein Handlungsbedarf besteht, hat der Verein aber genug Zeit zu überlegen, wie es weitergehen soll. 

Während der Turbulenzen in den vergangenen Bundesliga-Wochen war es sicher angenehm für Sie mit der Schweizer Nationalmannschaft unterwegs zu sein?

(lacht) Es ist nicht so, dass ich mich freue, aus Wolfsburg weg zu sein. Ich freue mich immer sehr und bin stolz für die Schweizer Nati auflaufen zu dürfen. 

Einige Ihrer Schweizer Kollegen spielen ebenfalls in der Bundesliga. Jüngster Neuzugang: Xherdan Shaqiri. Wie hat er sich bei den Bayern eingelebt?

Wir haben nicht groß darüber geredet. Es geht ihm wie den meisten Schweizern in der Bundesliga auch: Alles ist eine Spur größer und deswegen gewöhnungsbedürftig. Das Medieninteresse ist enorm und gerade für junge Spieler eine Herausforderung. Aber in den vergangenen Jahren hat man gesehen, dass sich viele Schweizer in der Bundesliga und Italien durchsetzen konnten. Sie können also gut mit diesem Druck umgehen. Das spricht für die gute Ausbildung in der Schweiz.

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