Wolfgang Wolf trifft auf Sohn Patrick

»Hätte ich mal nichts erzählt«

Wolfgang Wolf feiert sein Debüt als Trainer von Kickers Offenbach gegen Wacker Burghausen. Ausgerechnet der Club, bei dem sein Sohn Patrick spielt. Dieser hat uns erzählt, wie er das Spiel angeht und was er vom Vater gelernt hat. Wolfgang Wolf trifft auf Sohn Patrick

Am kommenden Wochenende wartet ein besonderes Spiel auf Sie. Wie groß ist denn die Anspannung?

Gerade, wenn man die laufende Saison betrachtet, ist es natürlich ein besonderes Spiel für unser Team. Für mich persönlich wird es sowieso eine besondere Partie. Es ist nicht alltäglich, gegen seinen Vater zu spielen. Aber ich freue mich schon darauf.

Gab es denn unter der Woche Kontakt zum Vater?

Ich wohne schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr zu Hause, da ich ja nach Nürnberg gewechselt bin und meine Familie noch in der Pfalz wohnt. Aber ich telefoniere täglich mit meinen Eltern.

Da hat man doch mit Sicherheit schon über das kommende Spiel gesprochen, oder?

Klar. Ich habe mich schon fast geärgert, dass ich meinem Vater vorher schon so viel über unsere Mannschaft erzählt habe, als er noch nicht Trainer in Offenbach war. Für diese Woche haben wir ausgemacht, über die Themen »Burghausen« und »Offenbach« Stillschweigen zu bewahren.

Hat er Sie denn um Rat gefragt, bevor er bei Offenbach unterschrieben hat?

Nein, aber mein Vater ist so interessiert, dass er schon genug Infos hatte. Ich wusste von seiner Entscheidung gar nichts. Direkt nach der Entlassung seines Vorgängers wurde er angerufen und hat auch relativ fix zugesagt. Ich war zu diesem Zeitpunkt auf dem Trainingsplatz und habe es erst in der Kabine erfahren. Da war ich komplett baff, aber habe mich für ihn enorm gefreut. Offenbach ist einer der größeren Vereine unserer Liga.

Herrscht da nicht ein ganz anderes, auch explosiveres Umfeld als in Burghausen?

Das stimmt. Wenn man jetzt hört, dass am kommenden Wochenende 10.000 Zuschauer kommen sollen, da merkt man schon, dass der Verein etwas gestandener ist. Wir haben einen Zuschauerschnitt von zwei- bis dreitausend Zuschauern, das ist etwas beschaulicher.

Können Sie Ihren Mitspielern denn helfen, weil Sie wissen, wie Ihr Vater fußballtechnisch tickt?

Im Training habe ich ihn nicht kennengelernt. Ich weiß, dass er ein ziemlicher Motivator ist und Mannschaften pushen kann. Aber welches System er beispielsweise spielen lässt, kann ich auch nicht sagen. Ich denke, da wird er sich auch an der Offenbacher Mannschaft orientieren.

Kann es andersherum sein, dass Ihr Trainer Sie auf der Bank lässt, weil er denkt, dass der gegnerische Trainer ihre Spielweise zu genau kennt?

(lacht) Das hoffe ich nicht. Vielleicht hat er sich diese Gedanken gemacht. Auch weil mein Vater ein paar Mal bei uns zugeschaut hat. Aber mein Vater kennt nicht nur mich sehr gut, sondern generell bereitet er sich akribisch auf die Spieler und Stärken des Gegners vor. Das ist sein Job.




  Sie haben in der Jugend für Nürnberg und Kaiserslautern gespielt. Sind Sie Ihrem Vater immer gefolgt?

Das war in der frühen Jugend so und später in Kaiserslautern. Da bin ich aber ein dreiviertel Jahr geblieben ohne ihn. Nürnberg war dann meine erste Station, bei der ich nicht meinem Vater gefolgt bin.

Und folgen Sie ihm dann auch bald zu den Kickers?

Nein, nein. Ich habe einen Vertrag in Burghausen bis zum nächsten Jahr. Außerdem kommt es auch nicht so gut an, wenn man als Spieler unter seinem Vater aufläuft. In der Jugend war ich zwar im selben Verein wie er, aber habe nicht direkt unter ihm gespielt. Das wäre nicht so ganz einfach.

Bekommt man dann viele Sprüche zu hören?

Ja, so nach dem Motto »Du spielst sowieso nur wegen deines Vaters«, das habe ich 15 Jahre lang jeden Tag gehört. Das brauche ich nicht mehr unbedingt. Im Seniorenbereich ist es einfacher, weil dort klar ist, dass man nicht nur wegen des Vaters aufläuft. Doch im Jugendbereich ist es schwierig, solche Vorurteile abzubauen. Jetzt in Burghausen fühle ich mich sehr wohl, da ich hier als Patrick Wolf wahrgenommen werde und nicht als Sohn von Wolfgang Wolf.

Haben Sie in Ihrer Kindheit es auch zu spüren bekommen, wenn es bei dem damaligen Verein Ihres Vaters schlecht lief? Wurden Sie deswegen auch mal in der Schule angemacht?

Ja, manchmal. Da kriegt man ab und an mal zu hören: »Was hat Dein Vater denn da wieder für einen Mist gebaut.« Aber das ist normal und man gewöhnt sich nach einer gewissen Zeit dran. Dann hört man einfach weg. Es gibt bei jeder Sache schöne und schlechte Seiten.

Mischt sich Ihr Vater denn bei Vertragsangelegenheiten ein?

Was heißt »einmischen«? Ich verlange sogar von ihm, dass er dort mit dabei ist. Er ist so lange im Geschäft und hat dadurch die nötige Erfahrung. Ich setze deshalb immer auf seinen Rat. Am Ende entscheide natürlich ich, aber er hilft mir schon.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie Ihr Vater Sie zum Fußball gebracht hat?

Man meint immer, dass mein Vater mich dazu gebracht hat. Aber eigentlich war es meine Mutter, die mir alles ermöglichte. Mein Vater hatte nicht viel Zeit durch seinen Job und deswegen hat meine Mutter mich immer zum Training gefahren. Mir wird erst jetzt, wo ich selbst ein Auto habe, bewusst, wie viel Zeit sie für mich aufgewandt hat. Mein Vater hat immer gewarnt vor dem Beruf des Fußballers und war sehr darauf bedacht, dass ich mich auf die Schule und die Ausbildung konzentriere. Also ein Großteil meines Werdegangs geht auf das Konto meiner Mutter.

Normalerweise schlagen die Mütter doch die Hände über dem Kopf zusammen, wenn plötzlich der Filius auch so in den Fußball involviert wird wie der Vater.

Meine Mutter hat aber gemerkt, dass ich den Fußball brauchte. Wenn ich eine Woche ohne Fußball hatte, war ich ein anderer Mensch und hatte ganz schlechte Laune.

Was haben Sie sich denn von Ihrem Vater abgeschaut?

Mein Vater lebt für den Fußball. Vor allem seine Disziplin bewundere ich sehr. Auch wenn er aus einer anderen Zeit kommt, aber für ihn stand Fußball immer an erster Stelle. Und wenn ich jetzt an meine Wochenenden denke, dann sind Partys für mich auch absolut tabu. Da habe ich schon von ihm gelernt, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren sollte.

Noch einmal zum Spiel am kommenden Wochenende. Gibt es eine normale Begrüßung oder wird man sich keines Blickes würdigen?

Ich werde ihn ganz normal begrüßen, wie man seinen Vater eben begrüßt. Während des Spiels kennt man sich natürlich nicht und was nach dem Spiel ist, weiß ich nicht. Das hängt dann vom Ausgang des Spiels ab. Normalerweise müsste man eine Wette eingehen, dass der Verlierer des Spiels ein Essen arrangiert. Nur leider haben wir am drauffolgenden Mittwoch ein weiteres Spiel und werden deshalb zeitig abreisen müssen.

Und wie ist die Marschroute für das Spiel?

Wir müssen mindestens einen Punkt mitnehmen. Ich gehe davon aus, dass wir das schaffen. Ein Sieg wäre natürlich fantastisch.

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