Wolfgang Sidka zieht Bilanz

Batistuta, Intifada, Nordkorea

Sieben Jahre hat Wolfgang Sidka in der arabischen Wüste gearbeitet, trainierte Batistuta, erlebte die Intifada und fotografierte in Nordkorea. Doch nun will Sidka endlich zurück in die Bundesliga – »als was auch immer«.  Wolfgang Sidka zieht Bilanz

Wolfgang Sidka, mit Verspätung: Willkommen zurück! Sieben Jahre waren sie in Bahrain und Katar als Trainer tätig, in Deutschland haben Sie bislang nur kleinere Klubs trainiert. Wieso?

Seit 2007 bin ich wieder hier und musste bislang feststellen: es ist sehr sehr schwierig in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Sieben Jahre war ich weg vom Fenster und der Bahrain liegt ja nicht vor meiner Haustür.

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Zuletzt haben Sie den FC Oberneuland trainiert, das Engagement jedoch bald wieder beendet. Warum?

Dazu müssen Sie wissen, dass ich in Oberneuland wohne und die Verantwortlichen im Verein seit langer Zeit kenne. Nachdem ich hier ein paar Monate trainiert habe, musste ich jedoch erkennen: unsere Auffassungen sind doch sehr unterschiedlich. Ich wollte nicht ewig in der Regionalliga bleiben, sondern mehr erreichen und habe deshalb auch sehr intensiv zweimal am Tag trainieren lassen. Das war der Mannschaft einfach zu viel Aufwand.

Sie waren zu professionell für den Verein und die Liga?


Mit einem Satz kann man das so sagen, ja.

Als Sie 2000 Deutschland verließen, war Ihnen da klar, dass ein Wechsel in ein Fußball-Entwicklungsland möglicherweise einen Imageschaden bedeuten könnte?

Nein, das war mir nicht bewusst und ich habe das auch unterschätzt. Die Einschätzung ist aber falsch. In Deutschland haben Länder wie Bahrain oder Katar überhaupt keinen Stellenwert, man will hierzulande gar nicht glauben, dass es dort gute Fußballer gibt. Ich habe in Katar zwei große Klubs trainiert, Al Arabi und Al-Gharafa. In beiden Vereinen waren sehr gute Spieler, die ich auch in Deutschland empfohlen habe, die es auch in der Bundesliga hätten schaffen können.

Der arabische Raum als quasi noch ungenutzter Markt für Spielertransfers?

Richtig. Es gab Ausnahmen, wie die Iraner Karimi oder Ali Daei, auch Spieler aus dem nordafrikanischen Raum. Die Vorurteile sind in Deutschland doch noch sehr groß.

Nach Ihrer Entlassung in Bremen, dem kurzen Gastspiel in Osnabrück, war plötzlich zu lesen: Wolfgang Sidka geht in den Bahrain. Wie ist dieser Wechsel zu Stande gekommen?

Ich bin auf der Autobahn von Bremen nach Berlin und bekomme plötzlich einen Anruf von einem Journalisten vom DSF. Thomas Walz war das, den kannte ich damals aber gar nicht. Und der fragt mich: »Herr Sidka, können sie sich vorstellen die Nationalmannschaft von Bahrain zu trainieren?«

Wie kam es dazu?

Sage ich ihnen: der ehemalige Nationaltrainer der Bahrainis hatte quasi als letzte Amtshandlung den Auftrag bekommen einen neuen Auswahltrainer zu holen. Und: es sollte ein Deutscher sein. Wegen deutscher Wertarbeit, Disziplin und so weiter. Dieser Ex-Trainer hat in Garmisch nun den Thomas Walz kennen gelernt, der ihm ein paar mögliche Kandidaten für das Amt genannt hat. Einer davon war ich. Ich hab mich erst nicht dafür interessiert, das Ganze auf die lange Bank geschoben. Bis eine Einladung aus Bahrain kam. Ich hatte nichts zu verlieren, also, dachte ich mir, geh einfach mal hin. Eine knappe Woche war ich da und war beeindruckt, wie die sich um mich bemüht haben.

Also haben Sie zugesagt?

Also habe ich zugesagt. Man hatte mir einen Vertrag zugeschickt, den ich sehr sorgfältig studiert habe, sogar noch von meinen Anwalt habe absegnen lassen. Doch als ich bei der Vertragsunterzeichnung dasitze, vor mir jede Menge Presseleute, neben mir die Verbandsmitglieder, sehe ich, dass da ein zusätzlich Absatz in den Vertrag aufgenommen wurde. Ich kannte das Schriftstück ja in und auswendig.

Was stand da?

Sieben Monate Vertrag, die ersten drei Monate mit täglicher Kündigungsfrist.

Tägliche Kündigungsfrist?

Ich hab eine Minute lang überlegt. Den Sportminister zu meiner Rechten, den Verbandspräsidenten zu meiner Linken. Entweder es klappt, Wolfgang, oder es klappt nicht. Ich habe unterschrieben. Aus sieben Monaten sind schließlich sieben Jahre geworden. Ohne tägliche Kündigungsfrist.

Sind Sie denn schon immer so ein abenteuerlustiger Typ gewesen? Ihre Stationen als Spieler (Hertha BSC, 1860 München, Werder Bremen) lassen darauf ja nun nicht unbedingt schließen.

Nein, überhaupt nicht. Das war damals purer Zufall. Aber ich habe nicht darüber nachgedacht, sondern den Wechsel nach Bahrain durchgezogen. Das war vermutlich meine große Stärke. Mich hat auch beeindruckt, wie reizend und gastfreundlich man mich behandelt hat. Man hat mir ja nicht nur einen halben Tag Aufmerksamkeit gewidmet. 2002 hatte ich den Präsidenten von Bahrain in meinem Haus in Bremen sitzen, mit seinem persönlichen Begleiter, der Sekretär und Bodyguard war. Der saß bei mir im Wohnzimmer in Jeans und T-Shirt, ohne seinen weißen Kittel an. Wir haben Fußball geguckt.

Zu Beginn Ihrer Zeit als Nationalcoach mussten Sie erst einmal einige Dinge vor Ort klären.

Ganz genau. Ich habe den Verantwortliche gesagt: ich brauche zwei Leute. Einen Fitnesstrainer von Sporthochschule und einen Psychologen, der mich mal zehn Tage besucht. Was Klinsmann 2004 in Deutschland eingeführt hat, das habe ich schon 200 gemacht. Hat nur keiner drüber geschrieben, weil es keiner mitbekommen hat. Der Fitnesstrainer hat dann mit den Jungs die Leistungsdiagnostik durchgezogen und anschließend hatte ich entsprechende Daten, an denen ich ganz klar festmachen konnte, wo ich ansetzen musste. Meine Spieler waren unglaubliche gute Fußballer, die hatten Koordination und Technik. Was sie nicht hatten war Kraft und Ausdauer.

Konnten Sie diesbezüglich Abhilfe schaffen?

Das war am Anfang unglaublich schwer. Es fehlte an Disziplin, vor allem an Nachhaltigkeit und Zielstrebigkeit. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: statt rechtzeitig Monate vor dem Saisonstart anfangen zu trainieren, kommen die Spieler erst eine Woche vor dem ersten Ligaspiel. Die sagen sich: das reicht doch, warum soll ich vorher da sein? Wegen der Hitze ist die Sommerpause zwei Monate lang, die Spieler sind also quasi drei Monate ohne Training und steigen erst wenige Tage vor dem Spielbetrieb wieder ein. Das funktioniert so, weil es jeder so macht.

Hatten Sie ein Mittel, dagegen vorzugehen?

Durchgreifen. Auch dafür habe ich ein Beispiel. Vor dem ersten Training war ich mit meinen beiden Co-Trainern – zwei Brasilianern, die schon vorher da waren – auf dem Weg zum Nationalstadion. Von den Spielern kannte ich niemanden. Die Gesichter sahen für mich alle gleich aus. Ich hatte sechs Wochen lang sämtliche Ligaspiele und Trainingseinheiten bei den Vereinen beobachtet und anhand dieser Einrücke die Spieler berufen. Ich sitz also im Auto mit meinen beiden Kollegen, wir wollen zum ersten gemeinsamen Training. 25 Spieler hatte ich ausgewählt, die vor Ort auf mich warten sollten. Die Brasilianer witzeln rum und fragen: »Was meinst du, wie viele kommen? Ich sag: »Na 25, ich habe doch alle eingeladen!« Die antworten nur: »13 oder 14 Spieler, mehr werden nicht da sein.« Und das stimmte genau.

Und wie haben Sie nun durchgegriffen?

Zunächst einmal habe ich mich geduldig gezeigt. Nach zwei Wochen hatte ich endlich alle zusammen. Dann sind zwei Spieler nicht zum Training erschienen. Eine Woche später das gleiche Prozedere. Sie seien müde gewesen und wären auf der Couch eingeschlafen. Da habe ich ihnen gesagt, dort könnt ihr euch jetzt immer ausruhen.

Konsequent.


Ja. Und dann kam aber das Entscheidende. Die Bahrainis sind ja alle ganz heiß darauf für ihr Land zu spielen. Für die Nationalmannschaft geben die alles, die laufen bis zum Umfallen. Nur fehlte es an der Fitness. Der, den ich rausgeschmissen hatte, war mein Mannschaftskapitän, ein wichtiger Spieler also. Die Scheichs von seinem Verein haben sich eingeschaltet, aber ich habe mich nicht umstimmen lassen. Die anderen haben gesehen: jetzt weht hier ein schärferer Wind. In den folgenden Monaten hat Bahrain immer bessere Ergebnisse erzielt, einfach, weil die Mannschaft fitter war und sich spieltechnisch und taktisch erheblich verbessert hatte. Einen der suspendierten Spieler habe ich später begnadigt, weil ich gehört hatte, dass der äußerst hart trainieren würde. Der andere wurde später auch wieder eingeladen. Ich hatte das Herz der Spieler gewonnen. Die haben gemerkt: wenn sie was tun, wird das auch belohnt. Danach sind die 90 Minuten lang nur marschiert.

Mit zählbaren Erfolgen.


Sicher. Die Maßnahmen haben gegriffen. 16-mal hat der Bahrain in Folge gegen den Irak verloren, wir haben die Serie gebrochen. Plötzlich kamen die Zuschauer, die Stadien waren voll. 40.000 Menschen, auch Frauen. Das hatte es vorher auch noch nicht gegeben.

Ihr Abschied aus dem Bahrain verlief dann aber doch etwas unorthodox.

Mein Traum wäre es gewesen, mich mit dem Bahrain für die WM 2006 in meiner Heimat zu qualifizieren. Das ist mir leider versagt geblieben. Wir verloren ein sehr wichtiges Spiel gegen Japan – mir fehlten vier enorm wichtige Spieler – und danach waren wir nur Dritter in unserer Gruppe. Während eines kurzen Trainingslagers in Deutschland bekomme ich einen Anruf aus dem Bahrain: »Trainer, seit einer Woche läuft die Presse Amok. Der Druck ist riesengroß. Wir müssen dich entlassen.« Ohne mich hat der Bahrain dann das entscheidende Spiel gegen Trinidad und Tobago verloren und durfte nicht mit zur WM.

Die viel zitierte Trainer-Philosophie. Gibt es die, und wenn ja, wie lautet Ihre?


Diese ganzen Begriffe werden ja immer neu verpackt. Zum Beispiel das so genannte Vertikalspiel. Was heißt denn Vertikalspiel?

Tja...

Vertikalspiel wird ja immer verwendet, um steile Pässe in die Spitze zu bezeichnen. Wenn mich jemand fragt, sage ich aber: Das sind Pässe, die steil nach oben gehen. Denn das bedeutet ja vertikal. Soll ich also den Ball steil in die Luft spielen, oder was? Es werden immer neue Wörter erfunden. Trainer-Philosophie hieß früher einfach: Spielauffassung. Natürlich hat sich der Fußball in den vergangenen Jahren entwickelt.

Aber die neu verpackte Begriffsflut scheint Sie zu ärgern.

Passen Sie auf. Wenn ich als Trainer sage: ich will schnell und offensiv nach vorne spielen. Da krieg ich doch von jedem Beifall! Wenn ich sage, ich will 100 Tore in der Saison schießen und ein 4:2 ist mir lieber als ein 1:0. Dann sagen alle: so ist es richtig! Aber das umzusetzen ist doch verdammt schwer. Wenn sie ein Team, wie Energie Cottbus trainieren, dann werden sie es wesentlich schwerer haben diese Spielauffassung umzusetzen, als wenn sie Bayern München trainieren.

Das heißt, ein Trainer muss sich immer seiner Mannschaft anpassen?

Natürlich. Um seine Spielauffassung zu vermitteln braucht man ohnehin erst einmal eine fitte Mannschaft. Ohne Fitness kein Erfolg. Sonst könnten sie die All-Star-Mannschaften mit den Größen von früher im Spielbetrieb mitspielen lassen. Spielerisch, technisch sind die alle hervorragend, nur laufen können sie eben nicht mehr so schnell. Und so viel.

Sie haben bei Al-Gharafa die in die Jahre gekommenen Alt-Stars Gabriel Batistuta und Stefan Effenberg gecoacht. Waren das die besten Fußballer, die sie je trainiert haben?

Als Batistuta und Effenberg zu mir kamen, war einer der Einheimischen als Kapitän ausgewählt. Die Binde habe ich gleich Batistuta gegeben und gesagt: »Was Effenberg und Batistuta auf dem Platz sagen, das wird auch gemacht.« Wer da nicht gespurt hat, hat auch nicht gespielt. Batistuta war ein fantastischer Spieler. Ich werde ja auch einen Teufel tun und Spielern wie Batistuta das Fußballspielen zu erklären. Was der gesagt hat, das wurde auch gemacht. Batistuta ist ein unglaublicher Profi. In der Saison ist er mit 26 Treffern Torschützenkönig geworden und hat dafür einen neuen BMW bekommen. Einen Spieler, der so effizient im Verwerten von Torchancen ist, habe ich noch nicht gesehen. Wissen sie, was fußballerisch in Katar das Spannendste war, was ich erlebt habe?

Sagen Sie es uns!


Die Allstar-Mannschaft zu trainieren, die 2004 gegen Bayern München spielen durfte. One-Touch-Fußball, unglaubliche Fußballer. Das hat so ein Spaß gemacht. Basler, Effenberg, Hierro, Batistuta, Leboeuf – solche Fußballer waren dabei. Das war eine ganz große Ehre für mich. Die Bayern haben 600.000 Dollar bekommen und anschließend einen riesigen Pokal. So ein großes Ding hatte ich vorher auch noch nicht gesehen.

Sie haben von 1982 bis 1987 bei Werder Bremen unter Otto Rehhagel gespielt. Ist nicht erstaunlich, wie viele Spieler aus der Rehhagel-Ära später in den Trainerbereich eingestiegen sind?

Das hatte auch Gründe. Wenn eine Trainerfigur so lange bei einem Verein bleibt, hat man auch Erfolg. Hat man Erfolg hat man auch Spaß am Beruf. Das war doch das gleiche bei Borussia Mönchengladbach, viele der ehemaligen Weisweiler-Schützlinge sind später ebenfalls Trainer geworden. Das war bei Otto genauso. Was den am meisten auszeichnete war seine Begeisterungsfähigkeit. Der erzählte von einem Theaterstück, dachte aber doch nur an Fußball. Ein Fußball-Verrückter. Das hat er auf uns übertragen. Ich wollte eigentlich Manager werden und nicht Trainer. Den A-Schein habe ich nur so nebenbei gemacht. Bei Tennis Borussia musste ich dann kurzfristig aushelfen, denen war der Trainer damals abgehauen. Später beim VfB Oldenburg habe ich davon profitiert mich für den Beruf begeistern zu können. Die Zeit dort war wirklich klasse.

Sie sind dort nur knapp am Durchmarsch in die 1. Liga gescheitert.

Richtig. Die Aufstiegsspiele in der Oberliga haben wir souverän gewonnen, im nächsten Jahr die Klasse gehalten und dann oben angegriffen. Ein Tor hat dann zum Aufstieg gefehlt. Am vorletzten Spieltag verloren wir mit 2:3 gegen St. Pauli, unsere einzige Niederlage in der Rückrunde. Uerdingen musste im letzten Spiel gegen St. Pauli verlieren, spielte aber 0:0.  In der 89. Minute hatte St. Pauli eine tausendprozentige Chance, aber der Ball rauschte meterhoch über die Latte. Uerdingen war durch, wir blieben in der 2. Liga.

Bei Werder Bremen verlief Ihre Zeit hingegen eher unglücklich. Was ist da schief gelaufen?

Kann ich ihnen sagen. Die Anfrage von Werder kam für mich überraschend, ich kam ja direkt vom FC Oberneuland. Als ich die Mannschaft übernahm waren wir Tabellenletzter. Innerhalb eines Jahres habe ich es über den UI-Cup bis in den Europacup geschafft. Als erster Trainer seit Otto Rehhagel. Jetzt geht die nächste Saison los, nach acht Spieltagen sind wir Letzter und ich werde entlassen. Das ist die Kurzfassung.

Und was ist die ganze Geschichte?

Dazu muss ich länger ausholen. Es begann damit, dass ich Ailton verpflichten wollte. Doch der Transfer klappte nicht. Präsident Böhmert hatte mir den Spieler versprochen, doch der kam nicht. Labaddia war weg und ich hatte ein Sturmproblem. Im Oktober 1998 kam Ailton dann doch – für 3 Millionen D-Mark. Ursprünglich sollte er 2,5 Millionen kosten Dafür ging Hany Ramzy. Kaiserslautern war an ihm interessiert, mittlerweile war Rehhagel dort Trainer. Der Vorstand war der Meinung, dass mit dem Verkauf von Ramzy gutes Geld, so was wie 2-3 Millionen Mark, in die Bremer Kassen fließt. Ich habe gesagt: Leute, das geht auf keinen Fall, Hany ist mein wichtigster Abwehrspieler! Ich bin danach in den Urlaub gefahren und als ich wieder kam war Ailton nicht da und Ramzy verkauft. Das war das erste und einzige Mal, dass über meinen Kopf hinweg entschieden worden war. Fakt war: mir fehlte ein guter Stürmer und mein bester Abwehrspieler war weg. Hinzu kam noch, dass wir Oliver Reck verkauft hatten, wir waren uns sicher in Frank Rost ein guten Nachfolger gefunden zu haben. Frank hat ja später auch seine Qualitäten unter Beweis gestellt, damals war er aber unglaublich nervös und hat in den ersten Spielen mehrmals gepatzt. Außerdem hatte sich die halbe Mannschaft verletzt. Im Mittelfeld fehlten Andreas Herzog – der hatte sich den Mittelfuß gebrochen -, Juri Maximov – ein wunderbarer Mittelfeldspieler und Stammspieler in der Ukraine, und Christian Brand, der sich das Bein gebrochen hatte. Damit fiel schon einmal das komplette kreative Mittelfeld aus.

Und weiter?

Jens Todt, vielleicht neben Ramzy mein zuverlässigster Abwehrspieler, fehlte die gesamte Vorbereitung und kam erst wieder in Form als ich praktisch schon entlassen war. Insgesamt haben wir sieben Leute gefehlt. Damals wollte das natürlich keiner hören.

Bis es mit Bremen unter Thomas Schaaf wieder aufwärts ging, gab es die »Jahre voller Frust«, wie es in einem Werder-Song heißt. Woran lag das?

Wenn so eine markante und erfolgreiche Trainerfigur, wie Otto Rehhagel, aufhört, dann entsteht ein Vakuum. Viele Leute wollen dann die Macht haben, die zuvor nur er hatte. Als Trainer brauchst du Macht. Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben die aktuell auch. Als die anfingen waren sie beide Anfänger in dem Geschäft und mussten auf Gedeih und Verderb zusammen halten. So konnten sie eine neue Hierarchie beginnen, auch weil mächtige Entscheidungsträger wie Böhmert und Lemke aufgehört hatten. Meine Zeit fiel in dieses Vakuum der Machtkämpfe, an dem sich schließlich auch mein Nachfolger Felix Magath die Zähne ausbiss.

Hat Sie die heftige Kritik an Ihrer Person damals getroffen?

Sicherlich. Bremen ist meine Heimatstadt, Werder meine erste Station in der Bundesliga. Natürlich ging mir das nahe, gar keine Frage. Das schüttelt man nicht so leicht ab. Aber: wenn man Tabellenletzter ist muss man mit Konsequenzen rechnen. Da kannst du mit noch so guten Argumenten kommen. So ist der Trainerberuf nun einmal. Ich habe mich auch damals nie so verteidigt. Du musst mit dem Personal, dass du hast, auskommen. Egal, ob da nun sieben Leute fehlen. Alles, was ich ihnen gerade erzählt habe, habe ich ja so damals nicht gesagt. Ich war loyal zu meinem Verein.

Nach der Entlassung in Bremen haben Sie zunächst etwas Abstand gesucht.

Ich musste das Ganze erst einmal verarbeiten. Klar, das hat weh getan, aber wenn das in Bremen nicht passiert wäre, hätte ich nie Möglichkeit gehabt das Abenteuer in Bahrain und Katar zu erleben. So viele schöne Erinnerungen. Ich erinnere mich an ein Silvester, da hatte ich in meinem riesigen Haus 28 Leute eingeladen. 16 verschiedene Nationalitäten, 24 Grad und wir haben gegrillt. Sensationell.

Viel erlebt...

Auf jeden Fall! Ich war in Teharan, als am 11. September 2001 die Flugzeuge in das World Trade Center flogen. Ich war in Bagdad dabei, als die zweite Intifada begann. 500.000 auf den Straßen, einige bewaffnet mit Kalashnikovs. Oder Nordkorea. Da kommst du als Ausländer ja eigentlich gar nicht rein. Vor zwei Jahren war mal ein Artikel im Spiegel oder Stern über Nordkorea, mit ganz vielen Fotos. Die Bilder muss irgendein Fotograf heimlich rausgeschmuggelt haben, man darf dort ja überhaupt keine Fotos schießen. Als ich da war – für ein Länderspiel -  habe ich ganz frei und offen fotografiert, mir hatte ja keiner von dem Verbot erzählt! Die hätten mich in den Knast gesteckt. 40 Bilder habe ich zu Hause. Hätte ich da gewusst, hätte ich die dem Spiegel verkauft. Hätte ich noch richtig Kohle für bekommen! (lacht)
 
Was sind Ihre Pläne für die nahe Zukunft?

Ich will wieder in den bezahlten Profi-Fußball. Als was auch immer. Muss ja nicht unbedingt als Trainer sein. Mir schwebt die erste oder zweite Liga vor, das ist mein Ziel. Das ist schwer, das weiß ich. Aber: durch meine Kontakte und Internationalität könnte ich jedem Verein weiterhelfen.

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