13.09.2009

Wolfgang Rolff über Werders Ambitionen

»Es liegt jetzt an uns«

Diego weg, Frank Baumann weg, von der Raute zur Doppelsechs und wieder zurück: Werder Bremen hat viel umgebaut. Hier zieht Co-Trainer Wolfgang Rolff ein Zwischenfazit – und spricht über die Rückkehr an die Spitze.

Interview: Lucas Vogelsang Bild: Imago
Herr Rolff, in Werders Mittelfeld hat sich in dieser Saison einiges verändert. Frank Baumann ist weg, dafür ist Tim Borowski wieder da. Was ist in den kommenden Monaten von diesem Mannschaftsteil zu erwarten?

Das Mittelfeld ist natürlich das Herzstück der Mannschaft. Aber man darf nicht vergessen, dass da noch sieben andere Spieler auf dem Platz stehen, ohne die unser Spiel nicht funktionieren kann.  



Nach der Borowski-Verpflichtung ist Werder mit einem rein deutschen Mittelfeld in die Saison gegangen.

Es zeichnete sich zumindest so ab. Und neben Frings, Borowski, Özil oder Marin haben wir ja noch weitere deutsche Spieler für das Mittelfeld, Peter Niemeyer etwa. Oder Philipp Bargfrede.

Ist diese deutsche Ausrichtung eine bewusste Strategie, die Werder verfolgt?

Das kann man schon sagen, dass es unsere Philosophie hier in Bremen ist, viele deutsche Spieler in der Mannschaft zu haben. In dieser Saison sind wir allerdings besonders deutsch gestrickt. Noch mehr als früher.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Es gehört zum Konzept, das seit Jahren verfolgt wird. Wir hatten ja auch in den letzten Jahren überwiegend versucht, auf deutsche Spieler zu setzen. In dieser Saison ist Diego nun nicht mehr dabei und ein Spieler wie Daniel Jensen leider länger verletzt. So hat sich das Verhältnis noch mal verschoben.

Zufall?

Das hängt ja immer davon ab, was der Markt hergibt und wie die Entwicklung einzelner Spieler verläuft. Nicht immer ist diese Philosophie auch so umsetzbar, wie wir uns das vorstellen. Wie man bei Marko Marin oder auch Tim Borowski sehen konnte, ist es ja auch kein Selbstläufer, dass man die Spieler, die man haben will, bekommt. Bei Marko Marin haben wir uns entschlossen, ihn jetzt schon zu holen und eben auch noch die entsprechende Ablöse zu zahlen, Mesut Özil hat sich neben Diego in einer Form weiterentwickelt, die man nicht unbedingt erwarten konnte.  

Gibt es noch andere Faktoren, die bei der Zusammenstellung der aktuellen Mittelfeldformation eine Rolle gespielt haben?

Es ist ja auch eine Systemfrage. Grundsätzlich wollen wir uns mehrere Möglichkeiten schaffen. Wir wollen in diesem Jahr flexibler agieren. Und haben dann nach Spielern gesucht, die in diese Systeme passen und so hat sich das meiste von allein ergeben.

Sie scheinen mit der aktuellen Entwicklung sehr zufrieden zu sein.

Ja, denn ich denke, dass die Spieler, die wir jetzt haben, ganz gut zusammenpassen. Und natürlich ist es eine tolle Sache, dass man die eigene Wunschvorstellung mit so jungen Spielern wie Marin oder Özil, also mit jungen Nationalspielern, umsetzen kann. Das macht es besonders wertvoll.

Gemeinhin gilt aber, dass deutsche Spieler teurer sind als etwa Spieler aus Osteuropa. Erschwert es der Markt, ihre Philosophie umzusetzen?

Nicht unbedingt, bei uns war es so, dass wir eben in den vergangenen Jahren das Glück hatten, internationale Topspieler wie Diego und Micoud für vergleichsweise wenig Geld holen zu können. Und wenn man solche Spieler bekommen kann, greift man zu und baut das Mittelfeld dann um diese Spieler herum auf, ganz egal, ob die deutsch sind oder nicht.  

Sie sprechen Diego an. Wie hat sich Werders Spiel im Mittelfeld ohne den Brasilianer verändert?

Nach dem Weggang von Diego hat sich einiges verändert. Mit Marin haben wir einen ganz anderen Spieler-Typ bekommen, der es uns auch ermöglicht, anders zu spielen als bislang.   

Was spielt Werder denn nun: Raute oder Doppelsechs?

Wir sind nicht auf ein System fixiert. Die Übergänge sind zum Teil fließend.

Was trauen Sie Mesut Özil in der näheren Zukunft zu?

Bisher hat Mesut sich hervorragend entwickelt. Was umso bemerkenswerter ist, da er sich neben Diego beweisen und seinen Platz im Team finden musste. Mesut ist sicher auf dem Weg dorthin, in Zukunft eine solche Spielerpersönlichkeit zu werden.

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