17.12.2006

Wolfgang Rolff über große Siege

»Ein Team braucht Sauhunde«

Wolfgang Rolff hat viele Mannschaften dazu gebracht, über sich hinauszuwachsen – so wie heute an der Seite Thomas Schaafs den SV Werder Bremen. Im Gespräch erzählt er, wie es ist, ein Leitwolf zu sein.

Interview: Andre Tucic Bild: Imago
Wolfgang Rolff über große Siege


Am Anfang Ihrer Laufbahn galten Sie europaweit als Super¬-Talent im defensiven Mittelfeld. Trotz Ihrer bewegten Laufbahn hat es aber für keine internationale Laufbahn gereicht.

Immerhin habe ich 36 mal für Deutschland gespielt, an zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft teilgenommen.

War nicht noch mehr drin?

Man muss natürlich dazu sagen, dass ich auf meiner Position Lothar Matthäus vor mir hatte. Und Lothar war damals in den Medien sehr präsent und von seiner Art ganz anders als ich. Für mich war es wichtiger, mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, anstatt mich selber in ein gutes Licht zu rücken. Lothar hat mit seiner Fresse ganz anders jongliert, als ich das getan habe. Aber er war auch ein anderer Spielertyp - offensiver und dynamischer. Ich habe eher für die Mannschaft in der Defensive gearbeitet.

Sie haben sich stets in den Dienst der Mannschaft gestellt. Waren Sie daher auch so häufig die rechte Hand der Trainer?

Vermutlich. Mit den meisten hatte ich halt ein wirklich gutes Verhältnis. Da bleibt es nicht aus, dass man, auch wegen dem Kapitänsamt, als verlängerter Arm des Trainers gilt. Die einzige Ausnahme war der 1. FC Köln. Zwischen mir und Morten Olsen hat die Chemie nicht gestimmt. Und letztlich habe ich den Vertrag auflösen lassen.

Und zu welchem Trainer pflegten Sie ein besonders inniges Verhältnis?

Zu Ernst Happel und Erich Ribbeck. Aber vor allem auch zu Egon Coordes in Bremerhaven. Er hat mich in punkto Durchsetzungsvermögen sehr stark geprägt. Man musste ja damals den inneren Schweinehund stärker bekämpfen, als heutzutage – im Training ging es da noch ganz anders zur Sache.

Sie haben mit Trainern wie Happel, Ribbeck, Olsen, Schäfer oder Vogts zusammengearbeitet. Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Natürlich habe ich von jedem etwas übernommen. Wer eine Mannschaft führen will, braucht jedoch seinen eigenen Stil. Auffällig ist, dass ich als Aktiver in Mannschaften war, für die das Spielerische im Vordergrund stand. Das hat mich in meinem Fußball-Verständnis geprägt.

Wann keimte der Wunsch auf, Trainer zu werden?

Sehr früh. Denn schon als Spieler war mir klar, dass ich Trainer werde.

Sie sind nun 47 Jahre alt. Wann arbeiten Sie wieder als Cheftrainer?

Das ist immer ein Thema. Aber es hängt davon ab, in welchem Club man beschäftigt ist und was dort für Möglichkeiten bestehen. Wenn man in Leverkusen Vierter wurde, sich für die Champions-League qualifiziert, dann ist es schwer nachvollziehbar, warum der Vertrag aufgelöst wird. Ähnlich war es in Stuttgart, meiner zweiten Station als Cheftrainer. Außerdem habe ich mein Schicksal zumeist mit dem des jeweiligen Cheftrainers verknüpft und bin ebenfalls gegangen, wenn er entlassen wurde. Es war immer meine Art, zum Cheftrainer zu stehen. Immerhin habe ich die gesamte Arbeit mitgetragen.

Wären Sie nicht prädestiniert gewesen, in die Fußstapfen Ihrer geschassten Chef-Trainers zu treten?

Nein, für mich ist es wichtig, dass der Cheftrainer die Rückendeckung des Co-Trainers spürt. Genau das würde ich im umgekehrten Falle auch verlangen. Und für mich war es immer eine klare Sache, dann ebenfalls zu gehen. Das ist eine Frage des Respekts.

Schreckt Sie das Beispiel Michael Henkes ab, der jahrelang als treuer und erfolgreicher Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld galt, als Cheftrainer jedoch bislang keinen Erfolg hatte?

Abgeschreckt bin ich nicht, schließlich weiß ich nichts über die Umstände. Weder über das damalige Umfeld in Kaiserslautern, noch zuletzt in Saarbrücken. Vielleicht konnte er nicht umsetzen, was er im Kopf hatte. Seinen Fall kann ich nicht gut beurteilen.

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