17.12.2006

Wolfgang Rolff über große Siege

»Ein Team braucht Sauhunde«

Wolfgang Rolff hat viele Mannschaften dazu gebracht, über sich hinauszuwachsen – so wie heute an der Seite Thomas Schaafs den SV Werder Bremen. Im Gespräch erzählt er, wie es ist, ein Leitwolf zu sein.

Interview: Andre Tucic Bild: Imago
Wolfgang Rolff über große Siege
In Ihrer Laufbahn gab es einige Glanzlichter. Unter anderem den Sieg im Europapokal der Landesmeister 1983 mit dem HSV, Vize-Weltmeister 1986 und den UEFA-Pokalsieg 1988 mit Leverkusen. Welches war Ihre schönste Profi-Station?

Das Double mit dem HSV war phantastisch. So etwas mitzuerleben ist natürlich toll. Aber nahezu alle Stationen waren erfolgreich. Ganz gleich ob Bremerhaven, Fortuna Köln, Straßburg, HSV, Leverkusen oder Karlsruhe. Wenn es nicht gut lief, lag es zumeist an Verletzungen - zum einen in Uerdingen unter Horst Wohlers, zum anderen beim 1. FC Köln unter Morten Olsen.

Verletzungen, von denen Sie aber weitestgehend verschont geblieben sind.

Ja, zum Glück hatte ich nie etwas mit den Knien. Sonst das Übliche: Schulterverletzungen, eingeklemmte Nerven, Sprunggelenks- und Oberschenkel-Verletzungen, ein angebrochenes Wadenbein.



Es ist auffällig, dass Sie in vielen legendären Teams gespielt haben. So auch von 1991 bis 1994 beim KSC.

Das war eine Riesen-Zeit. Damals haben wir sicherlich ein Stück weit Geschichte geschrieben, vor allem beim 7:0 gegen Valencia.

Wir haben neulich mit Euro-Eddy und Jörg Dahlmann über das legendäre Spiel gegen die Spanier gesprochen. Und immer wieder ist der Name Wolfgang Rolff gefallen.

Zum Zeitpunkt des Spiels befand sich der KSC personell im Umbruch. Es wurden Spieler geholt, die bei ihren vorigen Vereinen nicht so erfolgreich waren – Manni Bender, Sergeij Kirjakov oder Valeri Schmarov zum Beispiel. Und bei vielen jungen Spielern, die mit dem KSC noch in die Bundesliga aufgestiegen sind, war lediglich der Klassenerhalt das Ziel. Ich hingegen habe behauptet, wir würden oben mitspielen. Anfangs wurde ich daher für verrückt erklärt. Am Ende waren wir spielerisch richtig gut, was man vor allem bei dem Spiel gegen Valencia gesehen hat.

Waren Sie es, der dem Team den nötigen Willen eingeimpft hat?

Ja, aber es hat ein halbes bis dreiviertel Jahr gedauert, bis die Mannschaft daran geglaubt hat – letztlich hat es funktioniert. Und was unter dem Strich dabei herauskam, ist bekannt: Wir haben eine phänomenale UEFA-Cup-Runde hingelegt, rund zweieinhalb Jahre im oberen Drittel der Bundesliga mitgemischt und hatten nichts mit dem Abstieg zu tun. Beispielsweise hat Bayern München zu meiner Zeit kein mal in Karlsruhe gewonnen.

Und Sie waren damals Kapitän. So wie in nahezu all Ihren Stationen.

Ich war überall Kapitän, wenn ich das mal so sagen darf (lacht) ...

Überall?

Fast überall. Bei Fortuna Köln als 19-jähriger Junioren-Nationalspieler, dann beim HSV Ersatz-Kapitän für Felix Magath und Dietmar Jacobs. In Uerdingen und Straßbourg habe ich dann wiederum die Binde getragen. In Karlsruhe dann nur noch mit Abstrichen, weil ich zu Winnie Schäfer sagte, dass ich nicht unbedingt Kapitän sein muss, um mich in die Mannschaft einzubringen – ich werde ohnehin sagen, was ich zu sagen habe. Genauso war es beim FC Köln, da war ich Ersatz-Kapitän.

Sie gelten als ruhiger Mensch. Wie kommt es, dass ein solcher Spielertyp sofort zum Leitwolf wird?

Meistens geht es über Leistung und die damit verbundene Anerkennung. Wenn die über einen langen Zeitraum abgerufen werden kann, ist man prädestiniert für eine Führungsrolle. So habe ich das in meiner gesamten Laufbahn erfahren.

Aber als 19-jähriger?

Ich war Junioren-Nationalspieler und die Fortuna in der Zweiten Bundesliga. Man hat es mir halt zugetraut.

Wer hat Ihnen die Leader-Mentalität mitgegeben oder trägt man diese Eigenschaft in sich?

So etwas entwickelt sich im Laufe der Zeit. Das A und O ist der Hunger nach Erfolg. Und ich wollte schon als 19-jähriger nach oben. Diese Mentalität hat mir geholfen, mich durchzusetzen. Wenn man dann als Nationalspieler und Vize-Weltmeister nach Karlsruhe, Leverkusen oder Straßburg wechselt, hat man einen gewissen Background, der für jüngere Spieler, aber auch den Trainer für wichtig ist.

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